Samstag, 4. Februar 2012

King Kong – Das Musical

„King Kong – Das Musical“ – nach dem Roman von Delos Wheeler Lovelace; Musik, Liedtexte und Musikalische Leitung: Paul Graham Brown; Buch, deutsche Fassung und Regie: James Edward Lyons; Choreografie: Tim Zimmermann, Ilka Metzner; Ausstattung: Olga Lunow, Bernd Julius Arends. Darsteller: Katharina Koch (Ann Darrow), Bernd Julius Arends (Filmregisseur Carl Denham) und Harald Tauber (Seemann Jack Driscoll). Uraufführung: 28. August 2009, Kleines Theater am Südwestkorso, Berlin. Premiere: 3. Februar 2012, KATiELLi Theater, Datteln.



„King Kong – Das Musical“


Der Riesenaffe auf der Bühne des KATiELLi Theaters


Katharina Koch (Ann Darrow) und Bernd Julius Arends (Carl Denham)
Foto: Ilona Voss


„King Kong und die weiße Frau“ (Originaltitel „King Kong“) ist als tricktechnisch brillanter Monster-Film sicher einer der Klassiker des Genres. Bei den Dreharbeiten zu dem am 2. März 1933 uraufgeführten Film wurde erstmals das von Willis O´Brien entwickelte Trickfilmverfahren der Miniaturprojektion sowie seine Stop-Motion-Technik (Animation unbeweglicher Gegenstände durch Einzelbildbelichtung) angewendet. Heute wird die Stop-Motion-Technik in Spielfilmen meist durch Computeranimationen ersetzt.

Katharina Koch (Ann Darrow) und Bernd Julius Arends (Carl Denham)
Foto: Ilona Voss


Filmregisseur Carl Denham reist mit seiner Filmcrew auf dem Frachtschiff Venture zur entlegenen Insel Skull Island vor der Küste Sumatras, um dort seinen neuesten Film zu drehen. Bei der Ankunft auf der Insel halten die Ureinwohner gerade eine Zeremonie ab, bei der sie dem als Gott verehrten gigantischen Gorilla Kong eine junge Frau opfern wollen. Bei den Dreharbeiten wird Denhams blonde Hauptdarstellerin Ann Darrow von King Kong entführt. Nachdem Jack Driscoll, der Erste Offizier der Venture, das Mädchen aus seinen Fängen retten kann, gelingt es, das Monster zu fangen und nach New York zu schaffen. Bei der Präsentation in einem Theater reißt sich King Kong aber los und flieht mit Ann durch das Großstadtlabyrinth auf das Empire State Building, wo er schließlich tödlich verwundet wird und in die Tiefe stürzt. Delos Wheeler Lovelace verfasste die Romanumsetzung, die noch vor Veröffentlichung des Films im Dezember 1932 zur Verkaufsförderung auf den Markt gebracht wurde.

Harald Tauber (Jack Driscoll)
Foto: Ilona Voss


Paul Graham Brown (Musik und Liedtexte) und James Edward Lyons (Buch und deutsche Fassung) haben sich der Geschichte um den gigantischen Gorilla Kong angenommen und sie zu einem Musical für drei Darsteller in den Rollen von Ann Darrow, Carl Denham und Jack Driscoll und einen Musiker verarbeitet, die auf den Riesenaffen Kong treffen. Am 28. August 2009 erlebte das Musical seine Uraufführung am Kleinen Theater am Südwestkorso in Berlin. Nun zeigt Theaterbesitzer Bernd Julius Arends gut ein Jahr nach Eröffnung seines KATiELLi Theaters am 20. November 2010 im ehemaligen Lichtburg-Kino in Datteln „King Kong – Das Musical“ als zweite eigene Musicalproduktion – nach „tick, tick… BOOM!“ im April 2011. Rückblickend auf das erste Jahr war es für Bernd Julius Arends ein guter Start, wobei sich das abwechslungsreiche Programm in seinem familiärem Theater noch gar nicht überall herumgesprochen hat.

Katharina Koch (Ann Darrow) und Bernd Julius Arends (Carl Denham)
Foto: Ilona Voss


Natürlich ist weder das Trickfilmverfahren der Miniaturprojektion noch die Stop-Motion-Technik auf der Theaterbühne einsetzbar, wie soll also „King Kong“ auf die kleine Bühne des KATiELLi Theaters kommen? Ein gigantischer Gorilla? Seien Sie versichert, es funktioniert prächtig, und auch die Zuschauer sind begeistert. Nun setzt das Musical „King Kong“ weniger auf Spezialeffekte als vielmehr auf die Zeichnung der beteiligten Personen und deren Beziehung untereinander. Da wäre zunächst der Filmregisseur Carl Denham (gespielt von Bernd Julius Arends), der auf der Suche nach potentiellen Geldgebern vielleicht doch nicht ganz den richtigen Ton erwischt und von den Produzenten „Her mit den Moneten“ fordert. Selbstbewusst verspricht er einen Kassenschlager, doch niemand springt auf seine Vision an, so dass er ganz auf sich selbst gestellt ist. Da kommt ihm die blonde Schauspielerin Ann Darrow (gespielt von Katharina Koch) gerade recht, der nach einem verpatzten Casting („Woher soll ich denn wissen, dass Mutter Courage kein Musical ist?“) das Wasser bis zum Hals steht. Im Restaurant wird man sich schnell handelseinig, auch wenn Denham ihr zunächst den Inhalt seines Films verheimlicht, stattdessen werden der in Aussicht gestellt Ruhm und ein Schnitzel zum ausschlaggebenden Argument. Der Dritte im Bunde ist Seemann Jack Driscoll (gespielt von Harald Tauber), der Carl Denham, dessen Ausrüstung und natürlich dessen Hauptdarstellerin Ann Darrow nach Skull Island bringen soll. Der ist überhaupt nicht davon begeistert, mit ungewissem Ziel aufzubrechen, obendrein mit einer Frau an Bord. Seine Ressentiments gegenüber dem nur auf seinen Film bedachten Regisseur verstärken sich weiter, als er Ann bei Dreharbeiten aus einer scheinbar bedrohlichen Situation rettet und schließlich das geheimnisumwitterte Ziel der Reise gewahr wird.

Bernd Julius Arends (Carl Denham)
Foto: Ilona Voss


„Und was ist mit dem gigantischen Gorilla King Kong?“ werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Den gibt es im Musical auch, schließlich dreht sich die Geschichte ja auch irgendwie um ihn. Aufgrund seiner gigantischen Ausmaße sieht man ihn natürlich niemals vollständig auf der Bühne, soviel sei an dieser Stelle verraten … aber lassen Sie sich doch einfach einmal überraschen. Die Illusion ist jedenfalls großartig. Als Ann auf Skull Island von King Kong verschleppt wird, entwickelt sie schließlich auch Gefühle für das Monster: „Die meisten Männer, die ich kennen gelernt habe, waren ganz gewöhnliche Affen.“ Jack Driscoll hat sich ebenfalls in Ann verliebt und tut alles, um sie aus der Gewalt des Gorillas zu befreien. Doch auch er lässt sich zu Denhams Handlanger machen und hilft diesem, King Kong zu fangen und nach New York zu schaffen, wo es schließlich zum Showdown kommt. Am Ende bleiben nur Ann und Jack auf der Spitze des Empire State Buildings mit ihrem Statement „Jetzt sind wir mal dran!“

Bernd Julius Arends (Carl Denham), Katharina Koch (Ann Darrow) und Harald Tauber (Jack Driscoll)
Foto: Ilona Voss


James Edward Lyons hat bereits die Uraufführung des Kammermusicals am Kleinen Theater am Südwestkorso in Berlin inszeniert, die er nun für die Bühne des KATiELLi Theaters adaptiert hat. Geradlinig erzählt er mit nur drei Darstellern die Handlung, und erzielt dabei auch ohne Spezialeffekte die gewünschte Wirkung. Mit Einfallsreichtum werden die unterschiedlichen Handlungsorte in Szene gesetzt, ein großer, schwarzer Kasten auf Rollen verwandelt sich fortlaufend vom Bühneneingang zum Stehcafe, vom Restaurant zur Schiffskabine, vom „Krähennest“ zum Tor der Mauer auf Skull Island … und wird zum Ende auf die Seite gekippt und bildet so die Spitze des Empire State Buildings. Bei der Ankunft auf Skull Island übernehmen die Darsteller gleichzeitig die Rolle der wild tanzenden Ureinwohner (Choreografie: Tim Zimmermann). Bei den bizarren Masken und entsprechenden Kostümteilen auf dem Rücken (Kostüme: Olga Lunow) und wechselseitigem Agieren der Darsteller mit der Vorderseite als Ann, Carl und Jack und dem Rücken als Ureinwohner zum Publikum kann man sich vor Lachen kaum noch halten. Paul Graham Brown bringt seine Partitur mit eingängigen Melodien im KATiELLi Theaters selbst am Keyboard zu Gehör. Neben den an Musikbegleitung bei Stummfilmen erinnernden Passagen ist der Tango Argentino in der Szene unbedingt erwähnenswert, in der sich Ann Darrow und Carl Denham im Restaurant handelseinig werden. Dabei darf natürlich auch die entsprechende Choreografie (Ilka Metzner) nicht fehlen.

Katharina Koch (Ann Darrow), Bernd Julius Arends (Carl Denham) und Harald Tauber (Jack Driscoll)
Foto: Ilona Voss


Die drei Darsteller agieren mit viel Spielfreunde. In dem kleinen Theater mit 114 Plätzen spürt man hautnah, dass ihnen das Stück selbst offenbar auch großen Spaß macht. Katharina Koch spielte die Rolle der Ann Darrow bereits bei der Uraufführung in Berlin. Zu Beginn stolpert sie zunächst als naive Blondine aus dem Bühneneingang und lässt sich leicht vom in Aussicht gestellten Ruhm beeindrucken. Mit ihrem angsterfüllten Schrei bei den Dreharbeiten kann sie nicht nur Carl Denham und Jack Driscoll, sondern auch das Publikum überzeugen. Die Ereignisse lassen sie jedoch ihr Handeln reflektieren, schließlich ist sie nicht mehr um jeden Preis auf ihre eigene Karriere bedacht. Bernd Julius Arends verkörpert glaubhaft den skrupellosen Regisseur Carl Denham, der von der Idee besessen ist, dem Publikum eine Sensation präsentieren zu müssen. Er muss mit seiner Kamera um jeden Preis alles ablichten, komme was wolle. Harald Tauber gibt den Seemann Jack Driscoll zu Beginn eher verhalten, der hat aber sein Herz am richtigen Fleck, verliebt sich in Ann Darrow und ist bereit, alles für sie zu tun, wodurch er zum Sympathieträger wird. Alle drei können auch gesanglich sowohl solistisch als auch im Duett oder Terzett überzeugen. Das Publikum im bei der Premiere ausverkauften KATiELLi Theater war begeistert und bedankte sich bei den Darstellern und dem Team mit Stehapplaus.

Katharina Koch (Ann Darrow)
Foto: Ilona Voss


„King Kong – Das Musical“ ist auch am KATiELLi Theater eine Entdeckung wert! Das Kammermusical steht noch bis 19. Februar 2012 jeweils freitags, samstags, sonntags und am 16. Februar 2012 auch am Donnerstag auf dem Spielplan. Karten können unter der Rufnummer 0177 9776356 reserviert werden. Bleibt zu wünschen, dass das Stück auch für Theaterbesitzer Bernd Julius Arends ein Kassenschlager wird – wie seinerzeit „King Kong und die weiße Frau“ für das amerikanische Filmproduktionsunternehmen RKO Pictures Inc.

Katharina Koch (Ann Darrow)
Foto: Ilona Voss


Haben Sie selbst „King Kong – Das Musical“ schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

1 Kommentar:

karl Hölscher hat gesagt…

Ich komme gerade aus dem Katielli und habe das Musical "King Kong" genossen. Den Bernd Julius Arens kann ich nur bewundern und gratulieren , für so tolle Stücke die er für sein Theater aussucht , das haben nicht nur wir Dattelner verdient zu sehen sondern auch alle Oer- Erkenschwicker , Waltroper, Castroper, Recklinghäuser , Halterner, Olfener im Grunde das ganze Ruhrgebiet . ich kann nur raten besucht das " Katielli " es muss uns lange erhalten bleiben !