Die Ruhrikone Thyssenkrupp wankt, ihr Stahlbereich kämpft ums Überleben. Ganz anders trat Mannesmann im Jahr 2000 in Düsseldorf auf – die Transformation von einer Montangesellschaft zu einem Konzern mit attraktiven Geschäften war gelungen. So begehrenswert, dass vor 25 Jahren nach hartem Abwehrkampf Mannesmann wegen des Geschäftes Telekommunikation für den astronomisch hohen Preis von 350 Milliarden DM von der britischen Vodafone-Gesellschaft übernommen wurde.
Cover „Mannesmann ging voran. Aufstieg und Übernahme“
Erfolg war tatsächlich die DNA von Mannesmann und ist im Buch „Mannesmann ging voran“ der rote Faden des Autors Joachim Rauhut, eines ehemaligen Konzernvorstands. Startend in der Wirtschaftswunderzeit beschreibt er die Strategien der Diversifizierung weg vom Ursprung Stahl und Röhren in Maschinenbau, Fahrzeugtechnik sowie Telekommunikation. Im Wettbewerb mit anderen Unternehmen wird das „voran“ mit klügeren Schritten und besseren Zukäufen geschildert, auch gerade mit Blick auf die Montanfirmen Hoesch, Krupp und Thyssen. Zum Schluss erzählt er mit eigenem Erleben und neuen Details vom immer wertvoller werdenden Mannesmann-Konzern und über den gescheiterten Abwehrkampf gegen den Übernehmer Vodafone. Am 22. August 2001 fand die letzte Hauptversammlung der Mannesmann AG statt, auf der auch die Umfirmierung in Vodafone beschlossen wurde.
Mannesmann-Hochhaus am Düsseldorfer Rheinufer
Mit dem Blick eines Managers nennt Joachim Rauhut konkret die Gedanken und Aktionen der verantwortlichen Vorstände – fast miterlebend, als säße man zusammen. Erfolge und Misserfolge werden zum Teil sehr direkt geschildert. Einige Ereignisse sind bisher unbekannt und in ihrer Bedeutung brisant. Drei Beispiele verdeutlichen dies:
● Warum das Montanunternehmen Hoesch unter Detlev Rohwedder die von Werner Dieter angebotene Chance verpasste, seine Stahlerzeugung kostengünstig an den Rhein zu verle-gen und für dieses Versäumnis mit seiner Übernahme schwer bezahlte.
● Welchen Buchhaltungswunsch des italienischen Olivetti Unternehmens der spätere Konzernführer Klaus Esser schlagfertig nutzte, um in Italien mit streng geheimer Klausel Mannesmann zum integrierten Telekommunikationsanbieter zu machen.
● Warum IG Metall Boss Klaus Zwickel pflichtwidrig als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Mannesmann mit ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme den Börsengang des Mannesmann-Industriegeschäfts hintertrieb und wie Kanzler Gerhard Schröder dies kurzerhand unterstützte.
Mannesmann-Hochhaus am Düsseldorfer Rheinufer
„Die Übernahme von Mannesmann war eine nationale Katastrophe“, sagte der langjährige Unternehmenschef Werner Dieter viele Jahre später im Rückblick. Da hat er recht, denn der Sitz von Unternehmen und die Strategien veränderten sich deswegen. Wahr ist, dass zwei starke ehemalige Mannesmann-Unternehmen Telekommunikation und Industrie mit Sitz in Düsseldorf dieser Region gutgetan hätten.
„Große Mannesmann“ von Norbert Kricke, 1990
Der Autor:
Joachim Rauhut, promovierter Diplom-Wirtschaftsingenieur, begann seine Berufstätigkeit 1982 in der Mannesmann-Tochter Demag. Nach verschiedenen Aufgaben im In- und Ausland wurde er 1999 Mannesmann-Finanzvorstand bis zur Übernahme durch Vodafone. Im Jahr 2001 setzte er seine Berufstätigkeit im Vorstand der Wacker Chemie und zuletzt in Aufsichtsräten fort.
„Ein seltsam klassisches Denkmal“ (2021) von Claus Richter auf der Apollowiese. Die vier Figuren symbolisieren alle Spektren sexueller Ausrichtung. Im Hintergrund das Mannesmann-Hochhaus
„Mannesmann ging voran. Aufstieg und Übernahme“ von Joachim Rauhut, Klartext Verlag, Essen, 2024
Fester Einband, 332 Seiten, 23,0 × 16,0 cm, 8 Abbildungen
Erscheinungsdatum 11. November 2024, ISBN 978-3-8375-2680-6
€ 29,95 [D] / € 31,50 [A] / CHF 34,80
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