„Monty Python’s Spamalot“ – nach dem Film „Monty Python and the Holy Grail“/„Die Ritter der Kokosnuß“ (1975); Musik: John Du Prez, Eric Idle; Buch und Liedtexte: Eric Idle; Deutsche Bearbeitung: Daniel Große Boymann; Deutsche Dialoge und englische Songs mit deutschen Übertiteln; Regie: Roland Hüwe; Choreografie: Eric Rentmeister; Bühne, Kostüme: Lena Brexendorff; Dramaturgie: Rebecca Graitl; Musikalische Leitung: Steffen Müller-Gabriel. Darsteller: Rainer Zaun (König Artus, König von England), Carolin Soyka (Fee aus dem See), Alexander von Hugo (Patsy, der Knappe von König Artus/
„Monty Python’s Spamalot“
Musicalischer schwarzer Humor am Theater Hagen
„Monty Python’s Spamalot“, Theater Hagen, Florian Soyka (Sir Dennis Galahad), Alexander von Hugo (Patsy) und Rainer Zaun (König Artus). Foto: Björn Hickmann
Basierend auf dem Spielfilm „Die Ritter der Kokosnuß“ – Originaltitel „Monty Python and the Holy Grail“ – der britischen Komikergruppe Monty Python (Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin) aus dem Jahr 1975 folgt das Musical sehr frei der Legende um König Artus und den Rittern der Tafelrunde auf ihrer Suche nach dem heiligen Gral. Nach Previews am Shubert Theatre in Chicago wurde es am 17. März 2005 im Shubert Theatre am Broadway uraufgeführt und bis 11. Januar 2009 in 1.575 Vorstellungen gezeigt. Die Produktion war 2005 für 14 Tony Awards nominiert, wovon es drei Auszeichnungen in den Kategorien „Best Musical“, „Best Performance by a Featured Actress in a Musical“ an Sara Ramirez (Lady of the Lake) und „Best Direction of a Musical“ an Mike Nichols tatsächlich gewonnen hat. Am Londoner West End feierte das Stück am 17. Oktober 2006 am Palace Theatre seine europäische Erstaufführung und wurde dort bis 3. Januar 2009 gespielt. Seither wird das Stück weltweit erfolgreich gezeigt, die deutschsprachige Erstaufführung ging am 20. Januar 2009 im Musical Dome Köln über die Bühne. Ursprünglich war die Premiere von „Monty Python’s Spamalot“ am Theater Hagen bereits am 28. November 2020 vorgesehen, aber daraus wurde aufgrund der COVID-19 Pandemie nichts, und so wird das Musical nun in der laufenden Spielzeit für immunisierte Zuschauer und Personen, die einen negativen PCR-Test nachweisen können (3G+ Regel), aufgeführt.
„Monty Python’s Spamalot“, Theater Hagen, Carolin Soyka (Fee aus dem See), Ensemble. Foto: Björn Hickmann
Das Musical „Monty Python’s Spamalot“ besteht aus einer Abfolge von einzelnen, in sich abgeschlossenen Sketchen, die durch eine Rahmenhandlung lose zusammengehalten werden, eben der Legende um König Artus und den Rittern der Tafelrunde auf ihrer Suche nach dem heiligen Gral, der schließlich unter einem Sitz im Auditorium gefunden wird und dem darauf sitzenden Zuschauer einen Bühnenauftritt beschert. König Artus und sein treu ergebener Knappe Patsy begeben sich zunächst auf die Suche nach tapferen Rittern und werden dabei von der Fee aus dem See unterstützt, indem sie den Bauern Dennis aus der Unterschicht in Sir Galahad verwandelt. Der völlig furchtlose, blutrünstige Sir Lancelot, der tapfere Sir Robin, der eigentlich ein großer Feigling ist, und der ein wenig unbeholfene Ritterlehrling Sir Bevedere vervollständigen die illustre Tafelrunde. Nach einem Abstecher in das Sündenbabel Camelot werden sie von niemand geringerem als Gott persönlich ermahnt, den heiligen Gral zu finden. Dabei müssen sie an der Burg von Guy de Lombard den Spott der französischen Soldaten über sich ergehen lassen, und beim Versuch, die Burg mithilfe des trojanischen Hasen zu erobern, versäumen sie, vorher in den Hasen zu steigen. Selbst als der Schwarze Ritter im Kampf bereits sämtliche Extremitäten verloren hat, stellt er sich ihnen noch immer mutig in den Weg. Als sie den Rittern, die immer Ni sagen, begegnen, verlangen diese von König Artus und den Rittern der Tafelrunde, dass sie ein Musical schreiben und an einem deutschen Stadttheater aufführen sollen, aber kein Andrew-Lloyd-Webber-Musical. Aber wie Sir Robin weise bemerkt, habe ein Musical keinen Erfolg wenn es nicht vom Broadway komme. Sie besiegen das Kaninchen des Todes mit der Heiligen Granate und retten den unglücklichen Prinzen Herbert, der nicht singen darf. Zu guter Letzt erfährt König Artus, dass die Fee aus dem See eigentlich Guinevere heißt und ihn ebenso liebt wie er sie.
„Monty Python’s Spamalot“, Theater Hagen, Alexander von Hugo (Patsy), Matthias Knaab (Sir Robin), John Wesley Zielmann (Sir Lancelot) und Rainer Zaun (König Artus). Foto: Björn Hickmann
„Monty Python’s Spamalot“ parodiert nicht nur andere Musicals, zur Freude der Zuschauer wird wie schon im zugrunde liegenden Spielfilm nichts und niemands von Monty Python’s schwarzem Humor verschont. Regisseur Roland Hüwe hat „Monty Python’s Spamalot“ am Theater Hagen nahezu vollständig mit Ausnahme von Richard von Gemert mit Gästen inszeniert, wobei die aus der Originalinszenierung von Mike Nichols bekannten Sketche teilweise modifiziert wurden. So wurde beispielsweise der „Fisch Schlapping Song“ in eine finnische Saunalandschaft verlegt. Als die Ritter, die immer Ni sagen, von König Artus und den Rittern der Tafelrunde verlangen, dass sie ein Musical schreiben sollen, das vom Broadway kommt, sonst interessiere es nämlich keine Sau, und erfolgreich an einem deutschen Stadttheater aufführen sollen, erscheinen eine Katze aus „Cats“, Mary Poppins aus dem gleichnamigen Disney-Musical, das Phantom aus „Das Phantom der Oper“, Mufasa aus „The Lion King“, Elphaba aus „Wicked“ und ein Travestie-Künstler aus „La Cage aux Folles“ auf der Bühne, und auch den Flaschentanz aus „Fiddler on the Roof“ gibt es in Hagen mit Kristallschalen anstelle von Flaschen zu sehen. Die Stimme Gottes bekommt in Hagen durch eine Video-Einspielung das Gesicht von Ron Hank aka Helge Schneider. Die temporeichen Choreografien von Erik Rentmeister sorgen für zusätzlichen Schwung und Broadway-Flair. Ausstatterin Lena Brexendorff hat für jede Szene die ansprechenden Kostüme entworfen, ein bunter Stilmix überrascht immer wieder auf Neue. Weder bei den Kostümen noch bei der optischen Gestaltung der Schauplätze spielt das Mittelalter im Jahr 932 eine Rolle, in der die Handlung angesiedelt ist. Alles wird kunterbunt gemixt, übertrieben und nimmt häufig groteske Züge an. Das Gesicht des fahrenden Sängers wird von einem großen offenen Mund umrahmt, die Ritter, die immer Ni Sagen, kommen als große zottelige Wesen daher. Grellbunte Regenbogenanzüge und auch von männlichen Darstellern getragene gelbe Cheerleading Kostüme mit grünen Perücken und Pompons stehen neben einem eher nachlässigen Ritterlook. Die Fee aus dem See trägt Glatze mit einem Korallenkamm und betritt auf einem Meerungeheuer die Bühne. Diese besteht im Wesentlichen aus zwei bespielbaren Türmen einer angedeuteten mittelalterlichen Burg. Durch den Einsatz der Drehbühne wird der Blick auf unterschiedliche Räume frei, die sich auf der offenen Rückseite der Burg befinden. Oft verändern teils grelle Lichtstimmungen die Atmosphäre und verleihen der Burg ein immer neues Aussehen. Die eingängige Partitur von John Du Prez und Eric Idle, in der „Always look on the bright sight of life“ aus „Das Leben des Brian“ (Originaltitel „Monty Python’s Life of Brian“) sicherlich der bekannteste Song sein dürfte, wird in Hagen in der vom Verlag vorgesehenen 14-köpfigen Instrumentalbesetzung unter der Musikalischen Leitung von Steffen Müller-Gabriel mit erfreulich vollem Klang zu Gehör gebracht.
„Monty Python’s Spamalot“, Theater Hagen, Rainer Zaun (König Artus) und Carolin Soyka (Fee aus dem See). Foto: Björn Hickmann
Mit Ausnahme von Rainer Zaun als gedankenverlorener König Artus und Carolin Soyka als Fee aus dem See verkörpern alle Darsteller in „Monty Python’s Spamalot“ eine Vielzahl von Rollen. Alexander von Hugo (Patsy, der Knappe von König Artus/
„Monty Python’s Spamalot“, Theater Hagen, Rainer Zaun (König Artus), Carolin Soyka (Fee aus dem See), Ensemble. Foto: Björn Hickmann
„Monty Python’s Spamalot“ bietet auch am Theater Hagen urkomische, kurzweilige Unterhaltung. Die Akteure wurden nach etwa zweieinhalbstündiger Vorstellung mit langanhaltendem, begeistertem Stehapplaus gefeiert. Die Musical Comedy steht mit insgesamt 7 Vorstellungen bis 12. Februar 2022 am Theater Hagen auf dem Spielplan.
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