Samstag, 17. Mai 2014

Jenseits des Regenbogens auf Zeche Bergmannsglück

Musical-Combo meets mining history

Überreste der Übertageanlagen der Zeche Bergmannsglück

Die Steinkohlenförderung auf Zeche Bergmannsglück in Gelsenkirchen-Buer wurde bereits 1961 eingestellt, die Förderanlagen wurden komplett abgebrochen, Torgebäude und einige Nebengebäude waren aber erhalten geblieben, darunter das 1911 errichtete Fördermaschinenhaus zu Schacht 2. Bis Anfang diesen Jahres… doch nun dürften die Überreste der Übertageanlagen so manchem ehemaligen Kumpel die Tränen in die Augen treiben. Lediglich das denkmalgeschützte Fördermaschinenhaus und das Zechenschalthaus sollen erhalten bleiben. Doch hier soll es nicht um die Geschichte von Bergmannsglück 1/2 gehen, obwohl ich gestehen muss, dass es auch mich gereizt hätte, durch die Überreste zu stapfen und zu schauen, was dort aus über einem Jahrhundert Berbaugeschichte noch zu finden ist…

Musical-Combo 2014

Einer Legende nach befindet sich am Ende des Regenbogens ein Schatz aus Gold, auch das „Schalthaus Bergmannsglück“ lässt sich von der augenblicklichen Situation nicht unterkriegen und hat an diesem Wochenende die „Bergmannsglücker Festspieltage“ auf die Beine gestellt, allen Absagen von Fördergeldern zum Trotz! Mangels geeignetem Veranstaltungsraum haben sich die Verantwortlichen kurzerhand zu einer Open Air-Veranstaltung entschieden, und auch das Wetter spielte mit, kalendermäßig ließ heute die Sonne nach der „Kalten Sophie“ ihre wärmenden Strahlen auf die Bühne fallen. Die Festspieltage legen ihren Schwerpunkt auf die Jugend, und so waren es Studierende der Studiengänge Musical und Jazz der Folkwang Universität der Künste, die das Festival am Freitagabend mit der Musical-Combo unter dem Motto „Somewhere over the Rainbow“ eröffnet haben.

Jan Nicolas Bastel: „The A Team“ von Ed Sheeran

Bei der Musical-Combo handelt es sich um ein regelmäßiges Projekt des Studiengangs Musical, das die in den einzelnen Fächern erlernten Fähigkeiten zusammenführen und dem Publikum präsentieren soll. Es ist Teil des Studienplans und auch der Abschlussprüfung im Studiengang Musical. Musical-Combo bedeutet, dass Sänger auf eine Combo aus Musikern treffen, die im Studiengang Jazz studieren. Die angehenden Bühnendarsteller lernen in diesem Projekt, Songs mit schauspielerischen und choreographischen Elementen auf der Bühne zu präsentieren. Die Arbeit im Tonstudio gehört ebenfalls zum Lernziel der Lehrveranstaltung. Aus der Bro­schü­re zum zwanzigjährigen Bestehen des Studiengangs Musical an der Folkwang Hochschule erfährt man, dass dieses Projekt aus anfänglichen Jamsessions entstanden ist, die sich ergeben haben, da der Hauptprobenraum der Jazzabteilung unter den ersten Unterrichtsräumen des Studiengangs Musicals untergebracht war. Auch im Studiengang Jazz ist die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Musical ein fester Bestandteil im Ausbildungsprofil.

Richard-Salvador Wolff: „I Wanna Dance with Somebody (Who Loves Me)“ von George Merrill und Shannon Rubicam („Boy Meets Girl“)

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat sich eine Lehrperson der Folkwang Universität im Interview gewünscht – Suchen zwecklos, das Interview wurde nicht online publiziert – das Musical „Floyd Collins“ von Adam Guettel und Tina Landau (Off-Broadway Premiere 9. Februar 1996, Playwrights Horizons, New York City) auf der Zeche Zollverein produzieren zu können, ein hierzulande unbekanntes Stück über den Höhlenforscher William Floyd Collins (* 20. July 1887 in Aburn, Kentucky, † 13. Februar 1925 in Barren County, Kentucky), der am 30. Januar 1925 in einem engen Gang 17 Meter unter der Erdoberfläche eingeschlossen wurde und dort starb. Nun ist Zeche Bergmannsglück nicht das UNESCO-Welterbe Zollverein, aber „How Glory Goes“ auf dem ehemaligen Zechengelände wäre sicher möglich gewesen, auch wenn Aberglaube die Aufführung des kompletten Musicals auf einer Zeche wohl vereiteln dürfte. Aber mit „Over the Rainbow“ von Harold Arlen (Musik) und Edgar „Yip“ Harburg (Text) war im Programm des Rock-Pop-Soul-Abends ja sogar ein Musical-Song vertreten, der ursprünglich für die Verfilmung des Romans „Der Zauberer von Oz“ geschrieben und von der jungen Judy Garland gesungen wurde. Im übrigen präsentierten die Musical-Studierenden des vierten (Tim Al-Windawe, Jan Nicolas Bastel, Yvonne Natalie Forster, Inga Krischke, Vera Anna Marie Weichel, Richard-Salvador Wolff), dritten (Hermann Bedke, Catherine Chikosi, Merlin Fargel, Hanna Mall, Alexander Sasanowitsch, Anna Winter) und zweiten Jahrgangs (Alina Grzeschik, Florentine Kühne, Eva Löser, Karen Müller, Philipp Nowicki, Jan Rogler) Songs aus dem Bereich Rock, Pop und Soul mit einer ausgewogenen Mischung von eher ruhigeren Arrangements und rockigen Songs.

Hanna Mall: „Vivo per lei“ von Gatto Panceri und Valerio Zelli

Die insgesamt 17 Songs wurden solistisch von den Studierenden des dritten und vierten Jahrgangs vorgetragen, unterstützt von ihren KommilitonInnen mit Background-Chören, wobei Hanna Mall „Vivo per lei“ im Duett mit Tim Al-Windawe präsentierte. Vera Anna Marie Weichel ließ es auf ihrer E-Gitarre – wie schon in der Musical Eigenarbeit „Meeting“ – zu ihrem eigenen Song „Never coming back“ mal wieder so richtig krachen, und Hermann Bedke überraschte das Publikum mit dem Song „Дива“ von Henrik Zvi „Svika“ Pick, mit dem Dana International im Hebräischen Original „דיווה“ den 43. Eurovision Song Contest 1998 gewonnen hat. Bei ihren Songs „Goodnight“ von Scott Alan und „Wreck of the Day“ von Anna Nalick wurden Inga Krischke bzw. Yvonne Natalie Forster nicht nur von den Studierenden im Studiengang Jazz unterstützt, sondern zusätzlich von Emily Wittbrodt am Violoncello: „Musical-Combo meets Classic“, interdisziplinäre Zusammen­arbeit at its best.

Vera Anna Marie Weichel: „Never coming back“ von Vera Anna Marie Weichel

Yvonne Natalie Forster: „Wreck of the Day“ von Anna Nalick

Catherine Chikosi: „Missing you“ von Catherine Chikosi

Inga Krischke: „Car Wash“ von Rose Royce

Musical-Combo 2014

Wer die Musical-Combo in diesem Jahr bei der Eröffnung des Folkwang Theaterzentrums und/oder bei den „Bergmannsglücker Festspieltagen“ bisher versäumt hat, am 27. Juni 2014 wird es das Konzert im Theater Oberhausen in voller Länge – und mit dem Chor des Studiengangs Musical – geben, wo bis 22. Juni 2014 auch noch „Into the Woods“ mit den Studierenden des vierten und dritten Jahrgangs gespielt wird.

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