Dienstag, 14. Juni 2011

FreilichtSpiele Tecklenburg: Musical meets Pop

„Musical meets Pop“ – Musikalische Leitung/Gitarre: Klaus Hillebrecht; Percussion: Mäddi Tation, Bass: Dirk Ritz, Keyboard: Fabian Schubert, Keyboard & Programming: ?, Trompete, Fügelhorn: Olaf Krüger, Saxophon, Querflöte, Bassklarinette: Edgar Herzog, Drums: Tim-Ole Hoff. Mitwirkende: Jan Ammann, Marc Clear, Pia Douwes, Filipina Henoch, Sascha Th. G. Krebs, Marc Seitz, Patrick Stanke, Sabrina Weckerlin und Anne Welte. Background Vocals: Jan Altenbockum, Hakan T. Aslan, Ester Mink. 13. Juni 2011, Freilichtbühne Tecklenburg.



„Musical meets Pop“


Die traditionelle Pfingstgala der FreilichtSpiele Tecklenburg


Am Pfingstmontag fand als Auftakt der Saison 2011 im mit 2.320 Plätzen beinahe größten Freilicht-Musiktheater Deutschlands die traditionelle Pfingstgala „Musical meets Pop“ statt, die erstmals bis auf den letzten Platz ausverkauft war. (Anmerkung: Mit einer Zuschauertribüne für bis zu 4.000 Personen ist die Freilichtbühne Ötigheim die größte Freilichtbühne Deutschlands.) Die FreilichtSpiele Tecklenburg können in diesem Jahr auf eine einhundertjährige Geschichte zurückblicken, 1911 wurde der Innenhof der Tecklenburger Burgruine erstmals bespielt. In diesem Jahr stehen die beiden Produktionen „Crazy for you“ von George und Ira Gershwin mit 20 Aufführungen (Premiere am 25. Juni 2011) und „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice mit 18 Aufführungen (Premiere am 29. Juli 2011) auf dem Sommerspielplan. Entsprechend waren Filipina Henoch und Marc Seitz als Bobby Child und Polly Baker aus „Crazy for you“ für die Pfingstgala „gesetzt“, ebenso wie Patrick Stanke, der in diesem Jahr die Rolle des Jesus von Nazareth in „Jesus Christ Superstar“ verkörpern wird. Anders als in den Jahren zuvor wurde bei der Pfingstgala aber nur jeweils ein Song aus den beiden Stücken präsentiert. Bei den weiteren Solisten handelt es sich bis auf eine Ausnahme beinahe schon um „Stammkräfte“, Sascha Th. G. Krebs als „Altgedienter“ war bereits vor 15 Jahren in Tecklenburg als Margred Mead in „Hair“ zu sehen. Jan Ammann (* 25. August 1975 in Billerbeck) gab als Solist sein Tecklenburg-Debut, obwohl es von Billerbeck nach Tecklenburg nicht so weit ist.

Filipina Henoch und Anne Welte


Anne Welte

Eine Neuerung bei den FreilichtSpielen Tecklenburg – zumindest war es mir bisher vollkommen unbekannt – ist das störende Verhalten des Ordnungspersonals während der Aufführung. Da wird im „Prolog“ vom Intendanten darauf hingewiesen, das Essen, Trinken und Rauchen im Zuschauerraum während der Veranstaltung zu unterlassen, um andere Besucher nicht zu stören, aber an keiner Stelle wird darauf hingewiesen, dass mit Störungen durch das Ordnungspersonal zu rechnen ist, das in die Zuschauerreihen läuft, um vermeintliche Videoaufnahmen zu unterbinden. Bei mehr als 80 Zuschauer fassenden Sitzreihen ist dies ein wenig zielführendes Verhalten, stört aber die Zuschauer ungemein. Man sollte sich einfach von dem Gedanken lösen, im Zeitalter modernster Kommunikationstechnik jegliche Mitschnitte einer Darbietung verhindern zu können.

Sabrina Weckerlin


Filipina Henoch

Im ersten Teil wurden traditionell – bis auf eine Ausnahme – Musicalsongs präsentiert, wobei trotz des bereits erwähnten Umstandes, dass nur jeweils ein Song aus „Crazy for you“ und „Jesus Christ Superstar“ präsentiert wurde, nachdrücklich auf „Crazy for you“ aufmerksam gemacht wurde. Die Stepptanzformation „Art Act & tAp dAncer“ aus der Tanzschule Kerstin Albrecht aus Georgsmarienhütte präsentierte nämlich als „Überraschungsgäste“ eine Stepptanzeinlage. Stepptanz kommt beim Publikum immer gut an … das dachte auch schon Stage Entertainment und setzte „42nd Street“ nach nur einem Jahr Spielzeit im Apollo Theater Stuttgart wieder ab. Ob Stepptanzchoreografien in Tecklenburg besser ankommen, wird sich diesen Sommer herausstellen. 46.000 Tickets wollen auch erstmal an den Mann und die Frau gebracht werden.

Pia Douwes


Sascha Th. G. Krebs

Marc Clear präsentierte mit „You raise me up“ des irisch-norwegischen Duos Secret Garden einen populären Titel, der aber in seiner gefühlvollen Interpretation gut in den Musicalblock passte. Beinahe schon ein „Running Gag“ sind Patrick Stankes Bemühungen, sich Songtexte nicht merken zu müssen. Bei „Les Temps de Cathédrales“ aus dem Musical „Notre-Dame de Paris“ (Richard Cocciante, Luc Plamondon) holte er sich ein Mädchen aus dem Publikum und drückte diesem einen Zettel mit dem Songtext in die Hand, um bei Bedarf darauf nachsehen zu können. Wo ich gerade bei Zetteln bin: Die FreilichtSpiele Tecklenburg haben zur diesjährigen Pfingstgala erstmals Programmzettel verteilt, so dass jeder die präsentierten Songs zuordnen konnte. Eine schöne Sache, der andere Veranstalter gern nacheifern dürften.

Stepptanzeinlage der Formation „Art Act & tAp dAncer“


Filipina Henoch und Marc Seitz

Sabrina Weckerlin präsentierte mit „Einsames Gewand“ eine Ballade aus dem Musical „Die Päpstin – Das Musical“, in Tecklenburg natürlich von den Musikern live gespielt. Pia Douwes, die ab Dezember 2011 im Stuttgarter Palladium Theater als Mrs. Danvers im Kunze/Levay Musical „Rebecca“ zu sehen sein wird, stellte mit dem Titelsong eindrucksvoll ihre Interpretation der Haushälterin von Manderley vor. Neben einem soliden „Gethsemane“ von Patrick Stanke kann man Jan Ammanns Interpretation der „Unstillbaren Gier“ wohl als eines der Highlights der ersten Teils der Pfingstgala bezeichnen, die vom Publikum spontan mit standing ovations honoriert wurde.

Marc Clear


Patrick Stanke

Außerdem gab es im ersten Teil der Veranstaltung noch einen zusätzlichen „Werbeblock“, offiziell die Verleihung des „Da Capo Awards“. Leser der Zeitschrift „Da Capo“ wählen ihren Favoriten in verschiedenen Kategorien, insofern ist die Auszeichung Ausdruck dessen, welche Produktion/welcher Darsteller die meiste Sympathie gewinnen konnte. Leider gibt es meines Wissens im deutschsprachigen Raum zur Zeit keine Auszeichnung im Bereich Musical, die von einer kompetenten Fachjury verliehen wird.

Pia Douwes


Jan Ammann und Pia Douwes

Setlist des ersten Teils der Pfingstgala:
  • Marc Clear, Filipina Henoch, Sascha Th. G. Krebs, Marc Seitz, Patrick Stanke, Sabrina Weckerlin und Anne Welte: „Nights on Broadway“ aus „Saturday Night Fever“
  • Anne Welte: „Cabaret“ aus „Cabaret“
  • Patrick Stanke: „Le Temps de Cathédrales“ aus „Notre-Dame de Paris“
  • Sabrina Weckerlin: „Einsames Gewand“ aus „Die Päpstin – Das Musical“
  • Filipina Henoch: „Don´t rain on my parade“ aus „Funny Girl“
  • Pia Douwes: „Rebecca“ aus „Rebecca“
  • Sascha Th. G. Krebs: „This is who you are“ aus „Beethoven´s Last Night“ (Konzeptalbum des „Trans-Siberian Orchestra“, 2000 veröffentlicht)
  • Stepptanzeinlage der „Art Act & Tap Dancer“ aus der Tanzschule Kerstin Albrecht
  • Filipina Henoch, Marc Seitz: „Kann ich bleiben“ aus „Crazy for you“
  • Marc Clear: „You raise me up“ von Rolf Løvland („Secret Garden“) und Brendan Graham (Lyrics)
  • Patrick Stanke: „Gethsemane“ aus „Jesus Christ Superstar“
  • Pia Douwes, Jan Ammann: „Totale Finsternis“ aus „Tanz der Vampire“
  • Jan Ammann: „Unstillbare Gier“ aus „Tanz der Vampire“
  • Alle: „Night Fever“ aus „Saturday Night Fever“

Jan Ammann


Sabrina Weckerlin und Patrick Stanke

Nach der Pause wandte man sich traditionell dem populären Teil des Repertoires zu, wobei sich ruhigere Balladen und Uptempo Nummern gut die Waage hielten. Glücklicherweise ließ sich herannahender Regen zu Beginn des zweiten Teils vom Intendanten wieder vertreiben, indem er Einweg-Regenponchos in den nicht überdachten Bereich des Zuschauerraums warf. Unglaublich – aber es hat funktioniert.

Sabrina Weckerlin und Patrick Stanke


Marc Seitz

Setlist des zweiten Teils der Pfingstgala:
  • Pia Douwes, Sascha Th. G. Krebs: „A Kind of Magic“ (Queen und Roger Taylor)
  • Sabrina Weckerlin, Patrick Stanke: „Falling slowly“ (von Glen Hansard und Markéta Irglová aus dem Film „Once“)
  • Marc Seitz: „I will talk and Hollywood will listen“ (Robbie Williams)
  • Anne Welte: „If I never sing another song“ (Shirley Bassey)
  • Marc Clear, Klaus Hillebrecht: „Hallelujah“ (Leonard Cohen)
  • Sabrina Weckerlin: „Crazy“ (Gnarls Barkley)
  • Jan Ammann, Sascha Th. G. Krebs: „Torn Picture“ (Chris Stader)
  • Pia Douwes: „Man! I feel like a woman!“ (Shania Twain)
  • Patrick Stanke: „Hold the line“ (Toto)
  • Sascha Th. G. Krebs: „Only the Good Die Young“ (Billy Joel)
  • Alle: „Viva La Vida“ (Coldplay)
  • Alle: „(Your Love Keeps Lifting Me) Higher and Higher“ (Jackie Wilson)

Marc Clear und Klaus Hillebrecht


Sabrina Weckerlin

Nach dreieinhalb Stunden ging das Programm der diesjährigen Pfingstgala in Tecklenburg zu Ende. Da in diesem Jahr drei der neun Solisten (Pia Douwes, Patrick Stanke und Sabrina Weckerlin) auch bei der Sommernacht des Musicals in Dinslaken auftreten werden, darf man sehr gespannt sein, ob diese dann dort andere Songs päsentieren werden. Zumindest bei einem Song habe ich da erhebliche Zweifel.

Jan Ammann


Mäddi Tation

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