Mittwoch, 31. Mai 2017

Auf der Duisburger Mercatorinsel geht was

500 Arbeitsplätze und eine neue Parkanlage sollen entstehen

Die Duisburger Hafen AG (duisport) errichtet für DB Schenker ein Logistikzentrum auf der ehemalige Speditionsinsel in Duisburg-Ruhrort, heute Mercatorinsel genannt. Von dort aus wird DB Schenker künftig Einzelteile und Fahrzeug­komponenten für das weltweite Produktionsnetzwerk des Geschäftsfelds Mercedes-Benz Vans der Daimler AG konsolidieren, verpacken und verschiffen. Heute erfolgte der symbolische Spatenstich gemeinsam durch Erich Staake, Vorstandsvorsitzender von duisport, Dr. Thomas Böger, Vorstand Kontraktlogistik/SCM der Schenker Deutschland AG, Dr. Jörg Homering, Daimler AG, Leiter Supply Mercedes-Benz Vans und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link.

duisport hat auf der Mercatorinsel im Ruhrorter Hafengebiet ein rund 100.000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Nutzung beginnt in einem ersten Schritt auf einer Fläche von 50.000 Quadratmetern. Dort wird duisport noch in diesem Jahr einen 25.000 Quadratmeter umfassenden Hallen- sowie ein 1.500 Quadratmeter großen Bürokomplex errichten. Diese werden an DB Schenker vermietet. Nach Fertigstellung aller Bauabschnitte sollen bis zu 500 neue Arbeitsplätze entstehen.

Der Standort liegt in unmittelbarer Nähe bestehender Containerumschlag-Anlagen für den Weitertransport der Daimler-Bauteile. „Wir freuen uns sehr, dass die Daimler AG Bereiche ihrer Teile- und Fahrzeugkomponenten-Logistik jetzt auch über den Duisburger Hafen abwickelt und hierfür mit DB Schenker einen langjährigen Dienstleister der Daimler AG und exzellenten Logistiker beauftragt hat“, sagte Erich Staake. Die Daimler AG ist nach der Volkswagen AG und Audi bereits der dritte Automobilhersteller, der vom Duisburger Hafen Fahrzeug-Einzelteile ins Ausland exportiert. „duisport als wichtigste Logistikdrehscheibe Europas entwickelt sich zu einem Kompetenzzentrum für die Automobilindustrie“, so Erich Staake.

„Echo des Poseidon“ von Markus Lüpertz, 2016

Gleichzeitig soll in Abstimmung mit der Stadt auf der nicht zur Bebauung vorgesehenen Spitze der Mercatorinsel eine 35.000 Quadratmeter große Parkanlage angelegt werden. Darin eingebettet ist zur Ruhrorter Seite eine breite Promenade sowie ein Steiger für Flusskreuzfahrtschiffe. In der Planung ist überdies eine neue Fußgängerbrücke, die die Mercatorinsel mit Ruhrort verbinden soll.

Erich Staake: „Damit schaffen wir ein attraktives Umfeld für unsere Skulptur ,Echo des Poseidon‘ von Markus Lüpertz, der sich zu einem touristischen Publikumsmagneten weit über Duisburg hinaus entwickelt hat. Wir schaffen Arbeitsplätze auf der Mercatorinsel und werten diese gleichzeitig durch die Parkanlage für Bürger und Touristen auf.“

Haniel-Treppe: „Brückenschlag“ von der Friedrich-Ebert-Brücke auf die Mercatorinsel

Bereits am 11. Mai 2010 wurde die Haniel-Treppe als „Brückenschlag“ von der Friedrich-Ebert-Brücke auf die Mercatorinsel eingeweiht, der diese besser an den Hafenstadtteil Ruhrort anbinden sollte. Ein Tor versperrt jedoch womöglich noch immer den Zugang zur Treppe.

Vorschau: Die ExtraSchicht 2017 in Essen

Essen feiert die ExtraSchicht 2017 ganz im Zeichen der „Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017“

Am 24. Juni 2017 präsentiert die Metropole Ruhr zum 17. Mal an 46 Spielorten in 21 Städten ihr geballtes kreatives Potenzial. Zwischen 18 und 2 Uhr zeigen über 2.000 Künstler, was sie drauf haben: atemberaubende Akrobatik, funkensprühende Feuer- und Lasershows, mitreißende Musik sowie einzigartige Führungen und inspirierende Mitmach-Aktionen. Und das alles in industriekultureller Kulisse – in Zechen und Gasometern, auf Hochöfen, unter Tage und in der Luft.

ExtraSchicht KeyVisual 2017. © Ruhr Tourismus GmbH

Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein kommt ein vielfältiges Programm aus Naturexkursionen, Ausstellungen und Bühnenprogramm für Groß und Klein zusammen. Auch die Zeche Carl bleibt dem grünen Thema treu. Neben historischen Führungen laden zahlreiche (Mitmach-)Aktionen rund um die Natur und Umwelt ein.

ExtraSchicht 2012: Blumenwiese im Ehrenhof auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein, Installation von ILLUMINIST

ExtraGrün
Im Zeichen der „Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017“ bietet das UNESCO-Welterbe Zollverein seinen Besuchern einen vielfältigen Programm-Mix aus Naturexkursionen, Ausstellungen, Bühnenprogramm, Performances und hochkarätigen Konzerten. Kunst- und Lichtinstallationen auf der Zeche und Kokerei sowie Mitmachaktionen laden zum Staunen und Entdecken ein. Mit dabei sind unter anderem das Folkwang Tanzstudio & PEARSON-WIDRIG DANCETHEATER, die Physikanten, Evil Flames und Alpcologne. Außerdem gibt es Führungen durch die Übertageanlagen von Zeche und Kokerei und durch den Zollverein Park. Führungen durch die Dauer- und Sonderausstellungen des Ruhr Museums, Mitmachaktionen im Färbergarten Zollverein und eine Green Lounge mit Disco auf dem Dach der Kohlenwäsche runden das Angebot ab. Nicht verpassen sollte man den Straßencircus und das handbetriebene Nostalgie-Karussell. Den Flyer zur ExtraSchicht auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein kann man unter www.zollverein.de/angebote/extraschicht-die-nacht-der-industriekultur herunterladen.

Grüner CARL.
Die Zeche CARL und das Maschinenhaus Essen nehmen ebenfalls die „Grüne Hauptstadt Europas“ zum Thema der diesjährigen ExtraSchicht. Mit Hilfe von zahlreichen Aktionen und künstlerischen Beiträgen werden die Themen Natur, Umwelt und Zukunftsvisionen aufgegriffen.
An den unterschiedlichen Orten auf dem Gelände werden u.a. ein Bergmannsgarten zum Mitmachen (Urban Gardening), ein Upcycling-Workshop, eine Schreib-Ambulanz, eine „grüne“ Geländeführung, Kurzfilme für Groß und Klein und ein Physical Theatre angeboten. Interessantes zur Bergbaugeschichte erfährt man bei den historischen Führungen. Leckere Speisen und Getränke sowie grüne Ruheinseln werden auch nicht fehlen.

ExtraFahrt Linie 107 – Back to the Sixties
Die Linie 107 ist nicht nur die meist frequentierte Linie in Essen und das Wahrzeichen der Industriekultur, sondern auch in der Nacht der ExtraSchicht der Beat(les) Express, der den Spielort UNESCO-Welterbe Zollverein anfährt. Besucher können auf der Fahrt das Lebensgefühl der 60er erleben und hören auf dem Weg zwischen Norden und Süden Klassiker wie „Yesterday“, „Let It Be“ und „Help“.
Am Essener Hauptbahnhof werden die Beatles und die Rolling Stones dann zu neuem Leben erweckt. Die Tribute Band Pete McCartney wird dort spielen und den Besuchern kräftig einheizen. Die Rolling Stones werden von der Band Starfucker gecovert.

Noch bis zum 23. Juni 2017 gibt es die Eintrittskarte zur Nacht der Industriekultur im Ticketvorverkauf zum Preis von 17 Euro (pro Person für alle Besucher ab 6 Jahren), ermäßigt 14 Euro unter www.extraschicht.de, an allen Spielorten der ExtraSchicht 2017, in teilnehmenden Touristinformationen der Metropole Ruhr, in teilnehmenden Kundencentern der Verkehrsunternehmen, an allen DB-Fahrkartenautomaten im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und der Verkehrs­gemein­schaft Ruhr-Lippe, in den DB-Reisezentren und DB-Agenturen in NRW, in allen ADAC Geschäftsstellen in NRW sowie in den LeserLäden und LeserServices der Funke Mediengruppe. Die Karte berechtigt zum Eintritt an allen 45 Spielorten und ist gleichzeitig Fahrschein für alle ExtraSchicht-Shuttle-Busse. Als Kombiticket gilt die Karte für alle Busse und Bahnen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und der Verkehrs­gemein­schaft Ruhr-Lippe und gilt dort ganztägig am 24. Juni 2017 bis 7 Uhr am Folgetag. Somit kann es auch bereits für die Anreise zur ExtraSchicht genutzt werden.

Dienstag, 30. Mai 2017

„Study Garden“ lädt wieder zum Studium im Freien ein

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur hat zur Eröffnung der Skulptur Projekte Münster 2017 ältere Arbeiten restauriert

Kurz vor der Eröffnung der Skulptur Projekte Münster 2017 am 10. Juni laufen auch die Restaurierungsarbeiten an den Skulpturen der vergangenen Ausstellungen auf Hochtouren. Insgesamt 38 Werke sind in Münster geblieben, wovon 21 im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind. Die Skulpturen werden regelmäßig gesäubert und überarbeitet, bei einigen sind jetzt jedoch aufwendigere Maßnahmen nötig gewesen, die das LWL-Museum für Kunst und Kultur anlässlich der fünften Ausgabe der Skulptur Projekte durchgeführt hat.

Dazu gehört der „Study Garden“ (Skulptur Projekte 1987) von Siah Armajani im Garten des Geomuseums der Universität Münster in unmittelbarer Nachbarschaft zum LWL-Museum. Die Sitzgruppe, die zum Studium im Freien einlädt und mit den ehemaligen Bunkeranlagen unter dem Garten - und den späteren Forschungslaboren des Zoologischen Instituts - korrespondiert, wurde aufwendig restauriert und gereinigt. Der umliegende Garten wird von der Uni Münster überarbeitet und neu gestaltet.

Auch das „Brunnenprojekt für Münster“ (Skulptur Projekte 1987) des italienischen Künstlers Guiseppe Penone plätschert nun wieder kontinuierlich auf dem ehemaligen Hörsterfriedhof. Hier musste die gesamte Wasserverteilungsanlage erneuert werden.

Ein weiteres Projekt, das ab diesem Sommer wieder neue Aufmerksamkeit bekommt, ist Matt Mullicans Bodenrelief (Skulptur Projekte 1987) auf dem naturwissenschaftlichen Campus der Universität Münster hinter dem Coesfelder Kreuz. Der Konzeptkünstler platzierte die Bodenskulptur auf der Grünfläche zwischen drei Gebäuden der Universität. Inmitten der quaderförmigen Zweckbauten mit Hörsälen und Laboratorien verlegte er auf einer rechteckigen Rasenfläche 35 Granitplatten, die ein durch Sandstrahl eingraviertes Zeichenmosaik aufweisen.

Zu sehen sind Piktogramme der Elemente, Bilder aus der organischen Evolution, ein Abdruck eines zertrümmerten menschlichen Skelettes, kosmologische Symbole sowie triviale Verkehrs- und Leitzeichen. Heute befindet sich das Gelände im Umbruch, weil die Uni hier mehrere Baumaßnahmen durchführt. Da das Bodenrelief nicht mehr betreten werden darf, hat das LWL-Museum gemeinsam mit dem Künstler eine Wegeführung über einen Holzsteg entwickelt, der um das mittlerweile stark beschädigte Kunstwerk herumführt. Dieser Steg soll die Ästhetik der umliegenden Bauarbeiten aufgreifen und das Werk in die neue Situation des Ortes einbinden. Ab dem 10. Juni werden die Besucher über den Parkplatz an der Corrensstraße 40 auf das Grundstück geleitet.

Auch das im Herbst entfernte Epitaph zum Gedenken an die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff von Ian Hamilton Finlay (Skulptur Projekte 1987) auf dem ehemaligen Überwasserfriedhof wird wieder installiert. Die Pappel, an dem es bis dahin montiert war, musste gefällt werden. Nun wurde ein neuer Baum in direkter Nachbarschaft ausgewählt.

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur hat anlässlich der kommenden Skulptur Projekte den Pavillon von Dan Graham aus dem Jahr 1987 wieder im Schlossgarten aufgestellt.
Foto: LWL/Hanna Neander

Das Museum hat jedoch nicht nur die Skulpturen in der Stadt restauriert und gereinigt: Wie bereits 2007 wurde der spiegelnde, begehbare Pavillon „Oktogon für Münster“ (Skulptur Projekte 1987) von Dan Graham wieder für die Laufzeit der Ausstellung in der südlichen Allee des Schlossgartens aufgestellt. Die Arbeit entwickelte Graham damals in Anlehnung an den formgleichen Musikpavillon von 1929 im Park hinter dem Schloss und griff mit dem besonderen Spiegelglas die Fassade der heutigen LBS auf, die sich in unmittelbarer Nähe befindet.

Während dieses Kunstwerk aus dem Depot geholt wurde, musste ein anderes abgebaut werden: Der „Adler“ (Skulptur Projekte 2007) der amerikanischen Künstlerin Martha Rosler vor dem Eingang der Münster Arkaden an der Rothenburg/Ecke Königstraße hat die Witterung des vergangenen Winters nicht überstanden und musste aus sicherheitstechnischen Gründen demontiert werden. Das LWL-Museum prüft zur Zeit die Möglichkeiten, wie der Adler erhalten werden kann. Jedoch wird der Abguss des Adlers, dessen Original seit 1935 die Fassade des Luftwaffentransportkommandos der Bundeswehr in Münster ziert, diesen Sommer nicht zu sehen sein.

Weitere Hintergrundinformationen zu der „Öffentlichen Sammlung“ in der Stadt gibt es auf der Website www.skulptur-projekte.de.

„Triumph ohne Sieg“ – alternative Fakten vor 2.000 Jahren

Neue Ausstellung über Roms Ende in Germanien im LWL-Römermuseum in Haltern am See

Neun Jahre nach dem erfolgreichen Ausstellungsprojekt zur Varusschlacht „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS – 2000 Jahre Varusschlacht“ wird das LWL-Römermuseum in Haltern am See wieder zum Schauplatz einer besonderen Ausstellung über die Römer im damaligen Germanien.

Eingangsbereich der Ausstellung „Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“

Der spektakuläre Triumphzug des Germanicus vor genau 2.000 Jahren in Rom am 26. Mai 17 n. Chr. und das Ende der römischen Herrschaft in Germanien bilden den Ausgangspunkt für das Ausstellungsprojekt, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Römermuseum vom 2. Juni bis zum 5. November 2017 unter dem Titel „Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“ präsentiert.

Stehend zieht der Triumphator auf dem Triumphwagen durch Rom, meist von vier Pferden gezogen. Dies zeigen auch die Statuengruppen auf Ehrenmonumenten überall im Imperium. Aus Herculaneum sind die bronzenen Figuren erhalten, die einst an der Außenseite des Triumphwagens auf dem dortigen Monument angebracht waren.
Datierung: 41 – 54 n. Chr., Leihgeber: Museo Archeologico Nazionale di Napoli

In zwei Jahren Vorbereitungszeit haben die Kuratoren mehr als 40 internationale und nationale Leihgeber für eine Zusammenarbeit gewonnen und ein faszinierendes Ausstellungskonzept erstellt. Über 250 wertvolle Kunstwerke und Artefakte aus Italien, Kroatien, der Schweiz, Slowenien, Ungarn und der Vatikanstadt sollen auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche für 156 Tage diesen Triumph ohne Sieg verständlich machen.

Bronzenes Siegeszeichen (tropaeum) mit Muskepanzer und Beinschienen im Miniaturformat
Datierung: 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Staatlichen Museen zu Berlin, Antikensammlung

„US-Präsident Trump hat wahrscheinlich noch nie von dem römischen Kaiser Tiberius gehört, aber gelernt hat auch er von ihm allemal“, sagte LWL-Direktor Matthias Löb am Montag 29. Mai 2017 bei der Vorstellung der Ausstellung in Haltern. „Unsere Ausstellung dreht sich um Fake news, um Niederlagen, die zu Siegen umgedeutet werden, um symbolische Politik durch Massenveranstaltungen und um alternative Wahrheit – nur eben vor 2.000 Jahren.“

Bronzestatuette der Victoria. In ihren Händen hält sie einen Kranz und einen Palmzweig, Auszeichnungen für triumphale Feldherren.
Datierung: 2. Jh. n. Chr., Leihgeber: LVR-Landesmuseum Bonn

Kaiser Tiberius kannte Germanien aus eigener Anschauung gut, er wusste, dass dieses Gebiet nicht reich an Bodenschätzen war und sah die erheblichen Verluste an Menschen und Material der vorhergegangenen Kriegsjahre. Auf geschickte Art hat er den dreijährigen, eigentlich nutzlosen und sieglosen Krieg seines Feldherrn Germanicus beendet und in einen Sieg umgewandelt, indem er Ende Mai 17 n. Chr. seinem Adoptivsohn einen grandiosen Triumphzug in Rom ausrichtet.

Dieser Marmorblöock gehört zu den wenigen Überresten, die von dem Bogen des Germanicus neben dem Marcellus-Theater erhalten sind.
Datierung: nach 19 n. Chr., Leihgeber: Area archeologica des Teatro di Marcello, Rom

„Diese Wende bestimmt für die nächsten Jahrhunderte maßgeblich die Entwicklung der Gebiete westlich und östlich des Rheins“, so LWL-Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp. „Im Westen hält römische Kultur weiter ihren Einzug, Städte werden gegründet an den Orten der ehemaligen Legionslager Xanten, Köln, Bonn, Mainz. Östlich des Rheins bleibt die germanische Bevölkerung in ihren überkommenen Stammesstrukturen gefangen, und es beginnen die sogenannten dunklen Jahrhunderte.“

Portrait aus Marmor des Nero Claudius Drusus (* 14. Januar 38 v. Chr. in Rom, † 14. September 9 v. Chr. in Germanien)
Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung
Portrait aus Marmor des Claudius Nero Tiberius (* 16. November 42 v. Chr. in Rom, † 16. März 37 n. Chr. in Misenum bei Neapel)
Datierung: 1. Viertel 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Musei Vaticani, Città del Vaticano

Vor diesem Hintergrund werden die Besucher im ersten Teil der Ausstellung zunächst zu Zuschauern des Triumphzuges für Germanicus in Rom. Der Triumph in Rom dient als spektakulärer Fixpunkt, um die damit verbundenen Ereignisse schlaglichtartig zu beleuchten.

Portrait aus Marmor des Nero Claudius Germanicus (* 24. Mai 15 v. Chr. in Rom, † 10. Oktober 19 n. Chr. in Antiochia am Orontes)
Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schloss Erbach

Der zweite Teil lenkt den Blick auf die militärischen und politischen Entwicklungen in Germanien und die Zeit vor dem vermeintlichen Sieg des Germanicus. Funde aus den römischen Lagern entlang der Lippe wie etwa Haltern am See, Holsterhausen (beide Kreis Recklinghausen), Oberaden, Beckinghausen (beide Kreis Unna), Olfen (Kreis Coesfeld) und Anreppen (Kreis Paderborn) sowie zahlreiche Exponate von weiteren Fundplätzen in Germanien veranschaulichen die römischen Okkupationsbemühungen in Germanien.

Portrait aus Marmor des Nero Claudius Germanicus (* 24. Mai 15 v. Chr. in Rom, † 10. Oktober 19 n. Chr. in Antiochia am Orontes)
Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schloss Erbach

Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich ganz dem „Römischen Triumph“ und den Fragen, wer, wann und aus welchem Anlass im antiken Rom einen Triumphzug abhalten durfte - mit strengem Protokoll: Zuerst kamen im Zug Beute und Gefangene, dann der Triumphator mit Opfertieren und Behördenvertretern (Lictoren und Staatsbeamten) und schließlich die Armee. Es geht aber auch um die spätere Darstellung von Triumphzügen, zum Beispiel um die Darstellung der gefangenen Thusnelda, der Ehefrau des Varus-Bezwingers Arminius. Diese prominente Geisel im Triumphzug des Germanicus war in der Historienmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts ein beliebtes Motiv.

Die Statue aus Bronze zeigt Claudius Nero Tiberius (* 16. November 42 v. Chr. in Rom, † 16. März 37 n. Chr. in Misenum bei Neapel) in der Toga und den traditionellen Schuhen römischer Senatoren.
Datierung: 2. Viertel 1. Jh. n. Chr., Leihgeber: Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Neapel

Der letzte Teil bietet einen Blick in die Zukunft in Form der sogenannten kontrafaktischen Geschichtsschreibung - die Geschichtsdarstellung , die sich nicht mit dem befasst, was tatsächlich geschehen ist, sondern mit dem, was geschehen wäre, wenn sich die Ereignisse anders entwickelt hätten.

Porträt des Augustus (* 23. September 63 v. Chr. in Rom, † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel)
Datierung: Ende 1. Jh. v. Chr., Leihgeber: Staatliche Antikensammlung und Glyptothek München
Porträt der Livia Drusilla (* 30. Januar 58 v. Chr., † 29 n. Chr. in Rom)
Livia Drusilla heiratete in zweiter Ehe Augustus. Gemeinsame Kinder blieben ihnen verwehrt. Ihre Ehe hielt 52 Jahre bis zu seinem Tod.
Datierung: Ende 1. Jh. v. Chr., Leihgeber: Akademisches Kunstmuseum der Universität Bonn

Hätte Rom gesiegt, wäre die Geschichte der römischen Stützpunkte an der Lippe sicher anders verlaufen. Dann hätte sich Aliso, das heutige Haltern am See, vermutlich zu einem Zentralort in der Region entwickelt. An vielen einstigen Legionsstandorten westlich des Rheins entstanden eigenständige zivile Siedlungen. Zunächst mit Häusern in Fachwerkbauweise errichtet, wurden sie später durch Steingebäude ersetzt und zum Teil monumental ausgebaut. Alles, was städtisches römisches Leben ausmachte, erblühte auf der anderen Seite des Rheins und wäre vermutlich auch in Haltern geschehen, wenn sich die Römer nicht aus dem heutigen Nord- und Westdeutschland zurückgezogen hätten.

Abschnitt „Opfer“ in der Ausstellung „Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“

„Zwei Thesen halten wir mittlerweile für sehr wahrscheinlich“, so Dr. Rudolf Aßkamp. „Das antike Aliso ist mit dem heutigen Haltern am See identisch. Und der Fundort im Osnabrücker Land bei Kalkriese ist nicht der Ort der Varusschlacht, sondern geht auf die Ereignisse des Jahres 15 n. Chr. rund um Germanicus zurück.“

Eine Platte der Medinaceli-Reliefs (Kopie) mit tubicines und einem Opferstier im Hintergrund. In der rechten Bildhälfte steht eine Victoria mit großem Kranz.
Datierung des Originals: 41 – 54 n. Chr., Aufenthalt des Originals: Sammlung der Herzogin von Cardona, Córdoba, Spanien

Reliefblock eines Grabmals mit der Darstellung eines mit Weinfässern beladenen Leiterwagens mit Ochsengespann
Datierung: um 200 – 230 n. Chr., Leihgeber: Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg

Römische Mähmaschine
Datierung: Ende 1. – 2. Jh. n. Chr., Leihgeber: Rheinisches Landesmuseum Trier – Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

„Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“ im LWL-Römermuseum in Haltern am See ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags bis 19 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Kinder und Jugendliche von sechs bis 17 Jahren 3 Euro und für Familien 18 Euro. Weitere Informationen unter www.lwl-roemermuseum-haltern.de

Zweirädriger Wagen mit Wagenlenker
Datierung: 1. – 3. Jh. n. Chr., Leihgeber: Landesmuseum Mainz

Der Begleitband zur Ausstellung „Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“ ist im Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt erschienen:

„Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien“
Herausgeber: Rudolf Aßkamp und Kai Jansen, LWL-Römermuseum, Haltern am See
Verlag Philip von Zabern, Darmstadt
168 Seiten, 120 Farb- und 8 Schwarzweißabbildungen
24 × 30 cm, gebunden
ISBN: 978-3-8053-5065-5
€ 29,95 (im Museumsshop)
€ 39,95 (D) / € 41,10 (A)

3D-Rekonstruktion einer römischen Kline – eines Speisesofas oder Bettes. Keine Fata Morgana, in der Archäologische Landesausstellung „REVOLUTION jungSTEINZEIT“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne ist ebenfalls eine 3D-Rekonstruktion einer römischen Kline ausgestellt.

Montag, 29. Mai 2017

Haltern am See

Stadt an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Münsterland

Schon die alten Römer hatten in Haltern ein Lager errichtet, zogen sich aber nach der Varusschlacht aus dem heutigen Nord- und Westdeutschland zurück, obwohl sie den vermeintlichen Sieg von Nero Claudius Drusus Germanicus am 26. Mai 17 n. Chr. mit einem großen Triumpfzug in Rom gefeiert haben. Fake news oder alternative Fakten gab es vor 2000 Jahren schon. Darüber an anderer Stelle mehr.

Altes Rathaus

1560 Jahre später wurde in Haltern das gotische Rathaus mit Renaissance-Giebeln und dem Bogengang errichtet. Dort beginnt auch ein etwa 3 km langer Rundweg zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Altes Rathaus, Halterner Stadtwappen an der Vorderfront

Altes Rathaus und Marktbrunnen

Gänsemarkt

An dem im Volksmund als Gänsemarkt bezeichneten Platz befindet sich ein giebelständiger Fachwerkbau aus dem Jahr 1611, das älteste erhaltene Ackerbürgerhaus in Haltern am See.

Ackerbürgerhaus am Gänsemarkt, 1611

Gänsemarkt, „Gänseliesel“ von Leo Janischowsky, 2014

Der 1502 erbaute „Siebenteufelsturm“ gehörte ursprünglich zur Stadtbefestigung, die im 18. Jahrhundert abgetragen wurde.

„Siebenteufelsturm“

„Der gescheiterte Varus“ von Wilfried Koch im Kardinal-von-Galen-Park stellt den geschlagenen Feldherrn Publius Quinctilius Varus während der Varusschlacht dar, der im Jahre 9 n. Chr. mit seinen Truppen unterging.

„Der gescheiterte Varus“ von Wilfried Koch, 2003, im Kardinal-von-Gahlen-Park

Die bronzene Kuh von Josef Krautwald soll an den „Kohküttelmarkt“ erinnern, die Sammelstelle für den Weidenauftrieb der Kühe der innerstädtischen Bürger.

bronzene Kuh von Josef Krautwald, 1989, am „Kohküttelmarkt“

Bockkran, der an die einstige Hafenanlage und den „Kranich von Haltern“ erinnern soll

Unmittelbar außerhalb des alten Stadtgrabens befindet sich seit 1767 der Jüdische Friedhof. 1997 wurde für die während der NS-Gewaltherrschaft verfolgten jüdischen Mitbürger ein Gedenkstein aufgestellt, der in der Form einer alttestamentarischen Gesetzestafel gestaltet ist.

Jüdischer Friedhof, Gedenkstein

„Kiep“ von Ulrich Schriewer, 2004

„Die Taucher“ von Peter Bracht, 2005

St. Sixtus-Kirche

Stevertalsperre Haltern, Walzenwehr

1931 wurde an der Stevertalsperre Haltern das Seebad Haltern am See mit einem 800 Meter langen Sandstrand für Badegäste eröffnet, das sich noch heute als Ausflugsziel großer Beliebtheit erfreut. Hier musste niemand über 40 Jahre darauf warten, offiziell in der Stevertalsperre Haltern schwimmen zu dürfen.

Stevertalsperre Haltern

In Haltern-Lippramsdorf befindet das Fördergerüst über dem bereits verfüllten Schacht 8 der Zeche Auguste Victoria, der erst 1982 zum Seilfahrtsschacht ausgebaut wurde.

Zeche Auguste Victoria, Fördergerüst über Schacht 8 in Haltern-Lippramsdorf


Sonntag, 28. Mai 2017

Oldtimertreffen auf dem Alten Markt in Essen-Borbeck

5. Oldtimertreffen der Interessengemeinschaft Oldtimerfreunde Borbeck

Alpine A110 Berlinette

Am 28. Mai 2017 veranstaltete die Interessengemeinschaft Oldtimerfreunde Borbeck auch in diesem Jahr ein Oldtimertreffen der besonderen Art mitten im Zentrum von Essen-Borbeck. Teilnahmeberechtigt waren Kraftfahrzeuge bis Baujahr 1987, auch Zweiräder und Trecker. Die Teilnehmerzahl war auf 50 Fahrzeuge begrenzt. In diesem Jahr wurde erstmals „das schönste Fahrzeug in der Publikumsgunst“ mit einem Pokal und einem Einkaufsgutschein prämiert, die Prämie ging an den Vorsitzenden der Carl F. W. BORGWARD IG e. V., Hartmut Loges für seinen Borgward Isabella Coupé, Baujahr 1959.

BMW 502, Achtzylinder-V-Motor, 2.584 cm³, 74 kW/100 PS, 160 km/h, Baujahr 1955

BMW E9 Coupé, 3.0 CS, 2.985 cm³, 132 kW/180 PS, Produktionszeitraum 1971 – 1975

„Das schönste Fahrzeug in der Publikumsgunst“: Borgward Isabella Coupé, 1,5 Liter, 75 PS, Baujahr 1959

Fiat 500 C „Topolino“, 569 cm³, 16,5 PS, Baujahr 1951

Ford Modell A, 3.236 cm³, 29 kW/39 PS, 75 km/h, Erstzulassung 1928

Mercedes-Benz 190 b (W 120), 1.897 cm³, 68 PS, 135 km/h, Baujahr 1963

Mercedes-Benz 190 SL Cabriolet (W 121 B II), 1.897 cm³, 77 kW/105 PS, Produktionszeitraum 1955 – 1963

Opel Ascona

Volvo P1800 S, 1.780 cm³, 71 kW/96 PS, 175 km/h, Baujhar 1966

Wanderer Fahrrad mit Sachs-Hilfsmotor, 98 cm³, 2,5 PS Baujahr ca. 1931

Außerdem war die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V. mit dem Triebwagen 1753 auf der „Borbecker Runde“ unterwegs.

BMW 502, Achtzylinder-V-Motor, 2.584 cm³, 74 kW/100 PS, 160 km/h, Baujahr 1955, und Triebwagen 1753 der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V., Hersteller DÜWAG, Baujahr 1962

Triebwagen 1753 der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V., Hersteller DÜWAG, Baujahr 1962