Donnerstag, 10. März 2016

„Wunder der Natur“

Ausstellung über die schöpferischen Kräfte der Tiere und Pflanzen im Gasometer Oberhausen

Gasometer Oberhausen am Rhein-Herne-Kanal

Das Leben macht unseren Planeten zu einem einzigartigen Ort. Tiere und Pflanzen haben sich dunkelste Tiefen und luftige Höhen erobert, sie wachsen zu majestätischer Größe heran und füllen in mikroskopischer Winzigkeit noch die kleinsten Nischen. Die Ausstellung „Wunder der Natur“ folgt dem Wachsen und Werden auf unserem Planeten und feiert bildgewaltig ihre Intelligenz und Vielfalt. Einzigartige großformatige Fotografien und überwältigende Filmausschnitte zeigen uns die faszinierenden schöpferischen Kräfte des Lebens. In zehn Kapiteln erzählen sie von ungewöhnlichen sinnlichen Fähigkeiten und genialen Strategien im Kampf ums Dasein, von der Vielfalt der sexuellen Rituale, dem Reichtum sozialer Beziehungen und dem Vermögen, mit anderen Arten zusammen zu leben. „Erst wenn wir begreifen, wie genial biologische Systeme beschaffen sind, werden wir lernen, das Leben der Pflanzen und Tiere – das sich in Milliarden Jahren entwickelt hat – faszinierender zu finden und mehr zu bewundern als alle technischen Innovationen des Menschen.“ (Robert Jungk)

Facettenauge einer Libelle. Foto von Heidi & Hans-Jürgen Koch

Die Besucher erleben Adler und Geparden bei der Jagd und folgen der Wanderung der Rentiere über Kamtschatka. Sie staunen über die Fürsorge von Skorpionen und die verborgene Vielfalt der Tiefsee. Sie fühlen mit den zärtlichen Berührungen der Affen und erschaudern beim Anblick der riesengroß abgebildeten Insekten. Sie entdecken die Natur als kreativer Baumeister und sind Zeugen des großen Kreislaufs des ewigen Werdens und Vergehens. „Die Besucher entdecken die Genialität der biologischen Systeme im Großen wie im Kleinen und lernen, wie sich die Formen des Lebens ständig verändern, sich überlisten und auch mit andern verbünden“, verspricht Kurator Prof. Peter Pachnicke, der im Gasometer Oberhausen bereits mitverantwortlich für die Realisierung erfolgreicher Ausstellungen wie „Das Auge des Himmels – Satellitenbilder der Erde“, „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“, „Magische Orte – Natur- und Kulturmonumente der Welt“, Christos „Big Air Package“ und „Der schöne Schein“ gewesen ist.


Sehen, ohne gesehen zu werden, Grüner Leguan (Iguana iguana). Foto von David Maitland

Zu den namhaften internationalen Fotografen, die im Rahmen der rund 150 großformatigen Abbildungen aus der Tier- und Pflanzenwelt der Ausstellung vertreten sein werden, gehören Ingo Arndt, James Balog, Tim Flach, Jürgen Freund, Axel Hyde, Manfred Kage, Rob Kesseler, Heidi und Hans-Jürgen Koch, Frans Lanting, Tim Laman, David Maitland, Bence Máté, Oliver Meckes und Nicola Ottawa, Lennert Nilsson, Anup Shah, Solvin Zankl und Christian Ziegler. Ausschnitte aus der international erfolgreichen, mehrfach preisgekrönten BBC-Filmreihe „Planet Erde“ steigern die anschauliche Wirkung der Bilder.

Forelle mit „innerer Uhr“. Foto von Ingo Arndt

Geheimes Leben in der Tiefsee, Krake. Foto von Solvin Zankl

Große Augen, kleiner Mund, Tiefseestinte (Bathylagus antarcticus). Foto von Solvin Zankl

Der Moment – Geparden erlegen einen Springbock. Foto von Bridgena Barnard

Das Vier-Augen-Prinzip, Erdmännchen (Suricata suricatta). Foto von Solvin Zankl

Von Angesicht zu Angesicht, Monteverde, Costa Rica, 2009. Das Foto von Bence Máté zeigt einen Kolibri, der eine Viper aufgeschreckt hat.

Großer Paradiesvogel (Paradisaea apoda) aus Neuguinea. Foto von Tim Laman

Florida Panther (Puma concolor coryi) im Tampa’s Lowry Park Zoo. Foto von Joel Sartore

Orang-Utan-Familie. Foto von Tim Flach Bildunterschrift

Balzende Suppenschildkröten (Chelonia mydas) in der Flachwasserzone des Riffs, Sipadan, Sabah, Malysia. Foto von Jürgen Freund

Ei eines Bärtierchens (Macrobiotus sapiens). Foto von Oliver Meckes und Nicole Ottawa

Nordlicht über der Taiga. Foto von Olivier Grunewald

Riesen-Mammutbaum. Foto von James Balog

Balsabaum mit Nektar trinkendem Wickelbär. Foto von Christian Ziegler

Mit den Augen einer Biene. Das Foto von Klaus Schmitt zeigt eine mit ultraviolettem Licht fotografierte mexikanische Zinnie (Zinnia violacea).

Verlockende Schönheit, Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Hundszunge (Boraginaceae) und Riedgrasfrucht (v. l. n. r.). Makrofotografien von Rob Kessler und Wolfgang Stuppy

Fressefeinde abschrecken. Das Foto von Tim Flach zeigt das Antlitz eines Nachtfalters (Gynanisa maja)

Nest einer Gemeinen Wespe. Foto von Ingo Arndt

Strahlentierchen/Radiolarie. Foto von Manfred Kage

„Wunder der Natur“, Blick in die Ausstellung

„Wunder des Lebens“-Installation mit Ausschnitten aus dem Film „Das Wunder des Lebens“ von Lennart Nilsson

Neben den Bildern und Filmen bieten Fundstücke und Präparate Einblicke in die Vielfalt naturwissenschaftlicher Sammlungen. Die authentischen Zeugnisse stammen aus den Beständen des Ruhr Museums Essen, dem Übersee-Museum in Bremen und dem Naturkundemuseum Duisburg und bilden ein „Depot der Natur“.

Uhu (Bubo bubo)

Hirnkoralle (Diploria clivosa)

Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla)

Baumscheibe einer Pappel, Kirchellener Wald bei Oberhausen


Panoramablick auf die Erdkugel

Normalerweise sitzen Wettersatelliten in der ersten Reihe, wenn es um den besten Bick auf die Erde geht. Im Gasomter Oberhausen kann jeder Besucher diesen ganz speziellen Blick aif den blauen Planeten werden: Im 100 Meter hohen Luftraum des Industriedenkmals schwebt eine Erdkugel mit 20 Metern Durchmesser als Höhepunkt der Ausstellung „Wunder der Natur“, deren technische Realisierung durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Intermediate Engineering und geo · Die Luftwerker („Der größte Mond auf Erden“) erfolgt ist. Aus Satelittendaten hat DLR Stück für Stück und Schicht für Schicht eine Animation erstellt, die von zwölf Projektoren auf die Erdkugel projiziert wird. „Unser Ziel ist es, zum einen die Schönheit der Erde zu zeigen und zum anderen den Blick wie aus dem All zurück zur Erden zu ermöglichen“, sagt Nils Sparwasser vom Earth Observation Center des DLR. 1,5 Millionen Bilder erzeugten die Forscher dafür. Das Ergebnis: Eine Erdkugel, auf der sich Tag und Nacht abwechseln oder auch Wolkenbänder die Luftströmungen um die Erde sichtbar machen. Wer mit dem Panorama-Aufzug an der Innenwand des Gasometers in die Höhe fährt, blickt umgerechnet aus 36.000 Kilometern Entfernung auf den Erdball. (Geostationärer Satelliten umkreisen die Erde in einem Abstand von etwa 35.786 Kilometern über der Erdoberfläche. IMHO blickt man unter der Voraussetzung, dass der 20 Meter große Erdball 10 Meter über dem Boden des 100 Meter hohen Luftraums schwebt, aus 44.600 Kilometern auf den Erdball, aber möglicherweise führt „höhere“ Mathematik zu einem anderen Resultat als ein simpler Dreisatz.) Die Internationale Raumstation ISS kreist mit einer durchschnittlichen Orbitalhöhe von 400 Kilometern um die Erde, im Gasometer Oberhausen wären dies knapp 63 Zentimeter über der Erdkugel.

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

„Mir ist keine größere künstliche Erde in dieser Form bekannt“, erläutert Nils Sparwasser. Am Anfang standen Datensätze von den verschiedensten Satelliten, mit und ohne Wolkenbedeckung, bei Tag oder auch bei Nacht und auch mit Phönomenen, die das menschliche Auge selbst nicht wahrnehmen kann. „Die Herausforderung war es, diese Daten zusammenzubringen und daraus die bestmögliche Animation zu erstellen.“ Aus einzelnen Stücken und Informationen der Fernerkundungsdaten, aus radarsatelliten der SRTM-Mission bis hin zu Messungen dfer Wettersatelliten, wurde so nach und nach das große Ganze. Alle Puzzleteile wurden aufeinander abgestimmt und zusammengesetzt – „und das alles ergab ein 3D-Abbild der Erde.“ Insgesamt 115 Tage rechneten die Computer rund um die Uhr, um die Animation mit einer Auflösung von 58 Millionen Pixel zu erstellen. 650.000 Einzelbilder sind in der 15-minütigen Animation mit 60 Bildern pro Sekunde zusammen mit der Musik von Brian Eno zu erleben.

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Intermediate Engineering, die für die technische Umsetzung zuständig ist, teilte dem DLR-Team die exakte Ausrichtung aller Projektoren mit. Diese wurden dann am Computer als Kameras in einen virtuellen Gasometer gesetzt und filmten das 3D-Modell der Erde ab. Dadurch erhielt jeder Projektor seine eigene Animation, die zusammen ein nahtloses Bild der Erde erzeugen. Der Blick auf die schwebende Erdkugel zeigt, welche Informationen aus Fernerkundungsdaten gewonnen werden können. „Man sieht beispielsweise die Abregnung der Wolken über den Tropen als schwarze Flecken“, so Nils Sparwasser. Für Kurator Prof. Peter Pachnicke bringt die Kooperation dem dem DLR zwei Dinge zusammen: „Es ist die Begegnung von wissenschaftlicher Bilderwelt und poetischer Sicht.“

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Satellitenbilder können Details im Bereich von wenigen Zentimetern zeigen und bieten Wellenlängenbereiche, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. „Die Fernerkundungsdaten zeigen uns aber nicht nur die Schönheit der Erde“, sagt DLR-Wissenschaftler Nils Sparwasser. „Satelliten liefern uns kontinuierlich beispielsweise Informationen über den CO2-Gehalt oder über die Verschmutzung der Ozeane – und somit über den Gesundheitszustand der Erde.“

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen, Visualisierung von Wolken- und Wasserdampfsequenzen in der Atmosphäre, die durch Messung der Absorption in den Wasserdampf Absorptionsbanden entstanden sind

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen, Visualisierung von Wolken- und Wasserdampfsequenzen in der Atmosphäre, die durch Messung der Absorption in den Wasserdampf Absorptionsbanden entstanden sind

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Erdskulptur im Gasometer Oberhausen

Die Ausstellung „Wunder der Natur“ ist vom 11. März bis 30. Dezember 2016 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, während der Schulferien in Nordrhein-Westfalen auch montags. Der Gasometer Oberhausen ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Ausstellung „Wunder der Natur“. Gilt nicht bei Sonder­veranstaltungen.

Gasometer Oberhausen

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