Mittwoch, 30. September 2015

Ankündigung: „Wunder der Natur – Die Intelligenz der Schöpfung“

Die neue Ausstellung im Gasometer Oberhausen

Noch bis zum 1. November 2015 ist im Inneren des 117,5 Meter hohen Gasometers mit einem Durchmesser von 67,6 Metern die Ausstellung „Der schöne Schein“ zur faszinierenden Vielfalt der Schönheitsvorstellungen verschiedener Kulturen und Epochen zu sehen. Rund 460.000 Besucher haben sich die Ausstellung bisher angeschaut. Für das kommende Jahr plant die Gasometer Oberhausen GmbH unter der Gesamtleitung von Geschäftsführerin Jeanette Schmitz vom 11. März bis 30. Dezember 2016 die Ausstellung „Wunder der Natur – Die Intelligenz der Schöpfung“.

Gasometer Oberhausen, Frachtschiff Sownent auf dem Rhein-Herne-Kanal

Tiere und Pflanzen haben unseren Planeten zu einem einzigartigen Ort des Lebens gemacht. Die Ausstellung „Wunder der Natur“ folgt dem Wachsen und Werden auf unserem Planeten und feiert bildgewaltig ihre Intelligenz und Vielfalt. Einzigartige großformatige Fotografien und überwältigende Filmausschnitte zeigen uns die faszinierenden schöpferischen Kräfte des Lebens. Sie erzählen von ungewöhnlichen sinnlichen Fähigkeiten und genialen Strategien im Kampf ums Dasein, von der Vielfalt der sexuellen Rituale, dem Reichtum sozialer Beziehungen und dem Vermögen, mit anderen Arten zusammen zu leben. „Erst wenn wir begreifen, wie genial biologische Systeme beschaffen sind, werden wir lernen, das Leben der Pflanzen und Tiere – das sich in Milliarden Jahren entwickelt hat – faszinierender zu finden und mehr zu bewundern als alle technischen Innovationen des Menschen.“ (Robert Jungk)

Rob Kesseler – Boraginaceae. Bildnachweis: Image from Seeds – Time Capsules of Life by Rob Kesseler and Wolfgang Stubby, published by Papadakis.net, 2014

Das Leben macht unseren Planeten zu einem einzigartigen Ort. Tiere und Pflanzen haben sich tiefste Tiefen und große Höhen erobert, sie wachsen zu majestätischer Größe heran und füllen in mikroskopischer Winzigkeit noch die kleinsten Nischen. Kurator Professor Peter Pachnicke: „Die Besucher entdecken die Genialität der biologischen Systeme im Großen wie im Kleinen und lernen, wie sich die Formen des Lebens ständig verändern, sich überlisten und auch mit andern verbünden.

Fledermaus von Christian Ziegler. Bildnachweis: Christian Ziegler

Zu den namhaften internationalen Fotografen, die im Rahmen der rund 150 großformatigen Abbildungen aus der Tier- und Pflanzenwelt der Ausstellung vertreten sein werden, gehören Ingo Arndt, James Balog, Bence Máté, Jürgen Freund, Manfred Kage, Rob Kesseler, Heidi und Hans-Jürgen Koch, Frans Lanting, Tim Laman, David Maitland, Oliver Meckes und Nicola Ottawa, Lennert Nilsson, Ondrej Pakan, Anup Shah, Solvin Zankl und Christian Ziegler. Filmsequenzen aus bekannten naturwissenschaftlichen Serien wie „Planet Erde“ steigern die anschauliche Wirkung der Bilder.


Die Erde von oben

Höhepunkt der neuen Ausstellung ist die Erde selbst. Im riesigen Innenraum des Gasometers wird unser blauer Planet leuchtend zum Leben erweckt: Der Rundgang durch die „Wunder der Natur“ gipfelt im Blick auf eine 20 Meter große Erdkugel, die im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers schwebt. Bewegte, hochaufgelöste Satellitenbilder werden detailgenau auf die Erdkugel projiziert. Der Besucher erlebt die faszinierenden Erscheinungen der Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und den Wandel der Jahreszeiten. „Die Fahrt im gläsernen Panoramaaufzug auf das Dach des Gasometers bietet anschließend einen Blick auf unseren Heimatplaneten, wie ihn sonst nur Astronauten erleben“, verspricht Jeanette Schmitz, Geschäftsführerin der Gasometer Oberhausen GmbH.

Montage „Wunder der Natur“ im Gasometer Oberhausen unter Verwendung eines Fotos vom DLR. Bildnachweis: Gasometer Oberhausen/Thomas Wolf/DLR

Projektpartner ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Der Blick aus dem All ermöglicht uns zu erkennen, wie einzigartig unsere Erde, der blaue Planet ist, aber auch, mit welch großen Herausforderungen wir uns auseinandersetzen müssen“, betont Sabine Hoffmann, Leiterin der DLR-Kommunikation. „Wir freuen uns, als wissenschaftlicher Partner wieder eine Ausstellung im Gasometer mitgestalten zu können. Unser Beitrag ist die Animation, die auf die Erde projiziert wird und aus global verfügbaren Satellitendaten generiert wurde.“

Kurator der Ausstellung „Wunder der Natur“ ist Prof. Peter Pachnicke. Zusammen mit Nils Sparwasser (DLR, Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum, Wissenschaftskommunikation und Visualisierung) gestaltet er die Erdskulptur, deren technische Realisierung durch das DLR, Intermediate Engineering und geo · Die Luftwerker („Der größte Mond auf Erden“) erfolgt. Prof. Peter Pachnicke war im Gasometer Oberhausen bereits mitverantwortlich für die Realisierung erfolgreicher Ausstellungen wie „Das Auge des Himmels – Satellitenbilder der Erde“, „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“, „Magische Orte – Natur- und Kulturmonumente der Welt“, Christos „Big Air Package“ und „Der schöne Schein“.

Gasometer Oberhausen

Die Ausstellung „Wunder der Natur – Die Intelligenz der Schöpfung“ wird vom 11. März bis 30. Dezember 2016 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein, während der Schulferien in Nordrhein-Westfalen auch montags.

Montag, 28. September 2015

Opernhaus Dortmund: „Kiss me, Kate“

„Kiss me, Kate“ – in Anlehnung an William Shakespeares „The Taming of the Shrew“ („Der Widerspenstigen Zähmung“); Musik, Liedtexte: Cole Porter; Buch: Samuel und Bella Spewack; Regie: Martin Duncan; Choreografie: Nick Winston; Bühne, Kostüme: Francis O´Connor, Dramaturgie: Georg Holzer; Musikalische Leitung: Philipp Armbruster. Darsteller: Morgan Moody (Fred Graham/Petruchio), Emily Newton (Lilli Vanessi/Katharina Minola), Nedime Ince (Lois Lane/Bianca), Andreas Wolfram (Bill Calhoun/Lucentio), Josef Hofmann (Harry Trevor/Baptista Minola), Christian Pienaar (Ralph, Inspizient), Johanna Schoppa (Hattie, Garderobiere), Eric Rentmeister (Paul, Garderobier), Fritz Steinbacher (Erster Ganove), Karl Walter Sprungala (Zweiter Ganove), KS Hannes Brock (General Harrison Howell), Frank Wöhrmann (Gremio, erster Freier), Andreas Langsch (Hortensio, zweiter Freier), Mario Ahlborn (Bühnenpförtner), Yvonne Forster, Jessica Hoskins, Selina Mai, Niko Stank u. a. Uraufführung: 18. Dezember 1948, New Century Theatre, New York City. West End Premiere: 8. März 1951, Coliseum Theatre, London. Deutsche Erstaufführung: 19. November 1955, Städtische Bühnen, Frankfurt am Main. Premiere: 27. September 2015, Theater Dortmund.



„Kiss me, Kate“


Der Broadway-Klassiker am Opernhaus Dortmund


Die Musicals „Cabaret“, „Jesus Christ Superstar“, „Kiss me, Kate“ oder „My fair Lady“ werden an deutschen Stadttheatern häufig auf den Spielplan gesetzt, weil sie vom Publikum geschätzt werden und entsprechend volle Häuser garantieren. Das dürfte auch am Theater Dortmund nicht viel anders aussehen, wo man in der vergangenen Spielzeit mit „Jesus Christ Superstar“ der großen Nachfrage gar nicht gerecht werden konnte und daher in der Spielzeit 2015/16 nochmals sechs Vorstellungen disponiert hat. Nachdem „Kiss me, Kate“ von Cole Porter (Musik, Lyrics) und Samuel und Bella Spewack (Buch) am 30. Dezember 1948 am Broadway am New Century Theatre uraufgeführt wurde, wurde es bei der dritten Tony Awards Verleihungszeremonie im darauffolgenden Jahr – bei der erstmals Musicals ausgezeichnet wurden – mit fünf der begehrten Auszeichnungen geehrt: „Best Musical“, „Best Autor (Musical)“ an Samuel und Bella Spewack, „Best Original Score“ an Cole Porter, „Best Costume Design“ an Lemuel Ayers und „Best Producer of a Musical“ an Saint Subber und Lemuel Ayers. Es wurde im Juli 1950 an das Shubert Theatre transferiert, am 28. Juli 1951 fiel nach insgesamt 1.077 Aufführungen der letzte Vorhang. Musicals, deren Originalproduktion im En-suite-Spielbetrieb mehr als 1.000 Aufführungen erreicht haben, waren in den 1950er-Jahren noch recht überschaubar. Am 19. November 1955 wurde das Musical im Frankfurter Börsensaal erstmals in Deutschland aufgeführt, und innerhalb nur weniger Monate kamen mehrere, höchst unterschiedliche Produktionen auf die deutschsprachigen Bühnen. In der Wiener Volksoper bevorzugte man eine neue Bearbeitung von Marcel Prawy (Premiere 14. Februar 1956), die sich aber gegenüber der Übersetzung des Berliner Kabarettisten Günter Neumann nicht durchsetzte. Die aktuelle Dortmunder Inszenierung von Martin Duncan basiert auf dem Broadway-Revival aus dem Jahr 1999 (Martin Beck Theatre, Premiere 18. November 1999, neue Orchestrierung von Don Sebesky), mit den deutschen Texten von Günter Neumann in einer Neufassung von Peter Lund. Allerdings werden die Songs mit einer Ausnahme – dazu später mehr – in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln präsentiert, und lediglich die Dialoge auf Deutsch. Während bei „Jesus Christ Superstar“ explizit darauf hingewiesen wird, dass in englischer Sprache mit Übertiteln gespielt wird, fehlt bei „Kiss me, Kate“ jeglicher Hinweis auf diesen Umstand, und zwar sowohl im Spielzeitheft 2015/16 als auch im Monatsleporello August/September 2015. Wer sich also nicht vorab im Internet informieren konnte, wurde womöglich bei dem ersten Song „Another Op’nin’, Another Show“ davon überrascht.

Während einer Aufführung einer musikalischen Version der Komödie über die Zähmung der widerspenstigen Katharina durch den Frauenhelden Petruccio in Baltimore fechten die Akteure um den Regisseur und Hauptdarsteller Fred Graham und dessen Ex-Frau Lilli Vanessi auch im privaten Leben ähnliche Zwistigkeiten hinter den Kulissen aus wie die Spielfiguren auf der Bühne. Es ist ein Spiel im Spiel, bei dem beide Handlungsstränge für den turbulenten Fortgang der Handlung sorgen. Während Fred Graham noch immer Gefühle für seine ehemalige Frau empfindet, flirtet er gleichzeitig mit Lois Lane, die die Rolle von Katherinas Schwester Bianca spielt. Deren Lebenspartner Bill Calhoun sorgt für einige Verwirrung, indem er beim Glücksspiel einen Schuldschein mit Fred Grahams Namen unterschreibt, woraufhin zwei Gangster die finanziellen Forderungen bei diesem einzutreiben versuchen. Fred wiederum hindert mithilfe der beiden Revolverhelden die eifersüchtige Lilli daran, die Show vorzeitig zu verlassen und dem Werben ihres Verlobten General Harrison Howell um ihre Gunst nachzugeben. Doch bevor sich Katherina auf der Bühne folgsam mit der weiblichen Gehorsamspflicht gegenüber dem Mann einverstanden erklärt, müssen erst etliche Missverständnisse und konfliktreiche Situationen geklärt werden.

Der Londoner Darsteller, Komponist und Regisseur Martin Duncan („Moses – Die 10 Gebote“, Theater St. Gallen, Uraufführung 23. Februar 2013, Regie Martin Duncan) hat „Kiss me, Kate“ in Dortmund zusammen mit dem englischen Choreografen Nick Winston und dem englischen Ausstatter Francis O’Connor eher klassisch konservativ inszeniert, die Rahmenhandlung ist im Jahr 1948 in Baltimore angesiedelt, wo im Ford’s Theatre die letzten Proben für die Musical-Adaption von William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ laufen. Martin Duncan vertraut auf den hohen Unterhaltungswert der Choreografien zu „Tom, Dick or Harry“, „Too Darn Hot“, „Where is the Life That Late I Led?“ oder „Bianca“ von Nick Winston, womit es die Inszenierung allerdings am Ende auf drei Stunden Aufführungsdauer bringt. Francis O’Connor hat die rückwärtige Fassade des Ford’s Theatre zeitgemäß als altes Backsteingebäude mit Feuertreppen gestaltet, die perspektivische Verzerrung soll womöglich seine besondere Größe suggerieren, bei lediglich vier Stockwerken etwas übertrieben. Das Mittelteil kann nach vorn herausgefahren werden und verwandelt sich durch Drehung um 180 Grad in die Künstlergarderoben von Fred Graham und Lilli Vanessi. Im Gegensatz dazu ist Padua, wo „Der Widerspenstigen Zähmung“ spielt, als Phantasiewelt mit Türmen, Burgzinnen und quietschbunt (im ersten Akt) bzw. schwarz-weiß (im zweiten Akt) karierten Mustern gestaltet. Einzig der Song „Schlag nach bei Shakespeare“, in dem die beiden Ganoven, die in Dortmund analog zum Original lediglich als Männer bezeichnet werden, Shakespeare Tribut zollen, wird von Fritz Steinbacher und Karl Walter Sprungala auf Deutsch/Wienerisch präsentiert und wird vom Publikum heftig akklamiert. Wer darin lediglich die Wertschätzung für die Leistung der beiden Darsteller sehen möchte, verkennt, dass der Song der einzige im ganzen Stück ist, der von jedem Zuschauer auch ohne Übertitel einwandfrei verstanden wird und allein schon aus diesem Grund mehr Beifall bekommt. Aber das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung zu der Entscheidung, auf die pointierte Bearbeitung der Songtexte von Peter Lund zu verzichten. Zumindest bleiben auf die Art und Weise einige Pointen in Dortmund einfach auf der Strecke. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Musikalischen Leitung von Philip Armbruster bringen Cole Porters womöglich erfolgreichste Partitur ansprechend zu Gehör. Wäre der Musikalische Leiter kein Mann, Emily Newton zerbräche bei „I Hate Men“ ganz sicher nicht dessen Taktstock.

Die beiden Hauptrollen Lilli Vanessi/Katherina Minola und Fred Graham/Petruchio sind in Dortmund mit der amerikanischen Sopranistin Emily Newton und dem amerikanischen Bass-Bariton Morgan Moody aus dem Opern-Ensemble besetzt. Die beiden Darsteller harmonieren gesanglich sehr gut miteinander, das klingt nicht nur im gleichnamigen Duett der beiden wunderbar, eine Reminiszenz an den Wiener Walzer. Auch darstellerisch lässt Emily Newton in ihren kratzbürstigsten Ausbrüchen eine gewisse Anmut durchblicken, in ihrem Song „I Hate Men“ macht sie dagegen unmissverständlich deutlich, was aus ihrer Sicht von der Spezies Mann zu halten ist. Morgan Moody weiß als gewitzter, schlagfertiger Fred Graham/Petruchio mit nahezu grenzenlosem Selbstbewusstsein zu überzeugen, sei es, dass er auf offener Szene gegenüber seiner Bühnenpartnerin handgreiflich wird oder dass er sich auch noch die Anwesenheit der beiden Ganoven zunutze macht, um Lilli zum Bleiben zu zwingen. Viele weitere Rollen sind mit Musical-DarstellerInnen als Gäste stimmig besetzt: Nedime Ince als Freds neuer Schwarm Lois Lane/Katherinas Schwester Bianca, die besonders mit ihrem Song „Always True to You in My Fashion“ in zweiten Akt gefällt, aber auch im Musical-Ensemble eine gute Figur macht, Andreas Wolfram in der nahezu bedeutungslosen Rolle des Glücksspielers Bill Calhoun/Edelmanns Lucentio, der aber im zweiten Akt mit seinem Song „Bianca“ und der dazugehörigen Choreografie sowohl gesanglich als auch tänzerisch auf sich aufmerksam machen kann, Eric Rentmeister als Ankleider Paul, Frank Wöhrmann und Andreas Langsch als Biancas Freier Gremio und Hortensio, letztere verstärken auch das spielfreudige Musical-Ensemble (Yvonne Forster, Jessica Hoskins, Selina Mai, Nico Stank), das für den hohen Unterhaltungswert der choreografierten Szenen mitverantwortlich ist und den jazzig swingenden, von Eric Rentmeister angeführten Song „Too Darn Hot“ zum eindeutigen Highlight der Aufführung gestaltet. Fritz Steinbacher und Karl Walter Sprungala machen als Gangsterduo mit Wiener Schmäh als Running Gag beharrlich auf sich aufmerksam. Was zwei Wiener Gangster in Baltimore zu suchen haben, will sich mir zwar nicht erschließen, ungeachtet dessen räumen die beiden mit „Schlag nach bei Shakespeare“ mächtig ab. Die beiden Dortmunder Publikumslieblinge Johanna Schoppa und KS Hannes Brock agieren als Freds Assistentin Hattie und General Harrison Howell rollendeckend. Angesichts der Aussicht als zukünftige Präsidentengattin an der Seite von Harrison Howell ist Lillis Entscheidung gegen eine Heirat mit ihm nur zu verständlich.

Am Ende der dreistündigen Aufführung gab es vom Premierenpublikum langanhaltenden Applaus für Darsteller und Leading Team, ausgesprochen zögerlich schließlich auch Stehapplaus. „Kiss me, Kate“ steht mit insgesamt 20 Vorstellungen bis 26. März 2016 auf dem Spielplan des Theaters Dortmund. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich erst noch zeigen, „Kiss me, Kate“ mit englischen Songtexten ist nicht „Jesus Christ Superstar“ mit Alexander Klaws.

Vorschau: „Chicago – Das Musical“ in Berlin und München

„Chicago – Das Musical“ – nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Maurine Dallas Watkins; Musik: John Kander; Liedtexte: Fred Ebb; Buch: Fred Ebb, Bob Fosse; Deutsche Übersetzung: Erika Gesell, Helmut Baumann; Neuübersetzte Liedtexte: Kevin Schroeder; Original-Inszenierung und -Choreografie: Bob Fosse; Inszenierung: Tania Nardini, nach der Originalinszenierung des Broadway Revivals von Walter Bobbie; Choreografie: Gregory Butler, nach der Originalchoreografie des Broadway Revivals von Ann Reinking; Bühne: John Lee Beatty; Kostüme: William Ivey Long; Lichtdesign: Ken Billington; Sounddesign: Rick Clarke; Musikalische Leitung: N. N. Darsteller: u. a. Caroline Frank (Velma Kelly), Carien Keizer (Roxie Hart, Möderinnen), Volker Metzger (Amos Hart, Roxies Mann), N. N. (Fred Casley, Roxies Geliebter), N. N. (Sergant Fogarty, Polizist), N. N. (Liz), N. N. (Annie), N. N. (June), N. N. (Hunyak), N. N. (Mona, Insassinnen des Frauengefängnisses), Isabel Dörfler (Matron Mama Morton, Gefängnisaufseherin), Nigel Casey (William „Billy“ Flynn, Rechtsanwalt), Martin Schäffner (Mary Sunshine, Reporterin), Victor Petersen (Mary Sunshine alternierend), N. N. („Fahr-zur-Hölle“-Kitty, Möderin), N. N. (Harry, ihr Mann), N. N. (Aaron, Pflichtverteidiger), N. N. (Martin Harrison, Staatsanwalt), N. N. (Conférencier), Marcella Adema (Cover Velma Kelly/Matron Mama Morton), Rene Becker, Alan Byland, Rachel Colley (Cover Velma Kelly/Matron Mama Morton), Joshua Donovan, Danielle Delys, Michèle Fichtner, Janina Hinrichs, Matt Huet, Fleur Jagt (Cover Roxie Hart), Luke Jarvis, Shane Landres, Matthieu Vinetot, Birgit Arquin, Perry Beenen, Rhys George, André Naujoks, Dorit Oitzinger (Assistant Dance Captain), Marleen de Vries (Cover Roxie Hart), Livio Ceccini (Principal Swing Amos Hart/William „Billy“ Flynn), Jens Janke (Principal Swing Amos Hart/Mary Sunshine). Uraufführung: 3. Juni 1975, 46th Street Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 21. Mai 1977, Thalia-Theater, Hamburg. West-End-Premiere: 10. April 1979, Cambridge Theatre, London. Broadway Revival Premiere: 14. November 1996, Richard Rodgers Theatre, New York City. Premiere: 11. Oktober 2015, Theater des Westens, Berlin.



„Chicago – Das Musical“


Vorhang auf für die Killer-Girls!


Chicago in den späten 1920er Jahren: Die Nachtclubsängerin Roxie Hart ermordet im Affekt ihren Liebhaber Fred Casley, als er sie verlassen will. Im Cook-County-Gefängnis lernt sie die korrupte Oberaufseherin Mama Morton und Velma Kelly kennen. Velma, ebenfalls Tänzerin und dank der Hilfe von Mama Morton als „Mörderin der Woche“ ein Medienstar, plant die Fortsetzung ihrer Karriere nach ihrer Freilassung. Hierfür soll sie der durchtriebene Staranwalt Billy Flynn aus dem Gefängnis boxen, der allerdings gleiches auch für Roxie plant. Es beginnt ein undurchsichtiges Dreiecksspiel, bei dem die beiden Tänzerinnen um die Gunst Flynns buhlen. Als dann die Boulevardjournalistin Mary Sunshine dafür sorgt, dass Roxie als „Jazz-Mörderin“ zum Medienstar wird, beginnt ein Verwirrspiel aus Tricks, Lügen und Eifersucht. Doch werden die Tänzerinnen mit Hilfe der Medien wieder ihre Freiheit zurückgewinnen und damit Ruhm und Reichtum erlangen?

Carien Keizer (Roxie Hart), Ensemble; © Stage Entertainment/Brinkhoff/Mögenburg

1926 schrieb Maurine Dallas Watkins, Reporterin beim Chicago Tribune, das Bühnenstück „Chicago“, das auf der wahren Geschichte zweier Mordfälle im Jahr 1924 beruht: Die Nachtclubsängerin Beulah May Annan (* 18. November 1899 in Owensboro, Kentucky, † 10. März 1928 in Chicago, Illinois), die für die Figur der Roxie Hart Pate stand, hat am 3. April 1924 ihren Liebhaber Harry Kalstedt erschossen, als dieser sie verlassen wollte. Belva Gaertner (* 14. September 1884 in Litchfield, Illinois, † 14. Mai 1965 in Pasadena, California) inspirierte die Reporterin zur Figur der Velma Kelly, Rechtsanwalt William W. O´Brien diente als Vorlage für Billy Flynn. Bob Fosse gelang 1975 mit „Chicago“ ein zeitloses Musical, das auf den ersten Blick verführerisch wirkt, dahinter aber eine Geschichte bietet, die mit bissigem Humor dem American Way of Life und insbesondere dem mitunter korrupten Rechtssystem der USA den Spiegel vorhält. 1996 wurde John Kanders grandiose Partitur für eine konzertante Aufführung im Rahmen der Encores!-Serie des New York City Centers wiederentdeckt und an den Broadway transferiert (Premiere 14. November 1996, Richard Rodgers Theatre), wo ein hochkarätiges Ensemble (u. a. Bebe Neuwirth als Velma Kelly, Ann Reinking als Roxie Hart, James Naughton als Billy Flynn und Joel Grey als Amos Hart) und die an Bob Fosses Original angelehnte, aber von Ann Reinking noch verfeinerte und erotisch aufgeladene Choreografie dazu beitrugen, dass „Chicago“ 1997 mit sechs Tony Awards ausgezeichnet wurde. Bis heute läuft das Musical ohne Unterbrechung mit 7.837 Aufführungen (Stand 27. September 2015) am Broadway. Mit seinem Glamour, der zeitlosen Geschichte, dem bissigen Humor, der weltbekannten Musik und natürlich den aufregenden Tanzszenen bringt es alles mit, was ein klassisches Broadway-Musical auszeichnet.

Nigel Casey (William „Billy“ Flynn), Ensemble; © Stage Entertainment/Brinkhoff/Mögenburg

Am 25. September 1999 erlebte das am Broadway gefeierte Revival mit Anna Montanaro als Velma Kelly, Frederike Haas als Roxie Hart, Cusch Jung als Billy Flynn und Léon van Leeuwenberg als Amos Hart seine Premiere am Theater des Westens in Berlin und wurde dort bis 16. Juli 2000 gezeigt. Vom 3. Oktober bis zum 3. Dezember 2000 war es mit Anna Montanaro (Velma Kelly), Anne Mandrella (Roxie Hart), Cusch Jung (Billy Flynn), Isabel Weicken (Mama Morton) und Ilja Richter (Amos Hart) am Deutschen Theater in München zu sehen, und vom 4. Oktober 2001 bis 19. Januar 2002 im Capitol Theater in Düsseldorf. Nun bringt Stage Entertainment „Chicago – Das Musical“ ab 11. Oktober 2015 zurück auf die Bühne des Theater des Westens in Berlin, wo es für eine begrenzte Spielzeit bis 17. Januar 2016 zu sehen sein wird, bevor es vom 5. März bis 10. April 2016 am Deutschen Theater in München gastiert. Premiere ist am 6. März 2016.

Totale Mondfinsternis

Nachts ist es kälter als draußen

Mond über der Schurenbachhalde

Tagsüber auf die Bergehalden im Ruhrgebiet zu laufen, um von dort den Ausblick oder den Sonnenuntergang zu genießen, das wird in einigen Weblogs gern als das ultimative Ruhrgebietserlebnis verkauft. Doch aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dieses Erlebnis ist was für Langschläfer. Wer sich dagegen nachts auf den Weg auf eine Bergehalde macht, der kann dort sein „blaues Wunder“ erleben. Bergehalden im Ruhrgebiet haben die positive Eigenschaft, zumindest die meisten, dass sie nicht mit Straßenlaternen „zugepflastert“ sind, die nächste Lichtquelle zumeist ein gutes Stück weit entfernt ist. Insofern eignen sich Bergehalden auch zur Stern- und Planetenbeobachtung am nächtlichen Himmel. Man braucht auch nicht zwingend ein Horizontobservatorium, um bei Vollmond den Erdtrabanten am Himmel zu finden, daher war ich in der Nacht auf die Schurenbachhalde gelaufen, um dabei gleich festzustellen, dass der direkte Zugang von der Emscherstraße augenblicklich wegen einer Baustelle nicht möglich ist und man beinahe bis zum Rhein-Herne-Kanal laufen muss, um von hier überhaupt auf die Halde zu gelangen.

Schurenbachhalde, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

Oben angekommen stellt man schnell fest, wie hell der Vollmond doch ist, wenn der Erdtrabant als hellste „Lichtquelle“ am Himmel steht. In einiger Entfernung erkennt man auch in der Nacht so markante Punkte wie die Faultürme der Kläranlage Bottrop, den „Herkules“ auf dem Nordsternturm „NT2“, die Skyline von Essen u. v. m.

Kläranlage Bottrop, Faultürme

Nach drei Uhr begann schließlich das Schauspiel der Mondfinsternis mit dem Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde, wodurch der obere linke Rand des Mondes zusehends dunkler erscheint, bis schließlich nach etwa einer Stunde die totale Phase der Mondfinsternis begann, bei der sich der Mond komplett im Kernschatten der Erde befindet.

Phasen der partiellen Mondfinsternis

Auch wenn sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde befindet, bleibt er durch Brechung des langwelligen Sonnenlichts in der Erdatmosphäre schwach sichtbar und verfärbt sich rot, weshalb dieses Phenomen auch als Blutmond bezeichnet wird. Weder Voodoo noch böses Omen, sondern schlicht und ergreifend Schulphysik. Über 70 Minuten dauerte die Phase der totalen Mondfinsternis am 28. September, so langsam machte sich dann auch die Müdigkeit und die Kälte bemerkbar, obendrein wurde es langsam aber sicher feucht, und die Feuchtigkeit kriecht nicht nur in die Kleidung, sondern schlägt sich auf allen Gegenständen nieder, dementsprechend auch auf Objektiven.

Totale Mondfinsternis

Beendigung der Totalität durch Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde

An die Totalität schließt sich wiederum eine etwa einstündige Phase partieller Mondfinsternis an, während der der Mond den Kernschatten der Erde wieder verlässt. Das Ende der partiellen Phase fiel bereits in die Morgendämmerung.

Phasen der partiellen Mondfinsternis

Stadien der Mondfinsternis vom 28. September 2015, Belichtungszeit variabel, Beobachtungsposition 51° 30′ 43″ N, 7° 1′ 5″ O

Morgendämmerung über der Schurenbachhalde, Blick Richtung Osten, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

Morgendämmerung über der Schurenbachhalde, Blick Richtung Westen, „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra, 1998

Freitag, 25. September 2015

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“

Sonderausstellung im Ruhr Museum auf der 12-Meter-Ebene der Kohlenwäsche

Großtransparent „Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Gestaltung: Uwe Loesch, Weißblech-Trinkflaschen, 1970 – 1981, Foto: R. Rothenberg, B. Kösling-Korth, © Ruhr Museum

Mit der Präsentation seiner industrie- und zeitgeschichtlichen Sammlung stellt das Ruhr Museum den Kern seiner Identität vor. Denn das Ruhr Museum auf dem Welterbe Zollverein wird natürlich vor allem mit der Industriekultur in Verbindung gebracht. Die industrie- und zeitgeschichtliche Sammlung existiert allerdings in der heutigen Form erst seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts und verdankt sich vor allem dem in dieser Zeit einsetzenden Strukturwandel mit dem massenhaften Anfall von funktionslos gewordenen Relikten des Industriezeitalters.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Blick in die Ausstellung, im Vordergrund Abteufkübel, Deilmann-Haniel, Dortmund, 1950er-Jahre

Mit einer Auswahl der besten Stücke dieser Sammlung setzt das Ruhr Museum mit „Arbeit & Alltag“ die Reihe seiner Ausstellungen und Kataloge aus eigenen Beständen fort. Nach „Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum“, „Ausgewählt. Vormoderne im Ruhr Museum“ und „Steinreich. Mineralogie im Ruhr Museum“ ist nun die vielleicht bedeutendste – die industrie- und zeitgeschichtliche Sammlung – an der Reihe. In den Folgejahren werden die Sammlungen zur Archäologie und Geologie vorgestellt.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Blick in die Ausstellung, im Vordergrund Krangießpfanne, Senssenbrenner, Düsseldorf, Einsatz: Maschinenfabrik Deutschland, Dortmund, 1950er-Jahre

Zum ersten Mal findet eine Sammlungsausstellung des Museums im Sonderausstellungsbereich der 12-Meter-Ebene der Kohlenwäsche statt, weil nur hier die Möglichkeit gegeben ist, die Großobjekte der Sammlung zu zeigen: ein Abteufkübel, eine Gießpfanne, eine Krupp-Kanone, ein Waschkessel aus Beton, Möbel und große Haushaltsgeräte. Die Präsentation der Objekte aus der Abteilung Industrie- und Zeitgeschichte in einem Ausstellungsraum eines Industriebaus wie der Kohlenwäsche erzeugt eine besondere Aura, die die Sammlungsausstellung zu einem Ort werden lässt, die Geschichte erzählt, wo sie geschehen ist.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Tresor des Bergwerks Ost (Auguste Victoria), Hamm, 1920er-Jahre

Im Zentrum der heutigen Sammlung stehen zum einen die montanindustrielle Vergangenheit des Ruhrgebiets und zum anderen die Lebenswelt und der Alltag der Menschen im Industriezeitalter. Die Sammlung umfasst über 100.000 Objekte und wächst ständig weiter, vor allem durch persönliche Schenkungen und Übernahmen von Inventaren privater und öffentlicher Einrichtungen. Dabei öffnet sich die Sammlungsentwicklung zunehmend auch den Zeiten nach der Industrie und des anhaltenden Strukturwandels.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Werksuhr, Siemens & Halske, Berlin, Einsatz: Zeche Carl Funke, Essen-Heisingen, um 1900, Fahrrad „Wanderer-Vulkan“, Wanderer-Werke AG, Schönau-Chemnitz, 1936

Die Gliederung der Ausstellung wurde eng an die ab den 1980er-Jahren entworfene Sammlungskonzeption angelehnt. Die Arbeitsverhältnisse im Bergbau und in der Stahlindustrie waren zentrale Bestandteile der Überlegungen, weil diese Industrien das Ruhrgebiet maßgeblich geprägt und das Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen, der Angestellten und auch der Unternehmer und ihrer Familien beeinflusst und bestimmt haben.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Porträt Odilia Henrietta Helena Eller, geb. Huyssen (1775 – 1835), Egidius Mengelberg, Elberfeld, 1812

„Arbeit & Alltag“ werden nicht als Gegensätze begriffen, sondern als zwei Seiten einer Medaille, als Bereiche, die ineinander greifen und nicht voneinander zu trennen sind. Vor diesem Hintergrund präsentiert die Ausstellung rund 350 Objekte. Die Auswahl folgt dem Bestreben, einen repräsentativen Querschnitt aus den Beständen zu finden, soweit das bei einer Anzahl von über 100.000 Sammlungsobjekten möglich ist. Und sie berücksichtigt den gesamten Zeitraum, den die Sammlung umfasst, von etwa 1800 bis heute. In der Auswahl spiegeln sich exemplarisch die Lebenswelten der Region.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Sommerkleid, 1950er-Jahre. Damit der Rock weit abstand und schwingen konnte, wurde das Kleid mit einem Petticoat getragen.

Strukturiert ist die Ausstellung in sechs Abteilungen. Ausgehend vom einzelnen Menschen im industriellen Ruhrgebiet beschreiben sie die Verhältnisse und Bedingungen, in denen das Individuum sich bewegt. Der erste Bereich umfasst die Dinge, die der Einzelne am Körper trägt: Kleidung und Accessoires ebenso wie Hygieneartikel. Individuell sind auch die Porträts von Menschen, darunter vor allem Ölgemälde von bekannten Persönlichkeiten des Ruhrgebiets.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Werbemuster „Odol“, Dresdner Chemisches Laboratorium Ligner, vor 1912

Die zweite Abteilung ist dem Haushalt gewidmet, der Welt der Familie. Gezeigt werden Haushaltsgeräte, Möbel und Interieur. Zudem finden sich Konsumartikel, die in den Geschäften für den privaten Verbrauch angeboten wurden. An die Welt des Haushalts schließen sich zwei Abteilungen an, die über die privaten und familiären Bereiche hinaus ein weiteres Feld des täglichen Lebens umschließen: die Freizeit und der Betrieb. Bei der Freizeit handelt es sich um den Bereich des selbstbestimmten Lebens, wie die Mitgliedschaft in Vereinen und die Teilnahme an Vergnügungen. Bewusst wird hier auch Spielzeug der Kinder gezeigt, um das kreative selbstbestimmte Moment zu betonen.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Nähmaschine „Veritas“, Clemens Müller Nähmaschinenfabrik, Dresden, um 1910, Rührflügelwschmaschine BBN (Wassermotor), Vertrieb: Joh. Scheepers, Essen, um 1935

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Nähmaschine „Veritas“, Clemens Müller Nähmaschinenfabrik, Dresden, um 1910

In der Abteilung Betrieb wurden exemplarisch Exponate aus den für das Ruhrgebiet prägenden Branchen ausgewählt: Bergbau, Stahlindustrie und Verwaltung. Sowohl der Herstellungsprozess, die Produkte, als auch die Berufstätigen selber, die Bergleute, Stahlwerker und Angestellten, von denen sich die Berufskleidung und Werkzeuge erhalten haben, werden hier präsentiert.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Kohleherd, F. Küppersbusch & Söhne AG, Gelsenkirchen, um 1925, Eisschrank, Mielewerke AG, Gütersloh, 1930er-Jahre

Die Verbindung zwischen den privaten und den beruflichen Bereichen und der Gesellschaft wird in der folgenden Abteilung thematisiert. Herrschaft, Schule, Kirche und Krieg sind Phänomene, die Menschen beeinflussen, erziehen, kontrollieren oder sogar bedrohen. Im Kapitel Herrschaft finden sich Objekte zu staatlichen, aber auch privatwirtschaftlichen Autoritäten, wie ein Stuhl aus dem NRW-Landtag und ein Prachtalbum für Wilhelm Girardet, dem bedeutenden Essener Verleger. Von diesem Thema wird die Ausnahmesituation des Krieges geschieden. Das älteste Exponat bezieht sich auf den Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), das jüngste stammt aus dem Zweiten Weltkrieg.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Kohleherd, F. Küppersbusch & Söhne AG, Gelsenkirchen, um 1925

Die letzte Abteilung hebt sich von den vorangegangenen ab. Die Objekte im Ausstellungsbereich Identitäten sollen die sich im Laufe der Zeit verändernde Selbst- und Fremdwahrnehmung des Ruhrgebiets sichtbar machen. Angefangen von Objekten wie einer Knappenuniform und Arbeiterstatuetten, die den »Mythos Schwerindustrie« einfangen, bis zu Plakaten, die eine sich wandelnde Identität im Ruhrgebiet des Strukturwandels zum Thema haben.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Gaszähler, „E. H. Haas’scher Gasmesser“, Gasmesserfabrik Elster & Co., Mainz, 1912

Der Katalog zur Ausstellung „Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“ ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen. Er umfasst 304 Seiten mit ca. 200 Abbildungen und kostet im Museumsshop 19,80 €, sonst 29,80 €. Er zeigt die bedeutensten Stücke der Sammlung und gibt zugleich einen facettenreichen Überblick über die Arbeit und den Alltag der Menschen in der von der Schwerindustrie geprägten Region des Ruhrgebiets.

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Halogenmetalldampflampe aus der Flutlichtanlage des Georg_Melches-Stadions, Radium Lampenwerk, Wipperfürth, 1983

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Spielzeugauto „Freilaufrenner Patent 1250“, Schreyer & Co. (Schuco), Nürnberg, um 1950

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Grubenwagen, Essen-Steele, 1930er-Jahre

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Weißblech-Trinkflaschen, Gelsenkirchen, um 1970 – 1981

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Bergbau-Sauerstoffschutzgerät „BG 174“, Drägerwerk AG, Lübeck, um 1975

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Leichte Feldkanone mit Lafette „C/73“, Fried. Krupp, Essen, 1873 – 1875

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Dampfmaschine, Ulrich & Heinrichs Ratinger Maschinenfabrik, 1904

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, „Kronprinzen-Nadel“, Hojuwelier Ernst Goldschmidt, Köln, 1902

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Tisch aus dem Wohnzimmer von Berthold Beitz, Essen, 1960er-Jahre, Steinporträts vom Essener Rathaus (1878 – 1964), Heinrich Kröger, 1878 – 1887

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Hausschülerpult, A. Lickroth & Cie., Frankenthal, 1893

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Altar der Gnadenkirche Essen-Altstadt-Nord, Fritz Kreidt jun., Essen, 1958 – 1959

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“, Jubiläumsvasen der Stadt Essen, Keramische Werkstadt Margarethenhöhe, Essen, Entwurf: Johannes Leßmann, Essen, 1930er-Jahre

„Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum“ ist vom 26. September 2015 bis 3. April 2016 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sowie Schüler- und Studierendengruppen im Rahmen von gebuchten Führungen haben freien Eintritt. Parallel ist auch noch bis 9. Februar 2016 „Steinreich. Mineralogie im Ruhr Museum“ auf der Galerie des Ruhr Museums zu sehen.

Mittwoch, 23. September 2015

„Produkte für Generationen: 90 Jahre Philips Design“

Red Dot Design Museum zeigt Studioausstellung anlässlich 90 Jahren Philips Design

2015 feiert Philips seine 90-jährige Designgeschichte. In Anerkennung der kontinuierlich guten Gestaltungsleistungen widmet das Red Dot Design Museum Essen dem Unternehmen eine eigene Studioausstellung. Ab dem 24. September 2015 zeigt „Produkte für Generationen: 90 Jahre Philips Design“ rund 50 Exponate, die das aktuelle Designverständnis des niederländischen Elektronikkonzerns verdeutlichen.

Am 15. Mai 1891 gründeten Gerard Philips und sein Vater Frederik Philips im niederländischen Eindhoven das Unternehmen Philips & Co., welches im darauffolgenden Jahr als erste Produkte Glühlampen herstellte. Schon früh erkannte man, dass Design ein Schlüsselelement des unternehmerischen Erfolgs darstellt: Am 5. Januar 1925 begann der niederländischer Designer Louis Christiaan Kalff seine Tätigkeit in der Werbeabteilung von Philips, die zu der Zeit auch für das ästhetische Erscheinungsbild neuer Produkte zuständig war. In den folgenden neun Jahrzenten entwicklete sich die Abteilung stetig weiter und wurde zur heutigen Design-Agentur Philips Design ausgebaut. In der gestalterischen Arbeit ist das Verständnis für eine bessere Handhabung technologischer Produkte von zentraler Bedeutung. Heute zeichnen sie sich durch eine klare Formensprache aus, die dem Nutzer ein Höchstmaß an Funktionalität verbunden mit einer intuitiven Bedienbarkeit bietet.

in den Jahren 1995 und 2014 in Essen ausgezeichnete Philips Rasierer

in den Jahren 2008 und 2010 in Essen ausgezeichnete Philips Rasierer

„Produkte für Generationen: 90 Jahre Philips Design“ zeigt rund 40 Exponate, die im Red Dot Award: Product Design 2015 ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus sind Modelle des „Philishave“ aus den vergangenen rund 20 Jahren zu sehen: Die Rasierer illustrieren die Evolution des Produkts und verdeutlichen so die kontinuierliche Innovationskraft und Designstärke von Philips, die maßgeblich zum Erfolg des Technologie-Unternehmens beitragen.

Philips Disney SoftPal Silikon-3D-Leuchte

Philips PowerPro Uno Staubsauer

Philips Avance SpeedTouch Stabmixer

Philips Avance Küchenmaschine

Philips A1 Professional DJ Headphones

In zwei Bereichen wird ein Querschnitt der Produkte von Philips präsentiert: Während im dritten Obergeschoß Produkte aus den Bereichen Haushalt, Unterhaltungselektronik, Personal Care und Life Science zu sehen sind, werden im Kesseltunnel auf der zweiten Etage formschöne und innovative Leuchten gezeigt.

Philips Hue Beyond Pendelleuchte

Philips Conbrio LED-Hängeleuchte

Philips Hue Go

Seit 1988 wurde das niederländische Unternehmen 184–mal im Red Dot Award ausgezeichnet. 1998 erhielt das Philips Design Team zudem den Ehrentitel „Red Dot: Design Team of the Year“.

Darüber hinaus können sich Besucher in der weltgrößten Ausstellung zeitgenössischen Designs über den State of the Art internationaler Produktgestaltungen informieren. Vom einfallsreichen USB-Stick über ikonische Accessoires bis hin zum von der Decke hängenden Audi: Auf fünf Ebenen präsentiert das Red Dot Design Museum Essen rund 2.000 Exponate aus etwa 45 Nationen. Die formschön gestalteten Alltagsgegenstände bringen den Besuchern kulturelle oder nationale Besonderheiten näher und informieren sie über aktuelle Trends.

Das Red Dot Design Museum Essen ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, während der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen ist das Museum auch am Montag, den 12. Oktober geöffnet. Das Red Dot Design Museum Essen ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2015 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt.