Sonntag, 8. Februar 2015

CD-Besprechung: „Starlight Express“

„Starlight Express“ – basierend auf den „The Railway Series“-Büchern von Reverend Wilbert Awdry; Musik: Andrew Lloyd Webber; Lyrics und Buch: Richard Stilgoe; „Für immer“ Musik: Alastair Lloyd Webber; Text: Nick Coler; Deutsche Bearbeitung: Sabine Grohmann, Wolfgang Adenberg; Regie: Dion McHugh; Choreographie: Arlene Phillips; Bühne und Kostüme: John Napier; Lichtdesign: David Hersey; Musikalischer Leiter: Thomas Lorey. Darsteller: Marcel Brauneis (Rusty, junge Dampflok), Georgina Hagen (Pearl, Erste-Klasse-Wagen), David E. Moore (Papa, alte Dampflok), Andreas Wolfram (Greaseball, Diesellok), Mykal Rand (Electra, E-Lok), Andrew Prosser (Caboose, Bremswagen), Abigail Dever (Dinah, Speisewagen), Carla Pullen (Buffy, Bar- und Buffetwagen), Emma Jenkinson (Ashley, Raucherwagen), Gordon Gesatzki (Dustin, Eisenerztender), Dale White (Flat Top, Steinwagen), Dewayne Adams (Hip Hopper 1, Frachtwagen), Christopher Jeffers (Hip Hopper 2, Frachtwagen), Adi Suissa (Hip Hopper 3, Frachtwagen), Ashley Birchall (Purse, Geldwagen), Dawn Leigh-Woods (Volta, Kühlwagen), Kelly Downing (Joule, Sprengstoffwagen), Tabitha Camburn (Wrench, Reparaturwagen), Daniel Ellison (Krupp, Chauffeur- und Panzerwagen), Nils Haberstroh (Hashamoto, Schnellzug aus Japan), James Lomas (Espresso, Schnellzug aus Italien), Graham Harvey (Ruhrgold, Schnellzug aus Deutschland), Jeffrey Socia (Bobo, Schnellzug aus Frankreich), Karl Seal (Turnov, Schnellzug aus Russland), Manuel Reckow, Guido Rosenkranz, Etienne Vogel (Trax, Streckenposten). Stimme der Mutter: Birgitt Theiss; Stimme des Jungen: Paul Falk. Uraufführung: 27. März 1984, Apollo Victoria Theatre, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 12. Juni 1988, Starlight Express-Theater, Bochum.



„Starlight Express“


Live-Aufnahme aus dem Starlight Express-Theater Bochum


„Starlight Express“ ist die „wichtigste Nacht der Weltgeschichte“, im Traum eines kleinen Kindes werden Lokomotiven und Eisenbahnwaggons lebendig und tragen die Weltmeisterschaft im Rennen der internationalen Züge aus. In Bochum stehen 26 Darsteller – 24 auf Rollerskates und zwei Stuntskater auf Inlineskates – auf der etwa 1.100 m² großen Bühne, die sich auf drei Ebenen verteilt, und fahren mit über 60 km/h über die Rollbahnen, die sich durch die Zuschauerränge und auch durch das Parkett im Zuschauerraum ziehen und durch 840 in den Boden eingelassene Leuchtstofflampen das Aussehen von Gleisen bekommen. Die junge Dampflokomotive Rusty scheint gegen ihre modernen Herausforderer zunächst keine Chance zu haben, da sie technisch schon lange nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist. Erst als der legendäre Starlight Express Rusty den Glauben an sich selbst zurückgibt, wendet sich für ihn das Blatt. Und auch Pearl, der Erste-Klasse-Wagen, die ihr Herz zwischenzeitlich an Electra, die modere E-Lok, verloren hat, muss feststellen, wen sie wirklich liebt.

Marcel Brauneis (Rusty), Foto: Jens Hauer

Am 12. Juni 1988 feierte das Musical „Starlight Express“ im ausschließlich für ein spezielles Bühnenstück gebauten Theater in Bochum seine Deutschsprachige Erstaufführung. Die Investition von 24 Millionen Deutschen Mark für den Bau war sehr umstritten, da seinerzeit nicht von einer langfristigen Rentabilität ausgegangen wurde. Seitdem wird das Rennen zwischen der jungen Dampflokomotive Rusty, der modernen E-Lok Electra und der Diesel-Lok Greaseball ununterbrochen im Starlight Express-Theater gezeigt. Mehr als 25 Jahre später, am 15. Januar 2014 feierte „Starlight Express“ seine 10.000ste Vorstellung. Es ist damit erst das dritte Musical weltweit, das 10.000 Mal an einem Standort aufgeführt wurde. Lediglich „The Phantom of the Opera“ von Andrew Lloyd Webber wurde sowohl im Londoner West End (Premiere 9. Oktober 1986) als auch am Broadway in New York (Premiere 26. Januar 1988) häufiger aufgeführt, am Her Majesty´s Theatre fand am 23. Oktober 2010 die 10.000ste Vorstellung statt, und am Majestic Theatre am 11. Februar 2012. „Les Misérables“ bringt es am Londoner West End (Premiere 8. Oktober 1985) auf noch mehr Vorstellungen, wechselte allerdings am 4. Dezember 1985 vom Barbican Arts Centre an das Palace Theatre und nochmals am 3. April 2004 an das Queen´s Theatre, wo am 5. Januar 2010 die 10.000ste Vorstellung über die Bühne ging.

Rusty und Pearl, Foto: Jens Hauer

Mehr als 25 Jahre nach Veröffentlichung des Original Live Albums aus Bochum mit Bernie Blanks (Rusty), Lovette George (Pearl), Stevie Woods (Papa), Nigel Casey (Greaseball), David-Michael Johnson (Electra) u. a. sowie einem 17-köpfigen Orchester im Jahr 1989, das im Dezember 2005 den Platin-Award von Universal Music für über 400.000 verkaufte Tonträger erhielt, ist Ende Januar 2015 abermals eine Live-Aufnahme als Doppelalbum erschienen, das bereits im Sommer 2013 mit einem 9-köpfigen Orchester eingespielt wurde und auf dem noch die Besetzung mit Marcel Brauneis (Rusty), der die Produktion im Mai 2014 verlassen hat, nachdem er seit Juni 2011 als 13. und zweiter deutschsprachiger Darsteller (nach Kevin Köhler) die Erstbesetzung der jungen Dampflok gespielt hatte, Georgina Hagen (Pearl), David E. Moore (Papa), Andreas Wolfram (Greaseball), Mykal Rand (Electra) u. a. zu hören ist. Ursprünglich sollte bereits 2013 ein neues Castalbum veröffentlicht werden, das dann aber nicht von der RUG freigegeben wurde.

David Moore (Papa, die alte Dampflok) präsentiert die neue Starlight Express-CD, Foto: Jens Hauer

„Starlight Express“ wurde während der 25-jährigen Laufzeit in Bochum mehrfach überarbeitet. 2002 wurden die 1992 in der Londoner Produktion vorgenommenen Änderungen und neuen Songs auch in der deutschen Fassung übernommen, hierbei hielt „Crazy“ Einzug und „Du allein“ wurde durch „Allein im Licht der Sterne“ ersetzt, die auch auf einer EP mit Jamie Golding (Rusty), Danni Kearsley-Wooller (Pearl) u. a. veröffentlicht wurden. 2008 wurden „Liebesexpress“, „Dein Freund“ und „Allein im Licht der Sterne“ gestrichen, dafür kamen „Dann pfeift er mir zu“ und „Nur mit Ihm“ neu hinzu. Die letzte auf dem vorliegenden Doppelalbum dokumentierte Änderung erfolgte schließlich 2013, wobei „’Ne Lok mit Locomotion“ durch „Nie genug“ und „Nur mit Ihm“ durch „Für immer“ ersetzt wurde, das Andrew Lloyd Webbers Sohn Alastair komponiert hat. Auch wenn die neuen Songs zeitgemäßer daherkommen, so kann man durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob die Originalsongs wie „Du allein“ nicht doch besser gefallen. Wie sich durch Änderungen der Kostüme, der Choreografie und des Lichtdesign der optische Eindruck der Show im Laufe der Jahre gewandelt hat, so hat sich auch der akustische Eindruck verändert. Die Anzahl der Musiker wurde reduziert, die Partitur mit einer Mischung aus Rock, Pop, Blues und Country hört sich mitunter ein wenig „glattgebügelt“ an. Beim finalen Megamix drängt sich mir ein wenig der Verdacht auf, hier solle der ultimative Mallorca Party Hit kreiert werden. Wie aus einem sozialen Netzwerk zu erfahren ist, wurden drei Shows live mitgeschnitten und einige Songs – „um den Höreindruck zu optimieren“ – zudem durch Studioaufnahmen ergänzt. Dies scheint wohl gängige Praxis bei „Live Aufnahmen“ zu sein, jedoch sollte man dies m. E. auch im Booklet vermerken.

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Cats am 24. September 1983 am Theater an der Wien und der deutschen Erstaufführung am 18. April 1986 am Operettenhaus Hamburg änderte sich die deutschsprachige Theaterlandschaft nachhaltig, der Langzeiterfolg ließ den Bedarf an erstklassig ausgebildeten Darstellern sprunghaft ansteigen, und die ersten staatlichen Studiengänge Musical etablierten sich. Doch das Resultat machte sich erst in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre bemerkbar. So verwundert es kaum, dass das Ensemble von „Starlight Express“ anfänglich überwiegend international besetzt wurde, woran sich bis heute auch nichts geändert hat. Man sollte daher auch bei dem neu erschienenen Album nicht über einen leichten Akzent bei einigen Darstellern überrascht sein, wenngleich dieser Punkt gegenüber dem 1989 erschienenen Doppelalbum weniger ins Gewicht fällt. Bei einigen der auf dem neuen Album verewigten Darstellern handelt es sich schon fast um „Starlight Express-Veteranen“, die mit der Show bestens vertraut sind: Marcel Brauneis (Rusty) kam 2009 als Flat Top nach Bochum, Georgina Hagen (Pearl) 2010 als Dinah, David E. Moore (Papa) 1998 als Papa, Andreas Wolfram (Greaseball) 1995 als Electra, Mykal Rand (Electra) 1992 als Electra, Carla Pullen (Buffy) 2009 als Pearl, Emma Jenkinson (Ashley) 2009 als Ashley, wobei David E. Moore, Andreas Wolfram und Mykal Rand zwischenzeitlich auch in anderen Produktionen engagiert waren. Alles in allem weiß das Ensemble durchgängig zu überzeugen, allen voran Marcel Brauneis als jugendliche Dampflok Rusty, Georgina Hagen als offenherziger Erste-Klasse-Wagen Pearl, David E. Moore als sympathische, besonnene alte Dampflok Papa, Andreas Wolfram als selbstsichere Diesellok Greaseball und Mykal Rand als arrogante E-Lok Electra.

Dem Doppelalbum, das im Starlight Express-Theater sowie unter www.starlight-express-shop.de zum Preis von 29 Euro zzgl. Versand erhältlich ist, liegt ein Rabatt-Gutschein für den Kauf von um 20% ermäßigten Eintrittskarten für den Besuch der Vorstellung bei.

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