Montag, 20. Oktober 2014

Shrek – Das Musical

„Shrek – Das Musical“ – nach dem DreamWorks Fantasyfilm „Shrek“ und dem Kinderbuch „Shrek!“ von William Steig; Musik: Jeanine Tesori; Liedtexte, Buch: David Lindsay-Abaire; Deutsche Übersetzung: Kevin Schroeder, Heiko Wohlgemuth; Inszenierung: Andreas Gergen; Choreografie: Kim Duddy; Bühne: Sam Madwar; Kostüme: Mario Reichlin; Lichtdesign: Andrew Voller; Sounddesign: Cedric Beatty; Musikalische Leitung: Heribert Feckler. Darsteller: Andreas Lichtenberger (Shrek), Bettina Mönch (Prinzessin Fiona), Andreas Wolfram (Esel), Carsten Lepper (Lord Farquaad), Stephan Luethy (Pinocchio), Jessica Kessler (Rotkäppchen & Lebkuchenmännchen), Tobias Weis (Schweinchen, Kapitän der Wachen, Drachenspieler), Jakob Semotan (Schweinchen, Wache, Ritter), Maickel Leijenhorst (Schweinchen, Wache, Ritter), Eric Rentmeister (Bischof, Wache, Ritter), Benjamin Eberling (Papa Oger, Papa Bär, Wache, Drachenspieler), Oliver Morschel (Wolf, König Harold, Thelonius, Drachenspieler), Tobias Joch (Peter Pan, Wache, Drachenspieler), Nils Haberstroh (Froschkönig, Wache, Ritter), Céline Vogt (Teen Fiona, Baby Bär), Sybille Lambrich (Moritz, Blinde Maus), Taryn Nelson (Hässliches Entlein, Blinde Maus), Anna Carina Buchegger (Max, Blinde Maus), Anne-Marijn Smulders (Mama Oger, Mama Bär), Sanne Mieloo (Königin Lillian, Böse Hexe), Marja Hennicke (Frau Holle), Deborah Woodson (Stimme des Drachen), Emmie Lee Epstein (Die kleine Fiona), Georgios Bakopoulos (Der kleine Shrek). Uraufführung: 10. September 2008, 5th Avenue Theatre, Seattle. Broadway-Premiere: 14. Dezember 2008, Broadway Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 19. Oktober 2014, Capitol Theater, Düsseldorf.



„Shrek – Das Musical“


Deutschsprachige Erstaufführung am Capitol Theater Düsseldorf


„Shrek – Das Musical“, Ensemble

1990 brachte der amerikanische Cartoonist und Kinderbuchautor William Steig das Kinderbuch „Shrek!“ auf den Markt, das von dem hässlichen jungen Oger Shrek handelt, der von seinen Eltern in die Welt geschickt wird, um dort Schaden anzurichten und die Menschen zu erschrecken. DreamWorks erwarb für 500.000 US-$ die Verwertungsrechte an der Figur und brachte 2001 den computeranimierten Fantasyfilm „Shrek“ in die Kinos, gefolgt von „Shrek 2“ (2004), „Shrek the Third“ (2007) und „Shrek Forever After“ (2010). 2002 begannen David Lindsay-Abaire (Buch, Lyrics) und Jason Moore (Regie) auf der Grundlage des Films „Shrek“ die Arbeit an dem Musical, Jeanine Tesori (Musik) schloss sich 2004 dem Team an. Das Musical feierte schließlich am 10. September 2008 am 5th Avenue Theatre in Seattle seine Uraufführung, bevor es am 14. Dezember 2008 am Broadway Theatre in New York City seine Broadwaypremiere erlebte. Es wurde 2009 für acht Tony Awards nominiert, erhielt die Auszeichnung aber lediglich in der Kategorie „Best Costume Design“. „Billy Elliot the Musical“ war 2009 für 15 Tony Awards nominiert und räumte 10 Auszeichnungen ab. Die Produktion wurde am 3. Januar 2010 nach 441 Aufführungen geschlossen. Am 14. Juni 2011 erlebte das Musical am Theatre Royal Drury Lane seine West End Premiere, wo es bis zum 24. Februar 2013 in 715 Vorstellungen gezeigt wurde. Nun präsentiert Mehr! Entertainment eine eigens für den deutschsprachigen Raum bearbeitete Version im Capitol Theater in Düsseldorf, die im Anschluss an die Aufführungsserie auch in Berlin, München, Zürich und Wien gezeigt werden soll.

Mit sieben Jahren müssen junge Oger bei ihren Eltern ausziehen, deshalb wird der kleine Oger Shrek an seinem siebten Geburtstag von seinen Eltern von zuhause fortgeschickt. Ein paar Jahre später lebt Shrek zufrieden allein in einem Sumpf, bis eines Tages eine ganze Reihe von Märchenfiguren auftauchen und seine Ruhe stören. Sie erklären ihm, dass Lord Farquaad sie als Freaks aus dem Königreich Duloc verbannt hat und sie töten wird, wenn sie jemals zurückkehren. Daher macht sich Shrek auf den Weg zu Lord Farquaad, um die Angelegenheit zu klären und wieder seinen Sumpf für sich allein zu haben. Auf dem Weg rettet er einen Esel vor Farquaads Wachen, der ihm daraufhin seine Freundschaft anbietet und den Weg nach Duloc zeigt. Unterdessen quält Lord Farquaad den Lebkuchenmann, um die übrigen Märchenfiguren aufzuspüren, die sich immer noch im Königreich Duloc versteckt haben. Ähnlich wie Shrek ist es auch Prinzessin Fiona ergangen, die nach den Gepflogenheiten des Königshauses mit sieben Jahren in einen von einem gefährlichen Drachen bewachten Turm eingesperrt wurde und darauf wartet, von einem tapferen Ritter gerettet zu werden.

„Heut ist der Tag“/„I Know It´s Today“: Julia Fiona Cherubim (Kleine Fiona)

„Heut ist der Tag“/„I Know It´s Today“: Céline Vogt (Teen Fiona)

„Heut ist der Tag“/„I Know It´s Today“: Bettina Mönch (Prinzessin Fiona)

„Heut ist der Tag“/„I Know It´s Today“: Céline Vogt (Teen Fiona), Bettina Mönch (Prinzessin Fiona) und Julia Fiona Cherubim (Kleine Fiona)

Shrek lässt sich auf einen Handel mit Lord Farquaad ein: Wenn es ihm gelingt, Prinzessin Fiona aus dem Turm zu befreien, damit Lord Farquaad sie heiraten kann und König wird, gehört Shrek dafür der Sumpf. Und so machen sich Shrek und der sprechende Esel auf den Weg zu Prinzessin Fiona. Als sie schließlich dort angekommen sind und Shrek die Prinzessin aus ihrem Turm befreien möchte, weigert sie sich zunächst, mitzukommen, hat sie sich doch ihre Rettung viel romantischer vorgestellt, eben wie in ihren Märchenbüchern. Kurzerhand schleppt Shrek Fiona Huckepack aus dem Turm, und als sie merkt, dass es sich bei ihrem Retter um einen Oger handelt, macht Shrek ihr klar, dass er sie als Braut für Lord Farquaad aus ihrem Turm befreit hat. Ungeachtet dessen kommen sich die beiden auf dem Rückweg nach Duloc näher, doch ein hässlicher Oger und eine wunderschöne Prinzessin passen in Shreks Vorstellung einfach nicht zusammen. Allerdings lastet auf Fiona ein Fluch, weshalb sie sich nach Sonnenuntergang vor Shrek und dem Esel verstecken muss, damit ihr Geheimnis nicht entdeckt wird. Sogar die Trauung mit Lord Farquaad soll vor Sonnenuntergang vollzogen werden… Wie in jedem Märchen gibt es natürlich auch bei „Shrek – Das Musical“ ein Happy End, an dem der sprechende Esel und der gefährliche Drache nicht ganz unbeteiligt sind.

„Wanderlied“/„Travel Song“: Andreas Wolfram (Esel) und Andreas Lichtenberger (Shrek)

„Wanderlied“/„Travel Song“: Andreas Wolfram (Esel) und Andreas Lichtenberger (Shrek)

Im Capitol Theater präsentiert Mehr! Entertainment eine eigens für den deutschsprachigen Raum bearbeitete Version von „Shrek – Das Musical“ in der Inszenierung von Andreas Gergen. Um den Wiedererkennungswert mit den Märchenfiguren auf der Bühne zu erhöhen, wurden den schon aus dem Film und der Broadway-Version des Musicals bekannten Figuren „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch, der „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann und „Frau Holle“ aus Grimms Märchen an die Seite gestellt. Obendrein gibt es auch noch den Lebkuchenmann, den Jessica Kessler Ruhrdeutsch reden lässt. Ob für die übrigen Standorte entsprechende Figuren mit Schwizerdütsch oder Wienerisch vorgesehen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Die animierten Projektionen auf einer großen LED-Wand als Bühnenprospekt sorgen in Verbindung mit beweglichen Kulissen wie Baumstämme, die klapprige Brücke über den Lavastrom oder Fionas Turmzimmer (Bühnenbild Sam Madwar) für die Illusion einer dreidimensionalen, lebendig gewordenen Märchenwelt auf der Bühne und erlauben daneben zügige Szenenwechsel. Gleichwohl spielen die Darsteller bei größeren Bühnenumbauten vor dem geschlossenen Vorhang und auch in den Gängen im Zuschauerraum. Das phantasievolle Kostümdesign von Mario Reichlin, das an den mit dem Tony Award ausgezeichneten Kostümentwurf von Tim Hatley angelehnt ist, unterstreicht den optischen Eindruck des zum Leben erwachten Märchens. Die Drachenfigur wird wie bereits in der Londoner Inszenierung von vier Drachenspielern bewegt, Deborah Woodson verleiht der Figur ihre überragende Soulstimme. Nachdem sie bereits 1997 aus den USA nach Köln umgezogen ist, sollte sie (oder ein Phonetikcoach) allerdings etwas größeren Wert auf Textverständlichkeit legen. Freunde des bissigen Humors werden bei „Shrek – Das Musical“ bestens bedient, da darf es auch nicht verwundern, dass sich Shrek und Prinzessin Fiona im Song „Ich glaub, das schlägst Du nie“/„I think I got you beat“ einen Wettbewerb im ungebührlich geräuschvollen Aufstoßen und Flatulieren liefern. Kim Duddy zeichnet für die großartigen Choreografien verantwortlich, wobei insbesondere die Szenen „Freie Fahrt für Freaks“/„Freak Flag“ und „Der frühe Vogel“/„Morning Person“ hervorstechen, die Stepptanz-Sequenz ist eine Reminiszenz an „Rich Man’s Frug“ im Pompeii Club aus dem von Bob Fosse inszenierten und choreographierten Broadway-Musical „Sweet Charity“, die es allerdings in den früheren Versionen von „Shrek The Musical“ auch schon gab.

„Freie Fahrt für Freaks“/„Freak Flag“: Stephan Luethy (Pinocchio)

„Freie Fahrt für Freaks“/„Freak Flag“: Jessica Kessler (Rotkäppchen & Lebkuchenmännchen)

Andreas Lichtenberger wird als großer grüner Oger Shrek sicher niemanden erschrecken, obschon der ganze Saal bebt, wenn er aufstampft, so menschlich legt er die Figur an, so glaubhaft vermittelt er seine Emotionen. Bettina Mönch weiß als entzückende Prinzessin Fiona nicht nur Shrek zu bezaubern, sondern kann auch mit Schauspiel, Gesang und Tanz das Publikum überzeugen. Andreas Wolfram bringt als unablässig sprechender Esel die Zuschauer in beinahe jeder Szene, in der er auftritt, zum Lachen, auch wenn er dabei ganz gehörig am Ohrfeigenbaum rüttelt, wie es Shrek so treffend auszudrücken vermag. Erwähnenswert das harmonische Terzett „So möcht’ ich sein“/„Who I’d be“ von Shrek, Prinzessin Fiona und Esel. Carsten Lepper ist in der körperlich schwierigen Rolle des kleingewachsenen Lord Farquaad zu sehen, der in seinem Perfektionswahn alle Märchenfiguren aus dem Königreich Duloc verbannt, obwohl er doch selbst der Sohn eines der sieben Zwerge ist, wie sich im Verlauf des Musicals herausstellt. Carsten Lepper verbringt die komplette Show mit an der Hüfte befestigten Stoffbeinen (und gebrochenem Mittelfuß) auf Knien, um den Kleinwuchs seiner Figur darzustellen. Emmie Lee Epstein („The Voice Kids“), die bereits als Tosca als Kind auf der Bühne der Deutschen Oper am Rhein stand und in der Premiere als eines von sechs Mädchen die Rolle der Kleinen Fiona in der Szene „Heut ist der Tag“/„I Know It’s Today“ gemeinsam mit Céline Vogt (Teen Fiona) und Bettina Mönch spielte, hatte die Herzen der Zuschauer sofort auf ihrer Seite und wurde für ihre Leistung mit Szenenapplaus belohnt. Aus dem insgesamt spielfreudigen Ensemble sollen Jessica Kessler als Rotkäppchen und Lebkuchenmann und Stephan Luethy als Pinocchio nicht unerwähnt bleiben, der so gern ein richtiger Junge wäre und dessen Nase beim Lügen jedes Mal länger wird.

„Freie Fahrt für Freaks“/„Freak Flag“: Ensemble

Auch wenn „Shrek – Das Musical“ die Botschaft beinhaltet, sich nicht von Äußerlichkeiten blenden oder abschrecken zu lassen, sondern hinter die Fassaden zu schauen, so geht es doch in erster Linie darum, Spaß zu haben. Mit dem Song „I’m a Believer“, der im Original von Neil Diamond stammt und 1966 von „The Monkees“ aufgenommen wurde, beginnt das große Partyfinale, bei dem sich der Spaß der Darsteller, die sich auch durch den Zuschauerraum bewegen, kurzerhand auf die Zuschauer überträgt. Stehapplaus für Darsteller und Kreativteam. „Shrek – Das Musical“ ist noch bis 4. Januar 2015 im Capitol Theater zu sehen. Im Anschluss wird es vom 17. bis 31. Januar 2015 im Admiralspalast in Berlin, vom 4. bis 12. Februar 2015 in der Kleinen Olympiahalle in München, vom 18. bis 28. Februar 2015 im Theater 11 in Zürich und schließlich vom 16. bis 22. März 2015 in der Stadthalle F in Wien gezeigt.

„Shrek – Das Musical“, Bettina Mönch (Prinzessin Fiona), Andreas Lichtenberger (Shrek) und Andreas Wolfram (Esel)

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