Donnerstag, 1. Mai 2014

Die Spielzeit 2014/15 an der Kammeroper des Theaters an der Wien

Seit der Saison 2012/13 bespielt das Theater an der Wien die Kammeroper am Fleischmarkt im Herzen Wiens. Der Spielplan der dritten Saison umfasst Werke des Barock, eine russische Oper sowie außergewöhnliche Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit dieser Spielzeit zieht die zweite Generation des Jungen Ensembles des Theater an der Wien in der Kammeroper ein.

Kammeroper des Theaters an der Wien, Innenansicht, © Werner Kmetitsch

Nach sieben Opernproduktionen in der Kammeroper und zahlreichen kleineren Partien im Theater an der Wien verabschiedet sich nach zwei arbeitsreichen Jahren das erste „Junge Ensemble des Theaters an der Wien“ (JET) und übergibt an sechs junge Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen 25 und 29 Jahren: Gan-ya Ben-gur Akselrod (Sopran, bereits seit 2013 ins Ensemble nachgerückt), Viktorija Bakan (Sopran), Natalia Kawałek-Plewniak (Mezzosopran), Tobias Greenhalgh (Bariton), Vladimir Dmitruk (Tenor) und der Österreicher Christoph Seidl (Bass). Die Studienleitung übernimmt Marcin Koziel. Im Verlauf der Saison stellt sich jedes JET-Mitglied im Rahmen eines individuellen Portraitkonzertes vor, das aus einem Lied- und Opernarienteil besteht. Die Internationalität des Ensembles ergibt eine spannende musikalische Reise durch die Welt. Die JET-Mitglieder werden auch wieder in kleinen Partien am Theater an der Wien eingesetzt.


Die 6 Premieren in der Spielzeit 2014/15

Als Auftakt der Saison 14/15 schließt sich die Kammeroper, die mit der Premiere von „Eugen Onegin“ am 2. Oktober 2014 eröffnet, thematisch der „russisch“ ausgerichteten Eröffnung des Theater an der Wien an. Unter der musikalischen Leitung von Peter Valentovic wird die Oper von Peter Iljitsch Tschaikowski erstmals in Wien in einer (für die Juillard School, New York, erstellten) Kammer­orchester­fassung von Jonathan Lyness zur Aufführung gebracht. Die Inszenierung liegt in den Händen des amerikanischen Regisseurs Ted Huffman, der die nach eigenen Aussagen Tschaikowskis speziell für eine kleine Bühne konzipierte Oper im intimen Rahmen der Kammeroper in Szene setzen wird.

Mit der Premiere von „Rinaldo“ am 4. Dezember 2014 steht bereits eine dritte G. F. Händel-Oper auf dem Spielplan der Kammeroper. Keine Oper des Komponisten wurde zu seinen Lebzeiten so oft aufgeführt wie sein Erstlingswerk für das Londoner Publikum. Es dirigiert Rubén Dubrovsky, der bereits seine dritte Neuproduktion an der Kammeroper übernimmt. In bewährter Weise leitet er sein Bach Consort Wien. Die Inszenierung übernimmt die junge deutsche Regisseurin Christiane Lutz, die zurzeit im Finale des internationalen Regiewettbewerbs „Ring Award“ steht. In der Titelpartie ist der junge Countertenor Jake Arditti zu hören, der bereits am Beginn seiner Karriere an der English National Opera und beim Glyndebourne Festival aufgetreten ist, aber erst ab 2015 in das JET-Team eintreten wird.

Christiane Lutz, Foto Katharina Schreiegg

Ein sehr außergewöhnliches Projekt der zeitgenössischen russischen Komponistin Lera Auerbach, deren Oper „Gogol“ im Jahr 2011 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, erwartet das Publikum ab dem 17. Jänner 2015. Die in den USA tätige Schriftstellerin, Pianistin und Komponistin Auerbach verwendete einen beklemmenden Text von Maurice Maeterlinck, „Les aveugles“ (Die Blinden, 1890) als Vorlage und setzt ihn eindringlich um: „The Blind“ entstand 2001 als A-cappella-Oper für zwölf Sänger. In der Kammeroper wird die Oper von den SängerInnen des Arnold Schoenberg Chors unter der musikalischen Leitung des Chorleiters Erwin Ortner und von Jordi Casals umgesetzt.

Dem österreichischen Komponisten Florian Leopold Gassmann (1729 – 1774), der als Opern- und Hofkapellmeister für die Aufführungen am Wiener Burgtheater und am Kärtnertortheater wirkte, ist mit seiner Opera buffa „Gli uccellatori“ (Die Vogelfänger, 1759) nach einem Libretto von Carlo Goldoni eine der zu jener Zeit so beliebten Verwechslungskomödien gelungen, bei der sich letztlich alles in Wohlgefallen auflöst. Die Wiener Fassung von 1768, die als Manuskript in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird, gelangt (nach digitaler Transkripition der Partitur) unter der musikalischen Leitung von Stefan Gottfried (Cembalist des Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt) am 22. März 2015 zur Premiere. Für die Inszenierung konnte der holländische Regisseur Floris Visser gewonnen werden.

Zwei nicht weniger humorvolle Opern des 20. Jahrhunderts runden die Saison in der Kammeroper ab und werden am 28. Mai 2015 an einem Abend gemeinsam zur Premiere gebracht. Es sind dies die Comédie musicale von Maurice Ravel „L’heure espagnole“ (Die spanische Stunde, 1911) und die Opéra-bouffe von Francis Poulenc „Les mamelles de Tirésias“ (Die Brüste des Tirésias, 1947). Unter der musikalischen Leitung von Gelsomino Rocco, der mit dem Wiener KammerOrchester musiziert, werden beide Stücke von dem österreichischen Regisseur Philipp M. Krenn inszeniert.

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