Samstag, 31. Mai 2014

Zeche Waltrop

Neben Zollverein Schacht XII das größte Hallenensemble im Ruhrgebiet

Förderwagen

In Waltrop wurde 1903 mit dem Abteufen begonnen, zuvor war das Leben dort hauptsächlich bäuerlich ausgeprägt. Die Zeche Waltrop wurde zur Kohleversorgung der Kaiserlichen Hochseeflotte und der Staatsbahn errichtet. Geplant wurde sie vom Architekten van de Sand, ihre historisierenden Formen sind vom Jugenstil beeinflusst. Der verwendete Backstein stammt aus umliegenden Ziegeleien. Zur Eigenversorgung und zum Bau der Koloniehäuser wurde 1905 auf dem Zechengelände eine Ringofen-Ziegelei errichtet, die Ziegel aus gemahlenem Tonschiefer brannte. 1905 wurde auch die Steinkohlen-Förderung aufgenommen, am 29. Juni 1979 wurde Zeche Waltrop mit mit 1294 Beschäftigten stillgelegt. 76 Jahre lang war sie Ort des Broterwerbs und lange Zeit auch der größte Arbeitgeber in Waltrop. Sie hat als typische Zeche der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende eine außerordentlich große Bedeutung aus technik- und architekturgeschichtlicher sowie städtebaulicher Sicht und wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Die Gebäude wurden von 1992 bis 1996 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Emscher Park sorgfältig saniert. Die Landes­ent­wicklungs­gesell­schaft Nordrhein-Westfalens übernahm die Konzeption für die Herrichtung und Wiedernutzung des gründerzeitlichen Hallenensembles sowie die Vermarktung an Dienstleister und Gewerbetreibende. Das Einzelhandelsunternehmen Manufactum nutzt insgesamt vier Gebäude der ehemaligen Zeche Waltrop: Die Zentrale Maschinenhalle als Verwaltungsgebäude, die ehemalige Waschkaue und Maschinenhalle I/II als Verkaufsräume, und die Lohnhalle als Gasthaus.

Spurwerkturm auf der Halde Brockenscheidt

Vom 20 Meter hohen Spurwerkturm des Künstlers Jan Bormann auf der angrenzenden Halde Brockenscheidt hat man den besten Überblick über die erhaltenen Gebäude, neben Zeche Zollverein das größte zusammenhängende Hallenensemble des Ruhrgebiets.

Spurwerkturm auf der Halde Brockenscheidt, Detail

Blick vom Spurwerkturm auf der Halde Brockenscheidt auf Zeche Waltrop mit Zentralmaschinenhalle, Maschinenhalle I/II, Magazingebäude, Maschinenhalle III/IV und Schmiede

Vom Spurwerkturm ist auch die benachbarte Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer mit dem nach einer Ideenskizze von Luigi Colani gebauten „Colani-Ei“ auf dem ehemaligen Fördergerüst der Schachtanlage 4 zu erkennen.

Blick vom Spurwerkturm auf der Halde Brockenscheidt Richtung Lüntec-Tower (auch als „Colani-Ei“ bekannt)

Zeche Waltrop, Protegohaube über Schacht II

Zeche Waltrop, Magazingebäude

Im Magazingebäude befand sich alles an Kleinmaterial, was untertage gebraucht wurde. Im oberen Teil des Gebäudes befand sich die Lampenstube mit den Grubenlampen.

Zeche Waltrop, Magazingebäude

Zeche Waltrop, Magazingebäude

Zeche Waltrop, Magazingebäude

Zeche Waltrop, Maschinenhalle I/II

In der Maschinenhalle I/II befanden sich die Zwillingstandem-Dampffördermaschinen für den Schacht I, hergestellt in der Eisenhütte Prinz Rudolph, Dülmen. Eine der Maschinen (№ 747 und № 748) wurde bereits 1906 eingesetzt und war 1979 bei der Stilllegung der Zeche die älteste noch in Betrieb befindliche Dampffördermaschine. Zu Betriebszeiten wurden die Maschinen aus drei Kesseln gespeist, die bis zu 40 Tonnen Dampf je Stunde bereitstellen konnten und von denen je zwei während der Förderung ständig unter Volllast liefen. Die gesamte Maschine erzeugte mit einem Hubraum von ca. 1.300 Litern eine Leistung von ca. 2.000 bis 2.500 PS (Schätzwerte, Betriebsunterlagen waren nicht mehr auffindbar). Entgegen anderslautender Meldungen – beispielsweise auf der Website der Route der Industriekultur – ist die Dampffördermaschine jedoch nicht samstags zu besichtigen.

Zeche Waltrop, Maschinenhalle I/II, Innenansicht

Zeche Waltrop, Maschinenhalle I/II, Zwillingstandem-Dampffördermaschine für Schacht I

Zeche Waltrop, Zentralmaschinenhalle

In der Zentralmaschinenhalle standen die z. T. riesigen Maschinen zur Erzeugung von Druckluft und Strom. Die Druckluft, mit der aus Sicherheitsgründen ein Großteil der Maschinen untertage betrieben wurde, erzeugte man anfangs mit Dampfkompressoren, später mit Elektroturbinen. Die Turbokompressoren hatten eine Leistung von 20.000 m³/h. Die Stromversorgung wurde durch einen Turbogenerator gewährleistet.

Zeche Waltrop, Zentralmaschinenhalle

Zeche Waltrop, Zentralmaschinenhalle

Zeche Waltrop, Lohnhalle und Schwarz-Weißkaue

Die Kaue, in der sich die untertage arbeitende Belegschaft umzog, teilte sich ein in die Schwarzkaue für die Berufskleidung, die Weißkaue für die saubere Kleidung und die Duschen in der Mitte als Schleuse. In den 1950er Jahren wurde die Kaue in ein anderes Gebäude verlegt, das nach der Stilllegung der Zeche abgerissen wurde.

Zeche Waltrop, Lohnhalle, Innenansicht

Zeche Waltrop, Schwarz-Weißkaue, Innenansicht

Zeche Waltrop, Schwarz-Weißkaue, Innenansicht

In der Dreherei und Schlosserei wurden vorrangig Maschinenteile aus dem Übertage- und Untertagebetrieb repariert und überholt.

Zeche Waltrop, Dreherei und Schlosserei

Zeche Waltrop, Lokschuppen

1914 wurde die Zechenanschlussbahn in Betrieb genommen, die mit dem 6 Kilometer entferten Bahnhof Lünen verbunden war. Im Verkehr wurden vier dreifach gekuppelte Dampf­lokomotiven mit je 42 t Dienstgewicht eingesetzt, die ab 1965 durch zwei Diesellokomotiven mit einer Leistung von 500 bzw. 700 PS ersetzt wurden. Heute befindet sich im Lokschuppen eine Autowerkstatt.

Volvo Amazon vor dem Lokschuppen

Das Kantinengebäude, auch Milchbar genannt, wurde Mitte der 1950er Jahre errichtet. Hier versorgten sich die Arbeiter vor und nach der Schicht mit den üblichen Kioskprodukten wie Tabak, Schnupftabak, Getränke und Süßigkeiten.

Zeche Waltrop, Kantine

Übrigens: Zeche Waltrop ist auch Spielort der diesjährigen ExtraSchicht, u. a. gibt es in der Zentralen Maschinenhalle die Ausstellung „material in motion“, außerdem werden historische Führungen mit Einblicken in Unternehmen angeboten, und um 23 Uhr gibt es ein musikbegleitetes Feuerwerk.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Bunkermuseum Oberhausen

HeimatFront – Vom „Blitzkrieg“ in Europa zum Luftkrieg an der Ruhr

2014 jähren sich bedeutende historische Ereignisse: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, am 1. August 1914 kam es zur Generalmobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands an Russland, am 3. August folgte die deutsche Kriegserklärung an Frankreich. Vor 75 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg, und vor 25 Jahren fiel am 9. November 1989 nach über 28 Jahren die Berliner Mauer. Bundesweit beleuchten verschiedene Ausstellungen im Gedenkjahr der Superlative die geschichtlichen Anlässe aus verschiedensten Blickwinkeln. Das Bunkermuseum in Oberhausen existiert zwar schon eine ganze Weile, es gibt aber dennoch einen guten Einblick in die Geschichte des Luftkriegs und das System des Luftschutzes in Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Bürgerzentrum Alte Heid im ehemaligen Knappenbunker

Das einzige Bunkermuseum Nordrhein-Westfalens befindet sich im „bombensicheren Luftschutzbau“ im Oberhausener Knappenviertel. Sein Bau nach Plänen von Regierungs­bau­meister a. D. Hermann Becker geht auf den Zweiten Weltkrieg zurück und war etwa im Frühjahr 1942 abgeschlossen. Der dreistöckige, 46,92 × 19,60 Meter große Hochbunker diente maximal 2.300 Menschen als Schutzraum. Schutz vor Bomben war auch zunehmend nötig, da Oberhausen, wie das gesamte Bundesgebiet, das Ziel von zahlreichen Luftangriffen war. Bis zur Befreiung Oberhausens am 11. April 1945 durch amerikanische Truppen wurden insgesamt 161 Luftangriffe auf die Stadt geflogen. Dabei wurden etwa 11.000 Luftminen, 25.000 Sprengbomben, 39.000 Phosphorbomben und 356.000 Stabbrandbomben abgeworfen. Durch Bombenangriffe sind in Oberhausen insgesamt 2.200 Menschen gestorben. Viele Männer wurden als Soldaten im Krieg getötet oder verwundet oder gerieten in Gefangenschaft. Schon zu Kriegszeiten wohnten viele Menschen – trotz Verbot – dauerhaft im Bunker. Da ihre Wohnungen und Häuser zerstört waren, blieb ihnen oft keine andere Möglichkeit, als in Baracken oder öffentlichen Schutzräumen zu leben. Nach Kriegsende setzte sich die Nutzung als Notunterkunft zunächst inoffiziell fort, bevor der Knappenbunker als einer von vier Bunkern in Oberhausen zum Wohnbunker erklärt wurde. Bis 1956 fanden hier Familien Obdach, die ausgebombt waren oder als Flüchtlinge in die Stadt kamen. Aus dieser Zeit stammt auch die Wandgestaltung der Raumzellen mit Tapeten und Musterrollen. Ab 1953 wurde der Bunker zusätzlich zur Unterbringung von „Ostzonenflüchtlinge“ genutzt. Von 1957 bis 1967 wurde der gesamte Bunker von Anton Mayer – im Knappenviertel bekannt als „Pilzen-Anton“ – zur Zucht von Champignons genutzt. Dazu wurden Kisten mit einer Mischung aus Pferdemist und Erde in den Räumen aufgestapelt. Auch diese Nutzung hinterließ Spuren, wie die noch heute gut sichtbare grüne Kalkfarbe an Wänden und Decke. Seit 1967 stand der Bunker leer, bis ihn 1999 die Stadt Oberhausen von der Bundesfinanzverwaltung kaufte und mit den Umbauarbeiten zum Bürgerzentrum Alte Heid begann. Seit 2001 befindet sich hier das Bunkermuseum, das die Geschichte des Luftkriegs und das System des Luftschutzes in Deutschland ebenso dokumentiert wie die den Zweiten Weltkrieg begleitende Propaganda und die unmittelbaren Kriegsauswirkungen auf Oberhausen und die Region. Die Räumlichkeiten sind in ihrer Grundsubstanz unverändert, so dass ein weitgehend authentischer Eindruck erhalten geblieben ist, wie es im Bunker aussah. Zu besichtigen sind Eingangs- und Flurbereiche, 15 Raumzellen, Waschräume und Toilettenanlagen für Männer und Frauen sowie Technikräume für Belüftung und Strom.

Kleinbunker vor dem ehemaligen Knappenbunker

Oft wurden Kleinbunker in der Nähe von Industrieanlagen und kriegswichtigen Orten oder wie in diesem Fall an einer Eisenbahntrasse am Ende der Straße Hitzmannsfeld aufgestellt. Bei Luftangriffen beobachteten dort ein oder mehrere Posten durch die Sehschlitze die Lage vor Ort und meldeten Brände oder andere wichtige Informationen an Einsatzstellen z. B. der Feuerwehr. Damit der Kleinbunker für den Beobachter sicher war, wurde er auf einer Betonplatte verankert, um nicht durch den Luftdruck von Bomben umgeworfen zu werden. Außerdem gab es noch eine rückseitige Ausstiegsluke. Dem Volltreffer einer Bombe hätte ein solcher Kleinbunker allerdings nicht standgehalten. Nach Kriegsende wurden die Kleinbunker aufgrund der Entmilitarisierungsvorschriften der Alliierten unbrauchbar gemacht. Dazu wurden die Tür und die Ausstiegsluke entfernt sowie der Bunker von der Bodenplatte getrennt.

Eingang zum Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Amerikanische Sprengbombe GP 500-Lb, Gewicht ca. 227 kg, Füllung mit ca. 121 kg TNT

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Gasmaske

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Kübelspritze

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Waschraum für Männer

Im Bunker gab es pro Etage zwei Waschräume, von denen einer für Männer und einer für Frauen vorgesehen war. Duschen und Bademöglichkeiten gab es im Bunker nicht, lediglich an Waschbecken ließ sich notdürftig Körperpflege verrichten. Die Überbelegung des Bunkers sorgte für problematische hygienische Verhältnisse. Krankheiten konnten sich im Bunker ebenso schnell verbreiten wie Ungeziefer. Viele Menschen litten unter der Enge und schlechten Luft im Schutzraum. Bunker und Stollen, die kurz vor Ende des Krieges gebaut wurden, verfügten teilweise nicht über funktionierende Sanitäranlagen. Stattdessen wurden Trockentoiletten verwendet.

Bunkermuseum Oberhausen, Toilettenanlage für Männer

Bunkermuseum Oberhausen, Zugang zum Waschraum für Frauen

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Belüftungstechnik

Der Bunker musste elektrisch be- und entlüftet werden. Die Luft wurde durch Öffnungen in der dritten Etage angesaugt und über die Turbine und die Rohrleitungen im Bunker verteilt. Die Abluft entwich entweder direkt durch die Rohrleitungen in der Außenwand, oder wurde, wenn diese Öffnungen bei einem Luftangriff verschlossen wurden, elektrisch abgesaugt und nach außen abgeleitet. Die Frischluft konnte gekühlt oder erwärmt werden, die Erwärmung erfolgte in dem kohlebeheizten Lufterhitzer. Dort wurde Wasser erwärmt, durch das die Luft in Rohren geleitet wurde. Es gab zwei Belüftungsmöglichkeiten: Normalluft, die nur von Staub gefiltert wurde, und Schutzluft, die mehrere Filter durchlief und auch von Giftgasen gereinigt wurde. Im Schutzluftmodus stand deutlich weniger frische Luft zur Verfügung. In diesem Modus wurde die Entlüftung ausgeschaltet und im Bunker ein Überdruck erzeugt, so dass keine giftigen Gase von außen eindringen konnten. Der Luftdruck wurde durch Überdruckventile geregelt und überschüssiger Druck entwich durch die Gasschleuse, damit diese ständig von Luft durchströmt wurde. Im Fall eines kompletten Stromausfalls konnte der Bunker über handbetriebene Belüfter weiterhin mit Frischluft versorgt werden. Neben der direkten Erwärmung der zugeführten Frischluft gab es in diesem Bunker noch eine reguläre Heizungsanlage mit zwei kohlebetriebenen Öfen, die sich in einem heute nicht zugänglichen Raum befanden. In späteren Bunkern wurde auf den Bau von Heizungsanlagen dagegen verzichtet, weil erfahrungsgemäß die Körperwärme der Menschen in den überbelegten Bunkern für ausreichend Wärme sorgte.

Bunkermuseum Oberhausen: Lufterhitzer Fa. Nolting, ölbetrieben, Bujahr 1962, wahrscheinlich zur Pilzzucht in der Nachkriegszeit benutzt

Bunkermuseum Oberhausen

Bunkermuseum Oberhausen, Lufterhitzer

Bunkermuseum Oberhausen, Frischluftturbine

Bunkermuseum Oberhausen, Frischluftturbine

Bunkermuseum Oberhausen, Stromversorgung

Die Bunker waren in der Regel an das normale städtische Strom-, Wasser- und Abwassernetz angeschlossen. Zusätzlich verfügte dieser Bunker über einen Brunnen. Beim Stromnetz erfolgte der Anschluss auf zwei verschiedenen Seiten, so dass auch im Fall einer durch Bombentreffer beschädigten Leitung die Versorgung gesichert war. Als weitere Sicherheitsmaßnahme gab es im Bunker ein Notstromaggregat, das auf dem Betonsockel montiert war – obwohl bereits 1942 der Einsatz von solchen Aggregaten in Bunkern untersagt war, da sie an anderen „kriegswichtigeren“ Stellen dringender benötigt wurden. Eine gesonderte elektrische Notbeleuchtung gab es im Knappenbunker nicht, stattdessen wurden im Falle eines Stromausfalls Kerzen verwendet. Ein roter Streifen im Gangbereich des Bunkers diente der zusätzlichen Orientierung.

Bunkermuseum Oberhausen, Stromversorgung

Das Bunkermuseum kann mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden. Offene Führungen finden einmal im Monat statt, für Schulklassen werden auch Workshops angeboten. Weitere Informationen unter www.bunkermuseum-oberhausen.de.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Vorschau: „Bonnie & Clyde“

„Bonnie & Clyde“ – nach der Biografie von Bonnie Parker und Clyde Barrow; Musik: Frank Wildhorn; Liedtexte: Don Black; Buch: Ivan Menchell; Deutsche Bearbeitung: Holger Hauer; Regie: Jens Göbel; Choreografie: Adonai Luna; Ausstattung: Julia Hattstein; Video: Konrad Kästner; Musikalische Leitung: William Ward Murta. Darsteller: Abla Alaoui (Bonnie Parker), Philipp Büttner/Benedikt Ivo (Clyde Barrow), Navina Heyne (Blanche Barrow, Clydes Schwägerin), Udo Eickelmann (Buck Barrow, Clydes Bruder), Maila Traczyk (Cumie Barrow, Clydes Mutter), Thomas Klotz (Deputy Sheriff Ted Hinton), Mark Coles (Richter/Priester), Ulrich Allroggen (Polizist/Sheriff Smoot Schmid), Tina Haas (junge Bonnie), Fabian Kaiser (junger Clyde/Archie/Reporter), Melanie Kreuter (Emma Parker, Bonnies Mutter), Jessica Krüger (Eleanor Bee Williams) u. a. Uraufführung: 22. November 2009, La Jolla Playhouse, La Jolla, California. Broadway-Premiere: 1. Dezember 2011, Gerald Schoenfeld Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 7. September 2014, Theater Bielefeld.



„Bonnie & Clyde“


Deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals am Theater Bielefeld


„Bonnie & Clyde“ wurde am Broadway nach gerade einmal 33 Previews und 36 regulären Vorstellungen am Gerald Schoenfeld Theatre am 30. Dezember 2011 abgesetzt, doch glücklicherweise erschien im Frühjahr des darauffolgenden Jahres die Original Broadway Cast Aufnahme, anhand derer nicht nur die Partitur von Frank Wildhorn mit einer wunderbaren Mischung amerikanischer Musikstile, sondern das Musical anhand der im Booklet abgedruckten Synopsis und der Songtexte als Ganzes nachvollziehbar ist. Nun präsentiert das Theater Bielefeld die deutschsprachige Erstaufführung der Geschichte des berühmt-berüchtigsten Gängsterpärchens in der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Das Musical folgt den wichtigsten Stationen ihres Lebens und zeichnet mit jazzig-frivolen Melodien und bitterbösem Charme die Metamorphose der in ärmlichen Verhältnissen aufwachsenden Teenager zum glamourösen Verbrecherduo nach: von Bonnies Traum berühmt zu werden, und Clydes Drang, sich aus dem Leben in den Slums von West Dallas zu befreien, über ihre Begegnung, den ersten Mord und Bonnies Hilfe bei Clydes Ausbruch aus dem Gefängnis, bis hin zu ihrer Flucht kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten. Die Geschichte von zwei Menschen, die rücksichtslos gegen sich und andere ihren Hunger nach dem wahren Leben verfolgen.

Abla Alaoui, © Gela Megrelidze

Für die beiden Titelrollen konnten drei Newcomer aus der deutschen Musicalszene gewonnen werden. Als Bonnie ist Abla Alaoui (* 1990) erstmals am Theater Bielefeld zu Gast. Die in Deutschland geborene Marokkanerin begann nach dem Abitur ihre Ausbildung zur Musical-Darstellerin als Stipendiatin an der Joop van den Ende Academy in Hamburg. Noch vor Abschluss ihres Studiums bekam sie ein Angebot für „Sister Act – Das Broadway-Musical“ in Oberhausen. Seit Dezember 2013 verkörpert sie dort die Rolle der Schwester Mary Robert. Clyde wird verkörpert von Philipp Büttner (* 1991 in Würzburg), alternierend mit Benedikt Ivo (* 17. Februar 1988 in Marburg). Philipp Büttner hat in diesem Jahr sein Musical-Studium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding beendet. Im Rahmen des Studiums übernahm er bereits zahlreiche Rollen, u. a. die Titelpartie in Philip Glass' Oper „Galileo Galilei“ in der Münchner Reaktorhalle. Ab Juli 2014 ist er in der Partie des Simon in „Jesus Christ Superstar“ im Staatstheater am Gärtnerplatz in München zu erleben. Beim Bundeswettbewerb Gesang gewann er 2013 den 1. Preis im Juniorwettbewerb. Benedikt Ivo absolvierte im Alter von nur 16 Jahren eine Ausbildung zum Chorleiter, gefolgt von einer Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer. Er bewarb sich und bestand drei Auswahl-Runden bei der von Sat.1 gesendeten Casting-Show „Ich Tarzan, Du Jane“. Im Anschluss an seine Fernseherfahrung wurde Benedikt Ivo an der Joop van den Ende Academy in Hamburg aufgenommen, wo er bis 2011 studierte. In der aktuellen Spielzeit war er unter anderem in der Titelpartie von Xavier Naidoos Musical „Timm Thaler“ (Uraufführung 16. November 2013, Regie Stanislav Moša) am Staatstheater Darmstadt und als Prinz Benedikt im Musical „Aschenputtel“ bei den „Brüder Grimm Festspielen“ (Uraufführung 16. Mai 2014, Regie Holger Hauer) zu sehen. In weiteren Rollen werden u. a. Navina Heyne (u. a. „Die Show ihres Lebens“ am TfN) als Clydes Schwägerin Blanche Barrow, Udo Eickelmann (u. a. „Tanz der Vampire“ am Theater des Westens Berlin) als Clydes Bruder Buck Barrow, Thomas Klotz (u. a. „Company“ und „City of Angels“ am Theater Bielefeld) als Deputy Sheriff Ted Hinton und Tina Haas (u. a. „Wagners Ding mit dem Ring“ an der Musikalischen Komödie Leipzig) als junge Bonnie auf der Bühne des Stadttheaters Bielefeld stehen.

Am 7. September 2014 geht die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals „Bonnie & Clyde“ am Stadttheater Bielefeld über die Bühne, Tickets für alle Vorstellungen bis Ende Oktober (13., 18., 21., 26. September, 3., 14., 17., 22. Oktober 2014) sind ab 1. Juni 2014 im Vorverkauf.

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe. Architektur und Geschichte“

Ruhr Museum stellt neuen Band zur Architektur und Geschichte der Margarethenhöhe vor

1906 rief Margarethe Krupp (* 15. März 1854 in Breslau, † 24. Februar 1931 in Essen) anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha (* 29. März 1886 in Essen, † 21. September 1957 in Essen) die „Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungs­für­sorge“ ins Leben, die mit einem Kapital von einer Million Mark und 50 Hektar Bauland ausgestattet wurde. Mit der Realisierung der Margarethenhöhe ab 1909 bis 1938 wurde der Architekt Georg Metzendorf (* 25. September 1874 in Heppenheim, † 3. August 1934 in Essen) beauftragt. Metzendorfs zukunfts­weisendes Konzept eines „umfassend reformierten Kleinwohnhauses“, welches er 1908 auf der Hessischen Landesausstellung in Darmstadt vorstellte, trug maßgeblich zu seiner Beauftragung in Essen bei. Sein Grundrissentwurf basierte auf einem „variablen Typengrundriss“, der an die jeweiligen Raumbedürfnisse angepasst werden konnte. Zur hohen Lebensqualität der Siedlung trug der Wohnungs­standard auf der Margarethenhöhe bei, der zur damaligen Zeit höchsten Ansprüchen genügte. Alle Wohnungen waren mit modernsten Heiz- und Sanitäranlagen ausgestattet und bis 1918 verfügte jedes Haus über einen eigenen Garten. Seit dem 12. November 1987 steht der größte Teil der „Alten“ Margarethenhöhe – im Gegensatz zu der von 1962 bis 1980 nach Plänen des Wettbewerbgewinners Dr. Wilhelm Seidensticker realisierten „Neuen“ Margarethenhöhe – mit 586 Gebäuden und 1.157 Wohneinheiten unter Denkmalschutz. Die Margarethenhöhe wird als „Gesamtkunstwerk“ und „Denkmal von europäischem Rang“ bewertet. Das Zentrum der Margarethenhöhe bildet der „Kleine Markt“ mit dem „Gasthaus zur Margarethenhöhe“ (1911), dem Schatzgräberbrunnen (1912) von Bildhauer Joseph Enseling (* 28. November 1886 in Coesfeld, † 16. Juli 1957 in Düsseldorf) und der ehemaligen Kruppschen Konsumanstalt (1911/1912). Das Wohnangebot stand im Unterschied zum Kruppschen Werkswohnungsbau allen Essener Bürgern offen, der vergünstigte Einkauf in der am Marktplatz gelegenen Konsumanstalt war aber den Kruppschen Werksangehörigen vorbehalten.

„Gasthaus zur Margarethenhöhe“

Die „Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“ stellte auch Räumlichkeiten für freie Künstler zur Verfügung, so dass sich die Margarethenhöhe ab 1917 zu einer Künstlerkolonie von überregionaler Bedeutung entwickelte. Mit dem Bau des „Kleinen Atelierhauses“ (1919) in der Sommerburgstraße 18 für den Grafiker Hermann Kätelhön (* 22. September 1884 in Hofgeismar, † 24. November 1940 in München), des „Werkhauses“ (1927) Im Stillen Winkel 1 sowie des „Großen Atelierhauses“ (1929) Im Stillen Winkel 42-48 als bis heute einzigartiges Kunstförderungsmodell in Essen bereicherte eine Künstler- und Kunsthandwerkergemeinschaft den Alltag sowohl in der Gartenstadt als auch im gesamten Industriegebiet. Zum Kreis der auf der Margarethenhöhe tätigen Künstler zählten neben Hermann Kätelhön u. a. der Bildhauer Will Lammert (* 5. Januar 1892 in Hagen, Westfalen, † 30. Oktober 1957 in Berlin), die Goldschmiedin Elisabeth Treskow (* 20. August 1898 in Bochum, † 6. Oktober 1992 in Brühl (Rheinland)), die Buchbinderin Frida Schoy (* 23. November 1889 in Duisburg, † 31. August 1963 in Essen) und der Fotograf Albert Renger-Patzsch (* 22. Juni 1897 in Würzburg, † 27. September 1966 in Wamel). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die KünsterInnen vertrieben und damit der Künstlergemeinschaft ein Ende gesetzt. Seit 27. April 2012 bietet das Ruhr Museum im „Kleinen Atelierhaus“ mit der Ausstellung „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ in den ehemaligen Atelier- und Werkräumen einen Überblick über die Geschichte der Siedlung sowie das Leben und den Alltag ihrer Bewohner.

„Kleines Atelierhaus“ an der Sommerburgstraße

Die Eröffnung dieser Dauerausstellung war der Anlass zu einer Vortragsreihe im „Kleinen Atelierhaus“, in deren Verlauf Diana Maria Friz, die Urenkelin der Stifterin Margarethe Krupp, Dr.-Ing. Rainer Metzendorf, der Enkel des Architekten Georg Metzendorf, Geograph Prof. Dr. Hans-Werner Wehling, Denkmalpfleger Prof. Dr.-Ing. Walter Buschmann und Rixa Gräfin von Schmettow, langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende der Bürgerschaft Margarethenhöhe, einen vollständigen Überblick über die Architektur, die Geschichte und das Leben auf der Margarethenhöhe gegeben haben. Die Vorträge stellen die Grundlage des nunmehr vorgestellten Bandes „Die Gartenstadt Margarethenhöhe. Architektur und Geschichte“ dar, der sich an die Bewohner der Margarethenhöhe, alle an der Gartenstadtbewegung Interessierten und mit zahlreichen Abbildungen auch an die breite Öffentlichkeit richtet.

Prof. Heinrich Theodor Grütter, Achim Mikuscheit, Ruhr Museum, Dr. Ludger Claßen, Klartext Verlag, und Theodor Möller, Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge

Achim Mikuscheit, Leiter der Aussenstellen des Ruhr Museums, der bereits an der Zusammenstellung der Vortragsreihe beteiligt war, hat durch seine redaktionelle Tätigkeit dafür gesorgt, dass aus einer Reihe von Vortragsmanuskripten der heute vom Ruhr Museum, der Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge und dem Klartext Verlag vorgestellte Band 2 der Kleinen Schriften des Ruhr Museums mit folgenden Beiträgen entstanden ist:
  • Diana Maria Friz
    Margarethe Krupp als Stifterin und Wohltäterin
  • Dr.-Ing. Rainer Metzendorf
    Die Margarethenhöhe und die Gartenstadtbewegung im Kontext des 20. Jahrhunderts
  • Prof. Dr. Hans-Werner Wehling
    Die Margarethenhöhe – städtebauliche Einflüsse und Wirkungen
  • Prof. Dr.-Ing. Walter Buschmann
    Die Margarethenhöhe – ein Denkmal von Weltrang
  • Rixa von Schmettow
    Leben auf der Margarethenhöhe
Im Herbst diesen Jahres wird die Kleine Schriftenreihe um den „Wegweiser Margarethenhöhe“ von Rainer Metzendorf und Achim Mikuscheit, Klartext Verlag, ISBN 978-3-8375-1142-0 erweitert, der die Siedlung Margarethenhöhe in Spaziergängen als Gesamtkunstwerk und soziales Phänomen vorstellen und sich nicht auf die Baudaten und die bloße Beschreibung der kunsthistorischen Architektur beschränken wird.

Cover „Die Gartenstadt Margarethenhöhe. Architektur und Geschichte“, © Klartext Verlag

„Die Gartenstadt Margarethenhöhe. Architektur und Geschichte“
Kleine Schriften des Ruhr Museums, Band 2
Herausgeber Prof. Heinrich Theodor Grütter
Redaktion Achim Mikuscheit
112 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
Erschienen im Klartext Verlag
ISBN 978-3-8375-1141-3
12,95 €