Mittwoch, 1. Juni 2011

One Touch of Venus

„One Touch of Venus“ – nach der Erzählung „The Tinted Venus“ von Thomas Anstey Guthrie; Musik: Kurt Weill; Songtexte: Ogden Nash; Buch: S. J. Perelman und Ogden Nash; Deutsche Übersetzung: Sabine Ruflair; Regie: Reinhardt Friese; Choreografie: Kurt Schrepfer; Ausstattung: Beata Kornatowska; Musikalische Leitung: Patricia Martin; Musikalische Einstudierung: Michael David Mills; Regieassistenz: Michael Masberg. Darsteller: Matthias Kreinz (Whitelaw Savory, Kunstliebhaber), Verena Mackenberg (Molly Grant, Savorys Assistentin), Andreas Bongard (Rodney Hatch, Friseu), Miriam Schwan (Venus, eine Göttin aus Anatolien), Michèle Fichtner (Gloria Kramer, Rodneys Verlobte, u. a.), Marie Lumpp (Mrs. Kramer, Glorias Mutter, u. a.), Stefan Preuth (Taxi Black, Privatdetektiv, Dr. Crippen, Dr. Rook, Psychater, u. a.), Oliver Morschel (Stanley, Taxi Blacks Assistent, u. a.), David Johnston (Zuvetli, ein konservativer Anatolier, u. a.), Julia Meier (Mrs. Moats, Rodneys Vermieterin, Belle Elmore, Dr. Crippens Ehefrau, u. a.), Victoria Reich (Ethel le Neve, Dr. Cippens Schreibkraft u. a.), Tobias Berroth (Sam, eine Urlaubsbekanntschaft, u. a.), Michael Masberg (Aktmodell), Leonie Thoms (Venusstatue). Uraufführung: 7. Oktober 1943, Imperial Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 17. Juni 1994, Südthüringisches Staatstheater, Meiningen. Premiere: 28. Mai 2011, Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen.

„Ein Hauch von Venus“: MG Midget vor der Alten Abtei,
Hauptsitz der Folkwang Universität der Künste



One Touch of Venus

Das Abschlussprojekt der Studierenden im Studiengang Musical der Folkwang Universität der Künste

Im nunmehr 22. Jahr seit Einrichtung des Studiengangs Musical an der Folkwang Universität der Künste kommt dieses Jahr „One Touch of Venus“ von Kurt Weill (Musik) und Ogden Nash (Liedtexte) in Kooperation mit Bayer Kultur als Abschlussprojekt der Studierenden im Studiengang Musical auf die Bühne. Komponist Kurt Weill (* 2. März 1900 in Dessau, † 3. April 1950 in New York) hat 1928 in Zusammenarbeit mit Bertold Brecht (* 10. Februar 1898 in Augsburg, † 14. August 1956 in Ost-Berlin) „Die Dreigroschenoper“ geschrieben, die die erfolgreichste deutsche Theateraufführung bis 1933 wurde. Dieser Erfolg war bereits international bekannt, als Kurt Weill 1935 in die USA emigrierte. „One Touch of Venus“ wurde mit 567 Aufführungen sein am häufigsten aufgeführtes Werk am Broadway. Marlene Dietrich, ursprünlich für die Titelrolle vorgesehen, hat diese während der Proben zurückgegeben, ihr war das Stück „zu sexy und profan“. Mary Martin übernahm die Rolle und bekam damit die Möglichkeit, sich als Broadway-Star zu etablieren.

Unter Verwendung des antiken Pygmalion-Stoffs der schönen Galatee, die als Statue zu Leben erwacht, und der Novelle „The Tinted Venus“ von Thomas Anstey Guthrie entstand eine Liebeskomödie im New York der vierziger Jahre. Aus einer Laune heraus steckt Rodney Hatch, ein junger Friseur, einer Venusstatue im Museum den für seine Braut Gloria vorgesehenen Verlobungsring an den Finger. Venus wird lebendig und flirtet ausdauernd mit ihm. Gloria wird von ihr kurzerhand an den Nordpol gezaubert. Rodney und Venus landen im Gefängnis, da man ihnen den Raub einer Statue und das unerklärliche Verschwinden Glorias anlastet. Als die launische Liebesgöttin erfährt, dass sie als Gattin Rodneys ihr Leben in der tristen Vorstadt in kleinbürgerlichem Hausfrauendasein verbringen soll, verwandelt sie sich wieder in ihre marmorne Form zurück. Rodney hingegen findet in einer ihr äußerst ähnlich sehenden Kunststudentin rasch eine neue, reale Liebe.

Am Dienstag, 31. Mai 2011 fand die Essener „Premiere“ von „One Touch of Venus“ in der Neuen Aula der Folkwang Universität der Künste in Essen-Werden statt. Es war mir bei „Find My Way“ bereits unangenehm aufgefallen, und tatsächlich wiederholte sich der Vorgang auch diesmal: Bei Veranstaltungen in der Neuen Aula werden Plätze doppelt verkauft, und wenn dann tatsächlich beide Besitzer einer Karte für ein und denselben Platz zur Veranstaltung erscheinen, was ja nicht so unwahrscheinlich ist, führt dies regelmäßig zu Verwunderung, mitunter auch Verstimmung, noch bevor die Aufführung überhaupt begonnen hat.

Der Studiengang Musical der Folkwang Universität der Künste nimmt jährlich sechs Studierende auf. Daher standen für das Abschlussprojekt mit dem dritten und vierten Jahrgang des Studiengangs 6 weibliche und 6 männliche Darsteller zur Verfügung, die teilweise mehrere kleine Rollen übernommen haben. Miriam Schwan verkörpert als zu Leben erwachte Venus-Statue die liebestolle Göttin, vor der Rodney Hatch vergeblich zu fliehen versucht. Andreas Bongard verkörpert das Objekt ihrer Begierde, und auch er erliegt schließlich ihrer Schönheit. Beide haben letztendlich gegensätzliche Liebesauffassungen, aber Schauspiel und Gesang der beiden Protagonisten machen „One Touch of Venus“ zu einer kurweiligen Unterhaltung. Matthias Kreinz verkörpert den exzentrischen Kunstsammler Whitelaw Savory, irgendwo zwischen selbstgefällig und machtverliebt. Ihm zur Seite steht Verena Mackenberg als seine Sekretärin Molly Grant, die niemals den Durchblick verliert. Michèle Fichtner gibt Rodneys Verlobte Gloria Kramer derartig überzeugend als Furie, beinahe verständlich, dass sie von der liebestollen Göttin außer Gefecht gesetzt wird. „Sic transit Gloria Kramer“, wie Venus zu sagen pflegte. Stefan Preuth ist als Privatdetektiv Taxi Black, Mörder Dr. Crippen und Psychater Dr. Rook in gleich drei Rollen zu erleben. Leonie Thoms, Studierende im 2. Jahrgang des Studiengangs Musical, steht in diesem Jahr „nur“ als marmorne Venusstatue auf der Bühne, aber das nächste Abschlussprojekt kommt bestimmt …

Die Choreografie von Kurt Schrepfer verleiht der Aufführung optisch den nötigen Schwung, wobei beinahe komische Nummern wie beispielsweise „Way Out West in Jersey“ besonders gefallen. Für das Abschlussprojekt der Folkwang Universität der Künste wurden die Dialoge von Sabine Ruflair neu übersetzt, die Songtexte wurden im Original belassen. Unter der musikalischen Leitung von Patricia Martin setzt das 26-köpfige (!) Orchester Kurt Weills Partitur zwischen verschiedensten amerikanischen und europäischen Stilrichtungen wie Swing, Tango, Rumba, Boogie oder auch Walzer schwungvoll um. Wer die aktuelle Sparpolitik im Orchestergraben verfolgt hat, weiß einen derartig opulenten Klangkörper umso mehr zu schätzen.

Haben Sie selbst „One Touch of Venus“ in Essen gesehen? Stimmen Sie ab, wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?