Samstag, 24. April 2010

Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre

„Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ – Text: Tilmann von Blomberg; Liedtexte: Bärbel Arenz; Arrangements & Musikalische Einstudierung: Carsten Gerlitz; Regie: Katja Wolff; Choreografie: Betty Dir; Bühnenbild: Susanne Füller; Kostüme: Heike Seidler; Musikalische Leitung: Maria Baptist. Darsteller: Mary Harper, Kerstin Marie Mäkelburg, Angelika Mann, Inez Timmer. Keyboard: Maria Baptist, Gitarre: Katrin Schüler-Springorum, E-Bass: Maike Scheel, Schlagzeug: Karoline Körbel. Premiere: 23.04.2010, Theater im Rathaus, Essen.



Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre

Ein musikalisches Hormonical

Im Zeitalter von Jukebox-Musicals wie „Mamma Mia!“, „We Will Rock You“ oder „Ich war noch niemals in New York“ hat sich Tilmann von Blomberg mit dem Klimakterium der Frau eines Themas angenommen, das bisher häufig tabuisiert wurde. Die Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau und die daraus resultierenden Krisen wurden in eine amüsante Geschichte verpackt, woraus der Untertitel „Ein musikalisches Hormonical“ resultiert.

Vier Frauen, die sich alle in bzw. kurz vor den Wechseljahren befinden, möchten im gleichen Flugzeug nach New York fliegen, stranden aber aufgrund diverser Flugverspätungen am Flughafen. (Ein aktueller Bezug zu den durch die Aschewolke des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull verusachten Flugausfällen ist wirklich rein zufälliger Natur.) Mary Harper, Kerstin Marie Mäkelburg, Angelika Mann und Inez Timmer stehen gemeinsam mit vier musikalischen Flugbegleiterinnen auf der Bühne. Sie verkörpern unterschiedliche Frauenfiguren: Die Karrierefrau, 54 (Kerstin Marie Mäkelburg), die Hausfrau, 55 (Angelika Mann), die Vornehme, 57 (Inez Timmer) und die Junge, 42 (Mary Harper). Sie sind zwar unterschiedlich, aber in jeder von ihnen steckt auch etwas von der anderen und jede hat auf ihre Art und Weise nicht nur Probleme mit den Beschwerden des Klimakteriums, sondern auch mit dem anderen Geschlecht: die Hausfrau mit ihrem Ehemann, die Vornehme mit ihrem Vater, die Junge mit ihrem Verlobten und die Karrierefrau hauptsächlich mit sich selbst. Und so nutzen sie die Wartezeit, um sich musikalisch über ihre Krisen auszutauschen.

Carsten Gerlitz arrangierte dafür bekannte Evergreens aus den ´60er bis ´80er Jahren („Downtown“, „Fly me to moon“, „Is this the way to Amarillo?“, „It's raining men“, „I've been looking for freedom“, „I will survive“, „Lady Marmelade“, „Pretty Woman“, „Stand by your man“ u.v.a.), zu denen Bärbel Arenz neue deutsche Texte verfasst hat. So wird zur Meldoie von „Stand by your man“ das Thema Inkontinenz besungen, ein Song zur Melodie von „Lady Marmalade“ befasst sich mit potenzsteigernden Mitteln, und aus „Pretty Woman“ wurde „Busy Woman“. Symptome der Wechseljahre wie Schlaflosigkeit, nächtliche Schweißausbrüche, Heißhungerattacken, Probleme mit Kindern und alt gewordenen Eltern, Gewichtszunahme und schlappe Ehemänner werden als Solo, im Duett oder als Quartett intoniert. Der Flug nach New York, der zum Ende der 130 Minuten dauernden Aufführung zum Einsteigen aufgerufen wird, wird eine Art Aufbruch, auch für die Junge, die ihn gar nicht antritt.

Die aus Kentucky/USA stammende Schauspielerin und Sängerin Mary Harper hat sowohl in den USA als auch in Europa auf zahlreichen Theaterbühnen im Sprechtheater und Musical und auch für Film und Fernsehen gearbeitet. Die Rolle der Eliza in „My Fair Lady“ hat sie bereits in über 200 Vorstellungen am Theater in St. Gallen, am Deutschen Theater in München und bei den Domfestspielen in Bad Gandersheim gesungen, wo sie für diese Darstellung als beste Schauspielerin mit dem Roswitha-Ring ausgezeichnet wurde. Die gebürtige Hamburgerin Kerstin Marie Mäkelburg ist für Fernseh- und Theaterproduktionen tätig. Musicalbesuchern ist sie als Lisa Wartberg in „Ich war noch niemals in New York“, als Vivian Pressman in „Dirty Dancing – Das Original live on Stage“, als Fräulein Rottenmeier in „Heidi – Das Musical“ oder als Tanya in „Mamma Mia!“ sicher ein Begriff. Dort konnte sie ihr komödiantes Talent bereits unter Beweis stellen. Angelika Mann hat ihre Ausbildung als Sängerin und Pianistin absolviert und wirkte danach überwiegend in der DDR. Nach ihrer Ausreise nach West-Berlin begann sie eine Karriere als Theaterschauspielerin und Kabarettistin. Unmittelbar im Anschluss an ihre Ausbildung zur Jazzsängerin und Gesangslehrerin am Konservatorium Hilversum arbeitete die Niederländerin Inez Timmer als Musicaldarstellerin und gehörte bei viele namhaften Musicals mit zur Premierenbesetzung. Als Erstbesetzung der Frau Dünnbügel stand sie von 2007 bis Februar 2010 in „Ich war noch niemals in New York“ auf der Bühne. Neben dem Musical ist der Jazz ihre zweite, große Leidenschaft. Aktuell hat sie sich im Ruhrgebiet niedergelassen und ist als Gesangslehrerin und bei kürzeren Engagements im Theater und auf Kreuzfahrtschiffen tätig.

Die Darstellerinnen harmonieren gut miteinander, und auch in den Soli kann jede für sich überzeugen. Die Rahmenhandlung wird durch das Einheitsbühnenbild des Wartebereichs eines Flughafengates unterstützt (Bühnenbild: Susanne Füller), und die Kleidung der auf der Bühne agierenden Damen (Kostüme: Heike Seidler) unterstreicht die dargestellten Charaktere. Die Musikerinnen sind als Flubegleiterinnen/Bodenpersonal ebenfalls in das Geschehen auf der Bühne einbezogen. Thematik und Umsetzung treffen offensichtlich den Geschmack und auch den Humor des in der besuchten Vorstellung mehrheitlich weiblichen Publikums. „Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ wird noch bis zum 8. Mai 2010 im Theater im Rathaus Essen gezeigt.

Nachtrag: Wegen der großen Nachfrage wird „Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ in der Spielzeit 2010/2011 erneut gezeigt, und zwar vom 11. – 14. Oktober 2010 und vom 18. – 23. Januar 2011.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Super Veranstaltung!

Jeder findet bestimmt einige Paralellen.
Wir haben viel gelacht und kräftig im Takt mitgeklatscht.

Detlef hat gesagt…

Inzwischen ist das Stück als Tournee der Konzertdirektion Landgraf unter dem Titel „Heisse Zeiten – Wechseljahre“ zu sehen.