Montag, 26. April 2010

Still friends

„Still friends“ – Annika Bruhns, Pia Douwes; Staging & Choreografie: Gaines Hall; Musikalische Leitung/Piano: Jon Mortimer; Percussion: Stephan Jockusch, Gitarre: Matthias Strass, Horn: Bethany Kutz, Cello: Ania Koleba, Bass: Frank Skriptschinski, Keyboard: Erik Freitag, Reeds: Joe Ridder, Trompete: Michael Leuschner, Posaune: Chris Fidler, Geige: Matthias Brommann, Drums: Kai Bussenius. 22.03.2010, TUI Operettenhaus Hamburg; 29.03.2010, Palladium Theater Stuttgart; 19.04.2010, Theater des Westens Berlin; 26.04.2010, Colosseum Theater Essen

Foto: Martina Sandkühler, © compromise-productions


Ein Abend, zwei Freundinnen, viel Musik und jede Menge ungeschminkter Stories …


Unter dieses Motto hatten Annika Bruhns und Pia Douwes ihren gemeinsamen, sehr persönlichen Konzertabend gestellt, mit dem sie auf eine über zwanzigjährige Freundschaft zurückblicken und so einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend auf hohem professionellem Niveau bieten. Die besuchte Vorstellung in Essen stellt gleichzeitig den Abschied der beiden von der Bühne des Colosseum Theaters dar, das nach dem Ende der vorgesehenen Spielzeit von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ wie berichtet seinen En-suite-Spielbetrieb einstellen wird.

Annika Bruhns, Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions

Annika Bruhns (* 8. August 1966 in Hamburg) spielt aktuell in der Hamburger Produktion von „Ich war noch niemals in New York“ alternierend die Hauptrolle der Lisa Wartberg. Sie wuchs in Israel und den USA auf und absolvierte ihre Ausbildung am Connecticut College in New London im Studienfach Gesang und in der Meisterklasse an der American Musical and Dramatic Academy in New York City. Ihr erstes Bühnenengagement als Fabrikarbeiterin/Eponine in der Wiener „Les Misérables“-Produktion führte sie 1988 in den deutschsprachigen Raum zurück, wo sie danach bereits in vielen Großproduktionen zu erleben war, u.a. als Isabella in Eric Woolfson´s „Gaudí“ in Alsdorf und Köln, als Ludovica/Frau Wolf und alternierende Elisabeth in der Essener „Elisabeth“-Produktion und als alternierende Donna in der Hamburger Produktion von „Mamma Mia!“.

Pia Douwes, Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions

Über Pia Douwes (* 5. August 1964 in Amsterdam) braucht man bei ihrem Bekanntheitsgrad sicher nicht viele Worte zu verlieren: Ausbildung an der Londoner Brooking School of Ballet, Gesangsunterricht u.a. bei Noelle Turner und Carol Blaickner-Mayo in London, Hamburg und Wien, 1984 und 85 Musicalkurse bei Susi Nicoletti und Sam Cayne. Erste Bühnenerfahrungen als Crystal in „Little Shop of Horrors“ in Wien, schließlich 1992 der Durchbruch mit der Hauptrolle bei der Uraufführung des Musicals „Elisabeth“ im Theater an der Wien, die sie später auch noch in den Produktionen in Scheveningen, Essen, Stuttgart und Berlin gespielt hat. 2003 kreierte sie in Rotterdam am Nieuwe Luxor Theater in „3 Musketiers“ die Rolle der Milady de Winter, die sie später auch in den deutschsprachigen Produktionen in Berlin und Stuttgart gespielt hat. Die Rolle der Velma Kelly im Kander/Ebb-Musical „Chicago“ hat sie am Beatrix Theater in Utrecht, am Ambassador Theatre, Broadway New York sowie am Adelphi Theatre und Cambridge Theatre, West End London gespielt. Pia wird ab dem 3. September 2010 neben John Vooijs als „Galileo“ und Marjolein Teepen als „Scaramouche“ in der Rolle der „Killerqueen“ im Beatrix Theater Utrecht zu sehen sein.

Pia Douwes und Annika Bruhns
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


In der Mitte der Bühne standen ein rotes Sofa und ein Couchtisch, dahinter war auf der überdimensionalen Schallplatte, die bei „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ als Drehbühne fungiert, das zwölfköpfige Orchester unter der musikalischen Leitung von Jon Mortimer platziert. Sofa und Couchtisch bildeten quasi die fiktive Wohngemeinschaft von Annika Bruhns und Pia Douwes, die bei „Still friends“ keine Rolle verkörperten, sondern als Annika und Pia auf der Bühne standen. Die Freundschaft der beiden begann 1988 in Wien, Annika spielte in „Les Misérables“, Pia in „Cats“. Da Pia bei Auditions für „Les Misérables“ in den Niederlanden vorsingen wollte, was lag näher als sich bei Annika „Nachhilfe“ geben zu lassen. Ihre Freundschaft hat über eine gemeinsame WG-Zeit in Hamburg und einige gemeinsame Rollen – Kaiserin Elisabeth in Essen im Jahr 2001 dürfte wohl die Bekannteste sein – bis heute Bestand.

Annika Bruhns und Pia Douwes
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


Um diese Freundschaft gebührend zu begehen, wurde dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm aus Country, Pop, Jazz und Musical geboten, bei dem neben unbekannten Stücken die Highlights ihrer Paraderollen natürlich nicht fehlen durften. Passend zum Thema des Abends präsentierten beide zu Beginn des ersten Teils den Sondheim-Titel „Old friends“ aus „Merrily we roll along“. In ihren Solopartien wurde Pia Douwes bei ihrem „All That Jazz“ aus „Chicago“ tänzerisch von Gaines Hall, der auch für Staging und Choreografie verantwortlich zeichnet, unterstützt, und auch Annika Bruhns konnte bei „Buenos Aires“ aus „Evita“ auf seine Unterstützung zählen. Nach einem gemeinsamen „Cabaret“-Medley („Mein Herr“, „The Money Song“, „Don't Tell Mama“ & „Cabaret“) intonieren die beiden mit „The Rose“ einen Song aus dem Jahr 1979, der von Amanda McBroom für den Film „The Rose“ geschrieben und von Bette Midler interpretiert wurde. Noch im ersten Teil des Abends brachte Annika den Diane Warren-Song „How Do I Live“ zu Gehör, Pia hatte sich „I´m Ready For Love“ ausgesucht.

Pia Douwes und Annika Bruhns
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


In den Gesprächsblöcken zwischen den Songs erfuhr der Zuschauer beispielsweise, dass die Idee zu „Still friends“ am Küchentisch geboren wurde, ein Teil der Proben aber über Skype (Internettelefonie) und Telefon abgewickelt wurden. Die beiden berichteten auch von vielen gemeinsam mit Gesang verbrachten Stunden, beispielsweise in Bad Hersfeld, wo sie 1995 gemeinsam bei den Bad Hersfelder Festspielen als Sally Bowles bzw. Fräulein Kost in „Cabaret“ engagiert waren. Lediglich von Annika an der Gitarre begleitet, gab es viel zu kurze Ausschnitte aus „Amazing Grace“, John Denvers „Take Me Home, Country Roads“ und Janis Joplins „Mercedes Benz“ zu hören. Den gemeinsamen WG-Anrufbeantworter nur zu „besprechen“ war für beide natürlich unmöglich. Pia war ein passender Ansagetext auf der Toilette eingefallen, und sie hatte ihn einfach auf Toilettenpapier notiert. Sie schlug diesen Annika vor, und kurzerhand wurde dieser zur Melodie von „Mercedes Benz“ aufgezeichnet.

Annika Bruhns und Pia Douwes
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


Den zweiten, persönlicheren Teil des Abends begannen Annika und Pia im Pyjama mit „Life is just a bowl of cherries“ aus „Fosse“, und im Anschluss berichtete Annika offen von ihrem schweren Bühnenunfall und der daran anschließenden existenzbedrohenden Phase ihres Lebens: Am 4. Januar 2003 fiel sie in der „Dancing Queen“-Szene der Nachmittagsvorstellung von „Mamma Mia!“ vom Bett in den Orchestergraben. Dabei hat sie sich einen Lendenwirbel gebrochen, der mit vier Schrauben stabilisiert wurde. 10 Wochen später stand sie schon wieder mit einem Korsett auf der Bühne. Später stellte sich aber in einer zweiten Operation heraus, dass der Lendenwirbel nicht wie erhofft verheilt ist, und so war sie danach 14 Wochen zur Untätigkeit verbannt. Erst am 20. Februar 2004 kehrte sie wieder auf die Bühne zurück. Mit dem für sie geschriebenen Song „Look at us now“ (der auch auf ihrer neuen Solo-CD zu hören ist) brachte sie ihre Erleichterung zum Ausdruck.

Pia zelebrierte mit „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“ ihr persönliches Highlight, was ihr prompt standing ovations beim zahlreich auch aus den Niederlanden angereisten Publikum einbrachte. Dagegen präsentierte Annika mit „Der Sieger hat die Wahl“ ein berührendes Highlight aus „Mamma Mia!“. Nach Pias Lament („Diva´s Lament - Whatever Happened to My Part?“ aus „Monty Python´s Spamalot“) berichtete sie, wie einsam sie der Beruf auch macht, gefolgt von „Do It Anyway“. Gegen Ende des zweiten Teils versicherten sich beide „I will never leave you“, der wohl bekannteste Song aus dem Broadway-Musical „Side Show“. Zum Abschluss des Konzerts gab es noch den Sondheim-Titel „Our time“ aus „Merrily we roll along“ und den Renato Russo-Song „Old friend“ zu hören.

Im Anschluss an die Veranstaltung ließen es sich die beiden nicht nehmen, im Theaterfoyer Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen.

Pia Douwes und Annika Bruhns

Gaines Hall

Für die zur Verfügung gestellten Produktionsfotos bedanke ich mich bei compromise-productions GbR.

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