Deutscher Musical Theater Preis 2020/21

Undotierter Theaterpreis für herausragende künstlerische Leistungen im Genre Musical

Der Deutsche Musical Theater Preis wurde 2014 erstmals durch die Deutsche Musical Akademie in Form eines Ehrenpreises an Helmut Baumann verliehen. Ziel des Preises ist es, herausragende künstlerische Leistungen im Genre Musical zu würdigen und diesen eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zu geben. Die Deutsche Musical Akademie e. V. lobt diesen Preis für die Musicalbranche jährlich aus. Es handelt sich um einen undotierten Theaterpreis für den deutschsprachigen Raum, der auf die Leistungskraft, Vielfalt und künstlerische Ausstrahlung der populärsten deutschen Bühnengattung aufmerksam machen und diese unterstützen will.

Die Jury bestehend aus Peter Christian Feigel (1. koord. Kapellmeister Staatsoperette Dresden), Annette Kremmin (Maskenbildnerin, Stylistin und Ausstatterin), Simone Linhof (Produzentin bei Stage Entertainment), Peter Lund (Regisseur, Autor), Christian Alexander Müller (Sänger, Regisseur, Produzent), Iris Schumacher (Darstellerin, Übersetzerin) und Silvia Varelli (Choreografin) schaute sich 19 deutschsprachige Musicaluraufführungen und 6 Revivals in Deutschland (20), Österreich (2) und der Schweiz (3) an, die vom 15. August 2019 bis 14. August 2021 Premiere feierten. Folgende Produktionen waren für den Deutschen Musical Theater Preis 2020/21 von den jeweiligen Produzenten ins Rennen geschickt worden:

Uraufführungen
  • „Barock Me, Gräfin Cosel“ (UA: 27. Oktober 2019) – Boulevardtheater Dresden
  • „Das tapfere Schneiderlein“ (UA: 1. Juli 2021) – Brüder Grimm Festspiele Hanau
  • „Der Löwe, der nicht schreiben konnte“ (UA: 7. März 2020) – Bernhard Theater Zürich, Schweiz
  • „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ (UA: 25. Juni 2021) – Westand Musical Braunschweig
  • „Die Schattenkaiserin“ (UA: 28. September 2019) – Tiroler Landestheater Innsbruck, Großes Haus, Österreich
  • „Eine Stimme für Deutschland“ (UA: 11. Juni 2021) – Neuköllner Oper, Berlin
  • „Goethe!“ (UA: 3. Juli 2021) – Bad Hersfelder Festspiele
  • „Himmel und Kölle“ (UA: 29. Oktober 2021) – apiro entertainment Köln
  • „Isolation Club“ (UA: 11. Juni 2021) – Club Transit Chemnitz (digital)
  • „Krabat“ (UA: 2. Juli 2021) – Theater Altenburg Gera, Freilichtinszenierung an der Bockwindmühle Lumpzig
  • „M – Eine Stadt sucht ihren Mörder“ (UA: 19. August 2019) – Imperial Theater Hamburg
  • „Romeo & Julia – Die Bühne der Welt“ (UA: 11. Juni 2021) – Theater Lichtermeer UG, Itzehoe
  • „Runggle Buur“ (UA: 23. August 2019) – Mammern Classics, Rheinklingen, Schweiz
  • „Swing Street“ (UA: 16. Oktober 2020) – Stadttheater Fürth
  • „The Wave (Die Welle)“ (UA: 20. März 2021) – Landestheater Linz, Österreich
  • „Till Ulenspiegel – Eine Liebe für Flandern“ (UA: 5. Oktober 2019) – Uckermärkische Bühnen Schwedt
  • „Wüstenblume“ (UA: 22. Februar 2020) – Theater St. Gallen, Schweiz
  • „Zombie Berlin“ (UA: 30. Oktober 2019) – BKA Berlin
  • „Zucker“ (UA: 16. August 2019) – Luisenburg Festspiele Wunsiedel
Revivials
  • „Babytalk – Das Kinder-Krieg-Musical“ (Premiere: 1. Dezember 2019) – Theater Bielefeld, Loft
  • „Der Name der Rose“ (Premiere: 2. Juli 2021) – Luisenburg Festspiele Wunsiedel
  • „Grimm!“ (Premiere: 25. Oktober 2019) – Theater Lüneburg
  • „Sarg niemals nie“ (Premiere: 30. Oktober 2020) – Theater für Niedersachsen
  • „ The Black Rider“ (Premiere: 28. September 2019) – Stadttheater Ingolstadt
  • „Wenn Rosenblätter fallen“ (Premiere: 27. September 2019) – KATIELLi Theater Datteln
Aufgrund der COVID-19-Pandemie umfasst der diesjährige Preis die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021.

Im September 2021 hatten die ordentlichen Mitglieder der Deutschen Musical Akademie, allesamt professionelle Musicalschaffende aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, Zeit, ihre Stimmen im Rahmen einer geheimen Briefwahl abzugeben. Ihre Stimmen und die Wertung der Jurymitglieder gehen zu je 50 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Am 4. Oktober 2021 fand im „Schmidts Tivoli“ in Hamburg die Preisgala statt, bei der die diesjährigen Preisträger geehrt wurden und die von Thomas Hermanns moderiert wurde.

Preisträger und Nominierte 2020/21

Bestes Musical

„Eine Stimme für Deutschland“ (Neuköllner Oper, Berlin)
„The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
„Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Die Preisträger für „The Wave (Die Welle)“ in der Kategorie Bestes Musical. Foto: Morris Mac Matzen

Bestes Revival

„Babytalk – Das Kinder-Krieg-Musical“ (Theater Bielefeld)
„Der Name der Rose“ (Luisenburg Festspiele, Wunsiedel)
„Wenn Rosenblätter fallen“ (KATiELLi Theater, Datteln)

Nicolas Christahl mit seiner Ehefrau Theresa Christahl und Regisseur Nick Westbrock für „Babytalk – Das Kinder-Krieg-Musical“ am Theater Bielefeld mit Preispate Maik Klokow in der Kategorie Bestes Revival. Foto: Morris Mac Matzen

Beste Komposition

Jürgen Tauber & Oliver Ostermann für „Die Schattenkaiserin“ (Tiroler Landestheater Innsbruck)
Or Matias für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Uwe Fahrenkrog-Petersen für „Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Bestes Buch

Kathi Damerow für „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ (Westand Musical, Braunschweig)
Peter Lund für „Eine Stimme für Deutschland“ (Neuköllner Oper, Berlin)
Or Matias für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)

Beste Liedtexte

Franziska Kuropka für „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ (Westand Musical, Braunschweig)
Peter Lund für „Eine Stimme für Deutschland“ (Neuköllner Oper, Berlin)
Frank Ramond für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)

Bestes Musikalisches Arrangement

Thilo Wolf & Christoph Müller für „Swing Street“ (Stadttheater Fürth)
Or Matias für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Koen Schoots für „Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Beste Regie

Gil Mehmert für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)
Christoph Drewitz für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Gil Mehmert für „Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Beste Choreographie

Kim Duddy für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)
Hannah Moana Paul für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Jonathan Huor für „Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Bestes Bühnenbild

Michael D. Zimmermann für „Die Schattenkaiserin“ (Tiroler Landestheater Innsbruck)
Veronika Tupy für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Frauke Bischinger & Bernd E. Gengelbach für „Till Ulenspiegel – Eine Liebe für Flandern“ (Uckermärkische Bühnen Schwedt)

Bestes Kostümbild & bestes Maskenbild

Kathrin Baumberger & Marc Hollenstein für „Der Löwe, der nicht schreiben konnte“ (Bernhard Theater, Zürich)
Michael D. Zimmermann & Rudolf Sieb für „Die Schattenkaiserin“ (Tiroler Landestheater Innsbruck)
Claudio Pohle, Ute Mai & Stephanie Hanf für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)

Beste Darstellerin in einer Hauptrolle

Karolin Konert für „Swing Street“ (Stadttheater Fürth)
Hanna Kastner für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)
Naomi Simmonds für „Wüstenblume“ (Theater St. Gallen)

Bester Darsteller in einer Hauptrolle

Philipp Büttner für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)
Christof Messner für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)
Lukas Sandmann für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)

Karolin Konert für „Swing Street“ in der Kategorie Beste Darstellerin in einer Hauptrolle und Lukas Sandmann für „The Wave (Die Welle)“ in der Kategorie Bester Darsteller in einer Hauptrolle mit Preispatin Lucy Diakovska. Foto: Morris Mac Matzen

Beste Darstellerin in einer Nebenrolle

Mascha Volmershausen für „Eine Stimme für Deutschland“ (Neuköllner Oper, Berlin)
Vera Bolten für „Himmel und Kölle“ (apiro entertainment, Köln)
Celina dos Santos für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)

Bester Darsteller in einer Nebenrolle

Mischa Mang für „Goethe!“ (Bad Hersfelder Festspiele)
Mark Weigel für „Himmel und Kölle“ (apiro entertainment, Köln)
Malcolm Henry für „The Wave (Die Welle)“ (Landestheater Linz)

Mark Weigel und Vera Bolten für „Himmel und Kölle“ in den Kategorien Bester Darsteller in einer Nebenrolle und Beste Darstellerin in einer Nebenrolle. Foto: Morris Mac Matzen

Ehrenpreis

Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an die britische Regisseurin, Choreographin und Ballettmeisterin Anna Vaughan (* 28. September 1940 in Bearsted, Grafschaft Kent, UK, † 21. Mai 2021 in Salzburg, Österreich). Die Deutsche Musical Akademie ehrt damit eine Musical-Spezialistin, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz etwa 35 verschiedene Musicals inszenierte und choreographierte, darunter „The Rocky Horror Show“, „West Side Story“, „Jesus Christ Superstar“, „Evita“, „La Cage aux Folles“ und „Linie 1“. Mit ihren Choreographie- und Regiearbeiten hat sie maßgeblich zur Popularität von Musicalproduktionen im deutschsprachigen Raum beigetragen.

Sonderpreise

Der diesjährige Sonderpreis der Jury für die Beste Ensemble-Leistung ging an „Himmel und Kölle“ (apiro entertainment, Köln).

Das Ensemble von „Himmel und Kölle“ Janina Keppel, Florian Sigmund, Sharon Isabelle Rupa, Juliane Bischoff, Markus Schneider, Vera Bolten und Tamara Pascual mit Produzent Frank Blase und Regisseur Gil Mehmert bei der Ankunft auf dem roten Teppich. Foto: Morris Mac Matzen

In diesem Jahr wurde zudem ein Sonderpreis der Deutschen Musical Akademie für Personen ausgesprochen, die in der Corona-Pandemie andere finanziell und ideell unterstützt haben. Ausgezeichnet wurden:
Frank Blase (Unternehmer und Produzent von „Himmel und Kölle“), für die umfangreiche wirtschaftliche Unterstützung seiner Mitarbeiter*innen, ohne Rentabilitätsmöglichkeit der Produktion,
Dominik Donauer (Künstleragentur artinia consulting), der mit einem Hilfsfond in Höhe von 50.000 EUR seine Künstler*innen unterstützt hat, sowie
Roun Zieverink (Pianist, Komponist, Arrangeur), für seine „Küchen-Konzerte“, die er im Lockdown täglich organisiert und gestreamt hat.

Der Sonderpreis der Deutschen Musical Akademie als „Auszeichnung besonderer Leistungen in der Corona-Pandemie“ wurde überreicht vom Hamburger Kultursenator und Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins Dr. Carsten Brosda: „Endlich wird es wieder bunt: Die Deutschen Musical Theater Preise wurden nach einem Jahr pandemischen Stillschweigens jetzt zum 3. Mal im Schmidts Tivoli verliehen. Die Preisverleihung macht deutlich, wie vielfältig und lebendig die Musicals sind. Besondere Zeiten verlangen dabei nach besonderen Preisen. Ich habe mich sehr gefreut, in diesem Jahr gleich drei Sonderpreise an Personen verleihen zu dürfen, die in der Pandemie mit großem Engagement hervorstachen. Sie gaben der Kunst Sichtbarkeit und Künstlerinnen und Künstlern Sicherheit. Ihnen gilt mein besonderer Dank.“

Marco Jung (2. Vorsitzender Deutsche Musical Akademie) erklärt: „Viele Künstlerinnen und Künstler haben eine schwere Zeit hinter sich. Das Live-Erlebnis im Theater, das ist unser Lebenselixier. Das eine so lange Zeit nicht machen zu dürfen, dazu diese Unsicherheit, wann und ob es überhaupt weiter geht, hat viele schwer getroffen. Dazu kamen dann wirtschaftliche Sorgen, oft auch Existenzängste. In dieser dunklen Zeit haben sich einige Menschen hervorgetan. Mit selbstlosem Einsatz für andere, für die Kunst und für die, die sie zu uns bringen. Diese Personen wollten wir mit einem Sonderpreis der Akademie ehren. All das hat so vielen Menschen Kraft, Hoffnung und einen Rettungsanker gegeben, der so dringend notwendig war. Das fanden wir preiswürdig“.

Vajèn van den Bosch & Jeannine Michèle Wacker bei der Ankunft auf dem roten Teppich. Foto: Morris Mac Matzen

Die Preisverleihung stellte erneut das große Spektrum und Talent der deutschsprachigen Musicalbranche dar. Mit Show Acts aus den nominierten Musicals, der charmanten Moderation von Entertainer Thomas Hermanns, prominenten Preispaten wie Gayle Tufts, Peter Plate & Ulf Leo Sommer, Lucy Diakovska, Alexander Klaws, Julia Gámez Martin, Maik Klokow, Vajèn van den Bosch & Jeannine Michèle Wacker und Wolfgang Trepper wurde die Preis-Gala mit zahlreichen Gästen aus dem Show-Business gefeiert.

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