Die Bahn kommt…

Welche Bahn?

Bis 2019 gab es in Essen sogenannte Baustellen-Radtouren, aber aufgrund von Kontaktverboten sind diese augenblicklich natürlich nicht möglich, schließlich dürfen sich ab 11. Mai 2020 gerade einmal Angehörige zweier Haushalte im öffentlichen Raum treffen. Einige Herrschaften scheinen zwar den Sinn dieses Kontaktverbotes selbst acht Wochen nach Inkrafttreten noch nicht verstanden oder verinnerlicht zu haben, aber diesen Menschen ist vermutlich dann auch nicht mehr zu helfen. So habe ich mich am Samstag individuell zu einer kleinen Runde durch das Westviertel und den Stadtkern auf den Weg gemacht und dabei auch nur eine aktuelle Baustelle besucht, nämlich an der Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Pferdebahnstraße, dafür war ich das erste Mal nach Inkrafttreten des weitreichenden Kontaktverbotes wieder in der Innenstadt, und die dort gemachten Erfahrung erscheinen mir durchaus heilsam. So muss man augenblicklich als Fußgänger in reinen Fußgängerzonen aufpassen, nicht von Autos angefahren zu werden, die dort zur Durchsetzung des Kontaktverbotes patrouillieren. Dafür war die Trasse der Rheinischen Bahn nahezu verwaist, von Nutzungskonflikten zwischen Fußgängern, Inlineskatern und Fahrradfahrern auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg keine Spur.

Berthold-Beitz-Boulevard, hier soll zukünftig die Straßenbahn fahren

Auf dem Berthold-Beitz-Boulevard gibt es augenblicklich ab der Kreuzung Altendorfer Straße nordwärts einen begrünten Mittelstreifen mit Bäumen, der zukünftig der Straßenbahn zum Opfer fallen wird. Ab 2025 soll auf diesem Mittelstreifen die Straßenbahn zum neuen Stadtquartier ESSEN.51 verkehren. Nachdem die Pfahlgründungsarbeiten für die Rad-/Gehwegbrücke über den Berthold-Beitz-Boulevard auf der Ostseite abgeschlossen sind, wurde das Drehbohrgerät bereits abgerüstet und der Bohrantrieb sowie die Kellystange demontiert, damit das LB-Trägergerät in der kommenden Woche nach Niedersachsen transportiert werden kann. Das Tiefbauunternehmen scheint ein gefragter Partner für Gründungsaufgaben zu sein. Auf der Westseite des Berthold-Beitz-Boulevards fehlen noch zwei Ortbetonpfähle, wer sich die Pfahlgründung an dieser Stelle noch anschauen möchte, dürfte zu Beginn der KW 20 die letzte Gelegenheit bekommen. Als nächstes wird, nachdem der Beton ausreichend abgebunden hat, die Baugrube ausgehoben, so dass die Bohrpfahlköpfe wieder freigelegt werden.

abgerüstetes Drehbohrgerät LB 28 von Liebherr, Bohrantrieb und Kellystange sind bereits demontiert

Trasse der Rheinischen Bahn

Der Trasse der Rheinischen Bahn Richtung Osten folgend trifft man zunächst auf den Abzweig zum Grünzug Zangenstraße und überquert die Hans-Böckler-Straße, beide Brücken wirken gegenüber der geplanten, 82 Meter langen Rad-/Gehwegbrücke über den Berthold-Beitz-Boulevard beinahe wie Bauwerke einer Modelleisenbahn.

Brücke über die Pferdebahnstraße am Anschluss Rheinische Bahn - Grünzug Zangenstraße

Brücke über die Hans-Böckler-Straße

Trasse der Rheinischen Bahn

Trasse der Rheinischen Bahn

Wandgarten an der Porschekanzel

Die Lage in der Innenstadt ist m. E. durch die in der Fußgängerzone patrouillierenden Fahrzeuge ein wenig angespannt, ich frage mich, warum dort die Kontrollen nicht zu Fuß durchgeführt werden. Der Ansturm der Käufer hält sich in Grenzen, an diversen Stellen bilden sich Warteschlangen vor den Ladenlokalen, in die weniger als eine Handvoll Personen gleichzeitig eingelassen werden.

Video-Stele auf der Kettwiger Straße

Die Lichtburg mit dem größten Kinosaal Deutschlands (1.250 Plätze) ist augenblicklich verriegelt und verrammelt, erst ab 30. Mai 2020 dürfen Kinos in NRW wieder öffnen. 1.250 Besucher gemeinsam im Saal? Momentan undenkbar. Da würde womöglich jeder Betreiber eines großen Theaters protestieren, der Spielbetrieb in großen Häusern darf in NRW erst ab 1. September 2020 wiederaufgenommen werden. Den Essener Dom gleich vis-à-vis dürfen augenblicklich nur 65 Personen gleichzeitig besuchen, der Zugang wird durch die Ausgabe einer entsprechenden Anzahl von Gesangsbüchern reglementiert. Wenn weg, dann voll… Aus hygienischen Gründen wäre die Ausgabe von metallischen „Fahrmarken“ sinnvoller, die könnte man nämlich einfach in einem Topf kochenden Wassers desinfizieren…

Lichtburg

Bis 1977 gab es an der Nordseite des Hauptbahnhofs vor dem Hotel Handelshof eine oberirdische Straßenbahnhaltestelle, mit der Eröffnung des U-Bahnhofs Essen Hauptbahnhof verschwand die Straßenbahn aus dem Erscheinungsbild des Bahnhofsvorplatzes. Knapp 50 Jahre später sollen die Tunnelstrecken der Straßenbahn im Stadtkern entlastet werden, weshalb der Straßenzug Hachestraße/Hollestraße zwischen der Hindenburgstraße und dem neuen Hotel am östlichen Eingang des Hauptbahnhofs zu einer „Umweltachse“ umgestaltet werden soll, die künftig nur von Bussen, Bahnen und Fahrrädern durchgängig befahren werden kann. Unmittelbar vor dem Hauptbahnhof soll die neue Straßenbahnhaltestelle „Hauptbahnhof“ entstehen, damit alles so wird wie früher, nur besser… Damit wir in den Straßenbahnen alle den behördlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten können, fahren die Straßenbahnen dann im Minutentakt… Mit dem Umbau der Hache- und Hollestraße soll 2023 begonnen werden. Angestrebt wird, dass dort 2025 die Straßenbahn in Betrieb geht. Wo richtet man dann nur die Busparkplätze für die Besucher des Internationalen Weihnachtsmarktes ein? Nirgends, denn sowohl Busreisen als auch Weihnachtsmärkte sind durch Kontaktbeschränkungen ja gar nicht mehr möglich…

Bahnhofsvorplatz

Der dritte Bauabschnitt des Berthold-Beitz-Boulevards von der Frohnhauser Straße bis zur Hans-Böckler-Straße sieht eine vierstreifige Hauptverkehrsstraße mit einer Straßenbahntrasse in Mittellage sowie einen begrünten Mittelstreifen zwischen den Gleisen vor. Um Verlustzeiten der Straßenbahnen im Kreuzungsbereich des Berthold-Beitz-Boulevards mit der Hans-Böckler-Straße zu verhindern, ist in diesem Bereich ein Unterführungsbauwerk geplant, um die Anbindung an die Hachestraße zu gewährleisten. Mit dem Bau des dritten Teilstücks des Berthold-Beitz-Boulevards soll Ende 2021 begonnen werden. Die von der Stadt Essen und der Ruhrbahn ermittelten Gesamtkosten für den dritten Abschnitt des Berthold-Beitz-Boulevards sowie die Bahnhofstangente werden auf rund 89 Millionen Euro geschätzt.

Berthold-Beitz-Boulevard an der Einmündung in die Frohnhauser Straße

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