„Coding da Vinci“ bringt Kultur und Technik zusammen

Auftaktworkshop im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

Kultur trifft Technik: Im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern findet an diesem Wochenende der Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“ mit gut 100 Teilnehmern statt. Museen, Archive und Bibliotheken stellen Programmierer*innen, Designer*innen, Spieleentwickler*innen und Grafiker*innen ihre digitalen Schätze vor, um gemeinsam erste Ideen für digitale Anwendungen und Projekte zu entwickeln.

Key Visual des Kultur-Hackathons „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“. Foto: Coding da Vinci

„Der Server hat gezittert, als die 23 beteiligten Kulturinstitutionen im Vorfeld insgesamt 2.100 Gigabyte Daten hochgeladen haben. Wir müssen in Bildung und Vermittlung unbedingt neue Wege gehen, um die jüngere Generation zu erreichen. Coding da Vinci zeigt, welches kreative Potential in offenen Kulturdaten steckt, es will Kultur überall und für jeden verfügbar machen. Deshalb bin ich froh, dass wir dieses innovative Format nach Westfalen holen konnten“, erklärte LWL-Direktor Mathias Löb zum Auftakt der Veranstaltung auf der Zeche Zollern. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ist gemeinsam mit den Kulturbüros Ost­west­falen-Lippe (OWL) und Münsterland sowie dem HMKV (Hartware MedienKunstVerein) Dortmund Veranstalter des Kultur-Hackathons, der zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen stattfindet.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, Projektleiter Konrad Gutkowski, LWL-Industriemuseum, Marie-Kristin Meier, Kulturstiftung des Bundes (Programm „Kultur Digital“), LWL-Direktor Mathias Löb und Philippe Genêt, Projektkoordination „Coding da Vinci“

„Der digitale Wandel stellt Kultureinrichtungen in der heutigen Zeit vor große Herausforderungen. Eine Mammutaufgabe ist allein die digitale Sicherung des Kulturgutes in Archiven und Museen. Aber die Entwicklung eröffnet auch große Chancen. Wenn wir unsere Museen und Archive in den digitalen Raum öffnen, können wir viel mehr Menschen als bisher ansprechen, sie einbeziehen in unsere Arbeit und Barrieren abbauen“, so Mathias Löb.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, „Wall of data“

Gefördert wird „Coding da Vinci“ von der Kulturstiftung des Bundes im Programm „Kultur Digital“ als gemeinsames Projekt der Gründerinstitutionen: der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, Datenpräsentation

Die Daten

Projektleiter Konrad Gutkowski vom LWL-Industriemuseum freut sich über die gute Resonanz des Kultur-Hackathons Westfalen-Ruhr und das vielfältige Spektrum der Datensätze: „23 Kultur­institutionen, darunter kleine und große Häuser, haben Daten in einer Größe von insgesamt 2.100 Gigabyte zur Verfügung gestellt.“ Das Spektrum reicht von Fotoserien und Filmen über Volkslieder und Industrieklänge bis hin zu Landkarten und digitalisierten Bibeln. Daraus entstehen in einer achtwöchigen Arbeitsphase Prototypen für Online-Spiele, Apps oder Virtual-Reality-Anwendungen. Bei einer öffentlichen Präsentation und Preisverleihung am 6. Dezember 2019 im Dortmunder U werden die Gewinner in mehreren Kategorien gekürt.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, Graphic Recording: Silvia Dierkes

Den mit Abstand größten Datensatz lieferte das Bibelmuseum Münster, das zehn vollständig digitalisierte Bibeln aus den Jahren 1483 (Koberger Bibel) bis 1670 (Fegefeuerbibel) bereitgestellt hat. Sie enthalten unter anderem Illustrationen von bekannten Künstlern wie Lucas Cranach oder Hans Holbein. Der Verein Museumsschule Hiddenhausen e. V. stellt seine komplette Einrichtung samt Lehrmitteln des historischen Schulhauses aus den Jahren 1847 bis 1920 digital zur Verfügung. Das LWL-Medienzentrum öffnet unter anderem den Fotobestand des Naturschutz-Pioniers Hermann Reichling mit 100 Fotografien von Vögeln und Nistplätzen aus den 1920er- und 1930er-Jahren.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, Vorstellung ersten Ideen-Pitches

Objektfotografien aus seiner umfangreichen Lampensammlung steuert „kult Westmünsterland“, das Archiv des Kreises Borken, zur Aktion bei. Spannend auch der Datensatz aus dem Archiv der behindertenpolitischen Selbsthilfe: Digitalisate von Aufklebern und Ansteckern zeigen Grundlagen der in den 1970er-Jahren entstandenen Behinderten- und Krüppelbewegung.

Auftakt-Workshop zum Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet“, Graphic Recording

Das kreative Potential, das in solchen Daten steckt, zeigen Beispiele aus den vergangenen Kultur-Hackathons. Für Furore sorgte etwa zuletzt eine Augmented-Reality-Anwendung, die den Verlauf der Berliner Mauer sichtbar macht. Auch ein digitales Spiel auf Basis historischer Spielkarten oder die Webanwendung „Nachgeradelt.de“, die auf historische Tourenbücher zurückgreift, wurden ausgezeichnet. Insgesamt entstanden seit 2014 rund 120 Projekte aus Daten von knapp 150 Institutionen. Alle Anwendungen wie auch alle bisher zur Verfügung gestellten Datensätze bleiben frei verfügbar unter codingdavinci.de.

Im Anschluss an den Auftaktworkshop haben die Teams acht Wochen Zeit, um gemeinsam mit den Vertreter*innen der Kulturinstitutionen ihre Projekte weiterzuentwickeln und an ihren Präsentationen zu arbeiten. Am 6. Dezember 2019 findet im Kino im Dortmunder U die öffentliche Präsentation der Projekte und die Siegerehrung statt.

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