„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“

Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Henrichshütte Hattingen, Hochofen 3

Die Toskana ist die Wiege der europäischen Eisen- und Stahlproduktion. Über 3000 Jahre wurde hier „Ilva“ (etruskisch für „Eisen“) hergestellt. Seit den 1960er-Jahren befindet sich die Region im Umbruch. 2015 und 2017 haben zwei deutsche Fotografinnen und drei italienische Fotografen Stätten dieses Strukturwandels dokumentiert. Ihre Aufnahmen zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bis 9. September 2018 in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen. Die Spannbreite der Motive reicht von ästhetischen Details über die dokumentarische Totale bis hin zu Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Manche Aufnahmen sind heute schon Geschichte. Sie zeigen, was war, bevor der Bagger kam.

Plakat zur Ausstellung „ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

„Bei der Toskana fallen uns ganz andere Dinge ein als ausgerechnet Hochöfen. Dabei steht die Geschichte der Region seit dem achten vorchristlichen Jahrhundert durch ihre reichen Erzvorkommen und deren Verhüttung auf einem eisernen Fundament“, sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger beim Pressegespräch am 14. Juni 2018 in Hattingen. „Nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch Eisen und Stahl haben die Landschaft und ihre Menschen geprägt, das macht die Ausstellung sehr deutlich. Und ähnlich wie im Ruhrgebiet ist es jetzt der Niedergang der Branche, den die Region bewältigen muss.“

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

Die Region

Die Ausstellung zeigt über 100 Fotografien von Annette Hudemann und Sabine Korth sowie Fabio Capaccioli, Andrea Cesarini und Mattias Crocetti. Sie alle haben sich mit ihren Kameras auf die Suche nach den „eisernen Spuren in der Toskana“ gemacht. Die Insel Elba sowie die Städte Baratti, Follonica, Populonia und Piombono waren ihre Ziele.

Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

800 v. Chr. begannen Etrusker auf Elba mit dem Bergbau und der Eisenproduktion. Die Griechen nannten die Insel „Aithalia“, die Rauchende. Holzmangel beendete die Verhüttung. Erzbergbau wurde allerdings noch bis 1981 betrieben. Seine Spuren sind bis heute überall zu sehen und touristisch erschlossen.

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurden die Hütten auf das Festland verlegt. Zwischen alten Gräbern errichteten die Etrusker Schmelzöfen und Schmieden. Baratti und die Stadt Populonia stiegen zum Handels- und Industriezentrum auf. Dann geriet Populonia zunehmend unter römischen Einfluss und wurde zur Waffenschmiede des Imperium Romanum. Die Verlagerung der Rüstungsproduktion sowie die lebensfeindlichen Bedingungen führten um die Zeitenwende zum im Wortsinn „Untergang“ der Stadt, die allmählich unter einer bis zu 10 Meter hohen Schlackeschicht verschwand.

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

Im 16. Jahrhundert bauten die Medici auch in Follonica ihr Eisenmonopol auf. Ende des 18. Jahrhunderts schufen die Habsburger eine regelrechte Hüttenindustrie mit katastrophalen Folgen für die Umwelt. In den 1960er-Jahren wurde die Gießerei stillgelegt. Follonica hat sich aus der Krise zu einem mondänen Badeort entwickelt, in dem die Touristen überall den Spuren von Stahl und Eisen begegnen.

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

Der Weg nach Piombino führt vorbei am Kraftwerk „Enel“, dem Röhrenwerk „Dalmine“, dem Kaltwalzwerk „Magona“, dem Hüttenwerk „AFERPI“ sowie der Arbeitersiedlung Poggetto Cotone. AFERPI wurde 1897 als „Altiforni e fonderia di Piombino“ gegründet und seither immer wieder umstrukturiert und umbenannt. Die 7.800 Arbeiter sprachen aber nur von „la fabbrica“. Heute kämpfen etwa 2.000 Frauen und Männer um ihre Arbeitsplätze.

Großgasmaschine aus der Georgsmarienhütte, Hersteller DEMAG, Baujahr 1914, im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

„ILVA – Eiserne Spuren in die Toscana“ im Gebläsehaus der Henrichshütte Hattingen

Diesellokomotive, Hersteller Henschel-Werke AG, Kassel, Typ DH 500 Ca, Fabriknummer 30326, Baujahr 1962, Auslieferung an Ruhrstahl AG Henrichshütte, Hattingen, zuletzt VSG – Vereinigte Schmiedewerke GmbH, Werk Hattingen

Das LWL-Industrie­museum Henrichshütte Hattingen hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt für Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Kinder, Jugendlich von 6 bis 17 Jahren und Schüler zahlen 1,50 Euro.

Elektrolokomotive, Hersteller Rheinstahl Henschel AG, Kassel, Typ EA 500, Fabriknummer 31132, Baujahr 1966, elektrischer Teil AEG Berlin, Fabriknummer 8515, Auslieferung an die Rheinstahl Bergbau AG, Bottrop

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