Wasserhaltung in Essen

Ewigkeitslasten mit unbestimmtem Ausgang

Ende diesen Jahres endet der subventionierte Steinkohlenbergbau in Deutschland, das dürfte inzwischen auch der letzte Bewohner der Metropole Ruhr mitbekommen haben. Mit „Der Letzte macht das Licht aus“ ist es in diesem Fall aber nicht getan: Würde man zum gleichen Zeitpunkt auch die Wasserhaltung, d. h. das Entfernen des Grubenwassers aus dem Untertagebereich, einstellen, würde sich das Ruhrgebiet in eine nette Seenlandschaft verwandeln, vergleichbar mit dem geplanten Restsee im niederrheinischen Braunkohlentagebau, nur noch etwas größer. Zu Betriebszeiten der Steinkohlenbergwerke musste das Grubenwasser aus großen Tiefen abgepumpt werden, damit kein Wasser in die benachbarten und noch betriebenen Grubenbauten strömt. Aus diesem Grund wird an mehreren bereits stillgelegten Zechen Grubenwasserhaltung betrieben: Zeche Carolinenglück, Zeche Friedlicher Nachbar und Zeche Robert Müser in Bochum, Zeche Lohberg in Dinslaken, Bergwerk Fürst Leopold in Dorsten, Zeche Hansa in Dortmund, Zeche Walsum in Duisburg, Zeche Amalie, Zeche Heinrich und Zeche Zollverein in Essen, Zeche Haus Aden in Hamm sowie Zeche Concordia in Oberhausen. Auf den genannten Zeche wurde (mindestens) ein Schacht mit einer Befahrungseinrichtung offengehalten, um Zugang zu den Hochdruckkreiselpumpen unter Tage zu haben.

Schacht Heinrich 3, Fördergerüst

Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus und der Schließung des letzten Steinkohlen-Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop ist das Abpumpen des Grubenwassers aus einer Tiefe bis zu 1.200 Metern nicht mehr notwendig. Die RAG plant für die Zeit nach der Schließung der letzten Zeche ein Grubenwasserkonzept und will das Grubenwasser kontrolliert ansteigen lassen. Dabei soll das Grubenwasser allerdings nicht mit dem Grund- und Trinkwasser in Berührung kommen, denn wer möchte schon Restspuren von PCB in seinem Kaffee haben, das in den 1970er- und 1980er-Jahren in den Hydraulikflüssigkeiten unter Tage verwendet wurde, damit diese nicht brennen können. Im nördlichen Ruhrgebiet soll ein Großteil des Grubenwassers unter Tage in Richtung Westen ablaufen und an den Standorten Zeche Walsum in Duisburg und Zeche Lohberg in Dinslaken direkt in den Rhein gepumpt werden. An der Ruhr enthält das Grubenwasser angeblich weder Restspuren von PCB noch einen hohen Mineralgehalt, so dass es direkt in die Ruhr eingeleitet werden können soll. Die Zahl der Grubenwasserstandorte soll auf sechs reduziert werden: Zeche Robert Müser, Zeche Friedlicher Nachbar und Zeche Heinrich an der Ruhr, Zeche Haus Aden an der Lippe sowie Zeche Walsum und Zeche Lohberg am Rhein. Diese werden mit leistungsstarken Tauch­motor­kreisel­pumpen ausgestattet, die zentral am RAG-Standort Pluto in Herne überwacht werden.

Schacht Heinrich 3, Fördergerüst

Grubenwassereinleitstelle an der Ruhr, Informationstafel

Grubenwassereinleitstelle an der Ruhr

Zeche Amalie, Fördergerüst

Zeche Zollverein, Schacht XII

Förderturmfest Zeche Heinrich, Schacht 3

Am 24. Juni 2018 feierte die Überruhrer Bürgerschaft e. V. an der Zeche Heinrich anlässlich des Endes des Bergbaus in Überruhr vor 50 Jahren und des Endes des Steinkohlenbergbaus in Deutschland in diesem Jahr erstmals ein Förderturmfest, und viele Besucher aus Überruhr waren gekommen, um zu bleiben, nein, um mitzufeiern. Zeche Heinrich war Ende März 1968 stillgelegt worden, die Schächte wurden verfüllt und die Tagesanlagen abgebrochen. Lediglich der knapp 439 Meter tiefe Schacht 3 (Durchmesser 6,50 Meter) und der Schacht Holthuser Tal wurden zur Wasserhaltung offengehalten und werden auch aktuell noch zur Grubenwasserhaltung genutzt: Am Schacht 3 werden jährlich 15,8 Mio. m³ Wasser gehoben. Mit dem Umbau auf Brunnenwasserhaltung wird das schon von weitem sichtbare Fördergerüst jedoch obsolet, weshalb die Überruhrer Bürgerschaft e. V. dieses gern unter Denkmalschutz gestellt hätte und einen entsprechenden Antrag bei der Stadt Essen eingereicht hat. Nun darf man also gespannt sein, was schneller vonstattengehen wird: die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Essen oder der Abriss des Fördergerüstes. Ich möchte das Thema an dieser Stelle nicht vertiefen, ersteres kann bei dem Weg durch alle Instanzen eine ganze Weile dauern, und letzteres kann nach der Auftragserteilung sehr schnell geschehen. Zukünftig sollen am Standort Zeche Heinrich jährlich 20 Mio. m³ Wasser aus einer Tiefe von 410 Metern gehoben werden, die sechste Sohle, wo sich heute die Pumpenkammer befindet, befindet sich in einer Tiefe von 408,4 Metern.

Schacht Heinrich 3, Rasenhängebank

Augenblicklich ist jedenfalls das Fördergerüst und die für eine zulässige Belastung von 5.000 kg ausgelegte Befahrungseinrichtung am Schacht 3 noch vorhanden und das Fördermaschinenhaus konnte im Rahmen des Förderturmfestes besichtigt werden. Mitarbeiter der RAG und des DBM standen den Besuchern Rede und Antwort, so dass man sich aus erster Hand vor Ort informieren konnte. Dass einige Besucher liebend gern das Fördergerüst bestiegen und die Fördermaschine vorgeführt bekommen hätten, ist zwar nachvollziehbar, aber auf der anderen Seite aufgrund von Sicherheitsvorschriften auch völlig illusorisch. Diesen Leuten sei der Besuch einschlägiger Museen empfohlen.

Schacht Heinrich 3, „Lampenstube“

Auf dem zum Haltepunkt Essen-Holthausen gehörigen Park & Ride Parkplatz war eine Bühne aufgebaut, auf der verschiedene Gruppen ein buntes Programm darboten, und DSGVO sei Dank werde ich an dieser Stelle keine Fotos davon zeigen, obwohl die Besucher des Turmfestes vom Veranstalter darauf hingewiesen wurden, dass bei dem Fest fotografiert wird und man den Fotografen ansprechen solle, wenn man damit nicht einverstanden sei. Ob es im Zweifelsfall als Zustimmung gewertet wird, wenn man als Fotograf nicht angesprochen wurde, ist fraglich, und die Beweislast ist noch viel fraglicher.

Schacht Heinrich 3, Teufenanzeiger und Treibscheibe

Schacht Heinrich 3, Maschinenhalle

Schacht Heinrich 3, Maschinenhalle

Schacht Heinrich 3, Treibscheibe

Schacht Heinrich 3, Fördergerüst

Schacht Heinrich 3, Fördergerüst

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