„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“

Ausstellung des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Maschinenhalle der Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir


Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle

Auf Drängen einer einzelnen Person, die sich nun glücklich schätzen darf, dass es die DSGVO gibt, habe ich mich am heutigen Nachmittag auf den Weg nach Gelsenkirchen-Feldmark gemacht, wo das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Maschinenhalle der Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir vom 17. Mai bis 1. Juli 2018 die Ausstellung „Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“ zeigt.

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Fördergerüst

Glücklicherweise kannte ich die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark auf Initiative des Bundes Deutscher Architekten BDA und der Stadt Gelsenkirchen umgenutzte Maschinenhalle bereits von einem früheren Tag des offenen Denkmals, an dem auch die kleine Halle zugänglich war. Darin befindet sich nämlich eine unter Denkmalschutz stehende elektrische Trommelfördermaschine – und die Getränke für das Aufsichtspersonal. Natürlich ist die kleine Halle im Rahmen der Ausstellung „Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“ nicht zugänglich, dort holt sich nur ab und an das Aufsichtspersonal neue Getränke. Dislike!

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine

Ich kann daher nicht sagen, in welchem Zustand sich die elektrische Trommelfördermaschine aktuell befindet, aber anhand der alten Fotos kann sich jeder einen Eindruck davon verschaffen, was man dort nicht zu sehen bekommt.

Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir, Maschinenhalle, elektrische Trommelfördermaschine

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Blick in die Ausstellung

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“ hat sich zum Ziel gesetzt, den Beruf des Bauingenieurs und die Bauwirtschaft als eine der Schlüsselindustrien in wirtschaftlicher, sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht zu zeigen. Gleichzeitig wird der spannende und vielseitige Leistungsumfang der Ingenieure und damit auch der Bauwirtschaft in allen Facetten dargestellt: faszinierend, umfassend, innovativ und lösungsorientiert. Von der Historie kommend mit dem Schwerpunkt auf aktuellen Projekten werden Ingenieurpersönlichkeiten, deren Innovationen sowie Bauwerke vor dem Hintergrund der jeweiligen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Einflüsse gezeigt. „Ingenieure finden für unsere aktuellen gesellschaftlichen Probleme immer wieder Lösungen und erleichtern so unseren Alltag. Doch ihre wichtige Arbeit bleibt oft unerkannt. Visionäre und Alltagshelden veranschaulicht diese Bedeutung sowie die schöpferische Kraft der Ingenieure auf anschauliche Weise“, sagte Ursula Kleefisch-Jobst, Geschäftsführende Kuratorin des M:AI, zur Eröffnung der Ausstellung.

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Bick in die Ausstellung

Ein Teil der Ausstellung präsentiert den Ingenieur aus historischer Sicht – so wird zum einen die Entwicklung vom Militäringenieur bis hin zu dem heutigen interdisziplinär agierenden Ingenieur beleuchtet. Zum anderen wird in einem speziellen Messfeld auf die individuellen Pionierleistungen einzelner Ingenieure aufmerksam gemacht, zugleich jedoch auch auf die gegenseitige Inspiration und die Zusammenarbeit.

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Bick in die Ausstellung

Im zweiten Teil geht es um aktuelle Aufgaben und Anforderung an das Ingenieurwesen, erklärt anhand von exemplarischen Projekten wie der Bayerischen Zugspitzbahn 2017, Garmisch-Partenkirchen, dem Brennerbasistunnel, Österreich/Italien, oder dem New Oxford Circus im Herzen von London. Zudem machen diese die große Spannweite des Berufes deutlich. Die Projekte veranschaulichen den engen Zusammenhang, der zwischen den gesellschaftlichen Anforderungen und den jeweiligen Lösungen der Ingenieure besteht.

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, James Brindley gilt als Vater des britischen Binnenkanalnetzes

Extra für den Spielort in NRW hat das M:AI die Ausstellung um zwei weitere Themen ergänzt: Building Information Modeling (BIM) und Mobilität. Das lässt, vereinfacht beschrieben, ein digitales Gesamtmodell eines Bauwerks entstehen, das die vielen einzelnen Planungen der am Bau Beteiligten zusammenführt. Es kommt bei der Planung und Ausführung vor und während der Bauphase zum Einsatz, leistet aber auch als „digitales Abbild“ im Anschluss seine Dienste, etwa bei späteren Sanierungsarbeiten. Somit bildet es den ganzen Lebenszyklus des Gebäudes über den Zeitraum seiner Bewirtschaftung ab. Schon bald wird es Planungs- und Bauprozesse grundlegend verändern und sich damit maßgeblich auf die Ausbildung und Arbeit von Ingenieuren auswirken. Und für unsere mobile Zukunft stellen die Ingenieure mit leistungsstarken Verkehrsnetzen, der intelligenten Verknüpfung unterschiedlicher Transportmittel und dem autonomen Fahren aktuell die Weichen. Dabei sind noch viele Fragen offen, auch ethische Fragen, und ich persönlich hoffe inständig, in einer Gefahrensituation niemals einem autonom fahrenden Fahrzeug zu begegnen. Nach mir die Sintflut…

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, George Stephenson, Hauptbegründer des Eisenbahnwesens

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“ ist eine Koproduktion des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW und des Oskar von Miller Forums, München, wo die Ausstellung bereits vom 10. November 2017 bis 14. Januar 2018 zu sehen war.

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Walther Wilhelm Johannes Bauersfeld

Ohne die Leistung von Walther Wilhelm Johannes Bauersfeld (* 1879 in Berlin, † 1959 in Heidenheim an der Brenz) bei der Entwicklung einer freitragenden Kuppel für Projektionszwecke in Abrede stellen zu wollen, aber bei Carl Zeiss Jena beschäftigte er sich in der Hauptsache mit Fragestellungen der Mikroskopie und Beleuchtungstechnik und dozierte als außerordentlicher Professor für astronomische Physik an der Universität Jena.

Zeiss-Planetarium Jena

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Konrad Zuse, erster programmgesteuerter Rechner, um die statischen Berechnungen im Bauingenieurwesen zu automatisieren

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Blick in die Ausstellung

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Home Insurance Building, Chicago, 1885; Chicago Stock Exchange Buidling, Chicago, 1894; Reliance Building, Chicago, 1895; Empite State Building, New York City, 1931 (bis 1972 das höchste Gebäude der Welt)

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Burj Khalifa, Dubai (aktuell das höchste Gebäude der Welt); US Bank Centre, Milwaukee; John Hancock Center, Chicago und Chestnut-De-Witt, Chicago. Modelle der Gebäude im Maßstab 1:500

Die Ausstelung „Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“ ist noch bis zum 1. Juli 2018 dienstags, mittwochs und freitags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Wer mit der der Maschinenhalle der Zeche Consolidation, Schacht Oberschuir nichts anzufangen weiß, die wird seit der Umnutzung auch als stadt.bau.raum bezeichnet.

„Visionäre und Alltagshelden. Ingenieure – Bauen – Zukunft“, Blick in die Ausstellung

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