Die Anfänge des Ruhrbergbaus in Essen


2017 war Essen als Grüne Hauptstadt Europas der „Renner“ – oder auch nicht. Immerhin zeugt die Betonstele an der „Essener Aussicht“ Heißener Straße/Brausewindhang in Schönebeck noch davon. 2018 interessiert sich niemand mehr so richtig dafür, aber dieses Jahr endet bekanntlich der subventionierte Steinkohlenbergbau in Deutschland. Es gibt zwar nur noch zwei aktive Bergwerke in Deutschland, und global dürfte das Thema ebenso interessant sein wie der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umfällt, aber was soll’s.

„Essener Aussicht“ Heißener Straße/Brausewindhang

Die Dampfmaschine besaß für den Bergbau und die Industrialisierung eine Schlüsselstellung. 1803 baute Franz Dinnendahl (* 20. August 1775 in Horst, † 15. August 1826 in Rellinghausen) die erste eigene Dampfmaschine für die Zeche Wohlgemuth in Kupferdreh. 1834 gelang es dem Ruhrorter Kaufmann und Unternehmer Franz Haniel (* 20. November 1779 in Ruhrort, † 24. April 1868 in Ruhrort) beim Abteufen des Schürfschachtes Franz auf der Suche nach Fettkohle, die Mergeldecke zu durchstoßen. Mergel ist ein direkt über der Kohle lagerndes, wasserführendes Gestein von sehr harter Konsistenz. Andere Quellen geben an, dass 1811 auf der Zeche Am Busch in Dortmund die Mergelschicht in einigen Metern Tiefe erstmals überwunden wurde. Jedenfalls erinnert ein Gedenkstein in der Schönebecker Straße an die „Pioniertat“ von Franz Haniel. Natürlich gab es vorher auch schon Kleinzechen, aber Großzechen wie beispielsweise die Zeche Zollverein wurden erst durch den Abbau der Kohle unter der Mergelschicht möglich.

Gedenkstein an der Schönebecker Straße vor dem Seniorenwohnheim Kloster Emmaus

Die Inschrift auf der Gedenktafel lautet:

„Der Ruhrorter Kaufmann und Unternehmer Franz Haniel durchteufte 1834 mit dem Schacht Franz erstmals das Deckgebirge und erreichte in 56 Metern Tiefe die Kohle. Der Schacht lag 470 Meter südlich dieses Gedenksteins. Das technisch schwierige Projekt war der Durchbruch zu einem neuen Bergbau im Ruhrgebiet.

1835 begann Haniel mit den Arbeiten an Schacht Kronprinz, der 60 Meter nördlich dieses Steines in der heutigen Schacht-Kronprinz-Straße lag. Dort stieß man in 99 Metern Tiefe auf Kohle. Die Endteufe lag bei 206 Metern.

Beide Schächte bildeten 1838 die Zeche Vereinigte Kronprinz, die 1842 aufgegeben wurde.“


Förderwagen an der Ecke Ardelstraße/Schönebecker Straße

Bereits 1994 hatte der Verein Bergbaukolonie Schönebeck e. V. eine historische Kipplore an der Ecke Ardelhütte/Schönebecker Straße aufgestellt, noch heute ist an dieser Stelle ein Förderwagen aufgestellt, auf dem eine Tafel mit der Inschrift

„Bergbaukolonie Schönebeck Ardelhütte Schacht-Konprinz-Str.
Wohnsiedlung der ehemaligen Schachtanlage KRONPRINZ in Verwaltung der VEBA WOHNEN AG
Erbaut 1916 – 1920“


an die alten Zeiten erinnert.

Gedenktafel für die Wohnsiedlung der ehemaligen Schachtanlage Kronprinz

Einige Straßennamen wie „Schacht-Franz-Straße“ und „Schacht-Kronprinz-Straße“ im heutigen Essener Stadtteil Schönebeck erinnern noch an den Durchbruch, der die Entwicklung des Bergbaus maßgeblich beeinflusst hat.

„Schacht-Franz-Straße“

„Schacht-Kronprinz-Straße“

Die Straße „An der Seilbahn“ erinnert an die Seilbahn, die die Kohle quer über Schönebeck zum Eisenbahnanschluss nach Mülheim-Heißen transportierte.

„An der Seilbahn“

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