„Von der Idee zur Form. Domeau & Pérès: Dialoge zwischen Design und Handwerk“

Ausstellung in den Kunstmuseen Krefeld/Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld

Kaiser Wilhelm Musuem, Krefeld

Die Kunstmuseen Krefeld zeigen im Rahmen der Ausstellung „Von der Idee zur Form“ erstmals eine wichtige Design-Schenkung von rund 60 Objekten renommierter, internationaler Designer im Kaiser Wilhelm Museum, die sie 2017 von den französischen Herstellern Domeau & Pérès erhalten haben. Zur Schenkung gehören auch diverse Skizzen, Prototypen und Archivmaterial. Parallel dazu wird ein Konvolut von Objekten und Skizzen des Designers Peter Ghyczy gezeigt – ebenfalls eine Schenkung an das Museum –, das seine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Elastogran demonstriert.

„Von der Idee zur Form“, Blick in die Ausstellung

Hintergrund und Ursprung der Ausstellung

Der Appell des Werkbunds für eine Zusammenarbeit von Kunst, Handwerk und Industrie, um Exzellenz und Innovation in den angewandten Künsten zu fördern, gehörte zum Gründungsimpuls des Kaiser Wilhelm Museums. Zum ersten Mal nach einem Jahrhundert entwickeln die Kunstmuseen Krefeld erneut eine entsprechend dynamische Ausstellungs- und Sammlungspolitik.

„Von der Idee zur Form“, matali crasset, Quand Jim monte à Paris/when jim goes to Paris, Rekonstruktion des SaloneSatellite auf der Mailänder Möbelmesse 1998

Die parallel stattfindende Ausstellung „Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ liefert den historischen Ausgangspunkt für „Von der Idee zur Form“, deren Fokus der kreative Entstehungsprozess von Möbeln anhand des Dialogs zwischen Designern und Domeau & Pérès ist. Den Besuchern wird die Entwicklung der Möbel von der Skizze bis zur finalen Umsetzung anhand ausgewählter Objekte visualisiert. Einzelne Möbelstücke können sogar benutzt werden. Dadurch wird das innovative Design und die qualitativ hochwertige Verarbeitung der Objekte erlebbar.

„Von der Idee zur Form“, Éric Jourdan, Pierre, Paul, Jaques, 2006

„Domeau & Pérès haben in der Fülle der Designlandschaft einen ganz eigenen Weg begangen. Sie haben Designern ermöglicht, meistens sehr früh in ihrer Karriere, experimentelle und ambitionierte Projekte zu realisieren, die aus heutiger Sicht wegweisend waren“, so Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen Krefeld.

„Von der Idee zur Form“, Ronan Bouroullec, Safe rest, 1999

Die Ausstellung wirft einen Blick auf den produktiven Austausch zwischen diesen hervorragenden Handwerkern – Bruno Domeau ist gelernter Sattler, Philippe Pérès erfahrener Polsterer und „Compagnon du devoir“ (hochkarätige und exklusive Meisterausbildung, die nur die besten Handwerker absolvieren) – und bedeutenden Designern wie Ronan & Erwan Bouroullec, matali crasset, Eric Chevallier, Odile Decq, Jérôme Gauthier, Eric Jourdan, François Mangeol, Christophe Pillet, Elodie Descoubes und Laurent Nicolas, Martin Szekely oder Michael Young. Auch Möbelstücke von Sophie Taeuber-Arp gehören zur Schenkung. Die Ausstellung wird mit Werken aus der Sammlung akzentuiert und so in ihr verankert. Dank der jüngsten Schenkung des deutsch-ungarischen Designers Peter Ghyczy widmet sich eine Sektion zudem speziell der Zusammenarbeit von Ghyczy mit dem Unternehmen Elastogran (1968 – 1972). Das Konvolut enthält Skizzen, Dokumente, Prototypen für realisierte und unrealisierte Design- und Architekturprojekte, darunter der Garden Egg Chair, eine Design-Ikone, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. „Diese bedeutende Schenkung beleuchtet auf einzigartige Weise, wie Designer und Industrie versucht haben, neue Anwendungen für Kunststoff für unseren Alltag zu entwickeln“, sagt Katia Baudin. Durch diese Ergänzung entstehen spannende Parallelen zu anderen Konvoluten in der Sammlung, wie dem Jugendstil Kayserzinn Ensemble oder Peter Behrens’ Arbeit für die AEG, die aufzeigen, wie Industrie und Gestalter auf innovative und fruchtbare Weise zusammengearbeitet haben.

„Von der Idee zur Form“, Éric Chevallier, Au mètre, 2014, und Bureau, 2014

Die Ausstellungsarchitektur und das Graphikdesign für die Ausstellung „Von der Idee zur Form. Domeau & Pérès: Dialoge zwischen Design und Handwerk“ sind in Zusammenarbeit mit einem Team von Studierenden des Fachbereichs Design der Hochschule Niederrhein (Anna-Lena Milde, Lucas Schnurre, Saskia Zillekens) entstanden.

„Von der Idee zur Form“, matali crasset, Téo 2 à 3, 1998

Über Domeau & Pérès
Im Jahr 1996 gründen der Polsterer Philippe Pérès (geb. 1970 in Cannes) und der Sattler Bruno Domeau (geb. 1962 in Suresnes) das Unternehmen Domeau & Pérès, um ihr handwerkliches Können und ihre Expertise dem zeitgenössischen Design zu widmen. Anstatt sich historischen Möbeln zu widmen (beispielsweise der Bergère Louis XV), führen sie ihre Erfahrungen, die sie auf der Wanderschaft als Compagnons du Devoir gesammelt haben, ins 21. Jahrhundert, um dort Tradition mit Innovation zu verbinden. Das Duo hat sich für seine hochwertige sowie detailorientierte Verarbeitung von Materialien und den kreativen Dialog mit den wichtigsten Vertretern des internationalen Designs einen weltweiten Namen gemacht. Domeau & Pérès schreiben Designgeschichte mit Möbeln und Objekten in limitierter Auflage, die sehr aufwendig in der Herstellung sind. Außerdem realisieren sie im Auftrag von Künstlernachlässen (wie etwa Sophie Taeuber-Arp oder Tati) identische Nachbauten berühmter Möbelentwürfe. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres einzigartigen Unternehmens schenkten Domeau & Pérès den Kunstmuseen Krefeld und dem Musée des arts décoratifs in Paris ausgewählte Objekte und Möbel. Einige dieser Möbel gehören zu den Ikonen der Designgeschichte der letzten 20 Jahre, wie beispielsweise matali crassets „Quand Jim monte à Paris“ (wenn Jim nach Paris kommt, 1997).

„Von der Idee zur Form“, matali crasset, Téo 2 à 3, 1998

„Von der Idee zur Form“, matali crasset, Permis de construire, 2000

Über Peter Ghyczy
Peter Ghyczy (* 1940 in Budapest; lebt und arbeitet in Swalmen, Niederlande) flüchtet 1956 mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Bonn, wo er das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg besucht. Ab 1960 studiert er an der RWTH Aachen und schließt 1967 sein Studium mit einem Diplom in Architektur ab. Von 1968 bis 1972 arbeitet er in Lemförde für das Polyurethan-Unternehmen Elastogran und entwickelt zahlreiche innovative Entwürfe für das Unternehmen. 1970 eröffnet er in Lemförde das „Design-Center“, ein Gebäude nach Peter Ghyczys Entwurf, das ebenfalls vollständig aus Polyurethan bestand. 1972 gründete er die Firma Ghyczy + Co Design in Viersen und stellt seine erste eigene Möbelkollektion vor. 1974 zieht die Firma nach Swalmen in den Niederlanden um, wo sie heute immer noch tätig ist.

„Von der Idee zur Form“, Peter Ghyczy, Garden Egg Chair, 1968

„Von der Idee zur Form. Domeau & Pérès: Dialoge zwischen Design und Handwerk“ in den Kunstmuseen Krefeld/Kaiser Wilhelm Museum ist vom 18. Mai bis 14. Oktober 2018 Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro.

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