So sieht Schloss Strünkede in Herne augenblicklich aus

„Coal Market“ von Ibrahim Mahama

vernähte Jutesäcke

Das Emschertal-Museum in Herne hat den ghanaischen Künstler Ibrahim Mahama (* 1987 in Tamale, Ghana; lebt und arbeitet in Accra, Kumasi und Tamale, Ghana) eingeladen, das historische Schloss Strünkede im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Kunst & Kohle“ zum Ende der Steinkohlenförderung mit gebrauchten Jutesäcken zu verhüllen. Ibrahim Mahama hatte zuletzt 2015 bei der 56. Biennale in Venedig („Out of Bounds“, Arsenale) und 2017 bei der documenta 14 in Kassel („Check Point Sekondi Loco. 1901 – 2030. 2016 – 2017“, Torwache) mit seinen Verhüllungen für Aufsehen gesorgt. Teil des künstlerischen Prozesses ist dabei immer die passgenaue Anfertigung von Jutebahnen, die anschließend wie eine zweite Haut über die Gebäude gelegt werden. Vor allem das gemeinsame Arbeiten und das Zusammentreffen verschiedener Menschen vor Ort, die an der Entstehung des Werkes aktiv teilnehmen, spielen bei der Kunst des Ghanaers eine wichtige Rolle. In seiner Heimat sind die Jutesäcke das landestypische Verpackungsmaterial, mit dem nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kohle über weite Strecken transportiert wird. Die Jutesäcke symbolisieren für Ibrahim Mahama die Auswirkungen des Welthandels, aufgrund ihrer Gebrauchsspuren seien sie ein Beweismittel auf seiner Suche nach Manifestationen globalen kapitalistischen Wirtschaftens in der Welt.

Schloss Strünkede am 9. Mai 2018

Bereits am vergangenen Samstag war die Ausstellung am und im Schloss Strünkede eröffent worden, und auf Nachfrage war zu erfahren, dass die Verhüllung bis Mitte dieser Woche abgeschlossen sein soll. Es war/ist geplant, Großteile des Daches und der Schlossfassade zu verhüllen, lediglich die Fassade zum Innenhof soll nicht verhüllt werden. Doch seit der Eröffnung am letzten Samstag war nicht weiter an der Verhüllung gearbitet worden, von wegen, am Mittwoch ist die Verhüllung abgeschlossen, und an der Fassade im Nordosten war eine Jutebahn schon wieder heruntergefallen. Wann die Verhüllung nun wirklich abgeschlossen sein soll, darüber konnte ich am Mittwoch keine Auskunft erhalten.

Schloss Strünkede am 9. Mai 2018

Schloss Strünkede am 9. Mai 2018

Schloss Strünkede am 9. Mai 2018

„Coal Market“ ist vom bis 16. September 2018 am und im Schloss Strünkede zu sehen. Das Kunstwerk wird durch Skizzen sowie Foto- und Videoaufnahmen im Emschertal-Museum erweitert, die den Entstehungsprozess des Kunstwerkes nachzeichnen. Das Emschertal-Museum ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 0,50 Euro.

Farbtupfer im Schlosspark

Schloss Strünkede am 17. Mai 2018

Ob die Verhüllungsaktion knapp zwei Wochen nach der Eröffnung nun abgeschlossen oder abgebrochen ist, oder ob womöglich die fehlenden Jutebahnen zur kompletten Verhüllung der drei Fassaden schon wieder heruntergefallen sind vermag wohl niemand mehr durch bloße Inaugenscheinnahme zu sagen. Zwei zusammengerollte Jutebahnen, die im Torbogen zum Innenhof liegen, deuten eher auf „abgebrochen“ hin. Egal, die Intention des Künstlers wird auch so deutlich, und über die Ästhetik der Verhüllung kann man sowieso geteilter Meinung sein, ob nun an drei Seiten komplett verhüllt oder eben mit „Löchern“.

Schloss Strünkede am 17. Mai 2018

Schloss Strünkede am 17. Mai 2018

Schloss Strünkede, Ostflügel mit unverputzter Wand des ehemals hier angebauten Nordflügels

Schloss Strünkede am 20. Mai 2018

Schloss Strünkede am 20. Mai 2018

Die Schlosskapelle soll das das älteste Bauwerk auf Herner Stadtgebiet sein, sie wurde bis 1272 von Bernd von Strünkede aus Backstein im gotischen Stil errichtet. Das heutige Aussehen erhielt sie jedoch erst im 14./15. Jahrhundert nach den Zerstörungen von Strünkede. Heute wird sie für Konzerte und Gottesdienste genutzt.

Schlosskapelle

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