„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“

Ausstellung in den Kunstmuseen Krefeld/Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld

Kaiser Wilhelm Musuem, Krefeld

Das Praktische und das Ideale miteinander in Einklang bringen – so formulierte es Peter Behrens programmatisch in einem Brief an den Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums Friedrich Deneken. Die Kunstmuseen Krefeld zeigen erstmals in einer monographischen Ausstellung ihre Sammlungsbestände des wegweisenden Künstlers, Gestalters und Architekten Peter Behrens (* 14. April 1868 in Hamburg, † 27. Februar 1940 in Berlin). Anlässlich seines 150. Geburtstags wurde der komplette Bestand restauriert sowie die umfangreiche Korrespondenz aufgearbeitet, die sich zwischen Peter Behrens und Friedrich Deneken erhalten hat.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, die Anfänge im Jugendstil

Werbegrafik und Typographie, Gläser, Tapetenentwürfe, Plakate, Holzschnitte, Bücher, Kataloge und Fotografien – die Kunstmuseen Krefeld besitzen ein Konvolut von rund 250 Arbeiten von Peter Behrens vorwiegend aus den Jahren zwischen 1900 und 1912. Eindrucksvoll lässt sich anhand dieses Sammlungsbestandes die rasante Entwicklung des jungen Peter Behrens vom Jugendstil-Künstler zum Vorreiter der modernen Werbe- und Industriegestaltung nachzeichnen. Die Ausstellung geht dieser Entwicklung nach und setzt unter anderem Akzente in der Schrift- und Buchgestaltung sowie beim Corporate Design, das er für die Delmenhorster Anker Werke und als Gestalter sämtlicher Produkte der AEG in Berlin entwickelte. Ein großer Teil der Arbeiten gehörte ursprünglich zur Sammlung des 1909 von Karl Ernst Osthaus (* 15. April 1874 in Hagen, † 25. März 1921 in Meran) in Hagen gegründeten „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“, dessen Bestände 1923 nach dem Tod von Karl Ernst Osthaus an das Kaiser Wilhelm Museum gelangten. In der Ausstellung „Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ ist etwa die Hälfte der rund 250 Arbeiten von Peter Behrens aus dem Sammlungs- und Archivbestand der Kunstmuseen Krefeld zu sehen.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Vitrine mit „Deutsche Kunst und Dekoration“, 1902, Band 9, Oktober 1901 – März 1902, Haus Behrens, Speisezimmer; „Dekorative Kunst“, 1901 – 1902, Band 9, Haus Behrens, Atelier und Bibliothek; Gläser „mit rubinroten Füßen“, 1901

„Peter Behrens ist einer der prägenden Künstler für die frühe Geschichte der Institution. Als Universalkünstler und Wegbereiter modernen Designs hat er Vorbildfunktion für die Neupositionierung der Kunstmuseen Krefeld“, so Direktorin Katia Baudin. „Mit der parallel stattfindenden Ausstellung der Schenkung zeitgenössischen Designs von Domeau & Pérès wird dieser Impuls in die Gegenwart fortgeführt.“ 1897 gegründet, war das Kaiser Wilhelm Museum ursprünglich als ein Haus für Kunst und Kunstgewerbe konzipiert, in dem freie Kunst und Alltagsgestaltung eng verbunden waren. Der Gründungsdirektor Friedrich Deneken gehörte zu den progressivsten Vertretern der Reformbewegungen in Deutschland. Die erste Kontaktaufnahme mit Peter Behrens geht auf das Jahr 1898 zurück. Im Museum hat sich ein rund 150 Seiten langer Schriftwechsel erhalten, der in der Forschung bislang kaum bekannt ist. Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey: „Der Briefwechsel zwischen Friedrich Deneken und Peter Behrens erzählt vom Dialog zwischen einem ambitionierten Museumsdirektor und einem aufstrebenden Künstler, die gemeinsam versuchen, in der Umbruchzeit um 1900 Kunst und Lebensgestaltung miteinander zu verbinden.“

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, „Sieg (Prometheus)“, 1896

Die Verbindung von Kunst und Technik war Peter Behrens’ zentrales Anliegen, das er in zahlreichen Schriften und öffentlichen Vorträgen diskutierte. Heute noch gebräuchliche Firmenlogos für AEG und MAN und der Schriftzug „Dem Deutschen Volke“ am Reichs­tags­gebäude in Berlin stammen aus seiner Feder, genauso wie die Entwürfe für die AEG-Turbinenhalle in Berlin-Moabit, das Hoechst-Verwaltungsgebäude in Frankfurt/Main und das Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, das heute als Peter-Behrens-Bau das Sammlungdepot des LVR-Industrie­museums beherbergt.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Verbindung von Kunst und Industrie, Vitrine mit AEG-Ventilator, Design: Nachfolge Peter Behrens; drei AEG Tee- und Wasserkessel, Entwürfe 1909

Mit der Einstellung des Künstlers und Architekten Peter Behrens im Jahr 1907 schuf die damalige „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ als erstes Unternehmen überhaupt die Stelle eines „Künstlerischen Beirats“. Peter Behrens, Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, zeichnete bei AEG bis 1914 verantwortlich für grundlegende, umfassende Neuerungen, die das Erscheinungsbild des Unternehmens über Jahrzehnte hinweg prägen sollten.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, AEG-Ventilator, Design: Nachfolge Peter Behrens

Die Ausstellungsarchitektur und das Graphikdesign für die Ausstellung „Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ sind in Zusammenarbeit mit einem Team von Studierenden der Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf, unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Thorsten Scheer mit Unterstützung von Friederike Peters entstanden.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, AEG-Ventilator, Design: Nachfolge Peter Behrens, Detail

Auftakt zum Jubiläumsjahr „100 jahre bauhaus im westen“

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ bildet zusammen mit den Ausstellungen „#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“ (17. März bis 1. Juli 2018) im Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) und der Dauerausstellung „Peter Behrens – Kunst und Technik“ (ab 28. April 2018) im LVR-Industriemuseum Peter-Behrens-Bau in Oberhausen den Prolog zum NRW-Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen. Gestaltung und Demokratie. Neubeginn und Weichenstellungen im Rheinland und in Westfalen“. Am 12. April 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule Weimar entstanden, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen, bestand das Bauhaus nur 14 Jahre und gilt heute weltweit als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Verbindung von Kunst und Industrie

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Modell der AEG Turbinenhalle, Berlin-Moabit, 1908 – 1909, Maßstab 1:200, Werkstatt Modellbau und Prototypen Hochschule Düsseldorf, Peter Behrens School of Arts, Bearbeiter: Liana Avakova, Dagmara Kronfeld, Depositum im LVR-Industriemuseum Oberhausen

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Modell der AEG Turbinenhalle, Berlin-Moabit, 1908 – 1909, Maßstab 1:200, Detail

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“ in den Kunstmuseen Krefeld/Kaiser Wilhelm Museum ist vom 18. Mai bis 14. Oktober 2018 Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro.

„Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale“, Firmenzeichen AEG, 1908

Zur Ausstellung entsteht eine Publikation „Peter Behrens 1868/2018“ in Kooperation mit dem MAK Köln und dem LVR-Industriemuseum Oberhausen (Deutsch/Englisch) im Verlag Kettler, Dortmund, ISBN 978-3-86206-695-7. In 12 Themenheften, die in einem Schuber zusammengeführt werden, beleuchtet jedes Haus jeweils neue Aspekte in Peter Behrens’ Schaffen. In Krefeld sind die Themenhefte „Der Briefwechsel zwischen Peter Behrens und Friedrich Deneken 1898 – 1912“/„Correspondence between Peter Behrens and Friedrich Deneken 1898 – 1912“ (Autorin Magdalena Holzhey), „Große Pläne. Friedrich Deneken und die frühe Entwicklung Peter Behrens’“/„Great plans. Friedrich Deneken and Peter Behrens’ early development“ (Autor Fabian Peters), „Reklamekunst für die Industrie“/„Advertising art for industry“ (Autorin Sabine Röder) und „Monumentalität. Peter Behrens zwischen Tradition und Moderne“/„Monumentality. Peter Behrens between tradition und modernism“ (Autor Thorsten Scheer) auch einzeln erhältlich.

Kommentare