„Expedition B“

Theaterschiff Maria-Helena besucht mit einer Collage aus Musik, Tanz und Schauspiel und einer audiovisuellen, multimedialen Rauminstallation zum Bergbau das Ruhrgebiet

2018 geht eine Ära zu Ende, die an Saar und Ruhr Menschen und Landschaft geprägt hat – die Ära des Stein­kohlen­berg­baus. Generationen von Bergleuten fanden hier ihr Auskommen und legten mit ihrer Arbeit den Grundstein für den wirtschaftlichen Wohlstand dieser Regionen. Der Höhepunkt der Kohleförderung ist lange vorbei, die Industrielandschaften verändern sich stetig, der Strukturwandel ist im Gange – aber dennoch bedeutet 2018 eine Zäsur. Was am Ende bleibt, sind Geschichten: von Schweiß und Kohlenstaub, von harten Schicksalen, von Gemeinschaft und Solidarität – und der gemeinsame Weg in die Zukunft.

Theaterschiff Maria-Helena an der Ruhrpromenade in Mülheim an der Ruhr

Um an diese Geschichten zu erinnern und gleichzeitig den Blick auf das Kommende zu richten, geht das Theaterschiff Maria-Helena – einst als Kohlekahn gebaut – auf eine Reise zu Orten, die besonders mit dem Bergbau verbunden sind. An sieben verschiedenen Schauplätzen an Saar und Ruhr wird die Collage aus Musik, Tanz und Schauspiel „Sehnsucht nach Licht“ aufgeführt, die den Bogen vom harten Alltag unter Tage bis zum heutigen Strukturwandel spannt. Ein Ensemble aus Musikern und TänzerInnen begibt sich auf die Suche nach der Essenz der Geschichte(n) des Bergbaus und schafft dabei in Verbindung mit den geschichtsträchtigen Aufführungsorten eine ganz eigene Atmosphäre.

Theaterschiff Maria-Helena

Parallel dazu ist im ehemaligen Laderaum des historischen Kohlefrachters Maria-Helena die audiovisuelle, multimediale Rauminstallation „Unter Tage Unter Deck“ von Francois Schwamborn (Installation) und Florian Schwamborn (Komposition) zu erleben, die sich – die besonderen Eigenschaften des Raums nutzend – mit der Welt unter Tage auseinandersetzt, dem Alltag der Bergarbeiter und ihrer Sehnsucht nach Licht. Obwohl „Expedition B“ von der RAG-Stoftung angestoßen und zum größten Teil auch von der RAG-Stiftung gefördert wird, sind die Veranstaltungstermine nicht im Terminkalender der Initiative „Glückauf Zukunft!“ zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus verzeichnet. Dumm gelaufen…

„Unter Tage Unter Deck“, Videostill, Installation von Francois Schwamborn

„Unter Tage Unter Deck“ ist eine Auseinandersetzung mit dem Bergbau an einem außergewöhnlichen Ort: Im Bauch des ehemaligen Kohlefrachters Maria-Helena wird in einer audiovisuellen Installation der Blick des Betrachters sowohl auf die lange Geschichte des Bergbaus als auch in die Zukunft gerichtet.
Die stählernen Wände des Frachtraums werden zur Leinwand für kraftvolle, ungewöhnliche Bilder, die sich mit den Klängen zusammenfügen und mal harte Realität, mal Poesie erzeugen. So findet sich der Zuschauer in einem Moment in einem historischen Bergbaustollen wieder, im nächsten Moment in einer abstrakten, aus Licht gebauten Welt, die der Vorstellungskraft den Raum öffnet. Die Projektionen entführen in längst vergangene Zeiten von Schlägel und Eisen und stellen zugleich die Frage danach, was nach dem Bergbau kommen wird.
Die Installation „Unter Tage Unter Deck“ ist in der Anlegezeit der Maria-Helena täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen, und bei Sonnenschein ist es im Laderaum des umgebauten Kohlefrachters „kuschelig“ warm.

„Unter Tage Unter Deck“, Videostill, Installation von Francois Schwamborn

11. und 12. Mai 2018 Mülheim an der Ruhr, Stadthafen
13. bis 16. Mai 2018 Oberhausen, Stadtgarten
17. und 18. Mai 2018 Recklinghausen, Stadthafen
20. und 21. Mai 2018 Herne, Künstlerzeche Unser Fritz
30. und 31. Mai 2018 Saarbrücken, Bürgerpark

„Unter Tage Unter Deck“, Videostill, Installation von Francois Schwamborn

„Sehnsucht nach Licht“, eine Collage aus Musik, Tanz und Schauspiel, entführt die Zuschauer in den Arbeitsalltag des Bergarbeiters. Sie ruft die Erinnerung an die Jahrhunderte alte Geschichte des Bergbaus mit seinen Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Landschaft wach und verweist zugleich auf die Zukunft der ehemaligen Bergbauregionen. Unter freiem Himmel und im Licht der Abenddämmerung zeigen vier TänzerInnen Szenen aus dem Bergbaualltag, begleitet von einem Ensemble aus Streich- und Blasinstrumenten sowie Percussions, das dem Abend einen klanglichen Rahmen verleiht. In Verbindung mit den besonderen Aufführungsorten wird eine ganz eigene Atmosphäre geschaffen, die die körperliche Anstrengung, den Schweiß und den Kohlestaub wieder auferstehen lässt und zugleich eine Ahnung von der historischen Bedeutung des Bergbaus für die ehemaligen Kohlereviere gibt. „Sehnsucht nach Licht“ ist eine Hommage an die harte Arbeit der Bergmänner, an den Bergbau als Grundstein für die rasante wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den letzten 200 Jahren, sowie ein Ausblick auf den Wandel, den das Ruhrgebiet und das Saarland gerade erleben.
„Sehnsucht nach Licht“ wird jeweils um 20.30 Uhr aufgeführt.

„Sehnsucht nach Licht“

16. Mai 2018 Oberhausen, Stadtgarten
18. Mai 2018 Recklinghausen, Stadthafen
20. Mai 2018 Herne, Künstlerzeche Unser Fritz
30. Mai 2018 Saarbrücken, Bürgerpark

„Sehnsucht nach Licht“

„Sehnsucht nach Licht“ erinnert mich ein wenig an die Performances von TheaterTotal, wobei bei „Sehnsucht nach Licht“ professionelle Tänzer und Musiker zu sehen und zu hören sind, letztere teilweise an ungewöhnlichen Instrumenten wie Anschlagglocken aus dem Bergbau, Stahlfässern und Bremsscheiben. Muss man selbst gesehen und gehört haben…

„Sehnsucht nach Licht“

„Sehnsucht nach Licht“

„Sehnsucht nach Licht“

Weitere Informationen und Ausweichorte bei Regen unter www.expeditionb.de

Theaterschiff Maria-Helena an der Ruhrpromenade in Mülheim an der Ruhr

Stadthalle Mülheim an der Ruhr

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