Die Spielzeit 2018/2019 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Ausgewählte Höhepunkte am Kleinen und Großen Haus

Am 26. April 2018 haben Generalintendant Michael Schulz, Rasmus Baumann, GMD der Neuen Philharmonie Westfalen, und Ballettdirektorin Bridget Breiner traditionell gemeinsam mit Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski das Programm der kommenden Spielzeit am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen vorgestellt, so wurde es mir zumindest zugetragen. Da die Entfernung zwischen Münster und Gelsenkirchen zu groß ist, konnte ich unmöglich gleichzeitig an der Präsentation der großen Kooperationsausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“ und der Vorstellung der neuen Spielzeit am MiR teilnehmen, weshalb es an dieser Stelle lediglich eine kleine kommentierte Nachlese ausgewählter Höhepunkte am Kleinen und Großen Haus gibt.


Klein Zaches, genannt Zinnober (Wiederaufnahme: 8. September 2018, Großes Haus)

„Klein Zaches, genannt Zinnober“ – Steampunk-Oper von „Coppelius“ und Sebastian Schwab nach der gleichnamigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann aus dem Jahre 1819. Komposition und Arrangements: „Coppelius“ und Thomas Rimes; Songtexte: Comte Caspar, Max Coppella und Graf Lindorf; Libretto, Inszenierung: Sebastian Schwab; Ausstattung: Britta Tönne; Licht: Sebastian Schwab, Jürgen Rudolph; Sounddesign: Jörg Debbert; Dramaturgie: Juliane Schunke; Musikalische Leitung: Thomas Rimes. Mitwirkende (bei der Premiere): Rüdiger Frank (E. T. A. Hoffmann, Klein Zaches), Ulrike Schwab (Fräulein von Rosenschön/Fee Rosabelverde, Candida) und „Coppelius“: Bastille (Balthasar), Comte Caspar (Fabian), Graf Lindorf (Liese, Prosper Alpanaus), Max Coppella (Pfarrer, Sbiocca), Sissy Voss (Mosch Terpin), Nobusama (Gehilfe von Prosper Alpanus). Neue Philharmonie Westfalen. Ur­auf­führung: 14. November 2015, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen. Wiederaufnahme: 8. September 2018

Auch wenn man vorgeblich mit „MASS: A Theatre Piece for Singers, Players, and Dancers“ in die neue Spielzeit 2018/2019 starten möchte, so ist doch bereits vier Wochen vor dessen Premiere die Wiederaufnahme von „Klein Zaches, genannt Zinnober“ disponiert. Drei Jahre nachdem „Coppelius“ die Bühne des Großen Hauses in eine akustische Dampfmaschine verwandelt hat und Fans aus ganz Deutschland zur Uraufführung der weltweit ersten Steampunk-Oper nach Gelsenkirchen reisten, kehrt selbige in der Spielzeit 2018/2019 ab 8. September 2018 nochmals für fünf Aufführungen bis 31. Dezember 2018 auf den Spielplan des MiR zurück.


„MASS: A Theatre Piece for Singers, Players, and Dancers“ (Premiere: 6. Oktober 2018, Großes Haus)

„MASS: A Theatre Piece for Singers, Players, and Dancers“ – nach der lateinischen Liturgie der römisch-katholischen Kirche von 1962. Musik und Liedtexte: Leonhard Bernstein; Weitere Texte von Stephen Schwartz und Leonard Bernstein; Regie, Choreographie, Kostüme: Richard Siegal; Bühne: Stefan Meyer; Musikalische Leitung: Rasmus Baumann. Solisten: Henrik Wager (Der Zelebrant, ein katholischer Priester), N. N. (Knabensolist). Street Chorus: Bele Kumberger, Dongmin Lee, Christa Platzer, Petra Schmidt, Shixuan Wei, Almuth Herbst, Lina Hoffmann, Boshana Milkov, Noriko Ogawa-Yateke, Anke Sieloff, Tobias Glagau, Khanyiso Gwenxane, Martin Homrich, Jiyuan Qiu, Michael Heine, John Lim, Joachim Gabriel Maaß, Urban Malmberg, Piotr Prochera, Sebastian Schiller. Tänzer*innen: Francesca Berruto, Sarah-Lee Chapman, Hitomi Kuhara, Tessa Vanheusden, Bridget Zehr, Sara Zinna, Paul Calderone, Carlos Contreras, Valentin Juteau, Mason Manning, Louiz Rodrigues, Ledian Soto, José Urratia. Knabenchor der Chorakademie Dortmund, Neue Philharmonie Westfalen. Uraufführung: 8. September 1971, John F. Kennedy Center for the Performing Arts, Washington, D. C. Europäische Erstaufführung: 25. Juni 1973, Konzerthaus, Wien. Premiere: 6. Oktober 2018, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.

Schon seit der „West Side Story“ (Uraufführung 26. September 1957, Winter Garden Theatre, New York City) gehörte Leonhard Bernstein (* 25. August 1918 in Lawrence, Massachusetts, † 14. Oktober 1990 in New York City, New York) zu den führenden Bühnenkomponisten seiner Zeit. Zur Eröffnung des John F. Kennedy Center for the Performing Arts 1971 in Washington, das den Namen des ersten katholischen Präsidenten der USA trägt, beauftragte die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy (* 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts, † 22. November 1963 in Dallas, Texas) Jacqueline Kennedy (* 28. Juli 1929 in Southampton auf Long Island, † 19. Mai 1994 in New York City) Leonhard Bernstein mit der Komposition, woraus ein gewaltiges musikalisches Happening entstanden ist. Es handelt sich um eine Art Gottesdienst, bei dem einiges außer Kontrolle gerät. Mit Richard Siegal – Gründer von „The Bakery“ (2006) und „Ballet of Difference“ (2016), Deutscher Theaterpreis DER FAUST 2010 – inszeniert und choreografiert einer der international gefragtesten Choreografen unserer Zeit.


„Fifty-Fifty Vol. 2 – Die Wunschkonzert-Show“ (Premiere: 11. November 2018, Kleines Haus)

„Fifty-Fifty Vol. 2 – Die Wunschkonzert-Show“ – Konzeption, Entwicklung, Szenische Einrichtung und Moderation: Carsten Kirchmeier; Dramaturgie: Anna Grundmeier; Musikalische Leitung und Arrangements: Thomas Rimes. Gesangssolitsen: Joachim Gabriel Maaß, Christa Platzer, Sebastian Schiller und Anke Sieloff. Assistentin: Katrin Bewer. Band: Thomas Rimes (Klavier/Gitarre), Ralf Metz (E-Bass/Gitarre), Andreas Kurth (Schlagzeug). Premiere: 11. November 2018, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Kleines Haus.

In der Spielzeit 2018/2019 geht „Fifty-Fifty – Die Wunschkonzert-Show“ in die „Verlängerung“. Warum auch nicht, wenn der musikalische Wahlabend beim Publikum gut ankommt!? Andernorts schickt man schließlich den auch in Gelsenkirchen bekannten Frank´n´Furter in die fünfte (!) Spielzeit, davon ist man bei „Fifty-Fifty Vol. 2 – Die Wunschkonzert-Show“ noch drei Wiederaufnahmen entfernt.


„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Premiere: 26. Januar 2019, Großes Haus)

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ – Musik: Kurt Weill; Libretto: Bertolt Brecht; Regie: Jan Peter; Bühne und Kostüme: Kathrin-Susam Brose; Dramaturgie: Dr. Olaf Roth; Musikalische Leitung: Thomas Rimes. Darsteller: Almuth Herbst (Leokadja Begbick), Petra Schmidt (Fatty, der „Prokurist“), Urban Malmberg (Dreieinigkeitsmoses), Anke Sieloff (Jenny Hill), Martin Homrich (Jim Mahoney), Tobias Glagau/Khanyiso Gwenxana (Jack O’Brien), Petro Ostapenko (Bill, genannt Sparbüchsenbill), Joachim Gabriel Maaß (Joe, genannt Alaskawolfjoe), Jiyuan Qiu (Tobby Higgins), N. N., N. N., N. N., N. N., N. N.. N. N. (Sechs Mädchen von Mahagonny) u. a. Neue Philharmonie Westfalen. Uraufführung: 9. März 1930, Neues Theater, Leipzig. Premiere: 26. Januar 2019, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ ist nach Kurt Weill die Geschichte von Sodom und Gomorra. Ähnlich wie die biblische Vorlage soll Mahagonny, eine fiktive Stadt in Nordamerika, mit allen „Gerechten und Ungerechten“ untergehen, wie die Witwe Leokadja Begbick äußert. Tatsächlich wird das Schicksal der Stadt nicht, wie im Alten Testament, durch eine äußere Katastrophe besiegelt, sondern durch eine Umwertung aller menschlichen Werte, durch die moralische Katastrophe.

Die Oper von Kurt Weill und Berthold Brecht konnte nur gegen große Widerstände überhaupt zur Uraufführung gebracht werdeb. Die Premiere geriet zu einer politischen Demonstration, bei der Anhänger der NSDAP eine geplante Störaktion durchführten und einen Teil des Publikums zu Protesten gegen das Werk animierten, weswegen man die Vorstellung nur mit Mühe zu Ende spielen konnte. Kein Wunder, ist dieses Werk doch bis heute eine bitterböse Abrechnung mit einer nach wie vor gelebten Huldigung an den Gott des entfesselten Kapitals…


„Big Fish“ (Premiere: 9. März 2019, Großes Haus)

„Big Fish“ – nach der Novelle „Big Fish: A Novel of Mythic Proportions“ von Daniel Wallace (1998) und dem Fantasy-Drama „Big Fish“ von Tim Burton (2003). Musik und Liedtexte: Andrew Lippa; Buch: John August; Deutsche Bearbeitung: Nico Rabenald; Regie: Andreas Gergen; Choreographie: Danny Costello; Bühne und Projektionen: Sam Madwar; Kostüme: Ulli Kremer; Dramaturgie: Andreás Borbély T., Antonia Leitgreb; Musikalische Leitung: Heribert Feckler. Darsteller: Benjamin Oeser (Edward Bloom), N. N. (Will Bloom), Theresa Christahl (Sandra Bloom), N. N. (Junger Will), N. N. (Josephine Bloom), N. N. (Der Riese Karl), N. N. (Amos Calloway), N. N. (Don Price), N. N. (Die Hexe), N. N. (Jenny Hill), N. N. (Meerjungfrau), N. N. (Dr. Bennett), N. N. (Zacky Price), N. N. (Bürgermeister), N. N. (Frustrierter Fischer) u. a. Neue Philharmonie Westfalen. Tryout Premiere: 2. April 2013, Oriental Theatre, Chicago, Illinois. Broadway Premiere: 6. Oktober 2013, Neil Simon Theatre, New York City. Europäische und deutsche Erstaufführung: 10. November 2016, Prinzregententheater, München. Premiere: 9. März 2019, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.

Nun also doch: 442 Tage später als ursprünglich geplant soll das Musical „Big Fish“ von Andrew Lippa (Musik und Liedtexte) und John August (Buch) am 9. März 2019 als Kooperation mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding München am Musiktheater im Revier Premiere feiern. Am 10. November 2016 wurde „Big Fish“ am Prinzregententheater München mit den Musical-Studierenden der Bayerischen Theaterakademie August Everding zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Die Musical-Adaption von Tim Burtons Fantasy-Drama wurde nach einer Tryout Produktion im Oriental Theatre in Chicago ab 5. September 2013 am Neil Simon Thetre am Broadway gezeigt, Premiere war am 6. Oktober 2013. Die Show wurde nach 34 Previews und lediglich 98 regulären Vorstellungen am 29. Dezember 2013 geschlossen.