Von Wal-Stoßzähnen und Mammut-Ohren: Dem Einhorn auf der Spur

Ausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ ab 23. März 2018 im LWL-Museum für Archäologie

Ob in Videospielen, als Plüschtier oder auf Klopapier - das kleine, weiße Pferd mit meist regenbogenfarbenem Haar ist zurzeit allgegenwärtig. Der aktuelle Liebling der Popkultur ist auch Thema der Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“. In Herne geht das Archäologiemuseum der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ab dem 23. März 2018 dem Mythos aus wissenschaftlicher Sicht mit beeindruckenden Exponaten von Walen und Mammuts auf den Grund.

„Dass die Werbeindustrie das Einhorn für sich entdeckt hat“, meint Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock, „darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frage nach seiner Existenz durchaus einen ernsten wissenschaftlichen Kern hat.“

„Einhorn von Quedlinburg“. Foto: Jan Hendrick Hoerner

Ein Highlight der Ausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ ist das Modell-Skelett eines vermeintlichen Einhorns aus Quedlinburg. Als 1663 beim Gipsabbau an den Seweckenbergen im Harz riesige Knochen zutage traten, deutete selbst der Naturwissenschaftler Otto von Guericke – Erfinder der Luftpumpe – den Fund als Skelett eines Einhorns.

Kein Geringerer als der berühmte Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz bildete die Zeichnung wenig später in seiner „Protogaea“ ab, einem Standardwerk zur Fossilienkunde. „Wir sind besonders stolz darauf, eine Kupferstichplatte zeigen zu können, die Leibniz als Vorlage für seine weltweit erste Rekonstruktionszeichnung eines ausgestorbenen Wirbeltieres diente“, erklärt Dr. Josef Mühlenbrock.

Rekonstruktion des Quedlinburger Einhorns nach Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner „Protogaea“ von 1749. Foto: LWL

Darüber hinaus legen ein Spazierstock aus Narwal-Stoßzahn, ein Einhornbecher oder Bruchstücke von Mammutstoßzähnen und Mammutknochen, die für Einhörner gehalten wurden, Zeugnis von dem seit der Antike andauernden Hype ab. Dieser nahm sein vorläufiges Ende, als mit der Identifizierung der Narwalzähne im 17. Jahrhundert dem Glauben an lebende Einhörner der Zahn gezogen wurde.

Die Knochen von Quedlinburg schienen aber den Beweis zu liefern, dass es das Fabelwesen einmal gegeben hat. Erst als das sibirische Eis 1799 einen nahezu unversehrten Mammut­kadaver preisgab, ebbte die Einhornhysterie gänzlich ab. Das mumifizierte Ohr eines vor ca. 35.000 Jahren ums Leben gekommenen Mammutbullen zeigt das Archäologie­museum ab dem 23. März 2018 in seiner Ausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“.

Ein mit Folie gepolstertes Abflussrohr schützt das Horn. Es ragt aus der Kiste heraus. Foto: LWL

Irren ist menschlich – davon bleiben auch angesehene Wissenschaftler nicht verschont. Die Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne korrigiert vom 23. März bis 9. September 2018 populäre, aber überholte Thesen zu vergangenen Epochen. Über 200 Exponate decken spektakuläre Fehlurteile und Betrugsfälle in ganz Europa auf. Interaktive Medien­stationen sollen den kriminalistischen Spürsinn von kleinen wie großen Besuchern wecken.

Mehr Infos unter www.irrtuemer-ausstellung.lwl.org

Kommentare