9. „Tag der Archive“ 2018

Gemeinschaftsveranstaltung der Duisburger Archive

Der Tag der Archive ist eine Initiative des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. Er fand erstmals im Jahr 2001 statt und wird seit 2004 alle zwei Jahre veranstaltet. Am Tag der Archive soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf die vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen der Archive gelenkt werden und die archivische Arbeit sichtbar gemacht werden.

Stadtarchiv Duisburg in einem umgebauten Getreidespeicher am Innenhafen

Am 3. und 4. März 2018 fand bundesweit der 9. Tag der Archive statt. Mehrere hundert Archiveinrichtungen öffneten am ersten März-Wochenende ihre Türen und Magazine für die Öffentlichkeit. Mit dem Veranstaltungstermin Anfang März möchte der VdA auch an den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 erinnern, dessen Verarbeitung noch längst nicht abgeschlossen ist. Darüber hinaus soll der Öffentlichkeit die Vielfalt des Archivwesens verdeutlicht werden: Große Staatsarchive beteiligen sich ebenso wie die örtlichen Kommunalarchive, Kirchenarchive finden sich im Veranstaltungskalender neben Universitäts-, Parlaments- und Wirtschaftsarchiven. Dazu kommen Adels-, Medien- und Parteiarchive sowie Archive von Verbänden, Stiftungen und wissenschaftlicher Institutionen. In einigen Orten kooperieren auch verschiedene Einrichtungen und bieten gemeinsame Veranstaltungen zu einem bestimmten Schwerpunkt an. In einer Gemeinschaftsveranstaltung präsentierten sich die Duisburger Archive im Stadtarchiv und im Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland.

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, Magazinturm an der Schwanentorbrücke

Das Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland wurde vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) nach dem Entwurf des Büros Ortner & Ortner Baukunst unter Einbeziehung des ehemaligen Getreidespeichers der Rheinisch-Westfälischen Speditions-Gesellschaft (RWSG) an der Schwanentorbrücke errichtet. Der 76 Meter hohe Archivturm im Zentrum des ehemaligen Getreidespeichers ist längst nicht jedermanns Sache, doch seit der Eröffnung im Mai 2014 ist womöglich Gras über die Sache gewachsen. Und trotz des Parlamentarischen Untersuchungs­aus­schusses der 15. Wahlperiode zum Neubau des Landesarchivs NRW in Duisburg ist der größte Bauskandal von NRW in Duisburg – die Kosten waren von ursprünglich 30 Millionen Euro auf 200 Millionen Euro angestiegen – noch immer nicht geklärt, der ehemalige Chef des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW wurde vom Landgericht Düsseldorf im Februar 2017 wegen Bestechlichkeit und Untreue zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland

Beim diesjährigen „Tag der Archive“ wurden auch Führungen durch das Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland angeboten, das Interesse an dem 200 Millionen Euro teuren Gebäude ist nach wie vor ungebrochen, die Einlasskarten zu der letzten Führung waren lange vor dem Beginn vergriffen. Was man dann während der Führung durch einen Raum des Magazinturms, die Restaurierungswerkstatt und den Lesesaal zu sehen bekommen hat, war mehr als ernüchternd, zumindest für mein Empfinden.

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, Lesesaal


„Theodora Rasche – Kunstfliegerin und Weltreisende“ im Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Vom 4. März bis 17. Mai 2018 zeigt das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv die Ausstellung „Theodora Rasche – Kunstfliegerin und Weltreisende“ über die Essener Fliegerin „Thea“ Rasche (* 12. August 1899 in Unna, † 25. Februar 1971 in Essen-Rüttenscheid), Tochter aus gutem Hause, ihr Vater Wilhelm Rasche war Direktor der Essener Actien Brauerei. „Thea“ Rasche entdeckte in den 1920er-Jahren ihre Leidenschaft für das Fliegen, konnte am 27. November 1925 ihren Flugschein entgegennehmen und erwarb gleich im Anschluss als erste deutsche Frau ihren Kunstflugschein. Die Ausstellung wurde initiiert und unterstützt von der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald e. V., die Konzeption und Umsetzung erfolgte durch das Archiv zur Geschichte der Luftfahrt im Ruhrgebiet, Dr. Guido Rißmann-Ottow. Gezeigt werden Fotografien aus ihrem Nachlass, die vielfach zum ersten Mal in einer Ausstellung im Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv zu sehen sind. Bedauerlicherweise sind in der Ausstellung nirgends Hinweise zur Person „Thea“ Rasche und ihrer Biografie zu finden. Nicht jeder Besucher hat jederzeit ein Smartphone zur Hand und hat damit Zugriff auf Informationen zu „Thea“ Rasche beispielsweise in der freien Enzyklopädie wikipedia. Hier besteht m. E. noch Nachbesserungsbedarf, denn in einer Ausstellung ist es nicht damit getan, Fotos zu zeigen, sondern der geneigte Besucher möchte auch mit entsprechenden Hintergrundinformationen versorgt werden. Die Ausstellung soll noch bis 17. Mai 2018 während der üblichen Öffnungszeiten im Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (dienstags und mittwochs von 9 Uhr bis 15.30 Uhr, donnerstags von 9 Uhr bis 18 Uhr) zu sehen sein.

„Theodora Rasche – Kunstfliegerin und Weltreisende“

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