Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017

Ein subjektiver Rückblick

Dresden hat sein „Blaues Wunder“, 2017 konnte Essen sein „grünes Wunder“ erleben: am 21. Januar 2017 wurde der Titel der Grünen Hauptstadt Europas (European Green Capital) im Rahmen der Eröffnung von Ljubljana an Essen übergeben. Mit dem Titel wird eine europäische Stadt ausgezeichnet, die nachweislich hohe Umweltstandards erreicht hat und fortlaufend ehrgeizige Ziele für die weitere Verbesserung des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung verfolgt. Am kommenden Wochenende wird die Stadt Essen den Titel an die niederländische Stadt Njimegen übergeben. In der Zwischenzeit wurden 453 Projekte realisiert, davon 187 Eigenprojekte, 56 Tagungen und Konferenzen und 210 Bürgerprojekte. Rund 200.000 BesucherInnen aus 38 Ländern sollen zu den Veranstaltungen gekommen sein. Das Projektbüro der Grünen Hauptstadt wertet dies als „vollen Erfolg“. Von den 200.000 Besuchern sollen aber bereits etwa 30.000 (15 Prozent aller Besucher in 2017!) die Eröffnung der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 am 21. und 22. Januar 2017 im Grugapark gefeiert haben. Gemessen an der Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung von 590.194 Einwohnern (lt. Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen der Stadt Essen. Stand 31. Dezember 2017) bedeutet dies auch, dass nicht einmal ein Drittel der eigenen Bevölkerung erreicht wurde, durch den Besuch von mehr als einer Veranstaltung je Person reduziert sich der Anteil noch weiter.

Eröffnung im Grugapark, „Moraland im Lichterlabyrinth“, Theater Anu, Stefan und Bille Behr

Auch touristisch möchte die Stadt Essen vom Titel der Grünen Hauptstadt Europas profitiert haben und belegt dies damit, dass 384.000 zusätzliche Besuche von Tagestouristen und 120.000 zusätzliche Übernachtungen in einem vergleichsweise messeschwachen Jahr gezählt wurden. Da fragt man sich, wie diese Zahlen mit den insgesamt 200.000 Besuchern bei den Veranstaltungen der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 zusammenhängen. Womöglich gar nicht. „Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.“ Der Grugapark kann auf ein Rekordjahr zurückblicken: 2017 kamen 1,1 Millionen Besucher und somit 7,5 Prozent mehr als 2016. Allein die 30.000 Besucher am Eröffnungswochende der Grünen Hauptstadt bedeuten ein Besucherplus von 2,9 Prozent. Dann warten wir doch einmal die Zahlen aus dem laufenden Jahr ab…

Eröffnung im Grugapark, Feuerkugeln auf der Kranichwiese

Durch die finanzielle Unterstützung der Stadt Essen (5 Mio. Euro), der Landesregierung NRW (6 Mio. Euro), des Bundesumweltministeriums (4 Mio. Euro) und von Sponsoren (1,5 Mio. Euro) stand dem Projekt Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 ein Gesamtbudget von 16,5 Mio Euro zur Verfügung. Davon flossen 52 Prozent direkt in die Projekte. Von den rund 8,6 Mio Euro Projektmitteln wurden 62 Prozent für nachhaltige Projekte und Baumaßnahmen, 3 Prozent für Ausstellungen, 6 Prozent für Tagungen und Konferenzen und 29 Prozent für Events wie die Eröffnung, den „Tag der Bewegung“ und das Familien- und Gartenfest „Grün auf! Altendorf“ ausgegeben. 18 Prozent des Gesamtbudget wurden für Personalkosten aufgewendet, 16 Prozent für Marketing und Kommunikation, 13 Prozent für administrative Kosten und Dokumentation und 1 Prozent für das Volunteers-Programm.

Eröffnung im Grugapark, „Sturm & Wasser“, Performance am Waldsee

„Es ist uns gelungen, Essen als pulsierende, zukunftsfähige und moderne Grüne Hauptstadt Europas zu präsentieren, auf die die Bürgerinnen und Bürger zu Recht stolz sein können. Dieses Bild ist um die Welt gegangen – Essen ist nicht mehr die Kohle- und Stahlstadt von einst, sondern eine Metropole, deren beeindruckender Wandel als Zukunftsmodell für andere Städte im Strukturwandel dient. Dabei ist mir eines besonders wichtig: Die Essenerinnen und Essener haben selbst den Wandlungsprozess angestoßen und sind ein wesentlicher Teil dieses Prozesses“, sagte Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen.

GRowEEN“ in der Volkshochschule Essen

„Essen war zwölf Monate lang Schaufenster eines gelungenen Strukturwandels im Ruhrgebiet. In diesem Jahr hat Essen gezeigt, dass die komplexe Transformation von einer ehemals schwerindustriell geprägten zu einer der grünsten Städte in Nordrhein-Westfalen gelingen kann“, sagte Christina Schulze Föcking, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, in einer Grußbotschaft zum erfolgreichen Abschluss des Jahres 2017 als „Grüne Hauptstadt Europas“.

Tree Parade“ in der Essener Innenstadt

„Mit dem Titel der Grünen Hauptstadt Europas hat Essen das Image der grauen Industriestadt abgelegt, das außerhalb des Ruhrgebiets noch mancherorts existierte. Als Grüne Haupt­stadt Europas hat Essen internationale Aufmerksamkeit bekommen und damit eine Vorreiterrolle beim umwelt­freund­lichen städtischen Leben eingenommen.“
Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit


„Mein Highlight unter den vielen Veranstaltungen im Jahr der Grünen Hauptstadt war die Ausstellung ‚Grün in der Stadt Essen. Mehr als Parks und Gärten‘ auf Zollverein, die die so beeindruckende Geschichte der Grünanlagen und ihrer Planung in der Industriestadt Essen deutlich gemacht hat: von Grün zu Grau zu Grün.“
Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums und Mitglied des Vorstandes der Stiftung Zollverein

Grün in der Stadt Essen. Mehr als Parks und Gärten“, Siebenschläfer (Glis glis)

Korte Klippe mit der Stele der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Korte Klippe, ein beliebter Aussichtspunkt in Essen-Heisingen oberhalb des Baldeneysees

Stell’ Dir vor, es ist „Tag der Bewegung“…

Tag der Bewegung“, „Moving Green“, Forum InterArt, Regie Wolfram Lenssen

Seaside Beach Baldeney

„Mit der Wiedereröffnung der Badestelle am Baldeneysee konnte der Ruhrverband zum Imagegewinn der Region beitragen. Wir werden auch zukünftig daran arbeiten, die Gewässerqualität weiter zu verbessern.“
Prof. Norbert Jardin, Technischer Vorstand des Ruhrverbands

Seaside Beach Baldeney

MS innogy, im Hintergrund die ehemalige Zeche Carl Funke

Hochtemperatur-Methanol-Brennstoffzellen (7 × 5 kW) an Bord der MS innogy


Grün auf! Altendorf“, „Rote Lippen soll man küssen“, Oberbürgermeister Thomas Kufen

BaldeneySteig

Nach der Eröffnung des BaldeneySteigs am 23. September 2017 berichtete der Westdeutsche Rundfunk Köln, dass der neue Wanderweg um den Baldeneysee schlecht aus­ge­schildert sei und Wanderer Probleme mit der Orientierung haben. Bei einer Begehung des 26,7 Kilometer langen Wanderwegs wurde daraufhin Nachbesserungbedarf festgestellt und eine ideale Ausschilderung bis zum Frühjahr 2018 in Aussicht gestellt.

BaldeneySteig mit enormer Steigung

Am 15. Dezember 2017 stellte der Westdeutscher Rundfunk Köln schließlich die Frage „Wie grün ist Essen wirklich?“ in den Raum und ließ verlauten, dass Umweltverbände der Stadt Essen vorwerfen, die Bewerbung zur Grünen Hauptstadt Europas geschönt zu haben, da die CO2-Emissionen verschiedener Unternehmen bei der Bewerbung um den europäischen Titel nicht einberechnet worden seien. In der Gegendarstellung der Stadt Essen wurde diese Behauptung zurückgewiesen und als „keineswegs zutreffend“ bezeichnet, da die methodische Grundlage der Bewerbung auf dem so genannten Verursacherprinzip basiere. Dieses von der Stadt Essen angewandte Verfahren entspreche allen Vorgaben der EU-Kommission, die den Titel jährlich vergibt.

„Emschergroppe“ (umgestaltete Kinderrutsche) am Nicht­schwimmer­becken im Grugabad

War’s das? Großer Wert wurde bei den Projekten der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Badestelle in der Ruhr am Seaside Beach Baldeney, die MS innogy mit ihren Methanol-Brennstoffzellen zur Strom­er­zeugung an Bord und natürlich die 3.000 mit Sprüchen beklebten Mülleimer im gesamten Stadtgebiet werden Essen als nachhaltige Projekte erhalten bleiben. Was sonst noch bleibt, schau'n mer mal in neun Jahren, schließlich sollte das Jahr der Grünen Hauptstadt Europas der Beginn einer Grünen Dekade sein, die mit der IGA 2027 „Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr“ enden soll.

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