Die Zinkfabrik Altenberg im Umbruch

Erneuerung im Rahmen der „Vision 2020 für das LVR-Industriemuseum“

Außenansicht der historischen Zinkfabrik Altenberg des LVR-Industriemuseums

Die 1854 gegründete Zinkfabrik Altenberg war einer der ältesten metallverarbeitenden Betriebe in Oberhausen. Bis zur Schließung 1981 wurden hier überwiegend Zinkbleche her­ge­stellt. Nach dem Abriss der Anlagen sollten Wohnungen und Büros auf der ehemaligen Fabrikfläche entstehen. Doch die Stadt Oberhausen änderte ihre Planungen. In den Räumen der Fabrik entstand ein Bürgerzentrum. Auch ein Museum sollte hier einziehen. 1984 übernahm das LVR-Industrie­museum die Hauptgebäude der Fabrik. Nach der Beseitigung aller Umwelt­lasten auf dem Gelände eröffnete 1997 die Ausstellung „Schwerindustrie“ in der Walzhalle der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg.

Zwei-Ständer Dampf-Schmiedehammer der Bauart Nasmyth mit 6 Tonnen Schlaggewicht, um 1900, J. Banning, Hamm, Gewicht 53,4 Tonnen

Inzwischen sind mehr als 20 Jahre vergangen, und die Bemühungen zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, versinnbildlicht durch die Ansiedlung neuer Industrien in der Region am Beispiel eines Opel Kadett, sind selbst schon wieder Geschichte. Über industriellen Strukturwandel muss man heute anders sprechen als vor 20 Jahren, und mit den Bildschirmmedien der 1990er-Jahre kann man junge Menschen nicht mehr locken. Aus diesem Grund wird sich der Oberhausener Standort Zinkfabrik Altenberg mit seiner Dauerausstellung zur Schwerindustrie im Rahmen der „Vision 2020 für das LVR-Industriemuseum“ neu aufstellen, angefangen von der Sanierung und dem Umbau der Walzhalle bis hin zur Neugestaltung der Dauerausstellung, die sich nicht mehr ausschließlich auf die Eisen- und Stahlindustrie konzentrieren wird und die ehemalige Zinkfabrik Altenberg stärker in den Fokus rücken soll, von der ein Bogen bis in Gegenwart und Zukunft der Region geschlagen wird. Augenblicklich sind die Überreste der alten Fabrik – ein Schmelzofen, ein Gießkarussell und ein Walzgerüst – im Eingangsbereich des Museums zu sehen, sind aber nicht Bestandteil der Dauerausstellung „Schwerindustrie“.

Einheitslokomotive Baureihe 50, Fabriknummer 2429, ohne Tender, Hersteller Lokomotivfabrik Krupp, Essen, Ablieferung 14. Januar 1942

Damit steht sowohl eine inhaltliche Über­ar­beitung der Dauer­aus­stellung als auch eine Aktualisierung des Vermittlungskonzeptes an. Überdies zeigte eine interne Analyse des Standorts Handlungsbedarf in Bezug auf die Museumsinfrastruktur, die ein moderner Museumsbetrieb erfordert, aber auch in Bezug auf das gesamte Außengelände, das in seiner Aufenthaltsqualität aufgewertet werden soll. Ausstellungen und Veranstaltungen sollen künftig besser aufeinander abgestimmt werden können, Eingangssituation und Besucherführung optimiert werden.

Einheitslokomotive Baureihe 50, Fabriknummer 2429, ohne Tender, Hersteller Lokomotivfabrik Krupp, Essen, Ablieferung 14. Januar 1942

Opel Kadett A, Baujahr 1963

Auch an der Walzhalle sind die letzten 20 Jahre nicht spurlos vorüber gegangen: Im Mittelpunkt der baulichen Veränderungen werden die Umgestaltung und die Sanierung der Walzhalle stehen, mit dem Ziel einer effizienteren und flexibleren Flächennutzung, welche es ermöglicht, Sonderausstellungen, Dauerausstellung, Museumspädagogik und Veranstaltungen parallel anzubieten. Die Einrichtung eines neuen besucherfreundlichen Haupt­eingangs­bereichs, der zum Innenhof der Zinkfabrik Altenberg hin geöffnet ist, bildet einen weiteren wichtigen Bestandteil im Erneuerungsplan. Darüber hinaus soll das Außengelände durch die Schaffung eines autofreien Innenhofs aufgewertet werden, hierzu werden neue Parkplätze und Erschließungswege in der Peripherie entstehen. Auch die Neugestaltung des Parks an der historischen Direktorenvilla soll eine insgesamt bessere Einbindung des Museumsareals in den öffentlichen Stadtraum gewährleisten.

Direktionsvilla (1911/12)

In Vorbereitung der Sanierung und des Umbaus der Walzhalle wird die Dauerausstellung „Schwerindustrie“ am 29. April 2018 mit der Veranstaltung „Wir machen die Schwerindustrie dicht!“ geschlossen. Bis dahin macht das LVR-Industriemuseum den Besuchern an seinem Oberhausener Standort Zinkfabrik Altenberg ein besonderes Angebot: Im Eintrittspreis für die Sonder­aus­stellung Energiewenden – Wendezeiten (20. Oktober 2017 bis 28. Oktober 2018) ist der Besuch der Dauerausstellung bereits inbegriffen. Nur noch bis zum 18. Februar 2018 ist die Wanderausstellung „Unter Strom. Kunststoffe und Elektrizität“ des Deutschen Kunststoff-Museums auf der Galerie zu sehen, die in fünf Stationen die Geschichte und Gegenwart von Kunststoffen und Elektrizität nachzeichnet.

„Unter Strom. Kunststoffe und Elektrizität“, Telefon mit separater Ohrmuschel, Deutschland, um 1930

Im Anschluss wird auf der Galerie die Ausstellung „Magie der Schiene“ (1. März bis 17. Mai 2018) mit 82 Schwarz-Weiss-Fotografien von René Groebli (* 9. Oktober 1927 in Zürich) gezeigt, der 1949 von Paris nach Basel fuhr und unterwegs die dampfenden Lokomotiven, rollende Waggons, Bahnsteige, Schrankenwärter, Telegrafenmasten, Gleisanlagen und Reisende fotografierte.

Schauen zuversichtlich in die Zukunft: Dr. Walter Hauser, Direktor des LVR-Industriemuseums, und Dr. Burkhard Zeppenfeld, Museumsleiter des LVR-Industriemuseums Zinkfabrik Altenberg, vor der Einheitslokomotive Baureihe 50, Fabriknummer 2429

Während der intensiven Umbauphase in der Zeit von Ende 2018 bis ins Jahr 2020 hinein wird das Museum in der Walzhalle der Zinkfabrik Altenberg geschlossen sein. Voraussichtlich im Herbst 2020 eröffnet das Museum den ersten Teilabschnitt seiner neuen Dauerausstellung, bis Mitte 2021 soll dann die komplette Neugestaltung der Dauerausstellung abgeschlossen sein. Für die Übergangszeit wird das LVR-Industriemuseum den Peter-Behrens-Bau, das ehemaligen Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte, als Ausweichquartier für Ausstellungen nutzen. Dort wurde bereits vom 25. Juli bis 28. November 2010 der historische Teil („Feuerkult“) der Ausstellung „Feuerländer – Regions of Vulcan“ als RUHR.2010 Projekt präsentiert. Der Teil zur Gegenwartskunst („Brandherde“) war im Kesselhaus der Zinkfabrik Altenberg zu sehen.

Außenansicht des Peter-Behrens-Baus, der die Sammlung des LVR-Industriemuseums beherbergt. © LVR-Industriemuseum

Peter Behrens (* 14. April 1868 in Hamburg, † 27. Februar 1940 in Berlin) gilt als Pionier des modernen Industriedesigns. Das ehemalige Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte in Oberhausen wurde zwischen 1921 und 1925 nach seinem Entwurf erbaut und beherbergt heute als Zentraldepot des LVR-Industriemuseums weit über 100.000 Sammlungsstücke. Anlässlich seines 150. Geburtstages wird die Dauerausstellung über den Architekten und Designer im Peter-Behrens-Bau an der Essener Straße überarbeitet und um neue Exponate ergänzt. Ich habe bisher nicht einmal von der Existenz einer solchen Ausstellung gewusst. Ab 22. April 2018 wird die überarbeitete Ausstellung unter dem Titel „Peter Behrens – Kunst und Technik“ samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet sein, ab 16. September 2018 wird der Peter-Behrens-Bau mit der Eröffnung der Ausstellung „Stoffwechsel – Die Ruhrchemie in der Fotografie“ (16. September 2018 bis 17. März 2019) regulär von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die Ausstellung wird eine Auswahl des erhaltenen Foto­be­standes der Ruhrchemie AG und ihrer Nach­folge­gesell­schaften in Oberhausen zeigen und ist eine Gemeinschafts­aus­stellung mit der LUDWIGSGALERIE Schloss Oberhausen. Beide Ausstellungsorte sollen durch einen neu angelegten industriehistorischen Pfad miteinander verbunden werden.

Walzenständer vor dem Peter-Behrens-Bau an der Essener Straße

„Peter Behrens – Kunst und Technik“ bildet zusammen mit den Ausstellungen „#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag“ (17. März bis 1. Juli 2018) im Museum für angewandte Kunst in Köln und „Das Praktische und das Ideale“ (18. Mai bis 14. Oktober 2018) im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld den Prolog zum NRW-Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen. Gestaltung und Demokratie. Neubeginn und Weichenstellungen im Rheinland und in Westfalen“. Am 12. April 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule Weimar entstanden, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen, bestand das Bauhaus nur 14 Jahre und gilt heute weltweit als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst. Als Beitrag zu dem Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen“ soll im Peter-Behrens-Bau die Ausstellung „Stoff und Form“ in Kooperation mit dem Deutschen Kunststoff-Museum gezeigt werden.


Auf einen Blick
    Zinkfabrik Altenberg
  • Dauerausstellung „Schwerindustrie“ noch bis 29. April 2018
  • Sonderausstellung „Energiewenden – Wendezeiten“ noch bis 28. Oktober 2018
  • Wanderausstellung „Unter Strom. Kunststoffe und Elektrizität“ noch bis 18. Februar 2018
  • Galerie-Ausstellung „Magie der Schiene“: 1. März bis 17. Mai 2018
    Peter-Behrens-Bau
  • „Peter Behrens – Kunst und Technik“: ab 22. April 2018
  • „Stoffwechsel – Die Ruhrchemie in der Fotografie“: 16. September 2018 bis 17. März 2019
  • „Stoff und Form“: 2019
Weitere Informationen unter www.industriemuseum.lvr.de.

Kommentare