„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“

Ausstellung des M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein

Vom 1. Februar bis 4. März 2018 zeigt das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Halle 5, Schacht XII seine Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, die bereits vom 14. September bis 30. Oktober 2016 auf dem Clouth-Gelände in Köln und vom 29. März bis 9. April 2017 im Landtagsgebäude des Landtages NRW in Düsseldorf zu sehen war. Das Museum verfügt selbst nicht über Ausstellungs­räume, daher finden die Ausstellungen an wechselnde Orten statt. Oft finden die Ausstellungen auch in Gebäuden statt, die einen direkten Bezug zu den Themen der Ausstellung haben, wie beispielsweise die Ausstellung zum „Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015“ im Mies van der Rohe Business Park in Krefeld.

Ausstellungsplakat „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“
© M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW

Die Frage nach attraktivem, bezahlbarem Wohnraum stellt sich auch im Ruhrgebiet. Dabei stehen der Umgang mit dem Wohnungsbestand, die Möglichkeit zur Ausweisung neuer urbaner Wohngebiete und die veränderten Erwartungen an Wohnraum in enger Verbindung miteinander. Was muss geförderter und bezahlbarer Wohnungsbau im Ruhrgebiet heute leisten? Dies ist ebenfalls an vielen anderen Orten in NRW und Deutschland ein Thema, wo bezahlbare Wohnungen fehlen.

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, Blick in die Ausstellung

In der Ausstellung sind fünf begehbare Polyeder zu sehen, die an „aus der Form gedrehte Häuser“ erinnern und in denen die Themen „Küche. Diele. Bad“, „Die Akteure“, „Recht auf Wohnen“, „Das Haus“ und „Wohngebiete“ erläutert werden. Es geht um die Geschichte des sozialen Wohnungsbaus und den gesellschaftlichen Wandel des Wohnens, um die am Wohnungsbau beteiligten Personen und Institutionen, um die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, das Wachstum der Städte und Siedlungen. Zehn internationale Wohnungsbauten (Zwickyareal, Dübendorf, Schweiz; Wohnbebauung Sillblock, Innsbruck; Weltquartier Wilhelmsburg, Hamburg; das neue „Rote Wien“, „wohnen mit uns! wohnen mit scharf!“, Wien; Stadthäuser, „OSDORP – Town Houses“, Amsterdam; Pöstenhof, Lemgo; Wohnhäuser Plusplatz, München; WagnisArt, München; Franklin – Funari, Mannheim; R50 – cohousing, Berlin) veranschaulichen gelungene aktuelle Lösungen.

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Die Akteure“

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Die Akteure“, Grüne Mitte, Essen

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Recht auf Wohnen“

Mit Artikel 155 (1) der Verfassung des Deutschen Reichs („Weimarer Reichsverfassung“) vom 11. August 1919 („Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziele zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirt­schafts­heim­stätte zu sichern. Kriegsteilnehmer sind bei dem zu schaffenden Heimstättenrecht besonders zu berück­sichtigen.“) wurde in den 1920er-Jahren die Basis für ein außerprdentliches Wohnungsbauprogramm gelegt. In der von der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 beschlossenen Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Recht auf einen angmessenen Lebensstandard in Artikel 25 (1) manifestiert: „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhalts­mittel durch unverschuldete Umstände.“ Doch derzeit ist Wohnraum wieder Mangelware, nicht nur im Ruhrgebiet, und bezahlbarer Wohnungsbau ist eine drängende politische und gesell­schaftliche Aufgabe.

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Recht auf Wohnen“

Bei der Schaffung neuen, bezahlbaren Wohnraums geht es auch um die Frage, wie wir sowohl in den eigenen vier Wänden als auch im Quartier wohnen wollen. Dabei wird unter „bezahlbar“ eine Nettokaltmiete verstanden, für die maximal 30 Prozent des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens aufgebracht werden muss. Politiker, Stadtplaner, Architekten und Bauherren versuchen heute wie in den 1920er-Jahren, mit sozialem und bezahlbarem Wohnraum einen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft zu leisten. „Alle wollen wohnen“ verdeutlicht: Bezahlbares Wohnen ist eine große gesell­schaft­liche Herausforderung.

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Recht auf Wohnen“, Baukosten

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Recht auf Wohnen“, Wohnraumvorsorge: das Wiener Modell

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Das Haus“

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“, „Das Haus“, Generationenwohnen Pöstenhof Lemgo

Zusätzlich stellt die Architektenkammer NRW in einem Sondermodul die 20 Thesen ihres Aufrufs zu Urbanität und Dichte „Stadt wollen!“ vor, die zum Nachdenken über das Bild und Wesen der Stadt von morgen anregen sollen.

„Stadt wollen! Aufruf zu Dichte und Urbanität“

Die Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“ in Halle 5 Schacht XII auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist vom 1. Februar bis 4. März 2018 täglich von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu besuchen. Der Katalog zur Ausstellung ist im Jovis Verlag Berlin erschienen, ISBN 978-3-86859-474-4, umfasst 248 Seiten mit ca. 190 farbigen und s/w Abbildungen, und ist direkt in der Ausstellung und beim M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW zum Sonderpreis von 29 Euro erhältlich, regulärer Preis im Buchhandel 32 Euro.

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