Restaurierung des Personenwagens Nr. 4 der Zeche Pörtingsiepen

Schwertransport von Gelsenkirchen-Bismarck nach Essen-Bergeborbeck

Bei der Hespertalbahn, die seit 1975 durch den gleichnamigen Verein als Museumseisenbahn am Baldeneysee betrieben wird, handelt es sich um die ehemalige Zechen-Anschlussbahn der Zeche Pörtingsiepen, die den abgelegenen Standort nahe dem Haus Scheppen mit Essen-Kupferdreh verband. Neben dem Transport von Material, Abraum und Kohle gab es auf dieser Zechenbahn als Besonderheit von 1927 bis 1973 auch einen fahrplanmäßigen, nicht öffentlichen Personenverkehr, mit dem die Bergleute von Kupferdreh zur Zeche gebracht wurden. Zu diesem Zweck verfügte die Zeche Pörtingsiepen zwischenzeitlich über zehn Personenwagen, von denen fünf im Jahre 1927 gebraucht erworben wurden. Von allen Personenwagen, die sich im Besitz der Zeche Pörtingsiepen befanden, sind heute noch vier erhalten. Die Fahrzeuge gelangten nach der Zechenstilllegung zunächst zur Dampfeisenbahn Weserbergland. Die Wagen Nr. 2 und Nr. 4 konnten nach weiteren Stationen schließlich vom Verein Hespertalbahn e. V. zurückerworben werden. Wagen Nr. 2 ist betriebsfähig und wird im regulären Betrieb eingesetzt. Die Wagen Nr. 5 und 6 befinden sich bei anderen Museumseisenbahnen im Einsatz. Mittel- bis langfristig ist beabsichtigt, auch diese beiden Fahrzeuge zurückzuerwerben, um auf der Hespertalbahn einen Museumsbetrieb mit jenen Original-Fahrzeugen darstellen zu können, die während des gesamten regulären Personenverkehrs der Zeche dort im Einsatz waren.

Hespertalbahn, schwere Werkslokomotive für die Montanindustrie, Hersteller Arnold Jung Lokomotivfabrik GmbH, Jungenthal bei Kirchen/Sieg, Fabriknummer 12037, Baujahr 1956

Wagen Nr. 4 soll nun mit Unterstützung unter anderem der Bezirksvertretung VIII der Stadt Essen und des „Essener Konsens“ ebenfalls betriebsfähig restauriert werden. Der zweiachsige, sehr einfach gebaute Wagen mit offenen Plattformen wurde 1905 durch die Fa. Künstler & Co., Holzwickede, gebaut und soll im Anschluss an die Restaurierung im Museumszug der Hespertalbahn eingesetzt werden. Damit soll auf der heutigen Museumseisenbahn der tägliche Arbeitsweg der Bergleute während der Kohleepoche an der Ruhr erfahrbar werden und an die industrielle Vergangenheit des südlichen Ruhrgebiets erinnert werden. Die notwendige Restaurierung umfasst sämtliche Bauteile des Fahrzeugs und lässt sich grob in die Reparatur des Fahrzeugrahmens einschließlich des Fahrwerks und die Replikation des Wagenkastens und der Inneneinrichtung unterteilen. Die Restaurierungsarbeiten am Wagenkasten (ausgenommen Heizung und Beleuchtung) sowie die Entrostung und Lackierung des Fahrzeugrahmens sollen im Rahmen einer Arbeitsmarktmaßnahme durch den „Essener Konsens“ ohne Berechnung von Lohnkosten durchgeführt werden. Die Stahlarbeiten am Rahmen und die Klempner-Arbeiten an der Dacheindeckung werden vergeben. Die übrigen Arbeiten werden durch den Verein Hespertalbahn e. V. selbst in ehrenamtlicher Leistung durchgeführt.

Ankunft des Schwertransports an der Hafenstraße in Essen

Da der bisherige Standort des Fahrzeugs im ehemaligen Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen-Bismarck keine adäquaten Arbeitsbedingungen bot, wurde das Fahrzeug am 13. Dezember 2017 als Schwertransport auf der Straße nach Essen auf das Gelände der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft an der Zipfelstraße gebracht, wo die Arbeiten am Fahrzeug zum überwiegenden Teil stattfinden sollen. Das hört sich einfach an, doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Da der Schwertransport das Gelände der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft nicht direkt befahren konnte, musste der 12.950 kg schwere Personenwagen über einen Grünstreifen mit Bäumen hinweg gehoben werden. Und um mit dem Schwertransport die vorgesehene Abladestelle erreichen zu können, mussten zuvor noch widerrechtlich in der Zipfelstraße abgestellte Fahrzeuge entfernt werden, wodurch sich der Abladevorgang immerhin um eine Stunde verzögert hat. Gegen 16.25 Uhr war an diesem Tag in Essen Sonnenuntergang, und bei Dauerregen eine halbe Stunde später das Tageslicht weg. Das letzte hier gezeigte Foto ist gegen 16.45 Uhr aufgenommen…

Ankunft des Schwertransports an der Hafenstraße in Essen

Ankunft des Schwertransports an der Hafenstraße in Essen

Trotz Absolutem Halteverbot mussten zunächst in der Zipfelstraße geparkte Fahrzeuge entfernt werden

Der Schwertransport biegt in die Zipfelstraße ein

Ankunft des Schwertransports an der Entladestelle in der Zipfelstraße

Der Winkelschleifer lässt die Funken sprühen

Vorbereitung des Entladevorgangs

Transport des Personenwagens mit zwei Autokranen auf das Gelände der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft

Transport des Personenwagens mit zwei Autokranen auf das Gelände der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft

Transport des Personenwagens mit zwei Autokranen auf das Gelände der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft

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