Berufskolleg West in Essen-Frohnhausen

Der Luftschutzbunker unter dem Backsteingebäude

Bereits 1921 wurde der Schulbetrieb an der damaligen Schule für Industrieberufe Essen-West aufgenommen, nachdem 1911 die Berufschulpflicht („Fortbildungsschulpflicht“) in Essen eingeführt worden war. 1938 wurde das Schulgebäude an der Thomaestraße geräumt, im Mai 1939 begann man mit dem Schulneubau am Westbahnhof, und bereits ab 1. April 1940 wurden in den ersten fertiggestellten Gebäuden 2.000 Schüler unterrichtet, bevor 1941 alle vier Flügel des großen Backsteinbaus fertiggestellt waren. Die Kriegsmarine und die Friedrich Krupp AG unterstützten den Aufbau der Schule, wobei die Firma Krupp die erste und zweite Etage im Ostflügel sowie die Aula angemietet hat. Der repräsentative Backsteinbau entstand zur Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, die Ausbildung in der als größte Industrie­berufs­schule geplanten Schule erfolgte in „kriegswichtigen“ Berufen. Ab Januar 1942 nutzte die Firma Krupp die Aula zur Unterbringung ihrer „mit kriegsentscheidenden Arbeiten beschäftigten Abteilungen“. Am 16./17. September 1942 und am 3. April 1943 wurde die Industrieberufsschule durch Luftangriffe teilweise zerstört, der Südflügel und große Teile des Westflügels wurden völlig zerstört. 1956 war der Wiederaufbau von Nord-, Süd- und Ostflügel abgeschlossen, 1967 wurde mit dem Neubau der Schule für Elektrotechnik (heute Heinz-Nixdorf-Berufskolleg) anstelle des zerstörten Westflügels an der Dahnstraße begonnen, der 1971 fertiggestellt wurde. Momentan wird dieses Gebäude für 12,3 Millionen Euro kernsaniert.

Berufskolleg West, 1941, links das Bürohaus West aus dem Jahre 1920

Berufskolleg West, 1941

Berufskolleg West, Eingangsbereich

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland seit den 1930er-Jahren Luftschutzbunker errichtet. Ab 1940 erfolgte der Bau von Luftschutzbunkern unter der Leitung Hermann Görings als Oberbefehlshaber der Luftwaffe in größerer Zahl in allen großen deutschen Städten, die als Luftschutzorte erster Ordnung eingestuft waren. Die Bunker sollten dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen. Auch die Planungen der Industrieberufsschule am Westbahnhof sahen von Anfang an den Bau eines Luftschutzbunkers unter dem Gebäude vor, in dem 600 Menschen während der Luftangriffe Schutz und Unterkunft fanden. Heute ist noch eine Etage davon zugänglich, die meisten ehemaligen Zugänge, die auch nach Norden bis zur einstigen Krupp Gussstahlfabrik reichten, sind längst zugemauert. Die noch zugänglichen Räume sind weder museal hergerichtet wie beispielsweise im Bunkermuseum Oberhausen noch finden sich hier die ehemaligen Toilettenanlagen und elektrische Lüfter oder Handkurbellüfter zum Betrieb der Filteranlagen zum Schutz vor einem möglichen Angriff mit Giftgas wie sie beispielsweise bei der Besichtigung des Hochbunker „Eiserne Hand“ im Essener Stadtteil Ostviertel im Rahmen des Tages des offenen Denkmals 2013 zu sehen waren. (Der Hochbunker „Eiserne Hand“ wurde zuletzt 1983 in der Endzeit des „Kalten Krieges“ mit einer neuen ABC-Schutzbelüftungsanlage für den Zivilschutz modernisiert.) Die Eisentüren im Berufskolleg West sehen im Vergleich zu den schweren Schleusentüren im Hochbunker „Eiserne Hand“ wie Spielzeug aus. Was noch heute an den ehemaligen Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West erinnert, sind Beschriftungen neben den Eisentüren wie „Brandwache“, wo bei Bombenalarm Türsteher entschieden haben, wer hinein darf und wer nicht. Wie heute vor angesagten Nachtclubs…

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Als im September 2017 ein lokales Printmedium unter dem Titel „Einer der unbekanntesten Bunker in Essen öffnet sich“ über „eine seltene Gelegenheit, die Anlage zu besichtigen“ berichtete, und zwar im Rahmen des „Türöffner-Tages der Sendung mit der Maus“ am 3. Oktober, da haben sich natürlich sehr viele Interessenten für eine Bunkerführung angemeldet. Alles andere hätte einen bei einer derartig „reißerischen“ Berichterstattung auch gewundert. Immerhin ließ man sich beim Berufskolleg West nicht lumpen und hat kurzerhand, um die Lage am 3. Oktober nicht eskalieren zu lassen, einen zusätzlichen Besichtigungstermin am heutigen Samstag anberaumt, an dem der Schulleiter persönlich einen Teil der Besuchergruppen durch den ehemaligen Luftschutzbunker geführt und über die Geschichte des Berufskollegs West informiert hat.

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

Luftschutzbunker unter dem Berufskolleg West

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