Dienstag, 25. Juli 2017

FilmSchauPlätze NRW 2017: Senden-Ottmarsbocholt

Wasserburgen in Lüdinghausen

Lüdinghausen ist als die Dreiburgenstadt bekannt, und wenn man aus dem Ruhrgebiet kommend Richtung Senden-Ottmarsbocholt unterwegs ist, so fährt man u. U. auch durch Lüdinghausen: „Viele Wege führen nach Rom.“ Sehenswert sollen insbesondere die Burg Lüdinghausen und die Burg Vischering sein. Eine gute Gelegenheit, einmal anzuhalten und zu schauen, was es dort zu sehen gibt… wenn es nicht gerade regnet.

Burg Lüdinghausen

Ob man die Burg Lüdinghausen auch von innen besichtigen kann oder die Räumlichkeiten nur für Veranstaltungen genutzt werden, konnte ich vor Ort nicht ergründen. Aber an einem Montag wäre eine Besichtigung wahrscheinlich sowieso nicht möglich gewesen, montags haben schließlich die meisten Museen geschlossen.

Burg Lüdinghausen

Burg Lüdinghausen

Burg Lüdinghausen

Burg Lüdinghausen, Torhaus

Burg Vischering, Torhaus, Westflügel und Zwischenbau

Burg Vischering beherbergt das Münsterlandmuseum. Wegen Umbaumaßnahmen ist die Hauptburg bis auf weiteres geschlossen, die Vorburg kann man täglich außer montags besuchen. Wegen Bauarbeiten im Rahmen des Regionale-2016-Projektes „WasserBurgenWelt“ kommt es aber auch im Außenbereich zu Einschränkungen. War vielleicht doch keine so gute Idee, anzuhalten und zu schauen, was es dort zu sehen gibt… eine Baustelle im Regen.

Burg Vischering, Torhaus, Westflügel und Zwischenbau

Burg Vischering, Hofansicht der Hauptburg mit Südflügel, Treppenturm, Westflügel, Torhaus und Kapelle


„Tschick“ auf der Wiese am Spieker

Spieker und Backhaus in Senden-Ottmarsbocholt

Ottmarsbocholt ist seit der Eingemeindung zum 1. Januar 1975 ein Ortsteil der Gemeinde Senden 18 km südwestlich von Münster am Rande der Davert, irgendwo im Nirgendwo… in der Walachei, um in der Sprache der am Abend gezeigten Literaturverfilmung zu bleiben, zumindest für den Großstadtbewohner aus der Metropole Ruhr. Im Programmheft der FilmSchauPlätze NRW 2017 war zwar die Adresse der Wiese am Spieker nicht angegeben, dafür aber, wie man diesen FilmSchauPlatz mit dem ÖPNV erreichen kann. Nun gut, Suchmaschinen wissen bekanntlich fast alles, zumindest die Adresse der Parkanlage „Auf der Horst“, allerdings wissen Suchmaschinen auch nicht, wie man zu nächtlicher Stunde von Senden-Ottmarsbocholt mit dem ÖPNV wieder ins Ruhrgebiet kommen soll, der letzte Bus in Richtung Senden fährt unter der Woche bereits um 20.48 Uhr ab… Ein untrügerisches Zeichen, dass die Veranstaltung für auswärtige Besucher, die auf den ÖPNV angewiesen sind, ungeeignet ist.

Spieker in Senden-Ottmarsbocholt mit dem Engelskirchener Engel

Auf der Website des Heimatvereins Ottmarsbocholt e. V. ist zu erfahren, dass der Spieker (plattdeutsch für Speicher) ursprünglich in der Bauernschaft Aldenhövel in Lüdinghausen stand und vom Heimatverein in die Parkanlage „Auf der Horst“ in Ottmarsbocholt transloziert wurde. Im Obergeschoss hat der Heimatverein Ottmarsbocholt e. V. ein kleine Sammlung alter Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Ackergeräte und als besonderes Schmuckstück die alte, nach der Restaurierung wieder voll funktionsfähige Kirchturmuhr aus der Pfarrkirche zusammengetragen.

Spieker in Senden-Ottmarsbocholt, die alte Kirchturmuhr aus der Pfarrkirche

Spieker und Backhaus in Senden-Ottmarsbocholt

Neben dem Spieker hat der Heimatverein 2005/2006 ein Backhaus nach altem Vorbild mit Eichenbalken und Steinen aus einem Stallabriss errichtet. Den alten Backofen hat der Heimatverein ebenfalls geschenkt bekommen.

Backhaus in Senden-Ottmarsbocholt

Backhaus in Senden-Ottmarsbocholt

„Jallermann mit Kind“, Symbolfiguren des Ottmarsbocholter Karnevals

Pfarrkirche St. Urban

Kornwindmühle in Senden-Ottmarsbocholt

FilmSchauPlätze NRW, das bedeutet, dass bei freiem Eintritt an besonderen Orten auf die Location abge­stimmte Filme auf der Open Air-Leinwand gezeigt werden. 2017 findet die Veranstaltungsreihe im 20. Jahr statt, daher gibt es dieses Jahr 20 FilmSchauPlätze in Ostwestfalen-Lippe, im Tecklenburger Land, Münsterland, Märkischen Kreis, Siegerland, Bergischen Land, am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Angefangen hat alles in Südfrankreich, dort initiierte Centre Jean Vigo Événements in Bordeaux 1990 das Cinésites Festival, bei dem außergewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten mit einem inhaltlichen Bezug zu selbigen bei freiem Eintritt gezeigt werden. Als Cinésites Organisator Alain Marty 1997 Nordrhein-Westfalen besuchte, zeigte ihm das Filmbüro NW ausgewählte Veranstaltungsorte, und am 30. Juli 1998 wurde schließlich in Mülheim an der Ruhr am Ufer der Ruhr eine aufblasbare Leinwand vor der Stadthalle aufgestellt und der europäische Opernfilm „Farinelli“ präsentiert, die Geburtsstunde der FilmSchauPlätze NRW. Seitdem gibt es die Sommerkinoreihe „FilmSchauPlätze NRW“ jedes Jahr in den Sommerferien in NRW.

FilmSchauPlatz Senden-Ottmarsbocholt

Nach dem von den Landfrauen organisierten Vorprogramm und den Kurzfilmen „Ottmarsbocholt… kurz und bündig“ und „Der einsame Hof“ (2015, Regie Christian Zipfel) „Herman the German“ (2015, Regie Michael Binz) stand die Literaturverfilmung „Tschick“ (2016, Regie Fatih Akin) des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf mit Tristan Göbel und Anand Batbileg auf dem Programm, in der sich zwei jugendliche Außenseiter aus Berlin zu Beginn der Sommerferien in einem gestohlenen Auto quer durch Ostdeutschland in Richtung Walachei auf den Weg machen. Pünktlich zum Filmbeginn hatte es auch aufgehört, zu schauern… stattdessen hatte Dauerregen eingesetzt, dem die überwiegend einheimischen Besucher tapfer trotzten: „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.“

Angesichts der augenblicklichen Wetterlage werde ich bei Freiluftveranstaltungen erstmal eine ausgiebige Pause einlegen. Andernorts werden Veranstaltungen sogar abgesagt, bespielsweise die heutige Vorstellung von „Saturday Night Fever“ in Bad Gandersheim. „Goethe!“ hatte mich persönlich aufgrund der Musicaladaption „Goethe! Auf Liebe und Tod“ zwar von den 20 bei den FilmSchauPlätzen NRW 2017 gezeigten Filmen besonders interessiert, aber „Goethe!“ im Dauerregen muss auch ich nicht haben.

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