Sonntag, 1. April 2012

Vorschau: Ein Mann geht durch die Wand

„Ein Mann geht durch die Wand“ – nach der gleichnamigen Novelle „Le Passe-Muraille“ von Marcel Aymé; Musik: Michel Legrand; Lyrics: Didier van Cauwelaert; Deutsche Bearbeitung: Edith Jeske; Inszenierung: Gil Mehmert; Choreografie: Melissa King; Musikalische Leitung: Patricia Martin, Michael David Mills; Bühne: Beata Kornatowska; Kostüme: Jennifer Thiel. Darsteller: Oliver Morschel/Andreas Bongard (Dutilleul, ein Postbeamter), Marie Lumpp (Isabelle, seine Nachbarin/Frau A/Schaufensterpuppe), Tobias Berroth (der Staatsanwalt, ihr Mann/der neue Chef), Julia Meier (Hure), David Johnston (Zeitungsverkäufer/Dubeurre, ein Arzt/Gefängnisdirektor), Angelo Canonico (Maler), Victoria Reich (Fräulein M/Kommunistin/Schaufensterpuppe), Matthias Kumer (Herr B/Gefängniswärter/Bäcker), Julian Culemann (Herr C/Gefängniswärter), Sandra Pangl (Polizist/Vertreter der Action française), Anna Preckeler (Polizist/Vorsitzender Richter), Léonie Thoms (Frau des Gefängnisdirektors/Rechtsanwalt/Bettler/Schaufensterpuppe). Uraufführung: 6. November 1996, Maison de la Culture, Nantes; 15. Januar 1997, Théâtre des Bouffes-Parisiens, Paris. Broadway Premiere: 20. Oktober 2002, Music Box Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 16. April 2012, Theater im Rathaus, Essen.



„Ein Mann geht durch die Wand“


Die Novelle von Marcel Aymé als humorvolles Chanson-Musical


Das Musical „Ein Mann geht durch die Wand“ basiert auf der 1943 erschienenen Novelle „Le Passe-Muraille“ des französischen Schriftstellers und Dramatikers Marcel Aymé. Die Novelle wurde in Deutschland durch die Verfilmung von Ladislao Vajda aus dem Jahr 1959 mit Heinz Rühmann als duckmäuserischem Steuerbeamten Herr Buchsbaum bekannt. 1996 verfassten Michel Legrand (Musik) und Didier van Cauwelaert (Lyrics) auf der Grundlage der Novelle ein Chanson-Musical, das trotz seiner engen Bindung an die Pariser Nachkriegszeit 1997 mit dem Prix Molière als bestes Musical ausgezeichnet wurde. Der Versuch, das Musical 2002 in einer Inszenierung von James Lapine auch am Broadway unter dem Titel „Amour“ zu etablieren, misslang. Nach nur 31 Previews und 17 regulären Vorstellungen wurde die Produktion geschlossen. In der Bearbeitung von Edith Jeske bringt die Folkwang Universität der Künste in Koproduktion mit dem Theater im Rathaus Essen das Musical nun erstmals in deutscher Sprache auf die Bühne.

„Ein Mann geht durch die Wand“, Bühne: Beata Kornatowska, Bühnenbild-Modell 1 : 50

Zum Inhalt:
Paris, Rue Norvins in Montmartre, im 18. Arrondissement, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist Morgen. Unser Held Dutilleul ist auf dem Weg zur Arbeit. Er ist ein normaler Beamter, aber in seinem eintönigen Job sehr engagiert, weit mehr als seine eher mürrischen Kollegen. Dutilleuls Lichtblick in seinem tristen Leben ist seine schöne Nachbarin Isabelle. Er gäbe alles für einen Blick von ihr. Als er von der Arbeit kommt, sehen wir, wie Isabelle den Platz überquert. Was Dutilleul nicht weiß, trotz ihrer respektablen Ehe mit dem Staatsanwalt ist ihr Leben so banal und einsam wie sein eigenes. Sie ist Romanen und Zeitschriften verfallen und träumt von Romantik und Intrigen. Am Abend treffen wir die anderen Stammgäste von Montmartre: ein Maler, eine Hure, ein Zeitungsverkäufer, und den Staatsanwalt, Isabelles Ehemann, mit zwei Polizisten in seinem Gefolge.

Im Treppenhaus auf dem Weg nach oben flucht Dutilleul über einen weiteren Stromausfall, ein Symptom der Nachkriegszeit. Als das Licht wieder angeht, ist er zu seinem Erstaunen nicht mehr im Treppenhaus, sondern in seiner Wohnung. Woher hat er diese geheimnisvolle Gabe, durch Wände gehen zu können? Er sucht einen Arzt auf. Mit den Pillen, die ihm der Arzt verschrieben hat, kehrt er nach Hause zurück und entscheidet sich, seine neuen Kräfte einfach zu ignorieren. Sein Leben ist vielleicht nicht spektakulär, aber zumindest ist es ihm vertraut. Am nächsten Tag wird er jedoch von seinem neuen Chef aufs Gröbste beleidigt und so nutzt er seine Gabe, um Rache an ihm zu nehmen.

Inzwischen ist Isabelle traurig und einsam. Ihr Schicksal wird von ihrem gleichgültigen Ehemann, der seine eigenen privaten Vergnügungen hat, ignoriert. Dutilleul beschließt, seine Kräfte zu nutzen, um Gutes zu tun. Unter dem Decknamen Passepartout beginnt er seine Robin-Hood-Kampagne, indem er einer heruntergekommenen Hure Diamanten schenkt, die ihr Geschäft nicht mehr wie zuvor im Krieg ausüben kann. Dutilleul mag zwar durch Wände gehen können, aber ihm fehlt noch der Mut, sich Isabelle zu erklären. Sie hat jedoch längst ihre Fantasien auf Passepartout gelenkt, ihren neuen Held. Der Maler hat seine geheime Leidenschaft bemerkt und warnt ihn davor, ihr nachzugehen. Trotzdem fasst er einen Plan. Er wird in die Pariser Bank einbrechen und Alarm auslösen, wodurch er auf frischer Tat gefasst wird. Wie kann Isabelle da widerstehen?

Im Gefängnis wartet er auf den Besuch von Isabelle. Die Aufmerksamkeit seiner beiden Arbeitskolleginnen ist ihm weit weniger willkommen. Verärgert geht er durch die Wand aus dem Gefängnis. Am Montmartre gibt er sich Isabelle zu erkennen. Als sie sagt, sie könne ihren Mann nicht verlassen, entscheidet er sich, sich seinem Schicksal zu fügen und vor Gericht für seine Verbrechen einzustehen. Vor Gericht wird Dutilleul von einem nervösen jungen Rechtsanwalt vertreten, sein einziger Schutz vor dem Zorn des Staatsanwalts, Isabelles Ehemann. Das bizarre Verfahren wird durch das Auftreten von Isabelle unterbrochen. Sie enthüllt ihren Mann als Nazi-Kollaborateur im Krieg. Er solle vor Gericht stehen, nicht Dutilleul. Dieser erklärt, er habe alles nur aus Liebe getan. Und so wird er begnadigt, schließlich ist Paris die Stadt der Liebe. Gerade als er Isabelle nach Hause folgen möchte, verliert Dutilleul die Nerven. Doch das Flehen des Ensembles obsiegt, und unsere beiden Liebenden verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander.

„Ein Mann geht durch die Wand“, Marie Lumpp (Isabelle) und Oliver Morschel (Dutilleul)

Am nächsten Morgen wird Dutilleul von Journalisten geweckt, die sehr daran interessiert sind, dass er seine Kräfte vor ihren Kameras demonstriert. Aber Dutilleul hat einen Kater – vor Liebe, vom Champagner, von allem. Auf der Suche nach ein paar Aspirin findet er die Pillen, die der Arzt ihm gab. Sie kurieren ihn ... nicht von seinen Kopfschmerzen, sondern von seiner Fähigkeit, durch Wände gehen zu können. Als die Wirkung der Pillen einsetzt, wird er mitten im Sprung gefangen und bleibt in einer Wand stecken. Seine Freunde kommen einer nach dem anderen, und das Ensemble beklagt, von Isabelle angeführt, was alles hätte sein können.

Trotz allem ist Dutilleul alles andere als ein gewöhnlicher Mensch, an den in Liedern und Märchen erinnert wird. Und bis heute gibt es eine Bronzefigur von Jean Marais am Ende der Rue Norvins am Place Marcel-Aymé von dem Mann, der durch Wände gehen konnte. Und das ist der einzige Teil dieser Geschichte, der wirklich wahr ist …

„Ein Mann geht durch die Wand“, Sandra Pangl, Oliver Morschel, Marie Lumpp, Tobias Berroth, Matthias Kumer, Victoria Reich, Julian Culemann, Anna Preckeler

Im Diplom Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste werden jährlich zum Sommersemester 6 StudentInnen aufgenommen. Die Studienplätze an den staatlichen Hochschulen sind sehr begehrt, allein an der Folkwang Universität gab es in diesem Jahr 180 Bewerber für die 6 Studienplätze im Studiengang Musical. In acht Semestern erfolgt eine grundlegende und breit gefächerte Ausbildung in den Bereichen Schauspiel, Tanz und Gesang. Des weiteren gehören zum Studium die Fächer Musiktheorie, Bewegungslehre, Musical- und Theatergeschichte, die im späteren Verlauf des Studiums durch Liedinterpretation, Combo-Auftritte und verschiedenartigste Theaterprojekte ergänzt werden. Viele dieser Projekte finden in den Aufführungsräumen der Hochschule statt und erfreuen sich beim Publikum größter Beliebtheit. Seit einigen Jahren wird zunehmend auf Koproduktionen mit externen Veranstaltern Wert gelegt, damit die Studierenden so früh wie möglich Erfahrungen im professionellen Theaterbetrieb sammeln können.

Kooperationen:
  • 2000: „The Apple Tree“, Choreographisches Zentrum NRW, PACT Zollverein
  • 2003: „Merrily we roll along“, Kooperation mit dem Musicalensemble NRW e. V., Tor 2, Essen
  • 2005: „The Wild Party“, Kooperation mit „Stars in Concert“, Weststadthalle Essen
  • 2006: „Bat Boy“, Kooperation mit dem Stadttheater Minden
  • 2007: „Pinkelstadt“, Kooperation mit dem Theater am Kirchplatz, Schaan (Liechtenstein)
  • 2009: „Into the Woods“, Kooperation mit dem Theater Hagen
  • 2010: „High Fidelity“, Kooperation mit dem Theater im Rathaus, Essen
  • 2011: „One Touch of Venus“, Kooperation mit dem Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen
Die Bandbreite der als Abschlussproduktionen aufgeführten Musicals reicht von den 30er Jahren bis in die neueste Musicalgeschichte und bietet, wie in diesem Jahr mit „Ein Mann geht durch die Wand“ und 2010 mit „High Fidelity“, wiederholt deutschsprachige Erstaufführungen. In den Abschlussprojekten präsentiert jeweils der dritte und vierte Jahrgang des Studiengangs Musical eine große Ensembleproduktion, in diesem Jahr sind an „Ein Mann geht durch die Wand“ Tobias Berroth, David Johnston, Marie Lumpp, Julia Meier, Oliver Morschel und Victoria Reich (4. Jahrgang) sowie Angelo Canonico, Julian Culemann, Matthias Kumer, Sandra Pangl, Anna Preckeler und Leonie Thoms (3. Jahrgang) beteiligt. Auch über die Abschlussproduktionen hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit zahlreichen nordrhein-westfälischen Bühnen, unter anderem in Essen, Düsseldorf, Dortmund und Gelsenkirchen. Begehrt ist der Studiengang Musical mit seinem Programm zudem als Gast bei Sonderveranstaltungen und Galas für Unternehmen sowie politisch und kulturell hochrangigen Veranstaltungen, beispielsweise der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.

„Ein Mann geht durch die Wand“, Michael Masberg, Sandra Pangl, Oliver Morschel, Patricia Martin, Beata Kornatowska, Marie Lumpp, Tobias Berroth, Matthias Kumer, Victoria Reich, Julian Culemann, Anna Preckeler

„Ein Mann geht durch die Wand“ wird am 16. April 2012 im Theater im Rathaus, Essen seine deutschsprachige Erstaufführung erleben, weitere Vorstellungen stehen bis 13. Mai 2012 täglich außer montags auf dem Spielplan. Hier gibt es die Besprechung der Premiere.

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