Dienstag, 3. April 2012

Siedlung Margarethenhöhe

Die erste deutsche Gartenstadt

Neben der Ausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ kann man dem „Mythos Krupp“ geradezu hautnah in der Gartenstadt-Siedlung Margarethenhöhe in Essen nachspüren. 1906 rief Margarethe Krupp (* 15. März 1854 in Breslau, † 24. Februar 1931 in Essen) anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha (* 29. März 1886 in Essen, † 21. September 1957 in Essen) die „Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungs­für­sorge“ ins Leben, die mit einem Kapital von einer Million Mark und 50 Hektar Bauland ausgestattet wurde. Mit der Realisierung der Margarethenhöhe ab 1909 bis 1938 wurde der Architekt Georg Metzendorf (* 25. September 1874 in Heppenheim, † 3. August 1934 in Essen) beauftragt. Das Zentrum der Margarethenhöhe bildet der „Kleine Markt“ mit dem „Gasthaus zur Margarethenhöhe“ (1911), dem Schatzgräberbrunnen (1912) von Bildhauer Joseph Enseling (* 28. November 1886 in Coesfeld, † 16. Juli 1957 in Düsseldorf) und der ehemaligen Kruppschen Konsumanstalt (1911/1912). Das Wohnangebot stand im Unterschied zum Kruppschen Werkswohnungsbau allen Essener Bürgern offen, der vergünstigte Einkauf in der am Marktplatz gelegenen Konsumanstalt war aber den Kruppschen Werksangehörigen vorbehalten.

„Gasthaus zur Margarethenhöhe“

Das Fachwerkhaus des Hülsmannshofs wurde 1817 von Heinrich Wilhelm Hülsmann und dessen Frau Anna Gertrud Kohlhoff erbaut. 1904 verkaufte Theodor Hülsmann den Hof an Margarethe Krupp und pachtete ihn. Wilhelm Barkhoff, ein Neffe von Theodor Hülsmann zog 1910 auf den Hof und eröffnete 1925 die Bauerngaststätte „Bauer Barkhoff“. Das zwischenzeitlich unter Denkmalschutz gestellte Gebäude wurde 1998 von der Margarethe-Krupp-Stiftung saniert und wird seit 1. Juli 1998 unter dem Namen „Hülsmannshof“ als Restaurant genutzt.

„Hülsmannshof“

Die „Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“ stellte auch Räumlichkeiten für freie Künstler zur Verfügung, so dass sich die Margarethenhöhe ab 1917 zu einer Künstlerkolonie von überregionaler Bedeutung entwickelte. Mit dem Bau des „Kleinen Atelierhauses“ (1919) in der Sommerburgstraße 18 für den Grafiker Hermann Kätelhön (* 22. September 1884 in Hofgeismar, † 24. November 1940 in München), des „Werkhauses“ (1927) Im Stillen Winkel 1 sowie des „Großen Atelierhauses“ (1929) Im Stillen Winkel 42-48 als bis heute einzigartiges Kunstförderungsmodell in Essen bereicherte eine Künstler- und Kunsthandwerkergemeinschaft den Alltag sowohl in der Gartenstadt als auch im gesamten Industriegebiet. Zum Kreis der auf der Margarethenhöhe tätigen Künstler zählten neben Hermann Kätelhön u. a. der Bildhauer Will Lammert (* 5. Januar 1892 in Hagen, Westfalen, † 30. Oktober 1957 in Berlin), die Goldschmiedin Elisabeth Treskow (* 20. August 1898 in Bochum, † 6. Oktober 1992 in Brühl (Rheinland)), die Buchbinderin Frida Schoy (* 23. November 1889 in Duisburg, † 31. August 1963 in Essen) und der Fotograf Albert Renger-Patzsch (* 22. Juni 1897 in Würzburg, † 27. September 1966 in Wamel). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die KünsterInnen vertrieben und damit der Künstlergemeinschaft ein Ende gesetzt. Ab 27. April 2012 wird das Ruhr Museum im „Kleinen Atelierhaus“ mit der Ausstellung „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“ in den ehemaligen Atelier- und Werkräumen einen Überblick über die Geschichte der Siedlung sowie das Leben und den Alltag ihrer Bewohner bieten. Die Ausstellung kann nur im Rahmen von öffentlichen oder gebuchten Gruppenführungen besichtigt werden.

„Kleines Atelierhaus“ an der Sommerburgstraße

Von dem Künstlerviertel der 1920er und 1930er Jahre blieben nur das „Kleine Atelierhaus“ an der Sommerburgstrasse und die Goldschmiedewerkstatt Im Stillen Winkel erhalten. Aber auch die Kunstwerke, die für die Margarethenhöhe bestimmt waren, sind erhalten geblieben: Arbeiten von Joseph Enseling, Lisa Merkel (1916 – 2002) und Otto Lang (* 5. September 1855 in Oberammergau, † 26. Dezember 1928 in München).

„Bronzeknabe“ von Lisa Merkel, 1956

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (* 7. August 1870 in Den Haag, † 16. Januar 1950 in Schloss Blühnbach) hat das erstmals 1417 als „Fickynhütte“ urkundlich erwähnte Hammergebäude 1914 erworben und 1935/36 im Nachtigallental betriebsfertig wiederaufbauen lassen. Am 9. November 1936 wurde der nunmehr nach seinem Stifter benannte „Halbachhammer“ anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Firma Krupp der Stadt Essen feierlich übergeben und dem damaligen Ruhrlandmuseum (heute Ruhr Museum) als Freilichtanlage angegliedert. In den Sommermonaten finden an jedem ersten Sonntag im Monat Schmiedevorführungen statt.

Halbachhammer im Nachtigallental

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