Samstag, 3. März 2012

Wallfahrtskirche St. Marien in Bochum-Stiepel

Marienwallfahrtsort im Bistum Essen

Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel

Die neugotische Wallfahrtskirche St. Marien am südlichen Stadtrand von Bochum wurde 1914/15 nach Plänen des Paderborner Architekten Franz Mündelein (1857 – 1926) errichtet. Die Marienwallfahrt geht jedoch bis in das Mittelalter zurück, 1008 wurde nämlich bereits von Gräfin Imma zu Stiepel, Graf Liutgers Frau, eine Kirche in Stiepel „zu Ehren der seligen Jungfrau Maria“ errichtet. 1988 initiierte Franz Kardinal Hengsbach (* 10. September 1910 in Velmede, † 24. Juni 1991 in Essen) die Gründung des Zisterzienser­klosters, um die jahrhundertealte Marienwallfahrt wieder aufzuwerten, nachdem diese in den späten 1960er bis in die 1980er Jahre allgemein rückläufig war.

Bronzeskulptur von Werner Franzen: Hl. Bernhard von Clairvaux

Auf seinen Wunsch kamen vier Zisterzienser aus der Abtei Heiligenkreuz in Niederösterreich nach Bochum-Stiepel und errichteten hier ein von der Mutterabtei abhängiges Priorat. Die Klostergebäude wurden 1989/1990 nach dem Entwurf des von Roman Reiser gegründeten Bochumer Architektenbüros Reiser & Partner GmbH Architekten gebaut. Ausgehend vom alten Klosterplan des Zisterzienserordens aus dem Hochmittelalter wurde der Baustil an die modernen Bedürfnisse angepasst.

Wallfahrtskirche


Wallfahrtskirche, Innenansicht

Die heutige Farbgebung erhielt der Innenraum 1985 bei einer durch den Hattinger Künstler Egon Stratmann (* 1936 in Hattingen) in moderner Weise durchgeführten Neugestaltung.

Wallfahrtskirche, Innenansicht


Wallfahrtskirche, Fenster im Chorraum von Walter Klocke, 1953 – 1956
Pietà (links) sowie Maria und Johannes unter dem Kreuz (rechts)


Der Chorraum wurde 2006/2007 durch umfangreiche Umbaumaßnahmen erheblich erweitert, Frater Raphael Wilfried Statt OCist aus der Abtei Heiligenkreuz erstellte den ersten Entwurf für den gesamten Altarraum sowie die Pläne für das neue Chorgestühl und das neue Ambo. In Zusammenarbeit mit der Glasmalerei des Zisterzienserstiftes Schlierbach schuf er auch die Glasfenster in den beiden Seiten des erweiterten Chorraums.

Wallfahrtskirche, erweiterter Chorraum


Wallfahrtskirche, Fenster im Kirchenschiff von Walter Klocke, 1953 – 1956
Wallfahrt zur Marienverehrung (links) sowie Heribert von Köln und Imma von Stiepel (rechts)


Die Entwürfe zu den nach dem Krieg ersetzten Bleiglasfenstern im Kirchenschiff stammen von Walter Klocke (* 1887 in Bielefeld, † 1965 in Gelsenkirchen) und Egon Stratmann.

Wallfahrtskirche, Fenster in der Kapelle von Egon Stratmann, 1978

Linker Hand vom Hauptportal befindet sich eine Bronzeskulptur von Werner Franzen (* 19. Oktober 1928 in Cochem), die die drei Gründeräbte des Zisterzienserordens Robert von Molesme, Alberich von Citeaux und Stefan Harding sowie Bernhard von Clairvaux mit ihren Attributen zeigt. Werner Franzen hat das „Original“ der Skulptur in den 1990er Jahren für die ehemalige Zisterzienserabtei Altenberg geschaffen, seit 2011 befindet sich je ein weiteres Exemplar im Kloster Bochum-Stiepel sowie im Stift Heiligenkreuz.

Bronzeskulptur von Werner Franzen: Robert von Molesme, Alberich von Citeaux, Stefan Harding und Bernhard von Clairvaux (v. l. n. r.)


Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter von Stiepel“

Seit 1920 befindet sich die gotische Pietà, das Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter von Stiepel“ in der Wallfahrtskirche, bis 1820 befand sich die Mitte des 15. Jahrhunderts entstandene Holzskulptur in der 1008 errichteten Dorfkirche in Stiepel. Bei der Renovierung der Wallfahrtskirche 1974/75 erhielt sie ihren heutigen Platz auf einer etwa 2,5 Meter hohen Mariensäule in der linken Seitenkapelle. Das Gnadenbild ist das ganze Jahr über Ziel vieler Pilger, am 11. eines jeden Monats findet die so genannte Monatswallfahrt statt. Weitere große, traditionelle Wallfahrten sind die „Eichsfelder Wallfahrt“ (2012 am 3. Juni) und die Wallfahrt des St. Hedwigs-Werkes („Schlesierwallfahrt“, 2012 am 19. August).

Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter von Stiepel“

Im Kirchenwäldchen befindet sich der Kreuzweg mit gusseisernen Tafeln des Künstlers Ernst Rasche (* 1926 in Mülheim an der Ruhr), die an Stelen aus Edelstahl befestigt sind. Sie ersetzen die früheren Skulpturen aus dem Jahr 1926, die durch wiederholten Vandalismus beschädigt wurden.

Kreuzweg im Kirchenwäldchen

Weitere Informationen zum Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel, zu Gottesdiensten, Wallfahrten usw. sind auf der Hompage des Klosters unter http://www.kloster-stiepel.org zu finden.


Stiepeler Dorfkirche

Stiepeler Dorfkirche

Owohl doch räumlich etwa 3 Kilometer voneinander getrennt, verbindet die Marienwallfahrt beide Kirchen, weshalb ich die Stiepeler Dorfkirche gemeinsam mit der Wallfahrtskirche St. Marien vorstellen möchte. Bereits 1008 von Gräfin Imma zu Stiepel, Graf Liutgers Frau, in Stiepel „zu Ehren der seligen Jungfrau Maria“ errichtet, gehört die Stiepeler Dorfkirche zu den ältesten noch erhaltenen Bauwerken in Bochum. Seit dem 17. Jahrhundert gehört die Dorfkirche infolge der Reformation zur evangelischen Kirche. Ungeachtet dessen befand sich hier bis 1820 das Mitte des 15. Jahrhunderts entstandene Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter von Stiepel“.

Stiepeler Dorfkirche, romanischer Torbau

Durch den romanischen Torbau gelangt man in den Kirchhof. Im Inneren des Torbaus sind Grabsteinplatten von Patronatsherren und Pfarrern aus dem 14. bis 18. Jahrhundert aufgestellt. Die Grabsteine auf dem Kirchhof stammen aus Zeit von 1600 bis 1709. Man nimmt an, dass frühere Grabsteine auf dem Kirchhof nach der Reformation entfernt wurden.

Kirchhof

Die Dorfkirche wurde mehrfach umgebaut, die Fachwerkmauer am Ostgiebel wurde Ende des 15. Jahrhunderts beim Umbau der Kirche zur Hallenkirche errichtet.

Stiepeler Dorfkirche

Von der ursprünglichen Ausstattung der Kirche ist nur wenig erhalten, aber die besondere Bedeutung der Kirche liegt vor allem in den umfangreichen mittelalterlichen Wandmalereien, die zwar 1698 weiß übermalt, aber 1963/65 bei einer Restaurierung vollständig freigelegt wurden. Die ältesten Wandmalereien stammen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Stiepeler Dorfkirche, Innenansicht


Stiepeler Dorfkirche, Gotischer Taufstein

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