Sonntag, 11. März 2012

Neviges

Katholischer Wallfahrtsort im Bergischen Land

Mit Schloss Hardenberg, einem ehemaligen Wasserschloss aus dem 13. Jahrhundert, und dem Wallfahrtsdom in moderner Architektur auf dem Hardenberg ist der Velberter Ortsteil Neviges ein beliebtes Ausflugsziel im Bergischen Land. 1220 wurde die Ortschaft als Bestandteil der unabhängigen Herrschaft Hardenberg erstmals erwähnt. 1589 trafen sich unter dem Schutz der Herren von Hardenberg infolge der Reformation die Prediger und Ältesten der umliegenden reformierten Gemeinden zur ersten Bergischen Synode im Nevigeser Pfarrhaus. In der Reformationszeit beginnt auch die Geschichte der Wallfahrt, nachdem der Dorstener Franziskaner­mönch Antonius Schirley 1676 den Franziskanern in Hardenberg-Neviges ein Marienbild übersandt hatte. Ferdinand Freiherr von Fürstenberg (* 26. Oktober 1626 auf Burg Bilstein im Herzogtum Westfalen, † 26. Juni 1683 in Paderborn), Fürstbischof von Paderborn und Münster, kam nach seiner Genesung von schwerer Krankheit aufgrund eines Gelübdes am 25. Oktober 1681 zur Dankwallfahrt zum „Hardenberger Gnadenbild“ nach Neviges und begründete damit die Marienwallfahrt.

Alter Bahnhof

Bereits am 1. Dezember 1847 begann in Neviges durch die Prinz-Wilhelm-Bahn zwischen (Essen-)Steele und (Wuppertal-)Vohwinkel unter der Bezeichnung „Steele-Vohwinkler Eisenbahn“ das Zeitalter der dampfbetriebenen Eisenbahn. Der alte, seit dem 27. April 2003 stillgelegte Bahnhof ist bis heute erhalten geblieben und steht unter Denkmalschutz.

Altes Rathaus


Aufgang zum historischen Kirchplatz

Die evangelische Stadtkirche bildet das historische Zentrum von Neviges. Im 14. Jahrhundert wurde erstmals eine Pfarrkirche in Neviges erwähnt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Stadtkirche 1697/1740 – 1746 mit dem Neubau des Turms bzw. des einschiffigen Langhauses.

Evangelische Stadtkirche

Die Stadtkirche ist in einem Oval von bergischen Fachwerkhäusern umgeben, die eigene Namen wie „Neue Offerig“, „Oben am Kax“ oder „In der Turteltaube“ tragen. Das Gebäude am Kirchplatz 5 aus dem Jahr 1746 wurde erstmals 1827 unter dem Namen „Neue Offerig“ erwähnt, der auf die Wohnung des Küsters der evangelischen Stadtkirche verweist. Durch seine klar gegliederte Fachwerkfassade sticht das Gebäude gegenüber den Nachbargebäuden deutlich hervor.

„Neue Offerig“


Schloss Hardenberg

Das barocke ehemalige Wasserschloss Hardenberg wurde im 13. Jahrhundert von den Herren von Hardenberg als Waserburg mit einem zweiflügeligen Palas und vorgesetztem Hauptturm errichtet. Dieser Wehrbau wurde in der Zeit von 1682 bis 1696 zu einem Schloss umgestaltet. Augenblicklich wird es saniert. Die bereits sanierte Vorburg wird vor allem vom Theater der Stadt Velbert für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Schloss Hardenberg, sanierter Westflügel der Vorburg


Kath. Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis

1670 ließ Anna von Asbeck am nördlichen Rand des Dorfes Neviges eine kleine Kirche erbauen, die der Heiligen Anna geweiht wurde. Von ihr wurde auch das Franziskanerkloster gestiftet, dessen Bau Ferdinand von Fürstenberg infolge der ersten Wallfahrt 1683 vollenden ließ. Die katholische Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis ist 1728 als Erweiterung der Anna-Kirche erbaut worden. Sie war gleichzeitig Kloster-, Pfarr- und bis 1968 auch Wallfahrtskirche. Die Hallenkirche mit gotischem Chor weist neben dem barocken ehemaligen Gnadenaltar (1685/86) Formen des frühen Rokoko auf.

Kath. Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis, Innenansicht

Nachdem in den Nachkriegsjahrzehnten die Zustände in der alten Wallfahrtskirche bei Massenandrang und schlechten Wetterverhältnissen unhaltbar geworden waren, engagierte sich Joseph Kardinal Frings (* 6. Februar 1887 in Neuss, † 17. Dezember 1978 in Köln) in den 1960er Jahren für den Bau einer neuen Wallfahrtskirche, die schließlich vom Architekten Gottfried Böhm (* 23. Januar 1920 in Offenbach am Main) konzipiert wurde. Diese wurde nach der Grundsteinlegung am 17. Juli 1966 in knapp zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und am 22. Mai 1968 vom chinesischen Bischof Vitus Maria Chang Tso Huan SVD auf den Namen „Maria, Königin des Friedens“ geweiht.

Wallfahrtsdom „Maria, Königin des Friedens“

Die Rose ist ein häufig anzutreffendes Gestaltungssymbol am Wallfahrtsdom. Als Zeichen für Maria ist sie bereits an der Außenfassade zu finden.

Darstellung der Rose an der Außenfassade des Wallfahrtsdoms

Der markanter Bau aus Beton hat ein zeltartiges Dach über einem Innenraum, der als großer Versammlungsraum platzartig angelegt ist und von Straßenlaternen beleuchtet wird. Die äußere Form eines großen Zeltes mit dem Hauptaltar im Zentrum eines weiten Marktplatzes im Inneren spiegelt das Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils wider.

Wallfahrtsdom, Innenraum


Marienstele in der Marienkapelle

Das eingangs erwähnte Gnadenbild der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria ist in die Marienstele eingelassen, auf dem Bild ist Maria wie in der Offenbarung des Johannes beschrieben mit der Sonne umkleidet dargestellt.

„Hardenberger Gnadenbild“

Das Fenster in der Marienkapelle wird häufig als „Fischfenster“ gedeutet, in dem eine Rose im Blütenaufbruch einen Fisch als frühchristliches Symbol für Christus hervorbringt.

„Fischfenster“ in der Marienkapelle


„Rosen-Fenster“ und „Heilig-Geist-Fenster“ in der der Sakramentskapelle


Die Rose als Zeichen der Gottesmutter Maria

Neben dem Gnadenbild finden sich noch weitere Darstellungen Mariens im Wallfahrtsdom, u. a. die „Mutter Gottes von Tschenstochau“ als Ikone, ein Geschenk des Primas von Polen Kardinal Wyszynski aus Anlass seines Besuches am 23. September 1978.

„Mutter Gottes von Tschenstochau“


„Gottesmutter von Kasan“, Kazanskaja im Altarraum, 18. Jahrhundert

2010 wurde an Christi Himmelfahrt die neue Pfeifenorgel eingeweiht, die ursprünglich 1976 von der Orgelbauwerkstatt Gebrüder Stockmann für die Antoniuskirche in Hildesheim erbaut wurde. Dieses Instrument wurde von der Werkstatt Orgelbau Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) im Wallfahrtsdom aufgestellt und dabei um ein Auxilliarwerk erweitert.

Orgel

Die Krypta unter der Marienkapelle hat Gottfried Böhm 2010 im heutigen Erscheinungsbild gestaltet. Auf der Stirnwand findet sich erneut die Rose, die mit dem Sonnengesang des hl. Franziskus von Assisi hinterlegt ist.

Krypta

Der Kreuzberg wurde 1888 angelegt, so dass man bei großem Pilgerandrang mit den Messfeiern und Andachten ins Freie ausweichen konnte.

Kreuzberg, 14. Station des Kreuzwegs

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