Samstag, 17. März 2012

Kevelaer

Marienwallfahrtsort am Niederrhein

Urkundlich wurde Kevelaer erstmals im Jahr 1300 erwähnt, doch geht die Gründung einer Siedlung auf die Merowingerzeit zurück. Das wohl wichtigste Datum für Kevelaer ist der 1. Juni 1642, an dem der Pfarrer von Kevelaer einen Bildstock an der Wegkreuzung der alten Handelsstraßen Amsterdam – Köln und Münster – Brüssel weihte und einen Kupferstich der Gottesmutter Maria „Consolatrix Afflictorum“ (Trösterin der Betrübten) von Luxemburg einsetzte. Mit diesem Ereignis begann nämlich die Geschichte der Wallfahrt in Kevelaer. Heute besuchen mehr als 800.000 Menschen jährlich den Marienwallfahrtsort.

Winter ade!

Die Pilgerzeit beginnt erst mit der Öffnung des Pilgerportals der Marienbasilika am 1. Mai, noch kann man sich die vielen sehenswerten Gebäude und Sakralbauten in aller Ruhe anschauen, und inzwischen kann man bei frühlingshaften Temperaturen sogar auf Winterkleidung verzichten.

Altes Rathaus, Peter-Plümpe-Platz

Neben den historischen Kirchenbauwerken bietet Kevelaer dem Besucher eine große Anzahl denkmalgeschützter Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende. Das Alte Rathaus am Peter-Plümpe-Platz wurde 1902 – 1903 errichtet, an der Fassade sieht man noch heute das alte Stadtwappen mit dem Kleeblatt und dem Kreuz von St. Antonius.

Haus Stassen, Hauptstraße 63

Das Gebäude am Ende der Füßgängerzone wurde 1646 erstmals urkundlich erwähnt und blickt auf über 300 Jahre Bewirtung der Pilger in Kevelaer zurück. 1861 kaufte Theodor Stassen das Anwesen, sein Sohn Wilhelm verlieh dem Gebäude 1906 nach einem Neuaufbau sein heutiges Aussehen mit dem Erker und den verzierten Giebeln. Seit 1992 führen Michaela und Karl-Heinz Hornbergs das Haus Stassen unter dem Namen Alt Derp erfolgreich weiter.

Goldschmiedehaus Polders, Hauptstraße 17

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Hauptstraße 17 wurde 1862 erbaut, seitdem führt die Familie Polders in der vierten Generation dort eine Goldschmiedewerkstatt religiöser Prägung.

Wasserturm, Kroatenstraße 125

Der von 1904 bis 1905 errichtete Wasserturm mit einer Höhe von 54 Metern besitzt einen Intze-Wasserbehälter mit 450 m³ Nutzinhalt.

Hotel zum Goldenen Apfel, Kapellenplatz 13

Unmittelbar vis-a-vis der Marienbasilika befindet sich das Jugendstil-Hotel zum Goldenen Apfel. Am Kapellenplatz befindet sich auch die von Hendrik van Arssen von 1643 bis 1645 als älteste Wallfahrtskirche der Stadt Kevelaer errichtete Kerzenkapelle. Die frühbarocke Kirche wurde am 20. November 1645 fertiggestellt, aber erst nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden am 2. Mai 1649 geweiht. Die Kerzenkapelle ist momentan wegen Renovierung geschlossen, das Innere erinnert eher an „Sodom und Gomorra“ denn an Marienwallfahrt.

Gnadenkapelle und Westturm der Marienbasilika

Auch die 1654 um den von Hendrick Busman errichteten Bildstock in Gestalt eines sechseckigen Kuppelbaus errichtete Gnadenkapelle ist augenblicklich wegen Renovierung geschlossen, hier wird das schadhafte Bodenmosaik ausgebessert. Bis zum Beginn der Pilgerzeit am 1. Mai sollen die Renovierungsarbeiten in beiden Kapellen abgeschlossen sein. Die großen Gottesdienste werden in der Marienbasilika gehalten, deren Grundstein am 15. August 1858 gelegt wurde und die in den darauffolgenden sechs Jahren nach Plänen von Vincenz Statz (* 9. April 1819 in Köln, † 21. August 1898 in Köln) – 1845 bis 1854 zweiter Domwerkmeister der Kölner Dombauhütte – erbaut und am 3. Juli 1864 geweiht wurde. Der 90 Meter hohe Westturm mit der markanten Spitzhaube wurde erst 1883/84 errichtet.

Gnadenkapelle und Marienbasilika


Marienbasilika, „Der wiederkehrende Christus“ (Apokalypse) von Bert Gerresheim über dem Hauptportal, 2002

Bildhauer Bert Gerresheim (* 8. Oktober 1935 in Düsseldorf) hat drei Portale (Papstportal an der Nordseite, im Mai 1989 eingesetzt, Portal der Nachfolge Christi an der Südseite, im November 1990 eingesetzt, und Portal der Versöhnung am Zugang zur Sakristei, im November 1997 eingesetzt) sowie die so genannte Kevelaerer Apokalypse über dem Hauptportal der Marienbasilika gestaltet. Diese stellt das Ende von Zeit und Welt in moderner From dar, einzelne Figuren sind als Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts identifizierbar, u. a. Mutter Theresa und Edith Stein, Michelangelo und Joachim Kardinal Meisner, aber auch Adolf Hitler, Joseph Stalin oder Benito Mussolini. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 hat Bert Gerresheim auch Osama bin Laden hinzugefügt. Tipp: Erst mit einem Fernglas lassen sich die Details der Apokalypse erkennen.

Marienbasilika, „Papstportal“ von Bert Gerresheim, 1989

Ab 1891 malten Friedrich Stummel (* 20. März 1850 in Münster, † 16. September 1919 in Kevelaer) und seine Werkstatt die Kirche in leuchtenden Altfarben aus, 1988/91 erfolgte die Restaurierung der Malereien und weitere Ausmalung nach alten Plänen in Anlehnung an die Sainte-Chapelle auf der Île de la Cité in Paris.

Marienbasilika, Langhaus


Marienbasilika, Orgel

Die Orgel in der Marienbasilika geht größtenteils auf ein Instrument zurück, das die Orgelbaufirma Ernst Seifert, Köln (heute Orgelbau Romanus Seifert & Sohn, Kevelaer) in den Jahren 1906 – 1907 erbaut hat. Sie ist die größte deutsch-romantische Orgel der Welt.

Marienbasilika, Orgel, Detail


Marienbasilika, Fenster im Seitenschiff


Marienbasilika, Rosette im nördlichen Querschiff, Rekonstruktion nach Vorlage von Friedrich Stummel, Fa. Wilhelm Derix, 1975


Marienbasilika, Fenster im südlichen Querschiff, Rekonstruktion nach Vorlage von Friedrich Stummel, Fa. Wilhelm Derix, 1974


Marienbasilika, Langhaus, Ausmalung in Anlehnung an die Sainte-Chapelle


Marienbasilika, Vierung


Marienbasilika


Marienbasilika, Kreuzweg

Aus dem 1647 gegenüber der Gnadenkapelle errichteten Kloster wurde das heutige Priesterhaus, das neben seiner Funktion als Pfarrhaus für die Kirchengemeinde St. Marien auch als Tagungs- und Exerzitienstätte genutzt wird.

Priesterhaus, Kapellenplatz 35


Mosaik („Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben“)


Forum Pax Christi

Das Forum Pax Christi – nach der katholischen Pax-Christi-Bewegung benannt – wurde 1981 nach Plänen des Architekten Harald Deilmann (* 30. August 1920 in Gladbeck, † 1. Januar 2008 in Münster (Westfalen)) errichtet, 1999 wurde es nach dem Entwurf des Architekten Thomas Deilmann (* 1950 in Stuttgart) mit einem transparenten Glasdach vollständig überdacht, wodurch Gottesdienste und Andachten unabhängig vom Wetter im Freien gefeiert werden können. Die Madonnen-Skulptur von Washington Msonza aus Makumbe, Simbabwe wurde als Zeichen der Verbundenheit zwischen Kevelaer und Afrika anlässlich der Afrika-Wallfahrt im Forum Pax Christi aufgestellt.

Forum Pax Christi, Madonnen-Skulptur von Washington Msonza aus Makumbe, Simbabwe


Pfarrkirche St. Antonius, Gelderner Straße

Die heutige Pfarrkirche St. Antonius wurde am 17. Januar 1987 nach erfolgtem Wiederaufbau feierlich eingeweiht, nachdem die Kirche durch einen Brand am 13. Januar 1982 zum wiederholten Mal vollständig zerstört wurde. Mit dem Wiederaufbau waren die Architekten Dieter Georg Baumewerd (* 13. Juli 1932 in Braunsberg/Ostpreußen) und Paul Eling (* 1931 in Münster) beauftragt.

Pfarrkirche St. Antonius

Mit den Bronzearbeiten war der Bildhauer Bert Gerresheim befasst. Dazu gehören das Kreuz hinter dem Altar in der Hauptkirche, der Osterleuchter, der Kreuzweg mit Darstellungen von Mutter Teresa, Karl Leisner, Edith Stein, Maximilian Kolbe, Franziskus und Johannes Paul II., das „Tor der Versöhnung“ am Zugang zu den Beichtzimmern und die Figur des Apostels Jakobus vor der Kirche.

Jakobusfigur von Bert Gerresheim

Im katholischen Kevelaer gab es bis 1950 weder eine evangelische Kirche noch ein Gemeindezentrum. Im Juli 1951 wurde an der Brunnenstraße eine kleine Kapelle errichtet, 1960 beschloss das Presbyterium wegen Platzmangels in den Gottesdiensten den Bau einer neuen Kirche, diese wurde am 3. Juli 1963 als Jesus-Christus-Kirche eingeweiht.

Ev. Jesus-Christus-Kirche, Brunnenstraße 70

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