Mittwoch, 7. März 2012

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im Kunstraum Notkirche

Wanderausstellung zur Lebensgeschichte Anne Franks soll Besinnung auf die Gefahren von Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung fördern

„Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern!“

Anne Frank, 26. März 1944


„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im Kunstraum Notkirche

In der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ erzählen große Bildwände in sechs Abschnitten von den ersten Jahren des jüdischen Mädchens Anne Frank (* 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main; † Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) in Frankfurt am Main und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über die Zeit in Amsterdam – glückliche Kindheit und schwere Zeit im Versteck in einem Hinterhaus in der Prinsengracht 263 – bis zu den letzten schrecklichen sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Viele private Fotos erlauben einen ganz intimen Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Freunde.

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“

Ihre persönliche Geschichte wird verbunden mit der Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung, des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs. Wichtige geschichtliche Ereignisse werden kurz erläutert und durch Filme und Aussagen von Zeitzeugen ergänzt. Neben der Perspektive der Verfolgten und ihrer Helfer wird die Perspektive von Mitläufern und Tätern dargestellt.

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“

Der „Gedankenraum“ – eine räumliche Impression des Hinterhauses in der Prinsengracht – widmet sich der langen Zeit der Familie Frank im Versteck in Amsterdam (6. Juli 1942 bis 4. August 1944). In dieser Zeit vertraute Anne ihre Gedanken ihrem rot-weiß karierten Tagebuch an, das sie zum 13. Geburtstag bekommen hat. Dabei äußerte sie sich auch zu abstrakteren Themen wie Glauben, Liebe und Sexualität. Audiozitate würdigen Anne Frank als Tagebuchschreiberin und Chronistin ihrer Zeit. Sie ermöglichen ein Nachdenken über die Parallelen und Unterschiede zwischen gestern und heute.

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“, der „Gedankenraum“ mit Audiozitaten von Anne Frank

Das Tagebuch von Anne Frank ist Symbol für den Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten und intimes Dokument der Lebens- und Gedankenwelt einer jungen Schriftstellerin. Es ist das meistgelesene Buch über die Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ zeigt auch die Geschichte des Tagebuchs seit dessen Veröffentlichung im Jahr 1947 unter dem Titel „Het Achterhuis: Dagboekbrieven van 12 Juni 1942 – 1 Augustus 1944“.

Annes rot-weiß kariertes Tagebuch (Faksimile)
Das Original wird im Anne Frank Haus in Amsterdam ausgestellt.


Daneben bietet die Ausstellung Jugendlichen ein Forum, sich mit Fragen auseinander­zu­setzen, die sie an ihr eigenes Leben stellen. Es sind Fragen des Erwachsenwerdens, auf die schon Anne Frank Antworten suchte, nach dem eigenen Ort im sozialen und politischen Leben. Die neue Anne Frank-Ausstellung wendet sich dazu direkt an Jugendliche heute mit Fragen zu Identität, Gruppenzugehörigkeit und Diskriminierung: Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließen wir aus? Kurze Filme mit Jugendlichen von heute regen zur Diskussion zu diesen Themen an. Ausgrenzung ist das übergeordnete Thema und die Verbindung zwischen dem historischen Teil der Ausstellung und den Fragen der Gegenwart. Die fortschreitende Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft leistet Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung in zunehmendem Maße Vorschub. Ausgehend von der Frage Was kann ich bewirken? ermutigt die Ausstellung zum Einsatz für eine menschliche Gesellschaft heute.

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“

Die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ wurde im Rahmen des Ausstellungs- und Botschafterprojekts „Anne Frank und wir“ vom Anne Frank Haus in Amsterdam und Anne Frank Zentrum in Berlin in Kooperation mit der Grafikagentur Tinker Imagineers in Utrecht entwickelt und im Bundesprogramm für Toleranz und Demokratie „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler sowie an Erwachsene. Auf Initiative der Realschule Essen-West ist der Kunstraum Notkirche in der ehemaligen „Apostelnotkirche“, Mülheimer Straße 70 in Essen vom 8. März bis 4. April 2012 die erste Station der deutschlandweit zu sehenden Wanderausstellung – nach der Erstpräsentation im Deutschen Bundestag/Paul-Löbe-Haus vom 19. Januar bis 16. Februar 2012. Kooperationspartner sind die Evangelische Kirchengemeinde Frohnhausen und das Schulreferat des Kirchenkreises Essen. Bereits früher widmeten sich Ausstellungen im Kunstraum Notkirche dem Holocaust, u. a. „Porträts aus dem Judentum“ von Ralph Prins (* 3 Mai 1926 in Amsterdam, Niederlande).

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“

Im Mittelpunkt des Projekts im Kunstraum Notkirche stehen 30 Schülerinnen und Schüler der Realschule Essen-West, die als Ausstellungs­be­gleiterinnen und -begleiter Gleichaltrigen die Thematik der Ausstellung auf Augenhöhe vermitteln und Gespräche darüber anregen. Die Jugendlichen engagieren sich ehrenamtlich für dieses Projekt und wurden in einem zweitägigen Trainingsseminar durch das Berliner Anne Frank Zentrum auf diese Aufgabe vorbereitet.

SchülerInnen der Realschule Essen-West engagieren sich ehrenamtlich als AusstellungsbegleiterInnen

In der Zeit vom 8. März bis 4. April 2012 wird die Ausstellung dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr geöffnet sein. Insbesondere die Öffnungszeit am Sonntag nach dem Gottesdienst wolle man ein wenig flexibel gestalten, um auch auswärtigen Gästen den Besuch der Ausstellung zu ermöglichen, betonte Pfarrer Werner Sonnenberg. Besuchergruppen können sich im Café Forum der Apostelkirche unter der Rufnummer (0201) 8745204 anmelden (Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr).

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