Montag, 26. März 2012

500 Jahre GERHARD MERCATOR und der blaue Planet

Die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Künstlerischer Globus im Innenhafen

Am 5. März 2012 wäre Gerhard Mercator (* 5. März 1512 in Rupelmonde, Grafschaft Flandern, † 2. Dezember 1594 in Duisburg), der 1552 mit seiner Familie nach Duisburg übersiedelte und hier 42 Jahre verbrachte, 500 Jahre alt geworden, aus diesem Anlass begeht Duisburg das Mercator-Jahr. Jeder kennt Gerhard Mercators Werk, womöglich nur nicht namentlich, das Global Positioning System (GPS) basiert auf seinen Ideen zur Navigation, und See- und Landkarten benutzen auch heute noch die von ihm erdachte Karten-Projektion, nach seinem Erfinder Mercator-Projektion genannt. Rechtzeitig zu diesem Jahrestag erstrahlt auch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg mit einem großen Nachlass an Globen und Originalkarten im neuen Glanz. Und dies ist durchaus wörtlich gemeint, denn dank moderner LED-Technik können die Exponate bei der Neupräsentation der Duisburger Sammlung nun sehr viel heller und trotzdem „materialverträglicher“ beleuchtet werden, als dies früher mit herkömmlichen Lichtquellen möglich war.

„Der blaue Planet“

Das Leitmotiv der neuen Ausstellung „500 Jahre GERHARD MERCATOR und der blaue Planet“, die sich auf die kostbaren eigenen Bestände konzentriert, ist unsere Erde aus dem All betrachtet. Eine entsprechend großformatige Aufnahme der National Aeronautics and Space Administration (NASA) versinnbildlicht die globale Perspektive des Kosmografen Gerhard Mercator und stellt seine Weltkarte „Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium“ von 1569 in einen aktuellen Kontext. In Löwen, einer belgischen Stadt in der Region Flandern, fertigte Gerhard Mercator seine ersten kartografischen Werke sowie den Erd- und den Himmelsglobus und führte die Verwendung der Kursivschrift auf Landkarten ein. Das „Herzstück“ der Ausstellung in der „Schatzkammer“ bilden ein Erd- und der komplementäre Himmelsglobus, beides Originale, die Theodor Böninger 1905 in Italien für 20.000 Goldmark erworben hat. Heute dürfte ihr Wert unermesslich sein.

Gerhard Mercator, Globus terrestris, Löwen 1541 und Globus coelestis, Löwen 1551

Bei einer Führung durch die „Schatzkammer“ erfährt man anschaulich das ein oder andere Detail über die Globusse, beispielsweise wie im 16. Jahrhundert die Karten auf den Globus kamen. Diese wurden nämlich nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, von Hand auf jedes einzelne Exemplar gemalt, sondern es wurden insgesamt 14 schwarz-weiß gedruckte Kartensegmente auf eine aus Holz gefertigte Kugel geklebt und anschließend handkoloriert, was immer noch genügend Arbeit gewesen sein dürfte.

Führung durch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Auf dem Himmelsglobus von Gerhard Mercator sind die Fixsterne durch rote Punkte dargestellt, wobei die exakte Position am Firmament für ihn oberste Priorität hatte. Die grafische Darstellung der Sternbilder hatte sich dementsprechend unterzuordnen. Bermerkenswert für die damalige Zeit ist die Tatsache, dass bei der Darstellung der Fixsterne bereits nach sechs Leuchtklassen unterschieden wurde. Das abgebildete Detail zeigt das Sternbild Widder, wofür Aries die lateinische Bezeichnung ist.

Gerhard Mercator, Globus coelestis, Löwen 1551

Daneben werden in der „Schatzkammer“ diverse Karten und Atlanten gezeigt, der Begriff Atlas für eine Sammlung von Landkarten wurde durch Gerhard Mercator im 16. Jahrhundert eingeführt. Er nannte sein kartografisches Werk Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura. Die Herausgabe des ersten Weltatlasses erlebte Gerhard Mercator selbst jedoch nicht mehr, sein Sohn Rumold veröffentlichte diesen nach seinem Tod im Jahr 1595.

Karten und Atlanten in der „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Die Kupferplatten für den Druck dieses Weltatlasses wurden an den Kartograph und Verleger Jodocus Hondius (* 14. Oktober 1563 in Wakken, Flandern, † 12. Februar 1612 in Amsterdam) in Amsterdam verkauft, der das Kartenwerk 1606 um 36 Karten erweiterte und weltweit verbreitete. Die Ausstellung zeigt daraus auch die Nordpolkarte in der bereits revidierten Fassung, die das Nordpolargebiet als eine Ansammlung von Inseln zeigt, die um einen als „Polus Arcticus“ bezeichneten Felsen gruppiert sind.

„Septentrionalium Terrarum descriptio“, Nordpolkarte, erschienen im Mercator-Hondius-Atlas, Amsterdam 1606

Anhand einer interaktiven Projektion der 1596 erschienenen Weltkarte „Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium“ – Mercators nachhaltigstes Werk – wird das Prinzip der Mercator-Projektion erläutert. Dabei wird die Erdoberfläche in der Zylinderprojektion der wachsenden Breiten winkeltreu abgebildet, so dass so genannte Loxodrome, die Meridiane im Geographischen Koordinatensystem immer unter dem gleichen Winkel schneiden, als gerade Linien auf der Karte dargestellt werden. Die Karte ist besonders für die Navigation mit dem Kompass in der Seefahrt geeignet, da auf einer Loxodrome immer entlang einer Peilung (Kompassrichtung) navigiert werden kann. (Anmerkung: Die Strecke der Loxodrome ist zwar nicht unbedingt die kürzeste Entfernung, aber dafür muss nicht ständig ein neuer Kurswinkel berechnet werden.) Gerhard Mercator hat mit der nach ihm benannten Projektion – wenn man so will – die „Navigation für Dummies“ erfunden. Man benötigt lediglich seine Karte, einen Kompass und ein Lineal – einfacher geht es wirklich nicht. Auch hier bietet eine Führung interessante Zusatzinformationen, u. a. dass es manchmal doch sinnvoll sein kann, die „Gebrauchsanleitung“ vor der Benutzung zu lesen. Von „verstaubter Geschichte“ kann da wirklich nicht die Rede sein.

Führung durch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Aber die Ausstellung vermittelt nicht nur einen Eindruck von der „großen, weiten Welt“, auch das mittelalterliche Duisburg ist auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1566 von Johannes Corputius (* 1542 in Breda, † 1611 in Groningen), einem Schüler von Gerhard Mercator, zu sehen. Dieser erste Stadtplan von Duisburg, der einzige noch existierende in Kupfer gestochene Plan von ihm, zeigt die Stadt detailgenau aus der Vogelperspektive und auch das Haus von Gerhard Mercator, wo Corputius von 1562 bis 1566 lebte.

Johannes Corputius, Stadtplan von Duisburg, Duisburg 1566

Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung, bis November 2012 finden im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg die Mercator-Matinéen statt. Die Veranstaltungreihe möchte in einer Folge von Vorträgen, Lesungen und Konzerten einige Aspekte eines spannenden Jahrhunderts beleuchten, in dem Gerhard Mercator sein bedeutendes Werk geschaffen hat, das bis heute aktuell ist. Der nächste Vortrag von Bernd Eissfeller wird sich am 22. April 2012 unter dem Thema „GPS und Galileo – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“ der Naviagtion mit Satelliten widmen.

Kommentare:

wepe hat gesagt…

Ist ein schöner Artikel geworden, Kompliment!

Und "Navigation für Dummies trifft" den Nagel ja auf den Kopf, den richtigen Weg zu finden klappt ja seit Mercator wirklich ohne höhere Mathematik.

Schade, dass der Tisch mit der Weltkarte so weiß überstrahlt ist, aber es sind ja auch böse Hell-Dunkel-Kontraste im Raum.

Am Karfreitag um 15 Uhr mache ich wieder eine Führung in der Mercator-Schatzkammer, Schwerpunkt wird dann Mercator und sein Verhältnis zu den Religionen sein. Er hatte ja Glück, dass er 1544 der Inquisition in Löwen entwischt war - wir auch, sonst gäbe es heute keine Globen und Karten mehr von ihm ...
Werner Pöhling, Museum

Detlef hat gesagt…

Bei den hohen Kontrasten hilft nur noch High Dynamic Range Imaging, und die Personen werden dann für die Dauer der Belichtungsreihe im Raum „fixiert“, wie früher beim Photograph.