Mittwoch, 29. Februar 2012

St. Gallen

Gallusstadt in der Ostschweiz

Der Wandermönch und Missionar Gallus ließ sich der Legende nach um 612 im Steinachtal nieder und baute am Ausgang der Mühleggschlucht eine Klause. 719 gründete der alemannische Priester Othmar zu seinen Ehren eine Benediktiner-Abtei und gab ihr den Namen St. Gallen. Die Stadt St. Gallen begeht in diesem Jahr ihr 1400-jähriges Jubiläum.

Stiftskirche St. Gallen

Der Stiftsbezirk mit der Fürstabtei, der Stiftsbibliothek und der Stiftskirche St. Gallen – touristischer Höhepunkt der Stadt – zählt seit 1983 zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Stiftskirche St. Gallus und Otmar wurde zwischen 1755 und 1766 als monumentaler Sakralbau des Spätbarocks errichtet. 1805 wurde das Kloster St. Gallen aufgehoben.

Stiftskirche St. Gallen, Innenansicht

Der Barocksaal der Stiftsbibliothek mit seiner Rokoko-Ausstattung wurde 1758 bis 1767 gebaut, Herzstück der Stiftsbibliothek ist die einzigartige Handschriftensammlung. Der Bücherbestand umfasst etwa 160.000 Bücher, noch heute ist die Stiftsbibliothek eine aktive Leihbibliothek.

Stiftskirche St. Gallen

Die evangelische Pfarrkirche St. Laurenzen enstand in der heutigen Form zwischen 1850 und 1854 nach Plänen von Johann Georg Müller im neugotischen Stil. 1969 bis 1973 wurde sie umfassend restauriert.

St. Laurenzen-Kirche


„Grüner Hof“, Gallusstrasse 26

Der Mauerwerk-Runderker am „Grünen Hof“ ist 1606 entstanden, als der spätere Besitzer Kaspar Schlumpf seine Stallung umbauen ließ. Heute findet man hier das Restaurant Am Gallusplatz.

Runderker am „Grünen Hof“, Gallusstrasse 26

Das „Haus zur Linde“, ein rot-weißer Riegelbau am Südrand des Gallusplatzes, ist 1576 entstanden, der Platz dürfte der älteste Platz in der Altstadt sein. Der Name des Hauses deutet auf die Sommerlinde hin, die dort schon im 18. Jahrhundert gestanden haben muss.

„Haus zur Linde“ am Gallusplatz

Zur Vergrößerung des 744 erstmals erwähnten Bruderspitals wurde 1515 bis 1518 an der Stelle des heutigen „Blauen Hauses“ am Klosterplatz gebaut. 1574 kaufte Joachim Mennhart das Anwesen und baute das Fachwerkhaus mit zwei Eckerkern, dessen Fachwerk 1609 blau angestrichen wurde. Seit 2005 ist im „Blauen Haus“ eine Chocolaterie zu finden.

„Blaues Haus“, Gallusstrasse 20


Am Broderbrunnen


„Stadtlounge“

Die öffentlichen und privaten Freiräume im „Bleicheli Quartier“, das aus einem kleinräumigen Wohn- und Gewerbequartier auf einer früheren Bleiche der St. Galler Textilindustrie entstanden ist, wirkten vor der Errichtung der Begegnungszone womöglich eher öde. Die Idee zur Gestaltung einer öffentlichen „Stadtlounge“ hatten der Architekt Carlos Martinez (* 1967 in Widnau) und die Multimedia-Künstlerin Pipilotti Rist (* 21. Juni 1962 in Grabs). 2005 wurde das „öffentliche Wohnzimmer“ mit entsprechenden Möbeln eingerichtet, in dem ein roter Bodenbelag aus durchgefärbtem Gummigranulat die unterschiedlichen Bereiche verbindet. Darüber hängen schwebende Leuchtkörper, die die „Stadtlounge“ in unterschiedliche, dezent wechselnde Lichtstimmungen versetzen.

„Stadtlounge“

Das 1904/05 für Stickereifabrikant Karl Fenkart erbaute Jugendstilgebäude „Haus Oceanic“ weist an der Fassade im ersten Obergeschoss ein kunstvolles Flachrelief des Bildhauers August Bösch (* 20. August 1857 in Ebnat, † 11. August 1911 in Zürich) auf, welches die griechischen Schicksalsgöttinen darstellt. Im „Haus Oceanic“ ist das erste „richtige“ Badezimmer der Stadt belegt.

„Haus Oceanic“, St. Leonhardstrasse 20

Die Lokremise wurde 1903 bis 1911 zur Zeit der Hochblüte der Textilindustrie nach Plänen des Schweizer Architekten Karl Moser (* 10. August 1860 in Baden, † 28. Februar 1936 in Zürich) zur Wartung von Dampflokomotiven erbaut und ist der größte noch erhalte Ringlokschuppen der Schweiz. Das Gebäude wird nach seiner Renovierung 2009/2010 von Konzert und Theater St. Gallen, dem Kunstmuseum St. Gallen, einem Programmkino sowie einem Restaurant als spartenübergreifendes Kulturzentrum genutzt.

Lokremise (Foto März 2009)

Im Haus „Zur Waage“ an der Ecke Multergasse/Neugasse befand sich einst der „Konsumverein“. 1904 baute der Architekt Wendelin Heene (* 4. März 1855 in Schönlinde, † 11. Februar 1913 in St. Gallen) anstelle der Häuser „Zur Waage“ und „Zur goldenen Garbe“ ein neues Geschäftshaus.

„Haus zur Waage“, Ecke Neugasse/Multergasse


„Haus zur Kugel“ (1690), Kugelgasse 8

Über 100 Erker zieren die Häuserfassaden in der Fußgängerzone und erzählen von den erfolgreichen Textilkaufleuten. Die meisten der kunstvoll geschnitzten Erker (so genannte Prachtserker) befinden sich in der Spisergasse, der Marktgasse, der Kugelgasse und in der Schmiedgasse. Die Häuser „zur Kugel“ und „zum Schwanen“ besitzen besonders reich geschnitzte Erker aus dem 17. Jahrhundert.

„Haus zum Schwanen“, Kugelgasse 10


„Haus zum Bären“, Spisergasse 13

1673 wurde am so genannten „Haus zum Kamel“ in der Oberen Marktgasse ein einstöckiger holzgeschnitzer Erker angebracht, 1720 ein weiterer im gleichen Stil ein Stockwerk höher. Zwischen den beiden Erkern wurde ein hölzernes Kamelrelief angebracht. 1919 wurde das „Haus zum Kamel“ abgebrochen und der Erker im städtischen Magazin verwahrt. 1984 wurde der Doppelerker am „Haus zur Melone“ angebracht, das Kamelrelief kann man sich im Historischen Museum anschauen.

„Kamel-Erker“ am „Haus zur Melone“, Spisergasse 22


Schiedmauer


Schiedmauer

Zwischen Abtei und Stadt wurde eine Schiedmauer gebaut, die 1566/67 unter Abt Ulrich Rösch (* 14. Februar 1426 in Wangen im Allgäu, † 13. März 1491 in Wil) die völlige Trennung des Klosters vom reformierten Teil der Stadt besiegelte. Das Kloster bekam 1570 ein eigenes Stadttor in der Südmauer, das „Abtstor“. Später bekam das Tor den Namen Karlstor, der auf den Besuch des Kardinals und Erzbischofs von Mailand, Karl Borromäus (* 2. Oktober 1538 bei Arona, † 3. November 1584 in Mailand) zurückgeführt wird, dieser soll als erster das Tor passiert haben. 1828 wurde die Schiedmauer zwischen Kloster und Stadt abgebrochen. Das Karlstor ist als einziges Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten geblieben.

Karlstor

Die 1998 nach Plänen von Santiago Calatrava (* 28. Juli 1951 in Benimàmet, Valencia) errichtete Notrufzentrale setzt mit ihrem beweglichen Dach einen einmaligen Akzent. In dem unterirdischen Gebäude werden rund um die Uhr sämtliche Notrufe aus dem ganzen Kanton entgegengenommen und die entsprechenden Einsätze koordiniert.

Kantonale Notrufzentrale in der Moosbruggstrasse

Das 1584/1585 durch Stadtbaumeister Wolfgang Fögeli als Kauf-, Gred- und Waaghaus erbaute Gebäude am Bohl diente den Kaufleuten bis ins 19. Jahrhundert als Lagerhaus und zum Wägen der Güter. Mit der Eröffnung der Bahnlinie St. Gallen – Winterthur (1856) und durch den Bau eines neuen Zoll- und Niederlagshauses 1863 – 1865 beim Bahnhof verlor das Gebäude seine ursprüngliche Bestimmung als Lagerhaus mit amtlicher Waage. Seit der Restaurierung 1963 befindet sich im Obergeschoss der Sitzungssaal des Grossen Gemeinderates.

Waaghaus beim Brühltor, Westfassade


Tonhalle

Das nach Plänen des Zürcher Architekten Claude Paillard (* 7. Mai 1923 in Zürich, † 8. Juli 2004 in Zürich) errichtete Theater im Museumsviertel wurde am 15. März 1968 mit der Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven eröffnet. Seit dem Mittelalter wird in St. Gallen Theater gespielt, seit Anfang des 19. Jahrhunderts als erstes schweizerisches Berufstheater mit Dreispartenangebot. Das ehemalige Stadttheater St. Gallen und das Sinfonieorchester St. Gallen firmieren seit 2000 unter Konzert und Theater St. Gallen.

Theater

Das Kunstmuseum St. Gallen zählt mit seiner Gemälde- und Skulpturensammlung zu den bedeutenden Kunstmuseen der Ostschweiz. Es teilt sich mit dem Naturmuseum St. Gallen das am 8. Oktober 1877 eröffnete, im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude.

Kunstmuseum

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