Mittwoch, 15. Februar 2012

Benediktinerabtei Paulinzella

Die wohl schönste Klosterruine Deutschlands

Klosterruine Paulinzella

In der Gemeinde Paulinzella im Rottenbachtal (Landkreis Saalfelden-Rudolstadt, Thüringen) findet man abgelegen im Norden des Thüringer Waldes – 22 km westlich von Rudolstadt – eines der bedeutensten romanischen Bauwerke in Deutschland, die Ruine der Klosterkirche des ehemaligen Benediktinerklosters Paulinzella. Es wurde 1102/05 von der sächsischen Adeligen Paulina als Kloster Marienzelle gegründet, ihr schwebte ein Kloster für Frauen und Männer vor. So reiste sie 1107 nach Hirsau, um den männlichen Gründungskonvent aus dem damals bedeutensten deutschen Reformkloster Hirsau im Schwarzwald persönlich nach Thüringen zu geleiten. Doch auf dem Rückweg verstarb sie. 1122 konnten die Mönche ihre sterblichen Überreste in den gerade fertiggestellten Chor der Klosterkirche umbetten, die nach dem Vorbild der Klosterkirche in Hirsau 1124 fertiggestellt und geweiht wurde.

Portal der ehemaligen Klosterkirche

Mit der Auflösung des Klosters verfiel die Klosteranlage allmählich, die Rettung vor dem völligen Untergang ist der „Entdeckung“ der Ruine durch Weimarer Geistesgrößen und der Bewegung der Romantik zu verdanken. Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main, † 22. März 1832 in Weimar) interessierte sich sehr für die Geschichte des Klosters und verbrachte hier seinen 68. Geburtstag. 1994 ging das Klostergelände mit der Ruine in den Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten über.

Langhaus der ehemaligen Klosterkirche

Durch das monumentale Säulenportal gelangt man in das Langhaus der Kirche, in dem je sechs Säulen als Symbole der Apostel zur Vierung mit den hoch aufragenden Resten des Querhauses führen. Da der Chor abgerissen wurde, blickt man durch das Langhaus auf einen baumbestandenen Berghang im Hintergrund. Die Kirchenruine ist ständig begehbar.

Langhaus der ehemaligen Klosterkirche

Von den mittelalterlichen Klostergebäuden ist nur das romanische Erdgeschoss des Zinsbodens erhalten geblieben, der im Spätmittelalter im 16. Jahrhundert seinen Fachwerkaufsatz und das Satteldach erhalten hat. Der Name rührt aus seiner Verwendung als Speicher für Abgaben her. Das Gebäude ist für Besucher nicht zugänglich.

Zinsboden

Im 16. Jahrhundert entstand auf klösterlichen Grundmauern im Anschluss an den erhaltenen Kirchturm das Amtshaus, das der Verwaltung der einstigen Klostergüter diente. Auf den erhaltenen Steinbau wurden zwei Fachwerkgeschosse gesetzt, und so entstand einer der schönsten Fachwerkbauten Thüringens. Heute befindet sich das Thüringer Forstamt Paulinzella in dem Gebäude, im Obergeschoss des Forstamtes wird unter dem Titel „Vom Steinbeil bis zur Motorsäge“ eine Ausstellung zu Motorsägen und weiteren forstwirtschaftlichen Handarbeitsgeräten gezeigt.

Amtshaus

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