Montag, 20. Februar 2012

Altenberger Dom

Ehemailige Zisterzienserabtei im Tal der Dhünn

Klostermauer

Graf Adolf II. von Berg übergab 1133 die Liegenschaften rund um die aufgegebene Stammburg Berge den Zisterziensern, die im wasserreichen Tal der Dhünn ab dem 25. August 1133 die nach der Burg „Berg“ benannte Abtei Altenberg mit einer ersten romanischen Klosterkirche errichteten. Am 3. März 1259 legte Graf Adolf IV. von Berg den Grundstein des gotischen Kirchenneubaus, 1287 wurde der Chor geweiht, 1379 folgte die Weihe des gesamten „Bergischen Doms“.

Altenberger Dom

Die aufgrund ihrer Dimensionen mit dem Zusatz „Dom“ versehene Klosterkirche entging nach der Auflösung und Enteignung des Klosters im Rahmen der Säkularisation im Jahr 1803 nur knapp der vollständigen Zerstörung. Denn in der chemischen Fabrik, die die Chemiker Johann Gottfried Wöllner und Friedrich Mannes nach der Vertreibung der Mönche in den Klostergebäuden eingerichtet hatten, brach im November 1815 ein verherender Brand aus, der nicht nur die mittelalterlichen Konventbauten rund um den Kreuzgang, sondern auch das Dach der Kirche vernichtete.

Altenberger Dom

In den folgenden Jahren kam es zum Einsturz des halben Chores, der völlige Abriss konnte 1834 durch Übertragung an den preußischen Staat vereitelt werden. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (* 3. August 1770 in Potsdam, † 7. Juni 1840 in Berlin) unterstützte die Restaurierung der Abteikirche maßgeblich, nachdem er das Grab einer Urahnin aus dem Haus Brandenburg in der Ruine gesehen hatte, die in das Bergische Grafenhaus eingeheiratet hatte. Auf seinen Befehl wurde auch das bis heute bestehende Simultaneum eingeführt, wonach die Kirche von beiden Konfessionen genutzt wird, aber zu unterschiedlichen Zeiten.

Altenberger Dom

Am 20. Juli 1894 gründete schließlich Maria Zanders (* 9. März 1839 in Hückeswagen, † 6. Dezember 1904 in Bergisch Gladbach), tatkräftige Gattin des Papierindustriellen Carl Richard Zanders (* 16. Juli 1826 in Bergisch Gladbach, † 23. August 1870 in Bergisch Gladbach), den Altenberger Dom-Verein, der sich bis heute für Erhalt und Erforschung der Abteikirche einsetzt. Anstelle der einstigen Klausur entstand 1922 unter Prälat Carl Mosterts (* 28. Oktober 1874 in Goch, † 25. August 1926 in Lausanne) die Begegnungsstätte Haus Altenberg, die unter seinem Nachfolger Prälat Ludwig Wolker (* 8. April 1887 in München, † 17. Juli 1955 in Cervia/Ravenna) 1926 zum Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland wurde. Sie besteht noch heute als Jugendbildungsstätte Haus Altenberg e. V. des Erzbistums Köln.

Altenberger Dom, Detail der Westfassade

Wer heute vor der 1259 begonnenen Abteikirche steht, mag erstaunt sein, dass im abgelegenen Tal der Dhünn ein direkter Ableger der französichen Kathedralgotik entstanden ist. Vorbild waren aber nicht nur die Abteikirchen des Ordens in Frankreich, sondern auch der im Jahr 1248 begonnene Bau des Kölner Doms. Nach dem Schlichtheitsgebot der Zisterzienser wurde beim Altenberger Dom alles auf das Westentliche reduziert. Zisterzienserkirchen durften daher keine Kirchtürme, sondern nur Dachreiter haben.

Bernhard von Clairvaux

Einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens ist Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153). Zu seinen Lebzeiten gab es bereits mehr als 300 Klöster der Zisterzienser in ganz Europa. In Altenberg lebten in der Blütezeit des Ordens über 100 Mönche. Die Figur steht vor dem Lettnergitter aus dem Jahr 1644, das zur Abtrennung des Mönchschores diente.

Langhaus


Madonna im Strahlenkranz

Die über dem Eingang des Hohen Chores hängende Madonna im Strahlenkranz stammt aus der Zeit um 1530, sie ist doppelseitig geschnitzt und zeigt auf beiden Seiten Maria mit dem Jesuskind, das die Weltkugel trägt.

Madonna im Strahlenkranz

Die Klosterkirche diente bis 1524 als Grablege der Grafen und Herzöge von Berg, im Herzogenchor befinden sich u. a. die sterblichen Überreste des Klostergründers Graf Adolf II. von Berg und seines Bruders, Graf Everhard von Berg.

Herzogenchor

Die Orgel im Altenberger Dom wurde 1980 von der Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais Orgelbau erbaut und im Jahr 2005 erweitert und renoviert. Mit 88 Registern und über 6.000 Pfeifen ist sie eine der größten und klanggewaltigsten Orgeln in Deutschland.

Orgel

Das bronzene Adlerpult im Hohen Chor stammt im Original aus dem Jahr 1449, im Altenberger Dom befindet sich aber nur eine Kopie. Das Original befindet sich in der katholischen Kirche St. Maximilian in Düsseldorf.

Adlerpult

Das Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert war nach der Verwüstung der Kirche in private Hände gelangt und hat nun im Berliner Kunstgewerbemuseum einen dauerhaften Platz gefunden. Im Altenberger Dom steht eine Kopie.

Chorgestühl, Detail


Langhaus

Der Altaraufsatz mit der Darstellung der Krönung Marias im Himmel ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts um 1480 entstanden, er stammt nicht aus der ursprünglichen Ausstattung des Altenberger Doms.

Altaraufsatz mit Marienkrönung in der Marienkapelle


Westfenster

Mit seinen Maßen von 8 × 18 m ist das Westfenster eines der größten erhaltenen Kirchenfenster des Mittelalters. Es wurde um 1394 – 97 von Herzog Wilhelm von Berg und seiner Frau Anna von der Pfalz-Bayern gestiftet. Nach der Erhebung in den Herzogsstand 1380 sollte die Gabe womöglich ein repräsentatives Monument der Würde der Dynastie sein. Es symbolisiert das Himmlische Jerusalem, eine endzeitliche Vision. Der Entwurf für das Westfenster könnte vom „Meister des Berswordt-Retabels“ stammen. Zum Schutz für die wertvollen Glasmalereien wurde 1996 eine Außenschutzverglasung anstelle der Originale eingebaut, und anschließend das Originalfenster mit einigen Zentimeter Abstand innenseitig vor die Schutzverglasung montiert.

Westfenster, Detail

Der Unterkörper des Erzengels Gabriel wurde im 19. Jahrhundert zur Hl. Elisabeth mit dem Stifterbild Anna von der Pfalz-Bayern ergänzt. Die Hl. Drei Könige aus dem Kontext der Anbetung gingen verloren, nach der Blickrichtung der hl. Familie müssen sich diese links befunden haben.

Westfenster, Elisabeth mit Stifterin (links) und hl. Familie (rechts)


Westfenster, Johannes der Evangelist (links) und Benedikt (rechts)

Die westlichen Seitenschiffsfenster sowie die beiden kleineren seitlichen Westfenster wurden seit 1894 auf Initiative des Altenberger Dom-Vereins von der Frankfurter Glasmalereifirma Alexander Linnemann im Rahmen einer umfassenden Restaurierung der Fenster des Altenberger Doms angefertigt.

seitliches Westfenster


Markuskapelle

Die Markuskapelle am Küchenhof ist das älteste Bauwerk im Klosterbezirk. Sie entstand 1225/30 in den Formen rheinischer Spätromanik und diente zunächst als Grablege der Stifterfamilie.

Fenster in der Markuskapelle

Die früheren Wirtschaftsgebäude des Klosters Altenberg und der ursprüngliche Vier-Seiten-Hof unmittelbar gegenüber des Altenberger Doms erhielten Mitte des 18. Jahrhunderts unter Abt Johannes Hoerdt ihre heutige Gestalt. Der Hof wird heute gastronomisch genutzt.

Küchenhof

Der „Bergische Dom“ und die Markuskapelle im Ortsteil Altenberg der Gemeide Odenthal im Bergischen Land sind täglich geöffnet. Es steht nur eine begrenzte Anzahl von Parkplätzen zur Verfügung, die an Sonn- und Feiertagen sowie bei Veranstaltungen schnell belegt sein können.

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