Sonntag, 29. Januar 2012

Weimar

Auf den Spuren von Goethe und Schiller

Aufgrund seines kulturellen Erbes zählt Weimar zu den am häufigsten besuchten Städten in Thüringen. Neben Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main, † 22. März 1832 in Weimar) und Johann Christoph Friedrich von Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar, † 9. Mai 1805 in Weimar) haben aber auch Lucas Cranach der Ältere (* um 1475 in Kronach, † 16. Oktober 1553 in Weimar), Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 in Eisenach, † 28. Juli 1750 in Leipzig) als Hoforganist, Johann Gottfried von Herder (* 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen, † 18. Dezember 1803 in Weimar) als Superintendent des Weimarer Landes , Franz Liszt (* 22. Oktober 1811 in Raiding/Doborján, † 31. Juli 1886 in Bayreuth) und Richard Georg Strauss (* 11. Juni 1864 in München, † 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen) als Kapellmeister und das von Walter Gropius (* 18. Mai 1883 in Berlin, † 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts) als Kunstschule in Weimar gegründete Bauhaus zum Ruf der Stadt als Zentrum der deutschen und europäischen Kultur beigetragen. Weimars kulturgeschichtliche Bedeutung wurde auch durch die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe (Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau, Aufnahme im Dezember 1996 und Klassisches Weimar, Aufnahme am 2. Dezember 1998) hervorgehoben.

Goethe- und Schiller-Denkmal

Das Goethe- und Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater wurde am 4. September 1857 feierlich enthüllt. Der Entwurf stammt vom Bildhauer Ernst Rietschel (* 15. Dezember 1804 in Pulsnitz, † 21. Februar 1861 in Dresden), es wurde in München vom bayerischer Erzgießer Ferdinand von Miller (* 18. Oktober 1813 in Fürstenfeldbruck, † 11. Februar 1887 in München) gegossen. Das Denkmal symbolisert die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, und obwohl Schiller körperlich erheblich größer war als Goethe, hat Ernst Rietschel sie gleich groß dargestellt.

Deutsches Nationaltheater

Das Große Haus am Theaterplatz wird von der Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar GmbH bespielt. Das heutige Theatergebäude entstand als erstes deutsches Theater nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde 1948 mit „Faust I“ eröffnet. 2002 konnte mit großer Unterstützung der Weimarer Bevölkerung die Auflösung des Deutschen Nationaltheaters verhindert und die Eigenständigkeit als Drei-Sparten-Theater bewahrt werden. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung des Hauses stellt der zum 1. Januar 2008 erlangte Status eines Staatstheaters dar.

Stadtschloss

Das Stadtschloss war die Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach, die heutige Gestalt hat sich in über fünfhundertjähriger Bauzeit entwickelt. Bei dem letzten Brand am 6. Mai 1774 brannte der Dreiflügelbau mit Ausnahme von Turm und Torbau bis auf die Umfassungsmauern ab. Johann Wolfgang von Goethe war am Wiederaufbau maßgeblich beteiligt. Seit 1923 wird fast das gesamte Schloss als Museum genutzt.

Hauptgebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte, sie wurde 1691 von Herzog Wilhelm Ernst in Weimar gegründet, erhielt den Namen von Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel, † 10. April 1807 in Weimar), Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, aber erst zum dreihundertjährigen Jubiläum im Jahr 1991. Das Hauptgebäude mit dem berühmten Rokokosaal wurde am Abend des 2. September 2004 durch einen Brand schwer beschädigt, nach der Wiederherstellung wurde die Bibliothek am 24. Oktober 2007 wiedereröffnet. Die Besucherzahl ist aus konservatorischen Gründen limitiert, und für Einzelbesucher stehen nur etwa 100 Eintrittskarten im Tagesverkauf zur Verfügung. Es empfiehlt sich daher, die Karten bei der Besucherinformation der Klassik Stiftung Weimar vorzubestellen.

Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit dem mittelalterlichen Turm der früheren Stadtbefestigung


Haus der Charlotte von Stein

Charlotte von Stein (* 25. Dezember 1742 in Eisenach, † 6. Januar 1827 in Weimar) war eine Hofdame der Herzogin Anna Amalia. Sie verehrte Johann Wolfgang von Goethe und lernte diesen im November 1775 persönlich kennen. Es entwickelte sich eine innige Liebesbeziehung zwischen beiden, die mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom im September 1786 endete. Sie wohnte von 1777 bis 1827 in dem Haus Ackerwand 27. 1918 begann Marlene Dietrich an der Musikhochschule Weimar eine Ausbildung zur Konzertgeigerin und teilte sich mit fünf anderen Mädchen ein Pensionszimmer im Haus Ackerwand 27.

Goethes Wohnhaus

Johann Wolfgang von Goethe kam 1775 auf Einladung von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (* 3. September 1757 in Weimar, † 14. Juni 1828 auf Schloss Graditz bei Torgau) nach Weimar, später wurde die Stadt zu seinem Lebensmittelpunkt. Am 1. Juni 1782 bezog er das 1709 im barocken Stil erbaute Wohnhaus am Frauenplan, das er bis zu seinem Tod beinahe 50 Jahre bewohnte. Heute findet man hier das Goethe-Nationalmuseum, das ab 28. August 2012 – Goethes 263. Geburtstag – die neue Dauerausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“ zeigen wird.

Rathaus

Das heutige dreigeschossige Rathaus im neugotischen Stil wurde im Jahr 1841 nach dem Vorbild des Hofer Rathauses an der Westseite des Marktplatzes errichtet. Der Rathausturm enthält ein Glockenspiel mit 35 Glocken aus Meißner Porzellan.

Stadthaus und Cranachhaus

Stadthaus und Cranachhaus an der Ostseite des Marktplatzes legen Zeugnis vom Baustil der Frührenaissance ab. Das grün-weiße Stadthaus wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, und nur die historische Fassade wurde beim Wiederaufbau originalgetreu wieder hergestellt. Hier ist heute die Touristinformation zu finden. In dem linken der beiden daran anschließenden, nahezu identischen Gebäude lebten im 16. Jahrhundert Lucas Cranach der Ältere und sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere (* 4. Oktober 1515 in Wittenberg, † 25. Januar 1586 im Wittenberg).

Schillers Wohnhaus

Friedrich von Schillers späteres Wohnhaus an der heutigen Schillerstraße 12 wurde 1777 von Baumeister Anton Georg Hauptmann (1735 – 1803) erbaut. Schiller bezog das Haus mit seiner Familie am 29. April 1802 und wohnte hier bis zu seinem Tod. Die Familie wohnte noch bis zum Tod von Charlotte von Schiller am 9. Juli 1826 in dem Haus. Heute gehört das Haus mit dem angeschlossenen Schiller-Museum zum Verwaltungsbestand der Klassik Stiftung Weimar.

Wittumspalais

Jakob Friedrich von Fritsch ließ das Stadtpalais auf dem Gelände eines ehemaligen Franziskanerklosters an der „Esplanade“, der heutigen Schillerstraße errichten. Es wurde nach dem Schlossbrand vom 6. Mai 1774 von Herzogin Anna Amalia bis zu ihrem Tod am 10. April 1807 bewohnt. Da sie es als Witwensitz nutzte, wird es Wittumspalais genannt.

Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar

Das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar wurde 1904 bis 1911 nach den Entwürfen von Henry van de Velde (* 3. April 1863 in Antwerpen, † 25. Oktober 1957 in Zürich) als Ateliergebäude der 1860 durch Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (* 24. Juni 1818 in Weimar, † 5. Januar 1901 in Weimar) gegründeten Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst errichtet.

Kirms-Krackow-Haus

Das ehemalige Wohnhaus der Familie Kirms-Krackow in der Jakobstraße 10 ist eines der ältesten Bürgerhäuser der Stadt. Die Straßenansicht ist recht unscheinbar, durch den Torbogen gelangt man auf den Hof, der von hölzernen, auf Stützbalken ruhenden Laubengängen flankiert wird.

Goethes Gartenhaus

Als Johann Wolfgang von Goethe von Frankfurt nach Weimar umsiedelte, war das Gartenhaus im Park an der Ilm sein erster Wohn- und Arbeitsort. Er ersteigerte das Haus mit dem dazugehörigen Garten im April 1776, wobei Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach die Finanzierung übernahm.

Russisch-Orthodoxe Grabkapelle

Auf dem Historischen Friedhof sind zahlreiche namhafte Persönlichkeiten (u. a. Franz Kirms, Johann Nepomuk Hummel, Charlotte von Stein) begraben. In der von Clemens Wenzeslaus Coudray errichteten Fürstengruft sind die Särge von Johann Wolfgang von Goethe und Johann Christoph Friedrich von Schiller aufgebahrt. Die daran anschließende Russisch-Orthodoxe Kapelle wurde von Ferdinand Streichhan über dem Grab von Großherzogin Maria Pawlowna errichtet, die sich als großzügige Förderin von Kunst und Wissenschaft bleibende Verdienste erworben hatte.

Zwiebelmarkt

Jährlich wird am zweiten Oktoberwochenende der traditionelle Weimarer Zwiebelmarkt veranstaltet, der erstmals am 4. Oktober 1653 erwähnt wurde.

Buchenwald-Denkmal von Fritz Cremer

Von 1937 bis 1945 bestand auf dem Ettersberg bei Weimar das Konzentrationslager Buchenwald. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war es das größte KZ im Deutschen Reich. Mehr als 55.000 Häftlinge ließen hier ihr Leben. Zahlreiche Gebäude sind erhalten geblieben, sie bilden zusammen mit den Friedhöfen und Denkmälern die Gedenkstätte Buchenwald, die umfassenste Gedenkstätte am Ort eines ehemaligen Konzentrationslagers in Deutschland. 1958 ließ die Regierung der DDR auf der Südseite des Ettersberges eine monumentale Denkmalanlage errichten, zu der auch der „Glockenturm“ und die von Fritz Cremer (* 22. Oktober 1906 in Arnsberg, † 1. September 1993 in Berlin) geschaffene Buchenwald-Plastik gehört.

Tor zum Lager im KZ Buchenwald

Das schmiedeeiserne Lagertor im Torgebäude trägt die zynische Inschrift „Jedem das Seine“. Es bildet die Grenze zwischen dem ehemaligen SS-Bereich und dem großen Häftlingslager. In dem Arrestzellenbau folterten und ermordeten die SS-Aufseher im Auftrag der Gestapo und des Lagerkommandanten Häftlinge.

Gedenkstätte Buchenwald

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