Dienstag, 27. Dezember 2011

ESSEN.KRIPPENLAND.

Krippenausstellung in Essen-Frohnhausen

„In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lukas 2,1 – 7)

Weihnachtskrippe in der St. Elisabeth-Kirche, Holzschnitzerei von Hans Holtermann

Die Anfänge der Weihnachtskrippe in der St. Elisabeth-Kirche in Essen-Frohnhausen reichen in das Jahr 1950 zurück. In diesem Jahr gab es die erste Weihnachtskrippe in der nach dem Wiederaufbau der im Krieg stark zerstörten Kirche. Der Hobbyschnitzer Hans Holtermann hat die Köpfe und Hände aus Holz geschitzt. Im Laufe der Zeit wurde die Krippe erweitert, und die Figuren bekamen Körper aus Kunststoff und Arme und Beine mit beweglichen Gelenken.

Weihnachtskrippe in der St. Elisabeth-Kirche, Holzschnitzerei von Hans Holtermann

Die von Pastor Bernhard Alshut initiierten Arbeiten wurden von der Werkstatt Dipl.-Ing. Günter Pferdmenges in Kevelaer-Winnekendonk ausgeführt. Hier wurden auch der Engel, der Kamelfüher und die Tiere hergestellt. Die Krippe steht in der „Werktagskirche“ der St. Elisabeth-Kirche. Bereits in der Adventszeit waren Szenen wie das Treffen von Maria und Elisabeth („Mariä Heimsuchung“) zu sehen, ab Heiligabend wird das Weihnachtsmotiv mit dem Jesuskind in der Krippe präsentiert.

Weihnachtskrippe in der St. Elisabeth-Kirche

Bis zum Fest der Erscheinung des Herrn kommen noch die drei Weisen aus dem Morgenland sowie die heilige Elisabeth als 4. König mit der Fürstenkrone hinzu.

Krippenrelief, Holzschnitzerei von Hans Holtermann

Pastor Bernhard Alshut ist Krippenbaumeister und hat ein Faible für Krippen. Über 600 Krippen hat er im Laufe der Jahre zusammengetragen, und auch in diesem Jahr präsentiert er in der Weihnachtszeit bis Mariä Lichtmess eine Auswahl davon in der Krippenausstellung unter dem Motto „Krippen der Heimat und Lateinamerikas“. Sein in der Krippenbauschule Insbruck erstelltes Meisterstück, ein „Bergarbeiterhaus“ mit Stall und Bergmannsfiguren darf dabei natürlich nicht fehlen.

„Bergarbeiterhaus“, Meisterstück von Bernhard Alshut

Über 100 Exponate sind in der Krippenausstellung zu sehen. Eine Krippe stammt von Julia E. Limpke, auf deren Kinderfiguren Nina & Marco der Porzellanhersteller W. Goebel aufmerksam wurde und diese in aufwendige Porzellanfiguren umgesetzt hat. Auch eine ganze Reihe von Miniaturkrippen sind in einer Glasvitrine ausgestellt.

Miniaturkrippen

Weiterhin zeigt Bernhard Alshut in diesem Jahr zum 50-jährigen Bestehen der Bischöflichen Aktion Adveniat viele Krippen aus Südamerika.

Krippe aus Bolivien

Die ersten Krippen kamen Mitte des 15. Jahrhunderts mit den Jesuiten aus Spanien und Portugal nach Südamerika. Die Töpfer und Töpferinnen orientierten sich bei der Herstellung ihren Krippen stark an den spanischen bzw. portugisischen Vorbildern. Auffallend ist die bunte, dekorative Bemalung.

Krippe aus Chile


Krippe aus Peru


„Maria lactans“, Krippe aus Peru


Krippe aus Peru

Die St. Elisabeth-Kirche (Frohnhauser Strasse 400) ist vom 25. Dezember 2011 bis 2. Februar 2012 täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit ist auch die Krippenausstellung in der Kirche zugänglich. Besondere Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind auf Anfrage möglich.

Krippe aus Peru (vorne)

Wer nun noch ein weiteren Grund braucht, die St. Elisabeth-Kirche in dieser Zeit zu besuchen, sie verfügt als einzige römisch-katholische Pfarrkirche Deutschlands über eine Ikonastase, eine Bilderwand mit Ikonen, wie sie in den Kirchen des byzantinischen Ritus zu finden ist.

Ikonastase in der St. Elisabeth-Kirche


Kirchenkrippe(n) in Essen-Frohnhausen

Obwohl Frohnhausen der einwohnerstärkste Stadtteil der Stadt Essen ist, gibt es nur noch zwei römisch-katholische Kirchen in Frohnhausen. Eine davon ist die St. Elisabeth-Kirche, deren Weihnachtskrippe bereits im Abschnitt über die Krippenausstellung beschrieben wurde. Die zweite ist die Pfarrkirche St. Antonius, denn zum 1. Oktober 2003 wurden die ehemaligen Gemeinden St. Antonius, St. Augustinus und St. Mariä Geburt zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen St. Antonius zusammengeschlossen. Die Kirche St. Augustinus ist geschlossen, die ehemalige Pfarrkirche St. Mariä Geburt an das Evangelisch-Freikirchliche Sozialwerk Essen verkauft.

Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Antonius

Die Krippenlandschaft in der Pfarrkirche St. Antonius ist vor dem Altartisch aufgebaut. Zu den holzgeschnitzten Gliederfiguren gehören auch Figuren aus der Krippe von St. Mariä Geburt. Erstmals in diesem Jahr gibt es einen Brunnen, aus dem sogar Wasser sprudelt.

Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Antonius


Kirchenkrippen in Essen-Holsterhausen

Kirche St. Mariä Empfängnis

Ebenfalls zur Pfarrei St. Antonius gehört die Kirche St. Mariä Empfängnis in Holsterhausen. Die Kirche wurde nach der beinahe vollständigen Zerstörung im Oktober 1944 nach dem Krieg teilweise verändert wieder aufgebaut, im Altarraum befindet sich statt des mittleren großen Fensters ein Triptychon aus dem Leben Marias.

Weihnachtskrippe in der Kirche St. Mariä Empfängnis

Die Krippenlandschaft ist im rechten Seitenschiff der Kirche aufgebaut.

Weihnachtskrippe in der Kirche St. Mariä Empfängnis


B. M. V.-Kirche

Neben der Gemeinde St. Mariä Empfängnis verfügt natürlich auch das Kloster der Augustiner Chorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis (der seligen Jungfrau Maria, B. M. V.) über eine Kirche, die in den Jahren 1954/55 entstand und am 6. November 1955 eingeweiht wurde. Die hell erleuchtete Krippe befindet sich auf der linken Seite neben den zum Chor führenden Stufen. Die Gliederfiguren der Weihnachtskrippe mit Wachsköpfen, -händen und -füßen wurden von der Augustiner Chorfrau Sr. M. Franziska Wüsten (1889 – 1990) geschaffen.

Weihnachtskrippe in der B. M. V.-Kirche

Um die Köpfe, Hände und Füße der Krippenfiguren anzufertigen, wurden zunächst Modelle aus Ton hergestellt. Davon werden Gipsabdrücke gemacht, die mit flüssigem Wachs ausgegossen werden. Die gewünschte Farbe wird durch eine Mischung aus verschiedenen Wachsblöcken erreicht. Da die Haare eine andere Farbe besitzen, muss hierfür eine gesonderte Wachsschicht aufgetragen werden. Anschließend werden die Feinheiten der Gesichtszüge sowie der Hände und Füße manuell herausgearbeitet.

Weihnachtskrippe in der B. M. V.-Kirche

Sr. M. Franziska Wüsten gestaltete die Krippe im barocken Stil und wählte für die Gewänder kostbare Stoffe wie Brokat, Samt und Seide. Die Marienfigur ist strahlend weiß gekleidet, auf ihrem ausgebreiteten Gewand liegt das Jesuskind. Über ihren Schultern liegt ein Mantel aus grünem Goldbrokat, die Innenseite leuchtet rot.

Weihnachtskrippe in der B. M. V.-Kirche


Kirchenkrippe(n) in Essen-Huttrop

Weihnachtskrippe in der St. Bonifatius-Kirche

Die Weihnachtskrippe in der St. Bonifatius-Kirche wurde 1933 von H. Mohr geschnitzt. Ihr liegen Pläne eines Tiroler Bergdorfes mit einer Kirche und Häusern eines Straßendorfes zugrunde.

Weihnachtskrippe in der St. Bonifatius-Kirche

1950 wurde beim Aufbau der Krippe hinter der Giebelwand eines Hauses eine Botschaft des Krippenbauers aus den 1930er Jahren gefunden, in der er das drohende Unheil aufgeschrieben hatte: „Diese Krippe wurde im Jahr 1933 entworfen und geschnitzt. Düstere Wolken stehen am Himmel; ein Mann namens Hitler will die Macht ergreifen, möge der Finder dieser Zeilen in einer glücklichen Zeit leben.“

Weihnachtskrippe in der St. Bonifatius-Kirche


Kirchenkrippen in der Essener Innenstadt

Weihnachtskrippe im Essener Dom

Die Krippe im Essener Dom ist im südlichen Seitenschiff aufgebaut. Die Gliederfiguren mit Wachsköpfen und -händen wurden ebenfalls von der Augustiner Chorfrau Sr. M. Franziska Wüsten geschaffen.

Weihnachtskrippe im Essener Dom, Detail


Weihnachtskrippe in der Anbetungskirche St. Johann Baptist


Weihnachtskrippe in der Anbetungskirche St. Johann Baptist, Detail


Weihnachtskrippe in der Gertrudiskirche

Die Krippe der Gertrudiskirche ist im Mittelgang am Taufstein aufgebaut. Die Figuren stammen aus verschiedenen aufgelösten Pfarrkirchen, die inzwischen die Gemeinde St. Gertrud bilden.

Weihnachtskrippe in der Gertrudiskirche, Detail


Kirchenkrippen in Essen-Werden

Basilika St. Ludgerus, Blick zum Hochaltar

Die Basilika St. Ludgerus ist der letzte romanische Kirchenbau im Rheinland. Sie wurde zwischen 800 und 808 als Klosterkirche der von Liudger gegründeten Abtei Werden errichtet und nach einem Brand im 13. Jahrhundert im romanischen Stil umgestaltet. Papst Johannes Paul II. erhob die Kirche am 6. Juli 1993 zur Basilika minor.

Weihnachtskrippe in der Basilika St. Ludgerus


Weihnachtskrippe in der Basilika St. Ludgerus


Luciuskirche, Blick durch das Kirchenschiff zum Chor

Die Luciuskirche gilt als älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen, sie wurde ab 995 unter Abt Werinbert gebaut und 1063 durch den Kölner Erzbischof Anno II. geweiht.

Weihnachtskrippe in der Luciuskirche

Die Weihnachtskrippe in der Luciuskirche weist einen lokalen Bezug auf, durch einen Ausschnitt in der Wand des Stalls schaut man auf ein Bild von Essen-Werden im Schnee.

Weihnachtskrippe in der Luciuskirche


Kirchenkrippe(n) in Essen-Vogelheim

Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“

Eine etwas „andere“ Weihnachtskrippe ist in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“ zu finden, einem Kloster, das von katholischen Schwestern aus Kroatien bewohnt wird. Es gehört zur Kroatischen Gemeinde St. Marien in Essen-Vogelheim.

Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“

Schwestern des in Sarajevo gegründeten Ordens „Dienerinnen vom Kinde Jesu“, der nach dem Zweiten Weltkrieg Zuflucht in Kroatien fand, kamen 1960 nach Essen und engagierten sich im noch jungen Ruhrbistum in der Seelsorge für die katholischen Landsleute. Noch heute bewahren sie die Bräuche aus Kroatien, daher stehen an der Krippe Töpfe mit Weizen.

Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“

Die aus Ton gebrannten Krippenfiguren orientieren sich nicht an den Vorbildern aus biblischen Zeiten, sondern sie haben einen aktuelleren Bezug. Sie tragen Trachten aus verschiedenen Landesteilen von Bosnien-Herzegowina und Kroatien, die Gesichter zeigen überaus menschliche Züge. Kein Wunder, die Künstlerin hat ihre Figuren nach realen Personen gestaltet.

Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“


Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“

Nach Weihnachten gab es in Kroatien zahlreiche Dorffeste, da in der Adventszeit trditionell nicht gefeiert werden durfte. Daher gehören auch fünf tanzende Personen und ein Musiker zu den Krippenfiguren.

Weihnachtskrippe in der Kapelle der „Dienerinnen vom Kinde Jesu“

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