Donnerstag, 3. November 2011

Ankündigung: „Im weißen Rößl“

Ralph Benatzkys Singspiel am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Wer kennt es nicht, das Alt-Berliner Lustspiel „Im weißen Rößl“ von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg, das Ralph Benatzky als Vorlage für sein Singspiel in drei Akten diente: Zahlkellner Leopold Brandmeyer hat sein Herz an die handfeste Wirtin Josepha Vogelhuber verloren. Doch die will dieses Jahr endlich den alljährlichen Sommergast Doktor Otto Siedler für sich zu erobern, der sich seinerseits in Ottilie, die Tochter des Berliner Trikotagefabrikanten Wilhelm Giesecke, verguckt hat. Zu allem Übel ist Siedler der Anwalt von Gieseckes Konkurrenten Sülzheimer. Dessen Sohn, von allen nur „der schöne Sigismund“ genannt, verliebt sich in das lispelnde Klärchen. Um dieses Intrigengewirr mitten in der Hochsaison zu lichten, bedarf es schon eines Auftritts von Kaiser Franz Joseph persönlich. Es geht um einiges, nicht zuletzt um die werbeträchtige Weisheit: „Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür“.

„Im weißen Rößl“, Christa Platzer (Josepha Vogelhuber)
Foto: Pedro Malinowski


Mit zum Hotel verkleideter Fassade und dem Versprechen „Tritt ein und vergiss deine Sorgen“ lockte das Große Schauspielhaus zur Uraufführung des „Weißen Rößls“ am 8. November 1930 das Berliner Publikum auf eine Sehnsuchtsreise ins fiktive Salzkammergut. Fast genau ein Jahr, nachdem die Welt durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse mit einem Schlag in eine globale Wirtschaftskrise gerissen wurde, spiegelten Ralph Benatzky und sein Autor Robert Gilbert (Liedtexte) mit ihrem Auftragswerk für den welterfahrenen Revuekönig Eric Charell die überschäumende Lebenslust der Berliner Vergnügungskultur zwischen den Weltkriegen. Aus manch melodienseligem Ohrwurm lugt so auch immer wieder ein Stück jazziger Broadway-Sound hervor. Die Nationalsozialisten diffamierten die jazzigen amerikanischen Tanzrhythmen als „entartete Negermusik“, die amerikanischen Musikeinflüsse wurden gestrichen und durch streichergetragene Walzermelodien ersetzt. An der „bereinigten Fassung“ wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg festgehalten, erst 1994 belebte die „Bar jeder Vernunft“ in Berlin den ursprünglichen Revuecharakter des Stückes neu.

Ab dem 12. November 2011 steht das Stück am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen in einer Inszenierung von Peter Hailer auf dem Spielplan, der sich für die rekonstruierte Premierenfassung entschieden hat, die am 19. Juni 2009 in der Staatsoperette Dresden nach über 60 Jahren zum ersten Mal wieder erklang und damit die erste Wiederaufführung der von Erik Charell 1930 als Revueoperette aufgeführten Urfassung des „Weißen Rößl“ ist. Christa Platzer und Thomas Weber-Schallauer werden die Rollen von Wirtin Josepha Vogelhuber und Zahlkellner Leopold Brandmeyer verkörpern, Michael Dahmen wird den Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler spielen, Uwe Schönbeck den Berliner Trikotagefabrikanten Wilhelm Giesecke, und Anke Sieloff Ottilie, seine Tochter. Bis zum 10. Juni 2012 steht das Stück auf dem Spielplan, ab der Vorstellung am 27. November 2011 werden eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn Einführungsveranstaltungen („Opernführer live“) angeboten, bei der das Werk, seine Entstehung und die Inszenierung sowie deren Ideen und Hintergründe erläutert werden.

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