Sonntag, 6. November 2011

Abschlag am Halbachhammer

„Verabschiedung“ des noch amtierenden Direktors des Ruhr Museums, Prof. Dr. Ulrich Borsdorf

Der Halbachhammer im Nachtigallental

Der am Kesselbach im Essener Stadtteil Margarethenhöhe gelegene Halbachhammer (51°25’43,05” N, 6°58’12,17” E) wurde erstmals 1417 als „Fickynhütte“ urkundlich erwähnt. Er befand sich ursprünglich in Weidenau an der Sieg. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach hat das Hammergebäude 1914 erworben und 1935/36 im Nachtigallental betriebsfertig wiederaufbauen lassen. Am 9. November 1936 wurde der Hammer der Stadt Essen feierlich übergeben und dem damaligen Ruhrlandmuseum (heute Ruhr Museum) als Freilichtanlage angegliedert. Bis zum Ausbruch des Krieges fanden an jedem ersten Sonntag im Monat Schmiedevorführungen statt.

Aufwerfhammer und gusseiserner Wellring

Am 6. November 2011 hatten das Ruhr Museum, die Margarethe Krupp-Stiftung und die Vereine Bürgerschaft Margarethenhöhe e. V. und IDEE – Initiative Denkmäler Essens erhalten e. V. zum Ende der Schmiedesaison 2011 – dem so genannten Abschlag – eingeladen, bei dem Prof. Dr. Ulrich Borsdorf, der noch amtierende Direktor des Ruhr Museums, zusammen mit Eitel Mantowski ein letztes Mal das Eisen schmiedete, solange es noch heiß war, bevor er seinen Vorschlaghammer an seinen Nachfolger Heinrich Theodor Grütter übergab.

Heinrich Theodor Grütter (Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen/Veranstaltungen), Thomas Mantowski, Achim Mikuscheit (Außenstellen Ruhr Museum), Hans Georg Kämpf und Prof. Dr. Ulrich Borsdorf (Direktor des Ruhr Museums)

Mit Prof. Dr. Ulrich Borsdorf verabschiedet sich eine besondere Ära des Halbachhammers: die Stadt Essen war ratlos, als das Kulturdenkmal 1993 wegen akuter Einsturzgefahr von Gebäude und technischem Inventar für die Öffentlichkeit geschlossen werden musste. An eine Sanierung mit städtischen Mitteln war nicht zu denken. Prof. Dr. Ulrich Borsdorf wagte entgegen allen Unkenrufen das Außergewöhnliche und initiierte zusammen mit einem illustren Förderkreis die Generalsanierung des Kulturdenkmals als ein Hauptprojekt des „Essener Konsens“.

Thomas Mantowski, Prof. Dr. Ulrich Borsdorf und Eitel Mantowski

Von 1994 bis 1998 wurde der Halbachhammer in der Verbindung von Denkmalpflege und beruflicher Bildungsarbeit restauriert und wird seitdem in einer breiten Allianz von Ehrenamtsengagement, beruflicher Bildungsarbeit, Immobilienmanagement der Stadt Essen und Handwerksfirmen in der fortlaufenden Bauerhaltung betreut. Diese Arbeit war so erfolgreich, dass die Anlage im Kulturhauptstadtjahr 2010 beim Abschlag zum ersten Mal seit den 1930er Jahren wieder im Wasserbetrieb gelaufen ist.

Heinrich Theodor Grütter, Prof. Dr. Ulrich Borsdorf und Thomas Mantowski


Eitel Mantowski und Prof. Dr. Ulrich Borsdorf:
„Welchen Hammer hätten S´ denn gern?“



Heinrich Theodor Grütter, Eitel Mantowski und Prof. Dr. Ulrich Borsdorf


Heinrich Theodor Grütter, Eitel Mantowski und Prof. Dr. Ulrich Borsdorf

Anlässlich des Abschlags setzte die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V. wieder ihren historischen Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“ auf der Strecke der Linie U17 zwischen zwischen den Haltestellen „Berliner Platz“ und „Margarethenhöhe“ ein.

Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“

Der Wagen wurde 1930 gebaut und war in Karlsruhe als Wagen 102 im Linieneinsatz. Nach Übernahme des Fahrzeugs im Jahr 1985 wird es nach seiner Aufarbeitung seit 1990 im Essen-Mülheimer Normalspurnetz als historischer Triebwagen eingesetzt.

Triebwagen 500 – „Der Karlsruher“

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