Freitag, 7. Oktober 2011

Cakrasamvara Mandala

Höhe- und Endpunkt der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle Bochum

Nach Aufbruch – Suche nach dem Wort (Judentum) und Wanderung – Suche nach dem Weg (Islam) ist die Ruhrtriennale im dritten Jahr der Intendanz von Willy Decker bei der letzten Station Ankunft – Suche nach dem Jetzt im Buddhismus angekommen. Als Höhepunkt und gleichzeitig Endpunkt des diesjährigen Festivals hat die Regierung des Himalaya-Königreichs Bhutan sechs speziell dafür ausgebildete Mönche aus der Drugpa-Kagyü-Schule des bhutanischen Buddhismus nach Bochum entsandt, um hier außerhalb eines klösterlichen Zusammenhangs in der Jahrhunderthalle ein Cakrasamvara Mandala streuen zu lassen.

Jahrhunderthalle Bochum

Das Mandala ist in der buddhistischen Tradition ein Meditations-Objekt und insbesondere das Streuen eines Sandmandalas ist eine zentrale Meditationsübung und -schulung. Diese erfordert von den Mönchen höchste Kunstfertigkeit und jahrzehntelange Ausbildung.

Mönche aus Bhutan streuen in der Jahrhunderhalle ein Mandala
Foto: Paul Leclaire


Mandalas zeigen die Sicht von oben auf einen quadratischen so genannten Mandala-Palast, der von einem Kreis umgeben ist. Das Zentrum des Mandalas ist der in ihm wohnenden Gottheit vorbehalten, in diesem Fall der Gottheit Cakrasamvara, die immer in Vereinigung mit seiner Gefährtin Vajroyogini gezeigt wird.

Mönche aus Bhutan streuen in der Jahrhunderhalle ein Mandala
Foto: Paul Leclaire


Seit Ende letzten Monats streuen die Mönche nun schon an dem Mandala, für das sie mit Mineralfarben eingefärbten Steinstaub verwenden, Sandkörner wären für die filigranen Strukturen noch zu grob. Am 8. Oktober besteht letztmalig ab 18 Uhr Gelegenheit, den Mönchen beim Streuen des Mandalas zuzusehen. Dann wird das Werk in einer Größe von 5 × 5 Metern vollendet sein. Es ist ganz erstaunlich, mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Mönche zu Werke gehen, selbst wenn ihnen hunderte von Besuchern in der Jahrhunderthalle dabei über die Schulter schauen.

Mönche aus Bhutan streuen in der Jahrhunderhalle ein Mandala
Foto: Paul Leclaire


Als Zeichen des ewigen Entstehens und Vergehens allen Seins wird jedes Sandmandala nach seiner Fertigstellung weggewischt, dabei wird es in einem Ritual mit einem Diamantzepter zerstört und zusammengekehrt. Der Staub wird eingesammelt und mit guten Gedanken und Wünschen einem Gewässer übergeben, damit sie sich in der Welt verteilen und allen Wesen zugute kommen können. Ein Teil des zusammengekehrten Staubs wird im Rahmen der Zeremonie der Zerstörung des Mandalas am kommenden Sonntag in die Wasserwelten an der Jahrhunderthalle übergeben, der übrige Teil wird der Emscher übergeben.

Mönche aus Bhutan streuen in der Jahrhunderhalle ein Mandala
Foto: Paul Leclaire



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